







Nachdem die wichtigsten kameruner religiösen Vorstellungen aufgezeigt [worden] sind, wenden wir uns den Formen zu, in denen sich das religiöse Leben dem Beobachter darstellt und die uns zeigen, wie sich der Eingeborene in seinem Leben und Handeln gegenüber der beschriebenen übersinnlichen Welt und ihren Kräften und Mächten verhält. Bei dieser Darstellung läßt es sich aber so wenig vermeiden, auf Vorstellungen zurückzukommen, so wenig wir bei [der] Darstellung der Vorstellungen auf praktische Gebräuche ganz verzichten konnten. Auf mancherlei Weise sucht der Kameruner die unsichtbare Welt in seinen Dienst zu stellen, denn es ist auch das Wesen kameruner Heidentum, Grundzüge des Heidentums, daß es den Menschen in selbstsüchtiger Weise ins Zentrum stellt, auch wo es einen überweltlichen Gott als Wirker Wirker und Richter Richter anspricht. So ist der Mensch nicht da zum Dienst übergeordneter Mächte, sondern der Wissende zwingt diese unter seinen Willen. Darum spielt auch die Magie in alle Bemühungen des Menschen herein, selbst in Sühnehandlungen und Gebet, darin wir den religiösen Pulsschlag am stärksten fühlen.
Um aber falsche Vorstellungen zu meiden, sei kurz festgestellt, daß im folgenden auseinanderzuhalten sind:
Religion, vgl. auch Synkretismus Religion im engeren Sinne; sie umschließt Auffassungen, Gefühle, Riten Riten, Gebräuche, Handlungen, die voraussetzen den Glaube Glauben an persönliche oder überpersönliche Geistwesen, denen Attribute der Gottheit zustehen und mit denen man versucht, durch Gebet Gebet und Opfer, vgl. auch Kulte und Ahnenkult Opfer in Verbindung zu treten, um ihre Hilfe zu gewinnen und ihren Zorn zu beschwichtigen;
Magie, vgl. auch Kunst Magie umfaßt Auffassungen, Gefühle, Handlungen und Brauchtum Brauchtum, die feindlichen, neutralen oder günstigen Einflüssen gelten. Diese Einflüsse können herrühren von unpersönlicher Naturkraft oder von als Hexen wirkenden Menschen oder persönlichen Geister Geistern (Ahnen- oder feindlichen Geistern, Schreckgespenst Schreckgespenstern oder Totenwesen), welche ihre nicht durch Tabu geschützten Opfer belästigen;
als wissenschaftlich sind Vorstellungen, Aussagen, Gebräuche zu bezeichnen, denen wirkliche Tatsachenbeobachtung zugrunde liegt, also manche medizinischen, therapeutischen oder chirurgischen Behandlungen, gewisse Anschauungen über Botanik, Zoologie, Himmels- und Wetterkunde u. ä.
In der Praxis lassen sich diese Elemente aber nicht reinlich auseinanderhalten: Religiöse Gebräuche sind durchsetzt von Magie; Zauber, vgl. auch Magie Zauber entbehrt nicht religiöser Momente, und die Wissenschaft Wissenschaft ist von religiösen und magischen Vorstellungen durchzogen. Der Medizinmann Medizinmann ist nicht Wissenschaftler, er ist Zauberer und betet zu Ahnen und verstorbenen Meistern, denen er seine Mittel verdankt, aber auch zu Gott, obwohl seine Kunst ganz magisch ausgerichtet ist. Danach hat sich auch der Beobachter zu richten, wenn er das Vorhandene verstandesmäßig erfassen und erklären will.
Wundt erklärt: „ Zauber, vgl. auch Magie Zauber ist eine auf völlig unbegreifliche Weise von Menschen oder Geister Geistern ausgeübte Handlung, mittels der man Heil oder Unheil ausführen oder drohendes Unheil abwehren oder irgendwelche sonst unerreichbare Wirkungen erzeugen zu können glaubt.“ Wir fügen dem nur hinzu, daß dem Zauberer und Zaubergläubigen die zauberhaften Vorgänge begreiflich sind auf dem Weg des magischen Denkens. Denn bei der Magie hält sich der Kameruner nicht an kausale Zusammenhänge, sondern an eine mystische Einheit, durch die er mit dem Universum verbunden ist und die ihm seine Handlung und deren Wirkungen ermöglicht. Geht etwas nach Wunsch, so ist diese Einheit intakt; wird die erstrebte Absicht gehindert und darum nicht verwirklicht, so ist die Verbindung und Einheit gestört; z. B. wird beim Opfer der Kopf mit einem Hieb vom Rumpf getrennt, so kann alles ungestört weitergehen; fällt aber der Kopf aus irgendeinem Grund nicht auf den ersten Hieb, so stehen unsichtbare Mächte dem Vollzug der Handlung störend entgegen, vgl. S. 224.
Im Blick auf die Zaubermittel unterscheidet der Kameruner im allgemeinen zwischen männlichen und Mann und Frau, männlich und weiblich weiblichen Mitteln.
Die weiblichen Mittel sollen beruhigend wirken, loko loko „ab kühlen (loko) und erregen (onya) kühlen, ausgleichen“; die männlichen sollen onyse „entflammen, erregen“ und damit gefährlich machen. Diese „laden auf“, ambise „machen schwierig“; mit einem solchen, nu ambi „der schwierig, unberechenbar geworden ist“, ist’s gewagt, umzugehen, ohne durch Tabu und Mittel gesichert zu sein; ein Mittel oder [eine] Person, die ihre Kräfte verloren oder sich ihrer begeben hat, a lokomedi „ist beruhigt, angekühlt, entspannt“.
Die weiblichen Mittel haben etwas Weiches an sich, z. B. solche Pflanzen, die leicht welken, leicht beweglich sind, wie ewole „die Melde Amarantus Amarantus [? Die Melde heißt eigentlich 'Atriplex', wahrscheinlich ein Irrtum von Ittmann] “, epol (Ko.) „die Balsamine“, die Blätter der e’ loage (Ko.) „Dracaene“; oder sie sind milderen Geschmacks als die „männliche“ Nebenart, wie bei den Aframomum-Gewächsen mbongolo (mild) und ndongo a munda (scharf).Bezüglich der Omen vgl. Seite 57. 13
Nach einem schweren Traum übt der Mann das poma poma, vgl. S. 136, mit dem scharfen ndong’ a munda, die Frauen mit dem milden mbongolo, um die Hexen zu verscheuchen.
Aber nicht nur bei den pflanzlichen Mitteln ist dieser Gegensatz zu beobachten, sondern auch bei geschnitzten Stöcken Vgl. Note 1 auf S. 55a.
; ein Stab, Stock Stock oben spitz mit einer Rille, ein Stück unterhalb der Spitze ist eine phallische Darstellung; Stöcke mit weiblicher Bedeutung sind oben abgerundet mit zwei Parallelrillen kurz unterhalb der Spitze. Deutlicher ist der Gegensatz herausgearbeitet, wenn eine ganze männliche oder weibliche FigurVgl. Note 1 auf S. 55a.
die Stockspitze krönt. Dabei kommen freilich auch Doppelfiguren mit Janusfigur Januskopf vor, z. B. bei der Hofmedizin ikumu dj’ eboka der Bakwiri, vgl. S. 174a, oder beim ngue- Stab, Stock Stab und den Aho[r]nfiguren der Bakosi u. a. So wird dieser Gegensatz auch oft beobachtet bei den Opfertieren: Männliches, wenn Mächte erregt werden sollen, weibliches oder kastriertes Tier, wenn Friede Friede und Ruhe gewährleistet werden sollen, z. B. beim Eheschluß; schwarze Opfertiere sollen dem Gegenüber schaden, weiße sollen die beiden Parteien verbinden, Streitsachen bereinigen. Der Gegensatz ist oft auch zu beobachten beim Stellen von Opfer- oder Medizintöpfen; solche stehen häufig am Ortsende oder bei den madale ma mbando, vgl. S. 93b, oder auf dem Ahnenkultplatz; oft stehen sie obenauf, oft sind sie halb, oft ganz vergraben: Der Topf ist umgekehrt, mit der Öffnung nach unten = männlich, vgl. dazu auch den e’bale (Ko.) e’bale-Stuhl auf S. ---; der Topf steht mit der Öffnung nach oben und ist oft mit einem Stein oder Holzstück zugedeckt, wie etwa beim ndab’ a yowo der Bakwiri, welcher Fetisch, -ismus Fetisch Fruchtbarkeit Fruchtbarkeit garantieren soll; ebenso vergleiche die Astgabel, auf der Töpfe stehen, sie sind gerade umgekehrt wie der e’bale.
Nicht bei jedem einzelnen Stück liegt diese Bestimmung ausdrücklich vor, wo aber beides nebeneinander vorhanden ist, soll die besprochene Idee versinnbildlicht werden. Beachte z. B., daß die beiden Seen auf dem Manenguba Manenguba ndjom „Mann“ und der größere muad „Weib“ heißen. Selbst im Totemglauben kommt diese Idee zum Ausdruck: Die Männer haben meist Seelentiere, die nur ein oder höchstens wenige Junge werfen; das Wildschwein aber ist fruchtbar, es wirft jeweils ein ganzes Rudel Junge, darum „besitzen“ es die Frauen. – „Rechts“ bezeichnet man überall mit „männlich“ und es ist für Vorzeichen und ähnliches die „Glücksseite“, vgl. das Stolpern auf S. 57. Wo man für „ linke Seite links“ kein besonderes Wort hat, sagt man „weiblich“ und in solchen Stämmen ist „links“ für die Frauen die Glücksseite. So tragen männliche Wesen Amulett Amulette um Hals und Schulter auf der rechten, Frauen auf der linken Seite.
Hier ist auch zu beachten, daß man für magische und kultische Handlungen auf Sonnenaufgang und -niedergang, auf zunehmenden und abnehmenden Mond, Monat Mond merkt. Darum muß z. B. bei Neulicht zu Loba gebetet werden, vgl. S. 126, 171, der Leichnam im Grab muß nach Westen schauen, damit ihn die aufgehende Sonne Sonne nicht erregt, vgl. S. 215, die Frau sät im allgemeinen nur bei zunehmenden Mond und ähnliches. Mann und Frau, männlich und weiblich
Außer dieser dem animalischen Geschlecht angepaßten Unterscheidung besteht noch die zwischen „weißer und schwarzer Magie (oder Kunst, weiße und schwarze Kunst)“; wenn die Kameruner auch nicht diesen Unterschied wörtlich machen, so verbinden sie dennoch die Idee des Hellen und Lichten mit weißer, die des Dunklen und Finstren mit schwarzer Kunst; treibt man diese hauptsächlich in der Nacht Nacht, so jene offen und am Tag.
{130} Für den Kameruner unterscheiden sich beiderlei Künste nicht wesenhaft Ich weiß wohl, daß man in Europa vielfach unterscheidet zwischen magia naturalis, weißer Kunst, welche mittels Naturkräften meist nützlichen Zwecken dienen will, und magia praeternaturalis, schwarzer Kunst, welche hauptsächlich außernatürliche Kräfte, besonders die Geister auszunützen sucht und meist zu verderblichen Zwecken angewandt wird. Allein mit dieser Definition trifft man den von den Kamerunern gefühlten Gegensatz nicht; darum suchen wir so zu erklären, wie der Kameruner den Gegensatz versteht.
, sondern meist nur durch Absicht und Wirkung auf das Objekt, wobei gewisse Handlungen natürlich nur „schwarz“ oder nur „weiß“ sein können. Aber den Handlungen liegt in vielen Fällen eine Macht gleicher Natur zugrunde; erst ihre Anwendung bringt das gegensätzliche Resultat hervor: Der eine wirkt im Interesse der Gemeinschaft, der andere dagegen. So können auch die gleichen Menschen beides sein: Weiß oder schwarz, je nachdem [, wie] sie sich in ihrer Absicht zum Gegenüber verhalten.
Weiße Kunst und ihre Mittel sind bwanga bwanga 13, my- „magisches Mittel, Medizin, Machtmittel Medizin“, ihre Träger sind ngang, Kp. nganga ngang oder nganga „Mittelkundiger, Wissender“ oder mot’ a bwanga „Medizinmann“; vgl. auch S. 54. Ihre Aufgabe ist, böse Einflüsse zu bekämpfen und ihre Macht zum Wohl der eigenen Gruppe zu üben. Darum sind sie auch die Bekämpfer der Hexen und ihre größten Feinde.
Schwarze Kunst ist lemba, ma- lemba 5, ma- „ Hexe, -rei Hexerei, Neidingswesen“; ihre Träger sind mulemba 1, ba- „Hexe, Neiding“, vgl. S. 94ff. Lemba ist immer und in jedem Fall ein Verbrechen Verbrechen gegen die Mitmenschen und wird auf jede Weise, auch mit dem Ordal, Gottesgericht, -urteil Ordal bekämpft. ewusu Ewusu, vgl. S. 82ff. und ekong, vgl. S. 86ff. sind nicht an sich schädlich, sobald aber die Träger ihre Macht gegen ihre Gruppen wenden, z. B. zu viel „Menschen essen“ oder ihre Nachbarn an Besitz schädigen, können sie als gefährlich, als Hexen bekämpft werden, was aber meist nicht durch Ordal, sondern andere magische Mittel oder den Kultbund geschieht; vgl. Africa, VIII, [1935], 4. Heft, [„Witchcraft“], besonders S. 543/8, [Ittmann, „XII. Im vorderen Kamerun“, S. 543 – 547].
So ist „weiße Kunst“ nicht nur erlaubt, sondern gewünscht, gefordert; die primitive Gruppe, vgl. auch Familie, Sippe, Stamm Gruppe kann ohne sie den Kampf des Lebens gar nicht bestehen; „schwarze Kunst“ wird aufs schärfste bekämpft. Ein schlimmeres Verbrechen kennt die primitive Gesellschaft nicht; wer das Band der Gemeinschaft auf diese Weise verletzt, wird durch Boykott, Verbannung oder Tod von der Gruppe ausgeschieden. Ein bei Lebzeiten geehrter Nagual- oder Totembesitzer wird noch nach dem Tod geächtet, wenn durch Obduktion erwiesen wird, daß er ein Schädling war, vgl. S. 96 Kunst, weiße und schwarze .
Die beiden Hauptsätze magischen Denkens sind schon auf S. 47b – d kurz besprochen. Nach diesen beiden Sätzen spricht die Wissenschaft von einer doppelten Art von Magie. In der einen Art sucht der Zauberer durch Nachahmung eines Vorganges die gleiche Wirkung hervorzubringen, denn sein Tun ruft in der Welt ein diesem Vorgang ähnliches Erleben oder Erleiden hervor; darum bezeichnet man diese Art mit homöopathischer oder imitativer Magie. Die andere wird Berührungs- oder kontagiöse Magie genannt, weil das, was einem stofflichen Dinge zugeführt wird, auch dem Träger oder Besitzer dieses Dinges geschieht, auf ihn übertragen wird.
Sobald wir die Vorgänge hier näher betrachten, erkennen wir alsbald, daß bei solch unlogischer Voraussetzung auch kein logischer Schluß möglich ist, und daß hier der Grund liegt, warum das Denken der Kameruner so oft in anderen Bahnen verlaufen muß als beim Europäer, auch wenn der Schwarze nicht „prälogisch“ denkt. Dieser macht vorzüglich zwei Denkfehler: Er behauptet: Zwei Dinge bzw. Personen, die gleich scheinen, sind auch gleich; und: Verbinde ich in meinem Kopf zwei Ideen miteinander, so sind sie auch in Wirklichkeit miteinander verbunden und erleiden das gleiche {131} Schicksal.
Zum andern: Dinge oder Personen, die einmal miteinander verbunden waren, stehen weiterhin in einer Art mystischer Verbindung, denn der Zauberer denkt diese Verbindung, als sei es ein Gesetz der Wirklichkeit. Wir geben nun einige Beispiele solcher Sympathetischer Magie. Darum darf man auch nicht die gleiche Sache zweimal tun, vgl. S. 150, etwa das gleiche Mittel zum Nutzen und zum Schaden, in weißer oder schwarzer Kunst benutzen. So ist es tabu, Ölspeisen über Palmkernen oder -schalen zu kochen. Die Genießer solcher Speisen bekommen die Wassersucht.
Wegen des magischen Grundsatzes, daß man nicht das Gleiche tun dürfe im Gebiet des Magischen und des Realen vgl. S. 151.
Diese und ähnliche Vorstellungen liegen den magischen Handlungen zugrunde; sie verleiten den Kameruner am ursächlichen Zusammenhang der Dinge und Geschehnisse vorbei auf Nebenumstände, den seelischen Hintergrund allein zu achten, weil [wie ?] sie meist zufällig beim konkreten Vorgang in Erscheinung treten. Bringt er solche Nebenerscheinungen hervor, so glaubt er, den ganzen Vorgang hervorbringen zu können, weil für ihn Vorgang und Nebenerscheinungen zueinander in geheimer Sympathie stehen.
Alles Harte verrät durch seine Festigkeit, daß eine magische Kraft in ihm west; die Berührung Berührung damit bringt nun auch solche Festigkeit und Kraft hervor. Darum spielen die Stein Steine eine solch große Rolle im kameruner Zauber; vgl. die auf S. 16f., 50f., die Herdsteine S. 55b, 61, 63, 92f., den <Blitzstein> ndjolandi auf S. 10; in Steinen und Felsen ruht die Kraft, die einem die Vorfahren hinterlassen [haben]; man würde alles Glückes verlustig gehen, käme [ein] solcher Stein abhanden. Vergleiche auch madale ma mbando auf S. 93b und ihr Gebrauch auf S. 48 und sonst; die Basa kommen aus einem Stein, vgl. S. 31, und die in der Bakosi- Sintflut Sintflutsage Geretteten kommen auf einen Berg oder großen Felsen, vgl. S. 34f.
Knochen Knochen ist ein harter Stoff; darum werden Knochen, Zahn Zähne, Hörnchen u. ä. gern als Amulett Amulett getragen. Müde oder schmerzende Glieder reibt man mit Gorilla- oder Schimpansenschenkelknochen ein; solche Knochen legt man auch in das Badewasser schwächlicher Säuglinge. Jeder Nkosi trägt in seiner Tasche einen großen Kern einer Akazienart, um sich mit der harten Frucht gelegentlich einzureiben, dazu die Frucht eines anderen Waldbaumes; in ihren fünf Löchern ist sie ein Bild des aus fünf Unterstämmen bestehenden Stammes; mit ihr hat er die Kraft des Stammes bei sich. Man ahnt in den Pflanzen die Kraft, die das geheimnisvolle Wachstum hervorbringt, außerdem kennt man Pflanzensäfte, denen Heilwirkung innewohnt. Die Pflanzen stehen im Wald, dem Ort, wo sich unsere Sinnenwelt und die unsinnliche Welt berühren, vgl. S. 50; das hat auf sie ihre Wirkung. So stehen besonders die Waldbäume, deren Rinde Rinde auf mannigfaltige Weise vom Medizinmann verwendet wird, in magischem Ansehen, vgl. S. 19ff. Man benutzt sie als Drogen, vgl. auch Medizin Drogen, als Amulette und Schutz durch Machtmittel, Medizin Schutzmittel, jeder Kultbund hat ein Kraut als Symbol Symbol, man glaubt die totemistische Trennung von Leib und Seele Trennung der Lebensseele vom Körper mittels Pflanzensäften zuwege zu bringen, Pflanzen sind Mittel bei Fluch Fluch und Sühnehandlung.
Neben harten Gegenständen steht aber auch das Weiche und Bewegliche der Magie zur Verfügung: Ein Blatt, das sich in einem Spinnennetz über einem Wasserfall gefangen hat und deshalb immer in Bewegung ist, oder Drazänenblätter, die stets vom Wind bewegt werden, zerreibt man und tut sie dem, den man sich willens machen will, in die Speise oder den Tabak Tabak, so wird er oder sie auch innerlich unruhig, der harte Wille erweicht und steht einem nicht mehr als unüberwindliche Macht gegenüber. Das wird nicht nur als Liebeszauber geübt, sondern auch etwa um einen strengen Herrn einem günstig zu stimmen. Dieses Mittel heißt ewole ewole „das müde oder schlapp Werdende“ und hat auch dem zu solchem Mittel verwendeten Amarantus Amarantus den Namen gegeben; vgl. auch S. 55b.
Ähnlich ist das Mittel ebobe ebobe, be- (von bobo „schwach, matt werden“) [Unleserliche Bleistiftzusätze] ; es soll einem Frauen geneigt machen und wird auch in der Ehe Ehe verwendet. Der um seine widerspenstige Gattin besorgte Eheherr oder der verführerische Liebhaber verbrennt zwei Schwalbenschwanzfedern und ein dürres Baumblatt, das über fließendem Wasser gewachsen [ist]; die Asche Asche gibt man seinem Opfer in einer Tunke heimlich zu essen. Feder Federn und Blatt sind Unruhe gewohnt, so lösen sie auch die Starrheit des Gegenüber.
Man hat auch ein Amulett, das ebobe heißt, ein in Papier oder Baumblatt gewickeltes Päckchen Medizin, das mittels einer Schnur umbunden ist. Es soll das Gegenüber gefügig und willig, den Zornigen mild machen. Wer einen zu Heftigkeit neigenden Mann hat, legt das Mittel unter das Ehebett; bei schwierigen Gängen trägt man es um die Hüften gebunden bei sich. – Ebobe kann auch als Talisman Talisman am Finger getragen werden. Eine Frau, die ihn trug, sagte von ihm aus: Der Ring Ring macht mir jedermann gefügig; auf dem Markt zieht er die Käufer an und überwindet ihre Bedenken, so daß sie bald kaufen. Will ich etwas kaufen, so hilft er mir zu niedrigen Preisen. Auf dem Weg schützt er mich, denn er nimmt meinen Feinden den Mut. Wer ebobe besitzt, dess[en] Verlangen kann niemand widerstehen. – Ebobe ist Kraft- und Ähnlichkeit Ähnlichkeitszauber; wie die Schnur das Bündelchen umschnürt, so soll das Mittel kaka mulema ma moto „das Herz des Menschen in Bande schlagen“ ebobe . eben (Ko.)
Beide Mittel werden in ähnlichen Lagen gebraucht; sie haben beide die Aufgabe, das Gegenüber nachgiebig, günstig zu stimmen, zugänglich zu machen; sie machen den Gegner im Prozeß schwach in seinem Auftreten und den Richter geneigt in seiner Beurteilung, sichern die Gunst des Herrn auch bei geringen Leistungen oder Betrug Betrug und Diebstahl Diebstahl, helfen dem Prüfling ein Examen bestehen, auch wenn er nicht genügend vorbereitet ist. Auch Mittel aus Europa oder Amerika, die ähnlichen Zwecken dienen, erhalten vorstehende Namen. Stärker noch als diese ist der nia nia genannte Zauber, vgl. S. 260. Amulett
Auch von animalischen Wesen geht solche Kraft durch Berührung aus; vgl. die Tiere, welche bedidi „Warnungszeichen“ geben, auf S. 57, ebenso die Hexentiere auf S. 95. Hierher gehören auch die magischen Tiere: Ewusu S. 82ff. und ekong S. 86ff. Auch vom Menschen geht solche magische Kraft aus: Wenn einer ein Weib aus kinderreicher Familie nimmt oder eines seiner Weiber einem Mann aus kinderreicher Sippe oder einem schönen Mann in disom’ „Leihehe“ gibt, so hofft er damit nicht nur auf natürlichem Weg für seine Familie zu profitieren, sondern hier erhofft man auch eine magische Wirkung. Denn keine Geburt, gebären Geburt ist die Folge einer natürlichen Ursache, hier vermutet man auch magische Kräfte am Werk.
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[auf Rückseite von S. 131: Maus am Daumen, Genitalien etc.]Der Medizinmann bestreicht, behaucht oder bespuckt die kranke Stelle; auf gleicher Stufe Stehende schlagen beim Gruß die erhobenen Rechten ineinander (Kp.); Frauen umarmen sich zum Ausdruck der Freude; die Kranken siedeln zum Medizinmann in die Wohnung über, besonders auch sterile Frauen, die in Hoffnung kommen sollen. Alle Klassen der Magier, die als balondedi „Gefüllte“ bezeichnet werden, sind ja in den Stämmen nur dazu da, daß sie der eine auf die, der andere auf jene Weise Kräfte erzeugen zum Wohl der Gruppe. Auch von Toten geht durch Berührung magische Kraft aus, vgl. dazu die Notiz aus der ‘Preisarbeit’ auf S. 53. Darum trocknet man auch Körperteile erschlagener Feinde und hebt sie als Trophäe Trophäen in den Kultstätten auf; das sind insofern Triumphzeichen, als man hofft, damit dauernd eine Garantie der Überlegenheit gegenüber den anderen zu haben. Darum war es der Bamum-Leute größter Schmerz, daß im Kampf gegen die Banso’ der Kopf Nsangu’s, des Häuptlings, in der Feinde Hände gefallen war, und sein Stamm rechnete es der Deutsche deutschen Verwaltung hoch an, daß es ihr gelang, später den Kopf wieder zurückzubringen; vgl. Wuhrmann, Mein Bamumvolk, S. ---. Es war der größte Triumph der Bafut, als sie bei Dr. Zintgrafs Überfall auf Bandö 1889 vier Köpfe der bundesbrüchigen Deutschen erbeuten konnten, und erst nach langen Jahren konnte sie Missionar J. Keller Keller, Jakob Missionar Keller, Jakob Missionar bewegen, diese <gute Medizin, Machtmittel Medizin> wieder herauszugeben. – In einem Kampf hatten die Nkag-Leute am Manenguba einem Pola-Mann den Arm abgeschlagen; trafen sich später zwei Gruppen dieser Dörfer und sie bekamen Streit, so schickten die Nkag-Leute nur nach dem getrockneten Arm und hielten ihn den Pola-Leuten vor, und diese zogen ab. So will man sich in vielen Fällen auch durch Menschenfresserei, wo sie nicht durch Fleischhunger verursacht ist, Kräfte des anderen aneignen. Das geschieht besonders vorm und im Krieg Krieg. Das eyabo, das vor dem Auszug zum Krieg von den Kriegern verzehrt wurde, vgl. S. 260ff., mußte auch etwas enthalten, was einem erschlagenen Feind abgenommen war, und wenn die Krieger im Grasland ihr vom Schlag gegen den Feind blutiges Haumesser Haumesser ableckten, hatte es den gleichen Zweck. Man suchte zwar das so vom Feind Verschlungene wieder zu erbrechen, sich erbrechen, nachdem das Magische darin in einen übergegangen war. Dies wie auch das Erbrechen gewisser eingenommener Machtmittel zeigt nur, daß bei solchen Dingen alle Vorsicht Vorsicht walten muß und wie dem positiven Berührungszauber oft der negative verbunden ist. Auf S. 79 ist das nyo la mbindo „ Schmutz (Zubehör, Abfall) trinken, wegwerfen Schmutz (d. h. Abfallstoffe eines Menschen) trinken“ erwähnt. Es wird vielfach geübt; damit findet Berührung mit den Kranken oder Toten statt und seine Kraft übt Rache am Verbrecher, vgl. S. 58ff. Beim Verstorbenen wird dem vermuteten ‘ Mord, Mörder Mörder’ vom mbind’ a mbinba „++“ [Steno] = [?] Mundwasser u. ä. der Leiche zu trinken gegeben.Nach der auf S. 65 mitgeteilten Regel mußte er am Getrunkenen zugrunde gehen, wenn er den Menschen magisch <gegessen> hatte.
Umgekehrt gibt es allerlei Mittel, die zur Entsühnung getrunken werden. Das Fallen auf verrufenen Plätzen, vgl. S. 72a, läßt Berühren mit den dort waltenden Mächten eintreten. Kann man das alles und noch viel mehr als positiven Berührungszauber bezeichnen, dann spielt der negative eine noch größere Rolle. Freilich können in vielen Fällen beide Arten auch zeitweise wechseln. So erklärt der Medizinmann bei Krankheiten gewisse Speisen als für den Kranken tabu; er muß sich davon enthalten. Das dindo-Essen, welches nach Genesung den Kranken wieder in den normalen Zustand zurückversetzt, enthält die verbotenen Nahrungsmittel, die der Medizinmann gekocht [hat]; mit ihrem Genuß ist nun das Tabu aufgehoben, vgl. S. 41, 265ff.
Da das magische Denken ganz auf das Freund-Feind-Verhältnis Freund-Feind-Verhältnis eingestellt ist, können die durch Berührung von einem Gegenüber ausgehenden Kräfte natürlich auch schaden und einen in Gefahrenzustand Gefahrenzustand versetzen. Darum ist das Übergehen solcher gefährlichen magischen Kräfte zu verhindern durch meiden Meiden und Absondern. Solcher negativer Berührungszauber ist bereits ausführlich besprochen bei den Tabu-Regeln auf S. 60ff. und wird auf S. 115 bei den Kultbünden erwähnt. Zu dieser Art Zauber gehört z. B., daß man nicht hinschaut, woher solche Gefahr kommen könnte, vgl. S. 70, denn schon der Blick Blick stellt eine Berührung her; umgekehrt: Soll der Blick positiv wirken, so muß man gerade die magische Erscheinung anblicken und mit ihr in Berührung kommen; daher die Initiation, Einführung in Kulte Initiationsweihen und -riten. Da wird z. B. beim mengu-Kult die Initiantin ins Wasser, das [ist der] Bereich der mengu-Dämonen, in der Nacht eingetaucht; um einen höheren Grad im ngue-Kult zu erreichen, muß der Aspirant ‘sterben’. Dadurch, daß er auf rechtem Weg der Mysterien Mysterien mit der dämonischen Macht in Berührung kommt, eignet er sich diese Macht an und gewinnt Gewalt über sie; der Ruhm der Eingeweihten ist, daß ba bi isango „sie kennengelernt haben den Kult“ und damit die dahinter stehenden Dämonen Dämonen, während sich die Nicht- {133} eingeweihten peinlichst vor Berührung in jeder Form zu hüten haben. Alles, was vom Kultbund mit Beschlag belegt ist, ist damit dämonisiert, durch Berührungszauber ist mit dem Gegenstand oder [der] Person eine magische Verbindung hergestellt; daher ist auch dieser Gegenstand von anderen zu meiden. So auch Orte, die von magischen Mächten besessen sind; vgl. S. 63. Darum sind auch Leichen zu meiden, vgl. S. 71, und Totengräber Totengräber müssen durch magische Handlungen wieder die durch die Berührung eingetretene Verunreinigung Verunreinigung von sich abtun, vgl. S. 216ff., wie auch die Hinterbliebene Hinterbliebenen, besonders die Witwen, vgl. auch Trauer Witwen, durch Riten und Weihen ihre malebo (lebe) malebo, mehr „Verunreinigungs-“ als „ Trauerzeichen Trauerzeichen“, ablegen. Darauf beruhen auch die mancherlei Diätvorschriften, die Kranke, Medizinmänner, Krieger u. a. zu beachten haben, vgl. S. 260ff. Hoffende Frauen und stillende Mütter haben gewisse Nahrungsmittel zu meiden, wenn sie nicht Eigenschaften von den betreffenden Tieren oder Pflanzen auf sich oder ihr Kind ziehen wollen. – Ein Beispiel, das ich Herrn Missionar Dr. Vielhauer Vielhauer, Gustav Adolf Dr. theol. Missionar verdanke: Minge-Leute, die damals noch alle Menschenfresser waren, hatten einen Schüler aus einem benachbarten Dorf abgefangen. Nach einigen Tagen aber kam der Junge unangetastet samt Tafel und Abc-Buch wieder in sein Heimatdorf zurück: Tafel und Buch hatten ihn vor der Minge Kochtöpfen bewahrt. Diese hatten gefürchtet, daß durch die fremden Gegenstände und den Umgang mit den Weißen in dem Jungen eine unbekannte Macht stecken könnte und lieber wollten sie auf den Fleischgenuß verzichten, als sich solchem unbekannten magischen Einfluß aussetzen. – 1931 erzählten mir Age-Leute, die 1915 eine deutsche Patrouille samt weißem Unteroffizier aufgefressen hatten, daß alle Age-Leute die schwarzen Soldaten verzehrt haben, den Weißen aber haben nur ‘Leute mit grauen Haaren’ genossen. Ihnen, die doch nicht mehr zeugen konnten, mochte der Genuß fremder magischer Macht in ihrer Lebenskraft doch nicht schaden.
Bei aller Berührungsmagie ist häufig zu beobachten, das pars pro toto pars pro toto gilt. Mit einer Pflanze besitzt man [in] magischer Weise die Macht der ganzen Pflanzenwelt; bei Teilen eines anderen Ganzen gilt das Gleiche. Das ist beim Anfertigen von Macht, -mittel, -erlebnis Machtmitteln wichtig: Knochen Knochen, Zahn Zahn, Kralle, Feder Feder, Blatt, Rinde Rinde, Wurzel, Stein Stein, Kleid, Haar Haar, Schweiß, vgl. auch Schmutz Schweiß übermitteln die ganze magische Fähigkeit des Besitzers. Man steht unter der Wirkung dieser Machtmittel um so steter und fester, als man sie umhängt und immer trägt; man muß sie aber ablegen, sobald man mit jemand in Berührung kommt, dem sie schaden könnten, vgl. S. 19. Man darf solche Mittel aber nicht absichtlich abtun, man muß sie gelegentlich ‘verlieren’, sonst könnten sie schaden, weil man ihr Tabu verletzt hat; noch weniger darf man sie auf dem Kochherd verbrennen, vgl. S. 62. So enthält auch das Schüttel- oder Körbchenorakel Schüttelorakel, vgl. S. 161ff., Dinge, die aus den verschiedenen Gebieten der ndimsi ndimsi „geheimnisvollen Welt“ stammen: Vogelklauen aus der Luft, Fischknorpel aus dem Wasser, Wurzeln, Steinchen, Tierknöchlein aus der Erde; damit hat der Orakler die verborgene Macht der gesamten unsinnlichen Welt eingefangen. Kann ein Kranker oder sonst Ratsuchender nicht selbst zum Orakel Orakel kommen, so muß der Frager ein Kleidung Kleidungsstück oder sonst einen Gegenstand von dem Klienten mitbringen und ihn dahin legen, wo sonst des Leidenden Platz wäre, vgl. S. 155. So sucht auch jeder, der Schädigungszauber treiben will, etwas von seinem Widersacher zu erhaschen, denn mit diesem Stück hat er Gewalt über ihn; bei Hexerei gilt die Lebensseele für den ganzen Menschen; vgl. auch auf S. 85, wie das beim Nagualismus der Fall ist. Darum sucht man ja auch all seine Abfallstoffe jedem Zugriff zu entziehen. – Aus der Balue-Landschaft wird mir folgender Fall berichtet: Ein leistungsfähiger Mann sträubte sich, in den Kultbund dio einzutreten trotz verschiedener Aufforderungen. Da wird eines seiner Kinder schwer krank, das Fieber läßt seinen ganzen Körper erschüttern. Die dio-Leute prahlen im Dorf, daß ihr Dämon das Kind ‘gepackt’ habe; der Mann geht zum Orakel und erhält die gleiche Auskunft. Da bleibt nichts anderes übrig, als mit diesem Dämon Frieden zu machen; er bittet die Kultleute um Vermittlung. Sie kommen mit ihrem Dämonen- {134} darsteller in des Mannes Hof und führen ihren kultischen Tanz Tanz auf. Der Mann bringt sein Anliegen vor, und er legt einen Teil des Eintrittspreises in den Bund. Der Medizinmann des Bundes schächtet eine Ziege und beginnt mit dem Blut und allerlei Kräuter Kräutern eine schwarze Brühe zu kochen kochen. Zugleich sendet er einen Boten zu einem Wasserfall, wo über dem Wasser ein dem Kind gehörendes Tüchlein aufgehängt war. Der Luftzug über dem Wasser hatte dieses Kleid in stete Schwingung gebracht und ‘was dem Teil geschieht, geschieht auch dem Ganzen’, das Kind zuckte nun auch in seinem Fieber. Da war doch an der Macht des Dämons kein Zweifel mehr möglich. Das Kleidchen kommt zu der schwarzen Brühe in den Topf (Medizin) Topf und das Kind bekommt die Nacht hindurch, während die Geheimbündler im Hof tanzen, von dem Absud zu trinken. Die schweißtreibenden Kräuter tun ihre Wirkung: Gegen Morgen fällt das Kind in Schweiß und kann wieder ruhig schlafen; nach einigen Tagen ist das Kind wieder wohl und der Vater ist Mitglied des dio-Bundes geworden. – Vgl., wie der auf einem Stein Ruhende dafür sorgen muß, daß nicht ein Übel auf ihn übergeht, das sein Vorgänger darauf zurückgelassen [hat], S. 50f. So kann ein vom Sitz Aufstehender auch seine in der Körperwärme auf dem Sitz zurückgebliebene Kraft dadurch vor fremden Zugriff schützen, als er auf den Sitzplatz zurückruft: O si tapa! „Rühr’ nicht an!“; der ganze Mensch käme ja sonst in Gefahr. Berührung
Wie die vorige Art wird auch diese in negativer Weise zur Schädigung anderer oder [zur] Abwehr ihres Einflusses und positiv zu eigenem Nutzen und [zum] Angriff auf andere angewendet. In vielen Fällen ist dieses Doppelte nur die beiden Seiten der gleichen Sache; bei anderen Gelegenheiten tritt aber bald das eine, bald das andere mehr in den Vordergrund. Beim Kriegszug läßt man die Feinde durch eine alte Frau ausschelten und verlachen, so werden sie wie diese Alte schwach; vgl. auch mangon ma bila auf S. 42. Während Jagd, Jäger Jagd, Fischfang Fischfang, Kriegszug müssen sich die Zuhausebleibenden sehr ruhig verhalten; so halten sie auch die ausgezogenen [?] widrigen Kräfte ruhig. Die Frau kehrt nicht das Haus aus, denn der aufwirbelnde Staub erzeugt Erregung bei dem Gegner; darum dürfen zu dieser Zeit auch Kinder nicht mehr mit dem Kreisel oder ähnlichem spielen. – Ein mit Blut Blut getränkter Blätterstrauß an einem Stab, Stock Stock hat unserer Meinung nach mit dem Wetter nichts zu tun. Wird er aber durch einen „Gefüllten“ bewegt, so entsteht Wind, der drohende Regenwolken verscheucht. So haben auch Wolken Wolken und Blut nichts gemein als die zufällige Farbe. Dem magischen Denken aber ist diese Ähnlichkeit Ähnlichkeit wichtig. Rote oder rötliche Abendwolken zeigen kommendes Blutvergießen, Unglück und Gefahr an; vor deren Eintreten kann man sich nur durch Vorsicht und Gegenmittel schützen. Zur Einleitung der Fruchtbarkeitsriten gehört, daß alte Frauen auf dem Kultplatz mit wenig Saat, -fest, säen, Samen Saat die Aussaat vorbilden; gehen diese Sämlinge auf, so imitieren sie die kommende Ernte Ernte und zeigen an, daß die Ahnen zum Werk ihr Gedeihen geben werden.
Beim ersten Gang beim Yamspflanzen nimmt die Frau ein wohlgenährtes Kind, vgl. auch Eltern und Kind Kind mit. Dieses hat ein Setz-Yams in der Hand und wird von der Frau geführt. – Dieses Stück legt die Frau als erstes besonders sorgsam in den Boden, dann erst den von ihr gebrachten Pflanzvorrat. Für den Heimweg legt sie dem Kind einen Streifen dürrer Bananenblattscheide [vgl. {232}, wo Ittmann von einer 'dürre(n) Bananenrinde' spricht] um den Vorderarm und führt es nach Hause. Erst nach drei Tagen darf das Kind wieder baden baden.
Beachte hier: 1. Das wohlgenährte Kind und die erwünschten dicken Yamsknollen.
2. Das Band um den Arm und das „Festmachen“ der Handlung [?] der Pflanzen.
3. Das Fernhalten des Kindes vom Wasser und der Wunsch, daß später die Knollen beim Kochen nicht wäßrig, sondern trocken und mehlig werden.
So darf die Familie auch am Yamsfest Yamsfest, d. h. wenn der erste Yams in besonderer Form gegessen wird, nicht baden, damit der auf dem Felde verbliebene Yams sich gut koche.
Um zu schädigen, sucht man etwas vom Feind zu erhalten und vernichtet dies; man glaubt dadurch den Feind als Ganzes zu schädigen und zu schwächen. Hatte bei den Bakosi einer eines anderen Frau geschändet und das Palaver = Aussprache Palaver war durch Strafzahlung geschlichtet, so mußte der Frevler ein großes Gefäß mit Wasser trinken trinken, bis er ganz voll war und ihm das Wasser aus der Nase lief. Dann nahm man einen brennenden Holzscheit und goß den Rest des Wassers darüber. Das Wasser sollte auf beiden Seiten loko loko „beruhigend wirken“; beim Frevler sollte das böse Feuer der Leidenschaft, beim erbosten Ehemann der Zorn gedämpft werden.
Auf S. 57a ist bei ‘Dampfbad’ gezeigt, wie die magische Kraft parallel wirkt, wie im Topf, so auch im Kranken.
Bei einem von innen her geschwollenen Auge (etwa durch Filaria Filaria), sagen die Bakosi ko e de mo a did „eine Schnecke ist ihm im Auge“; darum bestreicht man das geschwollene Augenlid oder Auge mit einem leeren Schneckenhaus. Ein Mittel nach ähnlichem homöopathischem Grundsatz ist die Verwendung von ‘Schlangengift’ bei Schlangenbiß, vgl. S. 26, 147; dagegen ist das Bestreichen von schmerzenden und ermüdeten Körperstellen mittels eines Schenkelknochens eher allopathisch zu nennen.
Da nach S. 47c, 52f., 66f., 91 auch dem Wort Wort magische Kraft innewohnt, wird es auch auf dem Gebiet imitativer Magie verwendet, wie schon oben Beispiele zeigen. Segen (bonam, munam), segnen Segen und Fluch Fluch, vgl. S. 135, 137d, sind im wesentlichen Wort; dazu gehört auch das Schmähen und nur wenn man weiß, daß im Schmähwort etwas Magisches gedacht wird, kann man verstehen, wie der Kameruner durch Schmähreden erbost werden kann. Das Wort ist besonders dann mächtig, wenn es von machtgeladenen Personen gesprochen wird; darum ist das Wort eines Sippen- oder Dorfvorstehers gewichtiger als das eines gewöhnlichen Gliedes der Gemeinschaft. Wiederum sind auch gewisse Wörter und Worte machtgeladener und wirksamer als andere. [gestrichen: , darum muß man so sehr auch über seinen Namen wachen, daß er nicht auf irgendeine Weise mißbraucht werde.]
Auch das schwören, vgl. auch nyo male Schwören ist Wortzauber; es sei besonders auf S. 137bf. bezüglich des kana songo „Schwörens in bezug aufs Grab“ verwiesen. Auch die Art des Schwurs, die man <sachliches Schwören> heißen könnte, weil es mit einer Handlung verbunden ist, gehört hierher, vgl. S. 151, nyo male.
Je nach den begleitenden Umständen kann Schwören Berührungs- oder Nachahmungszauber sein.
{135}
[S. 135 ist aufgeteilt in 135 a – c, wobei 135a und b Zwischenbemerkungen zu 135c darstellen zwei Notizen auf Rückseite von S. 134: Dies ist auch das gesprochene Wort: Der Ältere spricht beim Schelten [?] kana o bangine tayane [?] mba, di madinam mub [?]. Durch den Glauben an Flüche findet eine seelische Beeinflussung statt. So werden auswärts verheiratete Frauen an die Vatersippe gebunden. Nur diese Bindung garantiert die Bezahlung der Frau. Beispiel von Vielhauer.]Verstärkt wird das Wort – sei es Segen oder Fluch –, wenn es durch eine Gebärde zugleich versinnbildlicht wird.
Wenn ein jüngerer Nkosi einem Alten etwas schenkt, oder ihm sonst aus der Not hilft, so a he mo nsom a nlem „macht er ihm eine gewichtige Sache ans Herz Herz“, d. h. er spuckhaucht ihm in die Herzgrube und sagt dabei: Mwanyame a be ne we a meke mesien me e keke; a bege we djom edje we wonge „Die Ahnengottheit sei mit dir auf allen deinen Wegen, die du gehest; sie gebe dir, was du nicht hast“ oder Mwanyame (ke Diob) a böl we nkane e kude e tom nen „Der Ahnen- (oder Himmels-)gott gebe dir, daß du noch mehr bekommst denn dieses da (was ihm der Betreffende gegeben hat)“.
Erweist unter den Basa ein Junge oder ein Mädchen einem Alten einen Liebesdienst oder will ein Alter oder [eine] Alte einem Jungen aus anderem Anlaß gut und ihm einen Segen anwünschen, so zerkaut er eine Kolanuß >Kolanuß und spuckt sie dem Betreffenden auf Brust und Rücken, indem er dabei spricht: Du sollst werden wie ich, viele Frauen und Kinder bekommen; es soll dir gut gehen und du sollst zu Reichtum kommen; was du beginnest, soll gelingen. Überall sollst du gern gelitten sein; alle, mit denen du zusammenkommst, sollen dich lieben! – Dieser Brauch heißt sai „segnen, Gutes anwünschen“ wie die Übungen auf S. 236ff.
Mannigfach sind auch die verwünschen Verwünschungen und Flüche, mit denen man oft nur den Gegner kirre machen will, damit er kommt, gesteht, gutmacht und dann den Gebrauch zurücknehmen läßt, vgl. S. 137d. Die Bakwiri verbinden die Verwünschungen häufig mit dem Dämon Mokase, Dämon der Kwiri Mokase, vgl. S. 111; so heißt eine solche z. B. oene mongombe mo ito „du sollst den Mokase sehen“, der die Ungerechten straft. (Ito ist ein drosselartiger Vogel, den man um seines Fettes willen jagt, erst wenn man ihn seines mongombe „Gewandes“ entledigt hat, gilt er etwas; der Mokase aber reißt dem Sterbenden das Kinn weg. So ist mongombe mo ito geradezu ein Name für den Dämon Mokase.)
Die Banyangi- Mutter, vgl. auch Eltern Mutter rechtet mit ihrem ungeratenen Kind, vgl. auch Eltern und Kind Kind bei aufgegangener Sonne und spricht: Du Sonnenball, schau dieses Kind, das ich geboren und gehegt! Hab ich es nicht geboren und gepflegt, so sei zur Linken mein Teil; hab ich aber seinetwegen soviel Mühe auf mich genommen, so gehört ihm die Linke, mir aber die rechte Hand (vgl. S. 57a).
Sagt ein Vater oder eine Mutter dem Kind, daß [man] mit ihm nichts mehr zu tun haben wolle, so verstärkt man diese Absicht damit, daß man auf dem Oberschenkel heftig nach abwärts streicht. Man will damit sagen: Als du ein Kind warst und du beschmutztest mir den Schenkel, so habe ich den Schmutz auf diese Weise entfernt: Nun tue ich dich selbst auf diese Weise von mir.
Ist ein Sippenvorsteher gegen einen Angehörigen verärgert, so schwört er ihm Keng na a kwed edjem! (Ko.) „Bis zu meinem Tode!“ und dabei schlägt er mit der Handfläche auf den Boden, d. h. er ruft die Toten zu Zeugen an.
Hat sich eine Tochter in sombo sombo „Raubehe“ nehmen lassen, so mag der geprellte Sippenvorsteher verärgert mit der Handfläche auf seinen Oberschenkel schlagen und als Strafe für das junge Paar rufen: We tan me hen „Du wirst mich hier treffen“, d. h. ohne daß du mir wieder zu Willen bist und dein Mann kommt und den Ehevertrag bespricht, du auch deine Sinnesänderung mit einem Geschenk als Sühne bezeugest, bist du nicht mehr mein Kind und dein neuer Stand entbehrt des patriarchalischen Segens, vgl. somele somele musoso musoso auf S. 250f.
Beides sind eine Art Flüche, wodurch der Sippenverband gelöst wird; dieser Zustand kann nur wiederum durch Brauchtum gebessert werden, vgl. kud [?] nsole auf S. ---. Solches ist aber nur innerhalb der Sippe möglich und nötig. So ist es auch, wenn einer umbea mun’ ao mudiki „seinem Kind mit dem Schwurstein klopft“, vgl. S. 250.
Oder wenn zwei Brüder in unguter Absicht die Hofgemeinschaft aufheben und sich trennen wollen, so gibt der eine seinem Scheltwort dadurch Nachdruck, daß er eine Knolle der Colocasia antiquorum spalten, Kolokasia spaltet und man sagt, ba doman dinde „sie haben sich mittels einer Kolokasia getrennt“. Ein solcher durch Symbol Symbol bekräftigter Ausspruch kann nicht einfach wieder vergessen werden; soll er nicht mehr gelten, so kann ihn auch nur eine andere symbolische Handlung aufheben. verwünschen
Ähnlich ist manche Hexe, -rei Hexenbeschwörungsformel. Da sieht einer vielleicht im Traum Traum eine Hexe immer wieder zu sich kommen oder ein Angehöriges fühlt sich so bedrängt. Da kann er am Abend Abend in seinem Hof über das Dorf hin rufen (etwa): Mein Weib wird von einer Hexe übel gequält; es ist alles voller Hexenkraft: Dächer, Pisang, Bäume. Ich nenne die betreffende Hexe nicht beim Namen, aber sie soll wissen: Von heute ab hört diese Hexerei auf. – Trotz dieser Warnung äußert man aber nicht den Verdacht gegen die feindliche Person selbst, aus Furcht, die Sache könne noch ärger werden; nur Vertrauten vertraut man sich an. Hört die Sache doch nicht auf, so wird man es mit einem besa, vgl. S. 236, 249, probieren oder der Sippenvater berät sich mit anderen Vorstehern der benachbarten Sippen, was zur Beseitigung des Übels zu tun sei; dabei nennt er auch den Namen des Verdächtigen.
Flüche, vgl. S. 137c, sind auch mit Gebrauch von Zaubermitteln, wie ngad’ a ngad’ a mudumbu mudumbu, vgl. S. 130 ?, verbunden. Da man den Feind vielleicht sonst nicht treffen mag oder kann, hofft man ihn durch den eigenen oder des nganga Fluch zu treffen. Der soll unmittelbar zum Ziel führen, ohne daß der Zauberer offen auftreten muß. Der Fluch soll, wenn die Sache nicht gebessert wird, Krankheit und Tod herbeiführen, vgl. J. Kellers Beispiel S. 137c.
So wird das Zauberwort mit allerlei Zauber, vgl. auch Magie Zauber verbunden und Wort Wort und Handlung sollen sich gegenseitig stärken. Solche Worte (Sprüche wie S. 53, Gesänge wie S. 48, Flüche wie S. 137d, Verwünschungen wie S. 137c, Segensworte und gute Wünsche wie S. 135) tragen magische Kraft in sich und bilden das zu bewirkende Ereignis schon plastisch vor, so daß das Gewünschte eintreten muß, wie das Ereignis auf das Vorzeichen, vgl. S. 57.
Wichtig beim Zauberwort ist die Konzentration Konzentration, mit der es ausgesprochen wird. Diese wird erreicht, indem möglichst ein Machtgeladener es ausspricht und mit einer Handlung verbindet. Darum ist es gut, wenn es immer wieder der Gleiche ausspricht, dem man schon Erfolg darin zuschreibt, denn es muß richtig und ohne Anstoßen oder Zaudern ausgesprochen werden. Es wird wiederholt ausgesprochen und möglichst im Tanz oder einer Art Raserei, darin der Mensch gewissermaßen seiner selbst nicht mehr mächtig ist, in Ekstase, vgl. dazu elielie auf S. 234f. Eine weitere Bekräftigung erhält ein solches Wort, wenn es die ganze Gruppe, vgl. auch Familie, Sippe, Stamm Gruppe ausspricht oder doch einheitlich dazu ihre Zustimmung äußert Solche Wörter sind meist alter Herkunft, so daß man sie nicht mehr wörtlich übersetzen kann, sondern nur den ungefähren Sinn angeben. So sagt man z. B. vor dem Anruf der Ahnen bei den Duala selelele, Bakwiri swelelelele, Bakosi pyopyo re während man Wasser ausgießt oder von der Weinkalebasse den Pfropf hochhebt und den darin hängenden Weinschaum auf den Boden als Gabe an die Geister spritzt. Die Meinung der Wörter ist „Glücklich, gesegnet (sei unser Unterfangen); möge nichts Schlimmes passieren!“ und alle Anwesenden stimmen dem mit kräftigem Ho! zu. Dieser Vorgang ist ein Zauber, der unliebsame Einwirkungen der unsichtbaren Welt bei der Handlung verhindern soll.
; so etwa, wenn der Boykott oder die Vernichtung über einen ausgesprochen wird oder wenn eine Verhaftung, unter der einer steht, aufzuheben ist, vgl. bwambo bondene auf S. 247, kema auf S. [247], u. v. a.
Ihm verwandt ist das gedruckte oder geschriebene Wort; so hält man etwa die mengu- Geister Geister von sich ab, wenn man offen ein Stück Papier zeigt, vgl. S. 118. Auf diesem Aberglauben beruht auch der schwunghafte Handel Handel, den die Hausa im ganzen Land mit in kleine Beutelchen genähten Koransprüchen und dgl. treiben.
Auch das laute Lachen Lachen (Verlachen) kann magische Kräfte äußern. Man verlacht die Feinde oder läßt sie durch Alte oder Kinder verlachen.
Als böser Zauber, verwandt mit schwarzer Kunst, weiße und schwarze Kunst ist auch der Böse böser Blick Blick gefürchtet. Man sagt diso l’ ekon (von konone „beneiden, neidisch begehren“ und nicht zu verwechseln mit dem oft genannten ekong ekong „Sozialtotemismus“) „Auge des Neides“ (Du.), andere Stämme sagen auch: Auge der Bosheit. Wie durch das ‘Gesicht’ oder die ‘Stirn’ einer ein schädigendes Machterlebnis hat, vgl. S. 70, so glaubt man auch, daß durch die Augen gewisser Menschen eine schädigende Kraft auf andere ausgehen kann. Solchen Leuten eignet etwas von der verderblichen Kraft, die von Geistern, Dämonen u. ä. ausgeht, wenn man ihren Blick trifft, vgl. Note 2 auf S. 102; sie führen dadurch andere in Gefahrenzustand und zehren so an ihrer Lebenskraft. Sonderlich Kinder und Leute, die sich in einem Schwachheitszustand befinden, aber auch Haustiere, Pflanzen, ja selbst unbelebte Gegenstände, sind vor dem Bösen Blick durch allerlei sympathetische Mittel zu schützen oder davor zu verstecken. Darum bringt man Kranke nachts an einen einsamen, andern nicht bekannten Platz im Wald und junge Mütter gehen in die elterliche Sippe zurück, bis das Kind stärker geworden ist. Wem Böser Blick vorgeworfen [wird], wird leicht als Hexe verschrien und in manchen Gegenden wird die Anklage wegen dieser Fähigkeit durch das Trinken des Ordal, Gottesgericht, -urteil Ordals entschieden.
Erdnußschalen und Asche Asche, quer über den Weg zum Dorf oder Gehöft gestreut, gelten als Schutz durch Machtmittel, Medizin Schutzmittel gegen Schaden durch Bösen Blick. Feindlich gesonnenen Menschen soll dieses Mittel ihre böse magische Kraft nehmen oder sie gar umbringen, vgl. S. 265f.
{136} Hierher gehört auch das Sakrament, heidnisches, vgl. auch Schmutz und Schwurmedizin trinken sakramentale tse, ndse, sch oder wie die verschiedenen Stämme den Laut des Spuckhauchens wiedergeben, vgl. S. 43, 188. Dieses Ausstoßen von mit Speichel Speichel vermischtem Hauch oder das Ausspucken von zerkauten Aframomum-Kernen ist poma poma, perf. pom’ „kultisch oder magisch spucken, ein Spuckhauchopfer bringen“. Verbunden mit einer Beschwörungsformel, Verwünschung oder Segensspruch kann diese Abgabe von etwas ganz Lebenseigenem, dieses einfachste Opfer, vgl. auch Kulte und Ahnenkult Opfer in doppeltem Sinne wirken:
1. Man bespuckt etwas, um ihm seine schädigende Kraft zu nehmen: Dem erlegten Wal Wal spuckt ein Ältester Ältester der Bobe Bobe-Leute in die Nasenlöcher, dem Elefant Elefanten der Jäger in den After, dem Leopard Leoparden in den geöffneten Bauch; die trauernden Witwen spucken am Abend um sich, damit der abgeschiedene Gatte sie nachts nicht störe; ebenso scheucht man damit andere Wesen: Schattengeister, Dämonen und ähnliche Mächte hinweg; meist heißt die Beschwörungsformel dabei etwa: Geh, laß mich für mich allein! Dieser Zauber soll also eine Ablehnung, eine Kränkung darstellen, angewandt, sobald man sich unheimlich fühlt oder von magischen Gefahren umwittert wähnt. Wenn einer gereizt wird und er antwortet nicht darauf oder er spuckt gar aus, dann will er sagen: Das ist mir zu stark. Das Ausspucken will Ekel ausdrücken, den er vor dem Gegenüber wie vor einem Aas empfindet. Es ist eine Art beschimpfender Fluch und der andere klagt: A sou meoli onyo ami „Er spuckte vor mir aus“.
Auf S. 43 und 50f. ist erwähnt, daß man Raststeine bespuckt; man spuckt aber auch beim Absitzen auf ihnen nach beiden Wegrichtungen, o difaya vakeli (Kp.) „um Vorübergehende zu vertreiben“; denn die Vorstellung besteht, daß mit mbeu a mbeu a nyolo nyolo behaftete Vorübergehende ihr Ungeschick dem Ruhenden anhängen können, vgl. auch S. 142, ebenso lassen auch böse Schattengeister „Unglück“ auf solchen Steinen zurück.
2. Man bespuckhaucht etwas, um ihm Respekt zu zeigen, Segen (bonam, munam), segnen Segen zu übermitteln, Kraft mitzuteilen: So bespuckt der Medizinmann seine Mittel, aber auch den Patienten, der ‘ Priester Priester’ das Opfer, aber auch die, die dadurch gesühnt oder gestärkt werden sollen; Alte segnen in dieser Form die Jugend, ein Sterbender die zurückbleibenden Sippenglieder.
Beim somele somele musoso musoso, vgl. S. 250f., „ Brauchtum Brauchtum üben [?] für eine unfruchtbare Frau“, bespuckt man ihr den Bauch und der jungen Mutter, vgl. auch Eltern Mutter, die nicht stillen kann, die Brüste Brüste; beim lisomelele la bawu (Kp.) „Rufen der Ahnen“ und beim Abendgebet fehlt das sakramentale tse oder sch nicht; es erfolgt in Zwischenpausen.
Manchmal weiß man auch nicht recht, ist das eine oder andere gemeint; wenn der Koch des Europäers dem geschlachteten Huhn das Herz spaltet und hineinspuckt oder der Viehbesitzer das beim geschlachteten Stück Vieh macht Bei einem kleinen Tier übt das der, welcher das Tier schlachtet, bei einem Huhn wohl die Hausfrau, bei einem größeren der, dem das Herz als etoti „Vorrechtsanteil“ zufällt. Dann wird das Fleisch gewaschen und gekocht.
, so ist das wohl eine Art Entschuldigungsopfer, man will das Tier versöhnen, weil man ihm das Schlimmste antut, es töten mußte; ähnlich macht es ja auch der Medizinmann, wenn er Rinden von gewissen Bäumen holt, vgl. S. 19. Auch bei den Bräuchen, die unter besa; vgl. S. 236ff., zu besprechen sind, wird Speichel verwendet: Oft spukken alle Anwesenden in eine Flüssigkeit, etwa Pfefferwasser oder Palmwein Palmwein, rührt sie um und man leckt dann davon samt dem, dem diese Besprechung gilt; oder der Kranke spuckt in Flüssigkeit und die anderen lecken davon. So bekommt jeder etwas von dem anderen in sich, er genießt es offenbarlich und muß nach magischem Gesetz, vgl. S. 65, zugrunde gehen, wenn er nun auch als Hexe an seinem Genossen zehrt.
Verwandt damit ist, was die Duala kukulane nennen und auch bei anderen Stämmen üblich ist. Man erklärt es, „einem Kind, vgl. auch Eltern und Kind Kind in den Finger beißen“, wenn man weggeht und es zu Hause zurückläßt. Das Verb ist wohl von dem einfachen Zeitwort kuke „zumachen“ abzuleiten und würde dann wörtlich bedeuten „jemand in den Stand des ‘Zugemachtseins, Verschlossenseins’ versetzen“. Man will durch diese Handlung dem Kind nicht ‘in den Finger beißen’, sondern ihm etwas von seinem Speichel und Atem Atem an den Körper geben, um so das hilflose Kind zu stärken und es vor bösem Einfluß zu schützen, so daß ihm während der Abwesenheit nichts Schlimmes zustößt. Homöopathie
{137a}
Aus den einfachen Formen entwickeln sich komplizierte; denn hier gilt: Viel hilft viel; darum fügt man etwa mehrere Formen zusammen, oder läßt die Handlung durch „Gefüllte“, in denen ja eine magische Kraft konzentriert ist, ausführen.
1. Es werden deshalb die Mittel gesteigert, wovon auch größere Wirkung zu erwarten ist.
So fügt man bei Krankenbehandlung dem eigentlichen Heilmittel, das ja nie nur Arznei in unserem Sinn, sondern magisches Mittel ist, noch andere Mittel oder Handlungen hinzu, z. B. mischt man das Heilmittel mit anderen Kräuter Kräutern, denen man magische Kraft zuschreibt, fügt Waschungen, Klistier Klistiere hinzu, verabreicht es in besonderer Stellung (liegend, sitzend) und an besonderem Ort (Wald, hinterm Haus, im Haus, am Fluß, auf dem Kultplatz, sitzend auf einer besonderen Unterlage: Holzklotz, Bananenstrunk u. ä.), der Medizinmann singt besondere Gesänge, tanzt, schwitzt; er gibt dem Patienten besondere Enthaltsamkeitsvorschriften.
Der Fruchtbarkeitskult Fruchtbarkeitskult der Bakosi setzt sich aus verschiedenen Teilen zusammen, vgl. S. 228ff., wie auch die Totenfeste, vgl. das der Bakwiri auf S. 220ff., ebenso beim Bundesschluß nyo male S. 150f. oder beim pongo la mundi „Inordnungbringen der Siedlung“, vgl. S. 47f. Durch Gebrauch und Gegenwirkungen geht einer Sache die innewohnende Kraft verloren und muß ersetzt werden. So hat der Jäger eine Medizin für sein Gewehr, vgl. auch ngad’ a mudumbu Gewehr; das ist ein Büschel Kräuter. Ist das Gewehr nicht mehr „fest“, so schüttet er über die Kräuter Wasser, fängt es auf, wäscht sich damit die Augen aus, damit er sieht, wäscht und ‘klistiert’ damit sein Gewehr und beklopft es mit dem Büschel, so daß es wieder fest wird.
2. Es werden die Kräfte gesteigert: Man trägt Amulett Amulette, vgl. S. 145, schafft für die Siedlung allerlei Machtmittel, die man mit Opfern stärkt, vgl. S. 147; vgl. die Großfetische auf S. 112ff. und 144ff. Man nimmt Alkohol Alkohol zu sich, der bei keiner wichtigen Handlung fehlt, besonders nicht bei Abmachungen, die gelten sollen. Einen ähnlichen Sinn haben die Gemeinschaft, -smahl Gemeinschaftsmahle; an solchem Trinken und Essen beteiligt man die Schattengeister, damit sie helfen.
Man nimmt in den verschiedenen Riten Riten, auch der Initiation, Einführung in Kulte Initiation, besondere Schwierigkeiten auf sich. Dadurch konzentriert man den Willen auf das zu Erreichende, den Effekt. Darum sind mit den Initiationsriten auch Übungen verbunden, die unseren Übungen zur körperlichen Ertüchtigung zu vergleichen sind: Beschneidung Beschneidung, tätowieren Tätowierung, Zahnverstümmelung Zahnverstümmelung, Ringkampf, Übungen zur Überwindung des Ekel Ekelgefühls u. ä. So stärkt auch bestandener Kampf das Selbstgefühl und selbst der Unterlegene fühlt sich „gestärkt“, denn der Kampf regt die Nerven auf, wie die erhaltene Wunde; denn auch bei den Kamerunern gilt: Ebango a boso e titi ison „Verwundung auf der Vorderseite ist nicht schamvoll“; sie erfüllt mit Stolz, wenn sie geheilt ist. – Natürlich gilt das auch vom magischen Kampf, vgl. S. --- [mit Bleistift: ebale und ndiba]
3. Der Mensch ist das Wertvollste der Schöpfung. Darum liefert er auch das Größte, um Mittel und Kräfte des Zaubers zu steigern. Darum wird man auch nicht ein Zauberer, ohne von anderen eingeführt zu werden in die magische Kunst und von anderen die Mittel und Anweisung für ihren Gebrauch empfangen zu haben.
Aber man gebraucht den Menschen selbst auch als Mittel, vgl. S. 53f.; wie man die „Seele“ des Menschen in seinem magischen Dienst zwingt, ist S. 86ff. gezeigt. Zur Zauberei braucht man aber auch menschliche Körperteile, besonders den Schädel Schädel, aber auch die Asche.
Wer einen Großfetisch schaffen will, muß dazu einen Menschen umbringen oder umbringen lassen. Das Gleiche gilt von dem, der als mulondedi mulondedi in seinem Volk gelten will. Es genügt nicht, daß er durch Riten und esoterische Weihen magisiert wird; die Grundlage seines Könnens ist ein Menschen-“Opfer“. Das Überbleibsel davon macht die Kraft eines Medizinmannes, Jägers, Häuptlings, Kultführers u. ä. aus. Wieviele Menschen sind in diesem Land zu solchem Zweck „gejagt“ worden! Früher konnte man bei jedem Großfetisch den Schädel eines Menschen sehen. Die Gründung eines esam bei den Ko. war mit Ausstellen einer Anzahl gelieferter Schädel verbunden. Zur Aufnahme eines Sohnes in den engbaya-Bund der Kp. rehabilitierte sich der Vater mit Vieh- und Fleischgeschenken bei denen, die ihm für den Sohn Menschenschädel geliefert hatten. Gab es für solche größeren Gelegenheiten förmliche Sklavenjagden, so forderte man bei Magisierung des Einzelnen meist, daß einer einen nahen Verwandten tötete und den oder jenen Körperteil für einen Fetisch, -ismus Fetisch beschaffte. Das war zugleich auch nötig, um den Betreffenden Zeugnis dafür ablegen zu lassen, daß er im Interesse des Fetischs vor nichts zurückschrecke, keine Rücksicht kenne und sei es Mutter, Ehefrau oder Kind. Wer sich dazu nicht entschließen konnte, mußte selbst sterben sterben. Solche Forderung wurde nämlich erst erhoben, wenn der Initiant bereits in seiner Schulung stand. Weigerte er sich dann, der Forderung nachzukommen, so brachte ihn das magische Mittel um. Diesem Sterben konnten Zauberer und Kultbünde leicht nachhelfen, aber auch ohne solche Nachhilfe gehen ungezählte Menschen wie an mißachtetetem Tabu, vgl. S. 69, an solcher Unterlassung ein. Auf der Beobachtung solch psychischer Wirkungen des Magieglaubens beruht die Macht der Magie, der jeder erliegt, der sich davon nicht innerlich freimachen kann.
Gute Kräfte werden auch gesteigert, indem schädliche Kräfte im Körper beseitigt werden. Das geschieht durch Reinigung, z. B. das Schwitzbad, vgl. S. 57a, treibt mit dem Schweiß, vgl. auch Schmutz Schweiß üble Stoffe aus; Reinigungsbäder in fließendem Wasser nehmen zwar nur äußerlichen Schmutz weg, aber magisch schwindet damit auch Schuldverhaftung; die mannigfaltigen Klistiere und Brechmittel sollen Brust und Darm reinigen von anhaftendem ‘Bösen’; Schröpfen und anderes Blutlassen will nicht Blut dem Körper entziehen, sondern innewohnendem Schaden einen Ausgang geben, und allerlei andere Manipulationen des Medizinmannes zwingen das ‘Böse’ zum Austritt.
Die durch menschliche Beschwörung Beschwörung geladenen Mittel wirken geradewegs auf ihr Ziel, alea „ergreifen“ den unbekannten oder doch anders nicht zu fassenden Gegner oder den unter das Verbot gestellten Übertretenden, machen ihn krank, töten ihn oder schädigen ihn sonst an Gut und Blut.
{137b}
Zu den Andeutungen auf S. 135 seien weitere Beispiele gebracht. Sie beruhen alle auf dem Glauben an die magische Kraft des gesprochenen Wortes.
Einfache Beteuerungen der Wahrheit sind wohl Reste vollkommenerer Formen, z. B. Mbale! „Wahrheit!“ oder Na mbale! „In Wahrheit, wahrhaftig!“ Darauf kann der andere fragen Mbal’ a ndja e? „Wahrheit in bezug auf wen?“ Antwort: Mbal’ a Loba „Wahrheit (bei) Gott“. Die Beteuerung oder der Seufzer Loba a bi „Gott weiß (es)“ hat mancherlei Sinn, aber jedem Fall unterliegt die Meinung, daß Gott der Rächer ist, vgl. S. 125, der über Wahrheit und Recht wacht und unwahrhaftig[es] Wesen straft.
Man beteuert aber auch bei Macht, -mittel, -erlebnis Machtmitteln und Dämonen Dämonen. So ist die stärkste Beteuerung der Bobe Bobe djole, ein Ausdruck, den keiner mehr wörtlich versteht, der aber sicher früher ein jetzt vergessenes Machtmittel oder einen Dämon bezeichnete. Bei den Bakwiri hört man oft na veombo „beim veombo“, dem auf S. 153ff. beschriebenen Machtmittel, oder na kul’ a meofo „bei der Schildkröte (gemeint ist hier: Schädeldecke) der Köpfe“, d. h. bei als Machtmitteln aufbewahrten Totenschädeln angesehener Leute, oder n’ ikumu dj’ ewoka „bei dem Hoffetisch“, vgl. S. 174a; bei einem Klaps des Zeigefingers stößt der Duala ein Elong yen! „Das ist der Elong!“ aus und stellt damit seine Aussage unter die Macht dieses Dämons. Ebenso beteuert man bei den drei Herdsteinen, vgl. S. 55b, 62, auf denen man die Nahrung kocht und unter denen vielfach Machtmittel vergraben sind, vgl. auch S. 150.
Mit solcherlei Beteuerungen will man sagen: Lüge Lüge ich, so mögen mich die genannten Mittel <ergreifen> und töten oder mir anderen Schaden zufügen. Beteuerungen werden nicht zurückgenommen, auch wenn sie unwahr sind.
Vom Schwören gibt es zwei Arten: Nyo male male „Schwurmedizin trinken“ ist auf S. 150 beschrieben. Dazu gehört auch das Schwören bei Großfetischen, besonders wenn man vor sie gefordert worden ist oder sie freiwillig sucht, vgl. mfam S. 113, aber auch bei anderen, wie ndjom, wenn der Schwörende ein Symbol Symbol dieses Fetisches anfaßt und dabei spricht etwa: Habe ich Schuld an N.N., dann soll mich der Ndjom töten; vgl. auch das auf S. 164 beschriebene Beispiel vom djengu. Das Gleiche ist auch der Fall bei den verschiedenen, in den Kultbünden verehrten Dämonen. Bei den Stämmen um das Barombi-Gebirge ist z. B. der dio in besonderem Ansehen. Man schwört: Der dio soll mich packen, wenn...! oder: Wenn ich diesen Menschen ohne Grund beschimpft habe, so vergiß du, dio, den nicht, der einen Unschuldigen beschuldigt; es soll ihm dieses Jahr nicht gut gehen!
Diese Art des Schwörens haben auch die Engländer für ihr Gerichtswesen übernommen, indem sie einen Eingeborenen je nach seiner Religion als Machtmittel ein altes Gewehr oder Buschmesser, den Koran oder die Bibel küssen lassen.
Bekannter ist der kana songo genannte Schwurbrauch, eine Art Selbstverfluchung; im Süden heißt es kan song, bei den Bakosi tube song. Songo oder song „Grab“ bedeutet niemals „Eid“, wie manche Wörterbücher angeben. Kana oder kan < B. gana [?] „schwören“ hat aber in Kamerun stets das songo oder song als uneigentliches Objekt nach sich: „Schwören in bezug auf Gräber“. Die Entsprechung im Ko., wo kana zur Bildung des nkanag, vgl. S. 237, gebraucht wird, dient zur Verdeutlichung des wörtlichen Sinnes „das Grab durchbohren, aufbrechen“. Also der Schwörende öffnet das Grab, er bricht das schwerste Tabu, ruft sich das übelste bedim, vgl. S. 56, herbei. „Das Grab öffnen“, um entweder dort selbst als Leichnam einzugehen (man wünscht sich also bei falschem Schwur den Tod an) oder damit der beschworene Tod herauskommt, ein Ereignis, das in den ärgsten Gefahrenzustand Gefahrenzustand versetzt. Jedenfalls will man mit solchem Eid sagen: Schwöre ich falsch, so soll etwas geschehen, was ich vernünftigerweise nicht wünschen kann, z. B ..., dann will ich meine verstorbene Mutter sehen; ..., dann will ich sehen, daß mein Vater aus dem Grab ersteht; ..., dann komme heute noch mein verwester Vater auf diese Erde zurück; ..., und {137c} wenn alle meine verstorbenen Ahnen aus dem Hades kommen! u. ä. Als besonders stark gilt: ..., dann habe ich doch nicht meine Mutter im Wald begraben und ich lebe noch im Dorf; ..., dann sind sie doch nicht mit meinen Vater in den Busch = ungepflegter Wald Busch gegangen und ich lebe noch hier. Damit will man sagen: Dann soll uns der Tod nicht fernerhin trennen, ich will sterben und sein, wo die anderen sind. – Einer Mann und Frau, männlich und weiblich Frau sind mehrere Kinder auf dem Gehöft ihres Mannes gestorben. Wird sie nun von ihrem Mann gereizt, dann kann sie drohen: Wenn ich noch einmal mit dir zusammengehe, so will ich meine Kinder sehen, die man auf deinem Hof umgebracht hat!
Während einfache Beteuerungen häufig sind und sehr oft der Wahrheit nicht entsprechen, überlegt man sich doch meist, in vorstehend beschriebener Art zu schwören. Darum wird auch bei Prozessen nicht rasch geschworen. Im eingeborenen Gericht liegt die Tendenz vor, durch gegenseitige Aussprache die Sache zur Erledigung zu bringen. Kaise „richten“ heißt ja, die Parteien zum Sichaussprechen (ka) zu bringen. Mit einem Schwur nimmt man aber seine Sache aus der Richterhand und appelliert an eine höhere Instanz. Ein Schwur beendigt den Prozeß und jedermann wartet nun, was sich auf den Schwur ereignen wird. schwören, vgl. auch nyo male
„Fluchen“, loa loa, was auch „ schelten schelten, schimpfen“ heißt; aber auch topo dibena lingise moto „gegen eine Lästerung, Fluch sprechen“; das kann kurz sein: Eboma na wa! „Fluch sei (auf) dir!“. Man kann aber auch einen längeren eboma „Fluch“ über einen <ausschütten>, vgl. unten. Der einzelne Fluch heißt auch mbomba; er ist schwerer Art und muß zurückgenommen werden, wenn er nicht weiterwirken soll; z. B. Longe longo di be na sisasisa! „Dein Leben sei ganz und gar zunichte!“
Jakob Keller Keller, Jakob Missionar hörte in Bwapaki-Nkon an einem stillen Abend Abend folgenden <Fluch ausschütten>:
Der welcher meine Pflaumen gestohlen:
seine Beine – wie die des Elefanten;
sein Leib – wie ein Faß;
seine Augen – wie die des Chamäleon!
(Das alles sind Zeichen der Wassersucht, die als Befleckung gilt; wer mit ihr stirbt, wird unehrbar begraben.) Eine Handglocke schlagend hatte der Bestohlene seinen Fluch durch das Dorf gerufen. Am anderen Morgen lagen die Pflaumen, Neger- Pflaumen vor des Bestohlenen Haustüre und später bat ihn sein Bruder um die Wegnahme des Fluches gegen ihn.
Mit solchem Fluch will man auf den unbekannten Feind einen Druck ausüben. Da hat eine Ehefrau ein Kind von einem anderen Mann, der dies dem Ehemann nicht gönnt. Das Kind wird krank und kein Heilmittel will recht anschlagen. Der Ehemann vermutet im natürlichen Vater den Ursächer der Krankheit und verschwört sich: Wenn dieses mein Kind stirbt, und ich tue jenem kein Leid an, dann hat mich mein Vater nicht gezeugt, vgl. S. ---b.
Eine Mutter in Bakosi hatte schon mehrere Kinder verloren und das einzige, das ihr blieb, ist der Mutter Kreuz. In großen Zorn geraten ruft sie ihm nach: Meine anderen Kinder habe ich verloren und dich habume aufgelesen! In habume, das man nicht erklären kann, liegt der ganze Zorn und Verwünschung; es stellt den Bedrohten als minderwertig hin und entzieht ihm gleichsam den natürlichen Segen.
Bei den Bobe Bobe und sonstwo kann ein Bestohlener beim Vorsteher des djengu-Bundes, vgl. S. 117, die Rassel Rassel des Dämons, vgl. S. 164, holen und macht nun, indem er die Rassel schüttelt, auf seinem Weg durchs Dorf ans Meer seinen tunda „Fluch“ bekannt: Wer das mir Gestohlene <gegessen> hat, der soll samt seinen Angehörigen nach neun Tagen anschwellen wie eine Regenzeitziege, die an Wassersucht eingeht! Am Meere taucht er die Rassel neunmal ins Wasser Wasser und kehrt dann wieder rasselnd und rufend zum Kulthaus zurück, um die Rassel abzugeben. Wird der Dieb daraufhin aus Furcht geständig, so hat er das Gestohlene zurückzugeben und sich bei dem Kultbund entsühnen zu lassen. Die Sühneziege wird halbiert und die eine Hälfte zur Beruhigung der mengu ins Meer geworfen, die andere Hälfte fällt den Kultleuten zu.
{137d}
[S. 137d unten Notiz: Man kann auch ein durch edim angezeigtes Unglück verhindern, indem man das edim wirkungslos macht, wie beim kwa-+, vgl. S. 164.]schwören, vgl. auch nyo male Schwören und Fluchen Verwandt damit ist auch das Beschwören, besonders im Dämonenkult der Geheimbünde geübt, vgl. S. 270f. Die Beschwörung ist charakteristisch: 1. zauberhafte Nennung, Zitieren des Namens der beschworenen Gottheit. 2. öfters Wiederholung der Bitte im gleichen Wortlaut, vgl. auch die kurzen Kultgesänge. 3. besondere Rezitationsart mit murmelnder oder flüsternder Stimme oder auch im Gesang.
sind als Äußerungen starker Gemütsbewegung oft von symbolischen Handlungen begleitet, z. B. man schlägt mit der rechten Hand schnell durch die Luft und läßt dabei den rechten Zeigefinger auf den Mittelfinger klappen. Das soll wohl der Anderen Aufmerksamkeit erregen und auf den Gegner Eindruck machen, oder: Man schlägt mit der Handfläche beim Sprechen auf den Boden und streckt sie dann gegen den Himmel; man will also Erde und Himmel, die stärksten Machtmittel, vgl. S. 124, zum Zeugen anrufen; oder man stößt den Kopf gegen den eines unbeteiligten Dritten und sagt: Wenn ich Lüge Lügen rede, dann soll das deinen Tod verursachen, vgl. S. ---; ähnliches auf S. 135f. Hierher gehört auch die Symbolisierung einer Trennung, wie auf S. 135 und 63 gezeigt. Wollen sich bei den Kp. zwei durch Bande des Blutes Verbundene trennen, so fassen beide einen Bananenstrunk an und einer haut den Strunk mit dem Buschmesser entzwei. Damit betrachten sich beide, als gingen sie sich nichts an.
Wie solche Flüche und Scheidungen bei Einzelnen möglich sind, so auch bei Gruppen; besonders wenn einer aus der Gruppe ausgestoßen wird (vgl. u. Boykott).
Soll das so gestörte Verhältnis wiederhergestellt, der Fluch unwirksam werden, so ist das trennende Wort wieder zurückzunehmen, und zwar bei festmachendem Brauch. Deren gibt es mancherlei. Meist ist ein muwaledi „ Mittler Mittler“ nötig. Der Gekränkte ist meist mit einer Gabe zu bestechen bestechen und willig zu machen. Der Brauch schließt mit einem Gemeinschaft, -smahl Gemeinschaftsmahl, an dem die teilnehmen, die Zeuge des Bruches und der Aussöhnung waren; außer den Parteien die Sippenglieder und Nachbarn; bei wichtigeren Anlässen auch die Ältesten der verschiedenen Dorfteile, vgl. S. 236ff. – Will ein Ko. eine Verwünschung zurücknehmen, so knetet er nach der Versöhnungsaussprache in einer Schüssel mit Wasser ehud-nsöle „das den Mund Wegnehmende“, ein weiches Waldkräutchen, vgl. S. 128, er beißt davon einige Stückchen ab und spuckt sie über seine Schultern nach hinten aus. Mit dem verbleibenden Pflanzenrest schlägt er sich auf den Mund und spricht dabei: Was der Mund geredet, nimmt er auch wieder weg; was immer ich gesagt habe, das tue ich nun aus meinem Herzen weg! Darauf kann das Gemeinschaftsmahl gehalten werden und die Sache wird nicht mehr erwähnt.
Wurde bei den Bakwiri ein Streit dadurch beendet, daß der Sippenälteste einen der Streitenden aus der Sippe ausschloß, so warf er symbolisch einen Stein aus der Hütte in den Wald; so soll auch der Ausgeschlossene weggeworfen sein. Findet spätere Aussöhnung statt, so muß auch die Wiederaufnahme dadurch symbolisiert werden, daß der Mundwalt der Sippe einen Stein in die Hütte wirft. Dann ist eine Versöhnung innerhalb der Sippe auch den Ahnen am Grabe des Letztverstorbenen kundzutun.
Die Größe des Versöhnungsopfers richtet sich nach der Größe der Sache, auch nach dem Ansehen des Gegenstandes oder der Person, die man beschworen hat; hierbei saugen Kultbundleute einander oft gehörig aus. – Es besteht im Allgemeinen keine Regel, wer das Gemeinschaftsmahl zu bestreiten hat und oft wird es bestritten von dem, der gekränkt war, aber nun auch froh ist, daß die Sache in Ordnung gekommen. Meist tragen beide zu dem Mahl bei. Andererseits erlebt man Fälle, wo etwa ein alter Vater, der seinen Sohn oder [seine] Tochter verstoßen hat, und die nun kommen und um Verzeihung bitten, darauf besteht: Ich nehme meinen Fluch Fluch nicht zurück, außer du habest mich zuvor bestochen, vgl. S. Zurücknahme von Fluch, Schwur o.ä. 2 Zauber, vgl. auch Magie 8 Wort 7. verwünschen
{138}
Auf S. 48 ist gezeigt, daß durch Mittel und Riten Leute mit besonderen Kräften „gefüllt“ werden können. Das geschieht besonders in den Kultbünden, vgl. S. 269ff. Dadurch wird der gewöhnliche Mensch ausgerüstet für besondere Aufgaben; er muß sich aber, um Praktiker in der magischen Kunst werden zu können, in die Nachfolge eines Meisters begeben. Wer so auf seinem Gebiet Meister ist, ist ein ngang, Kp. nganga ngang (Du.), nganga (Kp. u. a.) „Machtmittelkundiger“, wie bwanga bwanga vom Wortstamm -kanga, vgl. S. 54. Solches Können ist mehr Männern als Frauen vorbehalten, die durch ihr Erleben ( Jagd, Jäger Jagd, Fischfang, Krieg Kriege) mehr zauberfähiger werden; ihre Arbeit gibt ihnen Gelegenheit Kräfte zu entwickeln, die andere nicht haben, und Zeit, über die das weibliche Geschlecht im allgemeinen nicht verfügt. Damit ist auch gesagt, daß nur ältere Leute wirkliche nganga sind.
Früher haben schon Erfahrungen während der Pubertätsriten, vgl. S. 192ff., manchen zur Ausübung eines magischen Berufs geführt. Die Leiter der Gemeinschaft merkten, zu was sich der oder jener Initiant eignete und veranlaßten ihn, sich nach abgeschlossener Initiation, Einführung in Kulte Initiation in die Lehre eines Meisters zu begeben. Von ihm wurde er nicht theoretisch schulmäßig in die Kunst eingeführt, sondern der Junge begleitete den Alten auf seinen Gängen, tat ihm Dienste, wohnte bei ihm, und sucht sich so Griffe, Trick Tricks, Gesänge, Tänze, Kräuterkunde u. ä. anzueignen. Ohne Zweifel spielte beim Hineinwachsen in die magische Kunst Erbmasse und Verwandtschaft eine Rolle und einer, der sich als nicht für fähig erwies, fand bald wieder den Rückweg oder wurde nicht in die Gilde aufgenommen und entbehrte Anerkennung und Zuspruch. Denn technische Kniffe, Geschicklichkeit und Kenntnisse müssen vorhanden sein, ob ein solcher nun seinen Beruf in ehrlicher Meinung oder betrügerischer Absicht üben wollte. Ist der Lehrling nicht Sohn oder Schwestersohn des Meisters, so hat er neben den zu leistenden Diensten seinem Meister auch noch eine andere Entschädigung zu geben; dieser wiederum hat ihm seine Medizinen zu zeigen, Kenntnis von Kräutern und deren Bereitung beizubringen und ihm für magische Mittel zu sorgen, die ihm Ausübung des Berufs erst ermöglichen, wenn er die vom Meister beobachteten Tabu-Regeln hält.
Schon die Art der Ausbildung bringt es mit sich, daß der einzelne nganga nicht das gesamte Wissen und Können des Standes beherrscht, auch nicht anfangsweise; jeder nganga ist Spezialist in einer oder mehreren Sachen, eine magische oder medizinische Wissenschaft Wissenschaft gibt es nicht. Der Gesamtstand dieser Spezialisten gliedert sich nun in zwei große Gruppen:
Mot’ a bwanga, pl. bato ba bwanga „Medizinmänner“; diese Gruppe umfaßt nicht nur den Heilsstand der Ärzte, sondern auch aller anderen Künstler außer den
mot’ a ngambi, bato... „Orakelmännern“, die auf irgendeine Weise Geheimnisse offenbaren.
Vielfach versuchen sich erfolgreiche Orakler später auch als Medizinmänner und umgekehrt. Während die Medizinmänner viel unterwegs sein müssen (sie besuchen Kranke und wohnen oft einige Tage bei ihnen, müssen bei Festen und Riten amten, sie suchen ihre Kräuter Kräuter im Wald zusammen u. ä.), ist es ein Zeichen des Ansehens und Könnens des Oraklers, wenn er möglichst zu Hause bleiben kann und die Kundschaft zu ihm kommt. Nur Anfänger und Stümper in der magischen Kunst des Orakelns gehen auf Arbeitssuche.
Die Mitglieder der einzelnen Gilde und Gruppe sind beides wie bei uns: Berufsgenossen und Geschäftskonkurrenten; letzteres aber nicht nur im landläufigen Sinne, sondern auch so, daß was der eine auf dem Weg schwarzer Kunst verdirbt, der andere auf dem der weißen wieder heilt und gutmacht. Mögen sie in der Sinnenwelt gute Kameraden, Mitglieder des gleichen Kultbundes sein, so sind sie in der unsichtbaren Welt oft doch Gegner, die sich im ekumti ekumti „magischen Kampf, magischer -, vgl. auch ekumti Kampf“ das Feld streitig zu machen, ja sich zu verderben suchen.
So viel im magischen Beruf Betrug Betrug und Schläue geübt werden müssen, so sind doch zur praktischen erfolgreichen Übung gewisse Veranlagungen und Voraussetzungen erforderlich, z. B.:
1. Es müssen sensible Naturen sein, die leicht in Ekstase geraten, in der sie Visionen haben und mit der unsichtbaren Welt in Berührung treten. Besonders solche, die den Beruf des Oraklers erküren, müssen das zweite Gesicht, zweites Gesicht haben, so daß mindestens gelegentlich ihre Äußerungen auf Schau beruhen.
2. Sie müssen mit suggestiven Kräften ausgerüstet sein und diese üben, um ihre Absichten und Äußerungen nicht nur ihren Klienten ein- und aufzuprägen, sondern ihrer ganzen Umgebung. ngang, Kp. nganga Nganga kann nur sein, wer auf irgendeine Weise auf die Öffentlichkeit Eindruck macht.
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3. Solche Anlagen müssen weiter ausgebildet werden, was in der Praxis des sango, ba- sango „Meisters“ geschieht, der ihn in die Geheimnisse einweiht; bei den Medizinmännern ist besonders auch der schamanische Tanz Tanz zu üben. Vor allem gilt es auch, den Scharfsinn zu üben, um auch verworrene Verhältnisse zu durchschauen und sich den verschiedenen Lagen anzupassen. Haben sie keinen Erfolg oder finden bei Mißerfolg keine glaubhafte Ausrede, so gewinnen sie kein Ansehen, ja können leicht in Verruf kommen, mulemba „ Hexe, -rei Hexe“ zu sein und schwarze Kunst zu üben.
4. Wer so seine Anlagen geschult und Probe Proben seines Könnens abgelegt hat, muß sich bei einer Gelegenheit öffentlich den Berufsgenossen zeigen, damit sie ihn anerkennen. Es ist die Aufgabe des Meisters, dazu die nötigen Vorbereitungen zu treffen, er lädt die Berufsgenossen zu einem Mahl in sein Haus. Dort hat der Neuling nachzuweisen, daß er im Beruf schon Erfolg hatte und legt die vom Meister übermachten Geräte und Mittel vor. Mit den Mitteln hat ihm der Meister schon von seinen magischen Kräften gegeben. Dieses Transferieren von Kräften wird noch durch eine Handlung versinnbildlicht, etwa dadurch, daß der Gehilfe dem Meister neunmal durch die gespreizten Beine schlupfen muß, oder Meister und Gehilfe stellen sich Rücken gegen Rücken und stoßen neunmal die Köpfe gegeneinander u. ä. Gemeinsamer Tanz zeigt dann die erfolgte Aufnahme in die Gilde. Die Vorstellung vor der Öffentlichkeit erfolgt dann bei anderer Gelegenheit; etwa wenn der Junge den Alten beerbt, bei dessen großem Totenfest, seine Mittel aber zeigt er nicht dem Volk, sondern nur dem Führer des Geheimbundes, dessen Mitglied er ist und dessen Zustimmung er zur Ausübung des Berufs braucht.
Seine Kenntnisse und Kräfte mehrt er durch Kauf und Finden neuer Mittel und durch Nachahmen anderer. So machen ihn die durchlaufenen Riten, das angeeignete esoterische Wissen, die ihm übereigneten Machtmittel zu einem mulondedi mulondedi „Gefüllten“, a lone mw’ e ndjom (Ko.) „er ist Vollmensch“, und kann nun wirken als einfacher Heiler oder wirklicher Zauberer, wozu auch Regenmacher oder -vertreiber und Orakler zählen. Sie unternehmen magische Handlungen, die an natürlichen Dingen solche Folgen haben, daß das gewünschte Resultat erzielt wird. Die gleichen Kräfte auf ungutem Wege, d. h. nur zu selbstsüchtigem Profit und zum Schaden der Gruppe oder Einzelner gebraucht ist Neidingswerk, Hexerei, vgl. S. 94ff., 140ff.
Ein Anfänger kann freilich auch den umgekehrten Weg gehen, besonders wenn er keine große Verwandtschaft hat oder sonst auf nichts pochen kann. Er mag dann versuchen, zunächst durch Leistungen sich einen Namen zu machen. Er muß dabei aber sehr vorsichtig zu Werke gehen, um nicht den Zorn der Konkurrenten zu erregen und nicht bei den Führern des Geheimbundes in Mißkredit zu geraten. Hat er dann die vorgeschriebenen Riten des geheimen Kultbundes durchlaufen, so kann er sich bei einem Kultfest auch als mulondedi „ Gefüllter Gefüllter“ von der oder jener Branche vorstellen lassen, vgl. S. 48.
5. Viele von denen, die diese Voraussetzungen erfüllen, sind wirklich überzeugt davon, daß sie als Mittler Mittler mystische und magische Kräfte besitzen und so mit okkulten Mächten, seien es nun Ahnengeister, Dämonen oder andere Gewalten, im Bund zu stehen. In der Meinung des Volkes stehen sie jedenfalls in solchem Ruf und werden gescheut.
Weil die Geisterwelt des ndimsi ndimsi nachts am belebtesten sein soll, haben auch die Kultbünde und die „Gefüllten“ ihren Betrieb hauptsächlich abends und am Morgen; die Zeit von 4 – 6 Uhr früh oder 4 – 9 Uhr abends sind die günstigsten. Orakler sind meistens morgens in Tätigkeit; da sind das Orakelgerät und ihr eigener Geist frisch, denn während des Schlaf Schlafens hat sich ihre mudi mudi „Lebensseele“ durch den Umgang mit der unsichtbaren Welt gestärkt.
Beispiele aus der Praxis des Medizinmannes und des Oraklers werden die folgenden Abschnitte bringen.
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Schaden kann dem Menschen aus manchen Quellen wie auf mancherlei Art erwachsen. Den schlimmsten Schaden führt man auf Hexen und schwarze Magie zurück, doch gibt es noch andere Ursächer von Schaden, wie bereits angedeutet. In bezug auf die persönlichen Ursächer sind zu nennen: einmal die Hexen, zu denen wir nun nicht nur die ausdrücklich als balemba beschriebenen, vgl. S. 94ff., rechnen, sondern auch die ewusu-, vgl. S. 82ff., und ekong-Hexen, vgl. S. 86ff. Dann gibt es aber auch Leute, die in Abwehr feindlichen Angriffs Mittel wählen, die den anderen schaden müssen und sollen; es ist das nicht ausschließlich schwarze Kunst, schädigt aber doch andere, vgl. S. 144 – 152; dazu gehören auch Manipulationen, durch die man einen üblen Zustand von sich tut in der Absicht, daß ihn ein anderer zu seinem Schaden übernehme, vgl. z. B. S. 56f.; weiter gibt es Riten Riten, da man ein anhaftendes Verhängnis durch magische Mittel von einer Person oder Gruppe nimmt und es in die unbekannte Welt treiben läßt, vgl. S. 247f. [Randnotiz: kema]
Daneben sind Ahnengeister, übertretene Tabu-Vorschriften u. a. Quellen von Übeln, die einen Menschen oder [eine] Gruppe in Gefahr oder Tod bringen können.
Hier aber handelt es sich nur um das, was absichtlich gegen einen anderen als magisches Mittel bereitet und betrieben werden kann.
1. Es sind Praktiken, die sich gegen des Nächsten Eigentum Eigentum richten. Das kann nun einer ausführen als Angehöriger unserer Sinnenwelt; aber wo immer es einer absichtlich tut, sucht er sich magischer Hilfe zu bedienen. Daneben aber treiben Hexen ihr Werk, um andere um ihr Gut zu bringen. Sie stehlen Nahrungsmittel im Feld Feld und in der Küche: Sie holen die Kerne aus den Erdnußschalen, so daß sie bei der Ernte leer sind [bleistiftgeschriebene Randnotiz, nicht genau einzuordnen: vgl. hier auch Ekin [?]]; sind Maiskolben nicht rund und voll mit Körnern besetzt, so haben Hexen die fehlenden gestohlen; dem Palmbauern leeren sie die Weinkalebassen. Sie gehen in die Kaufhäuser und eignen sich an, was ihnen paßt, vgl. S. 87ff.; vgl. den Bericht, wie man sie mit Angeln fängt und sie dann sterben müssen...; vgl. auch Bekämpfung von Dieben S.149.
Die Hexen einer Gegend schließen sich zusammen und kämpfen mit solchen aus anderen Gegenden, um ihrem Land Fruchtbarkeit Fruchtbarkeit zu sichern. In diesen Kämpfen erregen sie Stürme, die andere Menschenleben vernichten. Als sich in der Regenzeit des Jahres 193- ein großer Bergrutsch in den Feldern bei Dikume-Balue ereignete, der einige in einer Feldhütte sich geborgene Frauen erdrückte und begrub, gab man natürlich Hexen aus dem Nachbardorf die Schuld; vgl. auch das wilde Heer ekri [?] bei Bergrutsch.
2. Schlimmer ist es, wenn sich die Hexerei gegen Gesundheit Gesundheit Viele auf Hexerei zurückgeführten Krankheiten beruhen auf Suggestion und + Depression.
des anderen richtet; man muß nur das nötige Mittel besitzen. Da sagt man, manche Leute besitzen den Röhrenknochen von einem Albino Albino, vgl. S. 123; der wird gefüllt mit zerbrochenen Nadeln (früher mit Stacheln von Palmen u. ä.). Den Inhalt bläst nun der Hexer in die Richtung auf den zu, den man verletzen will, oder schüttet den Inhalt gegen ihn aus, der weit weg sein kann. Der Hexer muß in seinem Fluch nur den Namen des Opfers nennen. Auf dem Wege sympathetischer Magie soll dieses ngad’ a bulu „ Gewehr, vgl. auch ngad’ a mudumbu Gewehr der Nacht Nacht“ genannte Zaubermittel Wunden schlagen oder Krankheiten hervorrufen. – Ähnlich ist das ngad’ a ngad’ a mudumbu mudumbu „Gewehr des Mundes“, nur braucht man dabei kein Mittel, sondern man stößt die Verwünschung durch die hohle Hand gegen den Feind aus. Bei dem Mittel mbandja „Rippe“, das besonders Rippenfellentzündung verursachen soll, deutet man bei seinem Fluch mit dem Zeigefinger oder der Unterlippe in die Richtung auf den Gemeinten und nennt seinen Namen. – Ein anderer Weg ist, von seinem Feind Abfallstoffe Abfallstoffe zu sammeln, sie mit schädigenden Mitteln zu vermengen und in einem Topf oder Ballen an den Pfad, den der andere gehen muß, oder in seinem Haus oder Gehöft zu vergraben. Andere Mittel werden quer über seinen Weg gestreut, so daß er darüber schreiten muß. Er soll dann krank werden, besonders Schmerzen im Knie spüren. – Andere Hexen kommen geisterhaft in der Nacht aus anderer Gegend ins Land herein. So glaubt man bei den Bakwiri, daß nachts myolo ma bulu „Nachtboote“ der Hexen vom Meer her die Flüsse und Bäche heraufkämen und {141} in den Bergdörfern ihr schädliches Unwesen treiben.
Will in der Bakwiri-Landschaft eine Mann und Frau, männlich und weiblich Frau ihren Mann los sein, so nimmt sie einige liwokowoko Kp. Medizinkraut mit herzförmigen behaarten Blättern liwokowoko-Blätter, zerreibt sie und führt sie für eine Weile in die Scheide ein; dann beschmiert sie sich die Hände. Naht sich ihr in der Nacht darauf ihr Mann, so kann er den Beischlaf nicht ausführen, er ist schwach geworden und die Frau wirft ihm vor, er sei impotent, sei überhaupt kein Mann. Schließlich wird er dieser beständigen Vorwürfe müde und gibt die Frau frei, daß sie einen anderen Mann suche, der die Heiratswaren zurückgibt. Damit hat die Frau ihre Absicht erreicht.
Hexen können auch ihrem Gast mit Speisen und Getränken eine schädliche Droge reichen, die sich in seinem Innern zu einem verderblichen, krankheitserregenden Tier oder Naturgegenstand entwickelt: Raupe, Schnecke, Käfer Käfer, aber auch Stachelschwein oder Riesen Eidechse eidechse oder Fruchtkerne der Musa religiosa Musa religiosa . Ist kein nganga zu finden, der diese Tiere entfernen kann, so geht der betreffende Mensch jahrelang mit diesem Tier im Körper herum. Ein rechter Medizinmann kann natürlich solche Tiere aus dem Inneren durch die Haut saugen. 1939 lernte ich einen jungen Banyangi-Mann kennen, dessen Magensaft nicht in Ordnung war. Er ging zu einem Medizinmann, der gab ihm abends ein Mittel zu trinken; am anderen Morgen machte er ihm einige oberflächliche Hauteinschnitte auf die Bauchdecke und „zog dann dadurch mit dem Mund ein Häuflein kleiner Würmer heraus“; beliebt ist auch, die gefürchteten Leopardenschnurrhaare einem aus dem Bauch zu saugen. Gesundheit
3. Das Schlimmste ist, daß Hexen töten töten; ihr mörderisches Vergehen ist um so größer, als sie es heimlich und unmerklich tun, ungesehen und unerkannt, nur angetrieben von Haß >Haß und noch mehr von Neid Neid, vgl. diso l’ ekon S. 135. Hat man eine Hexe gekränkt, so kann man versichert sein, daß sie Rache nimmt, die mit dem Tod endet. Es ist schon angegeben, wie sie ihre Lebensseele aus Leib und Haus aussendet, um eine Verbindung mit einem Nagual oder Totem einzugehen und so ihr Opfer zu quälen und zu ‘essen’. Bei den Ausgängen läuft die Hexe freilich Gefahr, von den Gegenhexenmitteln, vgl. S. 144, geschnappt und beschädigt zu werden, so daß u. U. der Hexer umkommt. In jedem Gehöft steht ein solches Mittel und gelingt es der Hexe, dem Mittel im eigenen Hof zu entkommen, so mag wohl der feindliche Hof mit Mitteln umgeben sein. – Durch unsere Station Mangamba führte ein öffentlicher Weg, die Veranda des Haupthauses zog sich diesen Weg entlang. Über das Geländer zogen sich lange Blumenkästchen hin, die fast immer von Blüten geschmückt waren. Den Umwohnern stand außer Zweifel, daß diese Blumen unsere Antihexenmittel seien, es umgebe die ganze Station mit einem für Hexen undurchdringlichen Nebel. Wer nun als Hexe in einen mit solchen Mitteln geschützten Hof eindringen will, kann sich daran den Tod holen. Die Hexe kann sich aber mit einem Kameraden auf dem Gehöft oder im Dorf seines Gegners verständigen, der in die Schutzhülle ein Loch macht, damit der Eingang ungefährlich vonstatten gehen kann. Ist das Mittel überwunden, so hindert es die Hexe nicht, auch wenn die Balue alle Ritzen in ihren Wänden täglich mit Kuhdung zuschmieren. Nun macht sich die Hexe an den ruhig schlafenden Menschen heran; manchmal erwacht er dabei oder hat einen bösen Traum oder verspürt Alpdrücken oder muß im Schlafe schreien: Zeichen genug, daß Hexen an ihm waren. Er rennt nun mitten in der Nacht auf die Straße und schreit sein magisches Erlebnis in die stille Nacht hinaus. Die Alten kommen zusammen, bereden den Fall mit dem Träumer, schelten schelten die Hexen, weil sie die Leute nicht in Ruhe lassen, und befehlen ihnen zurückzugehen samt ihrer bösen Mitgift, woher sie gekommen. – Aber die Hexen haben oft auch Mittel, den Menschen während ihres finsteren Tuns nicht aufwachen zu lassen. Man sagt: Wenn der Haftzeher Haftzeher, vgl. S. 26, jemandem die Haare abfrißt oder eine Maus einem ein Loch in die dicke Haut der Fußsohle nagt, so blase sie immer wieder auf diese Stelle; dies sei ihr Machtmittel, das ein Aufwachen des Menschen verhindert. So kenne auch manche Hexe Mittel und Trick Tricks, um den Menschen unter ihrer unguten Berührung nicht aufwachen zu lassen. Hat die Hexe Erfolg, so kann sie ihr Opfer ‘essen’, d. h. seine Lebensseele an sich ziehen; der Körper bleibt zurück, zunächst äußerlich ganz unverändert. Aber er ist ein ewol’ a moto „hohler, leerer Mensch“enleib, der über kurz oder lang sterben muß, wenn nicht ein starker Medizinmann über die Hexe Gewalt gewinnt und die Lebensseele wieder zurückbringt. In diesem Bemühen steht weiße Kunst anti schwarze Kunst.
Die ganze Hexerei ist also nur möglich, weil sich die beiden Teile des menschlichen Organismus: Leib und Seele, vgl. auch Lebens- und Schattenseele Seele trennen oder getrennt werden können. Wie ist’s möglich, daß ein Mensch ohne Lebensseele oft noch Monate lang weiterleben kann? Der Kameruner antwortet darauf, daß im Körper zunächst noch ein Stück Leben aufgespeichert ist und den dahinsiechenden Körper bewegt, bis er zuletzt auslöscht, wie es beim Greis natürlicherweise geschieht. Ist die Lebensseele weg, so führt der Mensch in
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[Notiz auf Rückseite von S. 141: Große Fetische müssen etwas von Menschenschädeln enthalten. Die Schädel zu beschaffen [?], verhindert die furchtsamen Frauen ins Feld zu gehen und die Gesellschaft hat Hunger, so kann die ganze Gegend in Schrecken gehalten werden.]der Körperhülle ein Scheindasein und niemand hegt einen Zweifel, daß diese Absurdität dennoch lautere Wahrheit ist. – Wie die ewusu-Hexen durch ihren ‘Werwolf’ wirken, ist auf S. 82ff. gezeigt; durch diese Tiere können solche Hexen anderen an Habe und Leben schaden. Oft werden auch Christen Christen beschuldigt, sich solcher Hexerei schuldig zu machen und da sie vielfach die Alten gegen sich haben, wird leicht ein Kesseltreiben gegen einen solchen eröffnet; oft zwingt man einen noch auf seinem Sterbebett, wenn er sich nicht mehr wehren kann, ein Geständnis der Hexerei ab. Darum besteht die Christengemeinde darauf, daß wenigstens einige Christen ihrem Bruder in der Todesnot beistehen, auch wenn in seiner Sippe keine weiteren Christen sind. – Die so von Hexen geraubten Lebensseelen von Menschen werden von ihren Herren auf den Farmen, Handelsplätzen u. ä. beschäftigt oder auf Sklavenmärkten verkauft. Den Tag über sind sie an heimlichen Orten versteckt, und haben nachts zu arbeiten wie die Heinzelmännchen zu[m] Nutz[en] ihres Herrn, zu anderer Schabernack und Schaden, vgl. S. 148.
Zu den schädigenden Mitteln sind aber auch Mittel zu zählen, von denen – absichtlich herbeigeführt oder zufällig eintreffend – ein schlimmer Einfluß auf andere ausgehen kann und die man sich beim Vorübergehen oder Darüberschreiten zuziehen kann Diesen Mitteln fügt man möglichst Abfallstoffe von dem Feind bei. Diese Abfallstoffe sollen dem Mittel den vom Feind stammenden „Geruch“ geben und so das ausgelegte Mittel gleichsam verbergen. Dieser Geruch soll die Abwehrmittel des Feindes täuschen. Selbst mit der gestohlenen Lebensseele eines Menschen stärkt ein Schädling seine verderblichen Mittel.
; kata diboa „sich eine Krankheit Krankheit dadurch zuziehen, daß man über ein Krankheit enthaltendes Etwas schreitet“, vgl. auf S. 136. Solche Mittel werden natürlich von übelwollenden Menschen für ihre Feinde ausgelegt; es kann aber auch ein anderer sich diese Krankheit <auflesen>. So glaubt man z. B., daß man sich gewisse Geschlechtskrankheiten dadurch zuzieht, daß man über die Stelle schreitet, wohin ein Kranker uriniert hat. Hexe, -rei
In Kräuter ihrem Kampf gegen die schwarze Kunst muß die weiße Kunst ihre stärksten Mittel und überlegenen Kräfte aufbieten, um zu bestehen. Was beim modernen Menschen Messer, Pistole, Maschinengewehr, Kanone, Bombe, Flugabwehrgeschütz u. ä. bedeutet, das ist beim Primitiven das Zaubermittel, und wie diese Mittel nicht ohne eine gewisse Kunst (Jiu-Jitsu, Waffenkunde, Kriegskunst u. ä.) recht gehandhabt werden können, so muß sich der, welcher die Mittel magischer Kunst gebrauchen will, in ekumti ekumti „dem Kampf mit den Kräften der unsichtbaren Welt“ und seinen Regeln auskennen.
Die Mittel, die in diesem Kampf gebraucht werden, sind die schon genannten myanga, sing. bwanga bwanga „ Macht, -mittel, -erlebnis Machtmittel“, besonders die größeren und mehr gegenständlichen heißt man auch Fetisch, -ismus Fetische, vom portugiesischen feitiço „Gemachtes“, d. i. ein mit magischer Kraft geladener Gegenstand, der entweder als Naturobjekt schon ‘geladen’ ist, wie Wurzeln, Klauen, Knochen Knochen ( Dynamismus Dynamismus) oder der durch magische Manipulationen ‘geladen’ worden ist. So versteht man besonders künstlich bereitete Objekte, wie geschnitzte Figuren, zusammengebundene Kräuterbüschel, mit Machtmitteln gefüllte Gefäße, wie Hörner, Täschlein u. ä., kleine Gärtchen bepflanzt mit magisch-geladenen Kräutern, Häuschen gefüllt mit magischen Objekten unter der Bezeichnung „Fetische“. Zum Unterschied von Dämonischem und Geisterhaftem (beseelt vom Dämon oder Geistwesen) sind also Fetische vom Magier geladene Naturobjekte. Hat so der Fetisch i. a. nichts zu tun mit Dämonen und Geistern, so werden doch besonders die Großfetische oft wie Personen behandelt und angeredet, man betet zu ihnen,
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[Notiz auf Rückseite von S. 142: nyo – Geröllsteine]bittet sie um Entscheid, um Ergreifen des Schuldigen, um Loslassen des Reuigen und Sühnenden, vgl. S. 114.
Man könnte diese Mittel einteilen nach den Zwecken, denen sie dienen sollen, allein manches Mittel dient verschiedenen Zwecken. So scheint es richtiger zu sein, sie nach ihrem Aussehen zu klassifizieren.
Die als Arzneien gebrauchten Mittel werden verwendet: als Dampfbäder inhaliert, als Pflanzensaft durch esongo „Baumblatttrichter“ eingetropft, als Saft, Kräuterabsud, Salbe auf den Körper oder einzelne Teile gestrichen, in Impfwunden gerieben, als Körner oder Baumrinden zerkaut und ausgespuckt, als Packungen aufgelegt, in Hörnchen oder Muscheln gefüllt, oder in Haut, Tuch oder Maschengewebe eingenäht am Körper getragen, in Päckchen, Kalebassen oder auch in roher Form unters Dach oder andere Stellen aufgehängt, in Töpfen vergraben unter der Türschwelle oder im Hof.
Kräuter, Pflanzen, Rinden, Wurzeln, Blätter, besonders von Waldbäumen; sie werden zu rechten medizinischen Zwecken gebraucht, aber auch zu magischen. Solange sie nicht vom Medizinmann oder Kultbund in Gebrauch genommen sind, gelten sie meist als harmlos und können von jedermann genutzt werden. Erst magisch wirkende Menschen können die in den Pflanzen schlummernden Kräfte zum Guten oder Schlimmen wirksam machen; z. B. wenn eine Baumorchidee oder [ein] Geweihfarn irgendwo im Wald auf einem Baum angetroffen wird, gilt ihr kein Tabu; wächst diese Pflanze aber auf einem mfam mfam-Baum, so ist sie machtgeladen und übt ihre Wirkung. Andere Pflanzen sind kaum anders als bei magischem Gebrauch zu sehen, z. B. djanga 5, m- „ Zwiebelgewächse Zwiebelgewächs“ ist in ihren verschiedenen Arten gleichsam an sich eine magische Pflanze, vielleicht weil sie sich ohne Samen geheimnisvoll und stark durch Wurzelschößlinge vermehrt und kaum einmal eingeht. Man findet sie an den Dorfausgängen, in Höfen, auf Kultplätzen, neben Haustüren, gelegentlich auch auf Dächern. Wo sie wächst, ist oder war auch irgendein Machtmittel erstellt oder vergraben. Sie wird gepflanzt, wenn irgendein Fetisch errichtet wird; dazu werden Verwandte und Nachbarn eingeladen. Sie haben ein Machtmittel zu trinken, womit sie aller Hexerei abschwören, o djeka kwedi na e si po pe o wa wuma „um zu verhindern, daß der Tod nicht [nochmals] an diesen Ort komme“. In und um diese Zwiebeln west die magische Schlange Schlange, vgl. S. 86f., als Mittel des Heils, 2. Könige 18, 4. – Man „trinkt auch ein Machtmittel“, indem man eine Flüssigkeit über einen magisch-kultischen Gegenstand spült und die Brühe zu sich nimmt, vgl. S. 137b.
a. Arzneimittel in unserem Sinne, die äußerlich (Einreiben, Massieren, Dampfbad Dampfbad, Besprengen, Packung) oder innerlich (Einnehmen, Klistier Klistieren, Augentropfen) zerkaut und irgendwohin gespuckt gebraucht werden; manche werden auch eingeimpft, d. h. durch Einschnitte eingerieben. Sie werden meist vom Medizinmann durch Spuckhauchen ‘gesegnet’. Sie erfordern nur wenige Tabu-Regeln.
b. Allerlei Mittel, die Mensch und Tier, Haus und Acker, Baum und Feldfrucht schützen und vor schädigenden Mächten bewahren sollen. Sie sind meist in privatem Gebrauch, aber vom Medizinmann angefertigt; z. B. umgehängte Tierzähne und -knöchlein, gefüllte Hörnchen, Ring Ringe, Ketten, sie werden am Körper getragen, andere in Bündeln, Packungen oder Sträußen unters Dach gehängt, andere in Töpfen, Flaschen u. ä. vergraben. Sie zerfallen in:
Ndjum „um Hals oder Hüften getragenes Amulett oder Talisman Talismann“; oft sind die Mittel in Säckchen aus Fell oder Tuch eingenäht, in ein Hörnchen oder in eine Kaurimuschel gepreßt u. ä. Kind, vgl. auch Eltern und Kind Kinder tragen sie, ‘damit sie der Tod nicht sieht’ oder ‘damit sie die Sonne Sonne nicht schlage’; Erwachsene tragen sie häufig in ihren Schultertaschen oder ins Tuch gebunden, aber auch um Hacken, Hüfte, Knöchel, im Haar, an Kleidern; oft auch um Armringe gewoben. Dazu zählen auch die von Hausa verhandelten, in Tuch eingenähte Koransprüche. Ihr Zweck ist, den Träger zu schützen und den Gegner zu schwächen, so daß der Träger Erfolg hat im Erwerb von Gunst und Gut und Glück.
Ndjung eine „Kraftmittelmischung“, meist in ein Horn Horn oder kleine Kalebasse gefüllt oder um ein Stöckchen gebunden, womit man im Bedarfsfall den Körper bestreicht. Dazu gehören z. B. Gorilla- und Schimpansenröhrenknochen, die große Frucht einer Baumleguminose, Baumrinden, kleine geschnitzte Figuren, Berg Kristalle kristalle u. a.
ndjou Ndjou Wohl *ni-djeku, vgl. Sa. und Nk. ndjeg, Ko. ndeb.
„Amulett“, meist ein aus Kräutern zusammengebundener Strauß oder einzelne Kräuter o. ä. in einen gespaltenen Stab, Stock Stock geklemmt, aber auch einfache Kräuter, z. B. ndjou a Basa, sa Long (Nk.), sa Belung (Ko.) Sa Long (Nk.) kisawa 7 und Belong sind die Balong am mittleren Mongo, die sich vor wenigen Jahrhunderten von ihren Stammesgenossen, den Belung auf dem SW-Hang des Manenguba getrennt haben und gen Süden gezogen sind.
„ Euphorbie Euphorbie“. Auf Verfehlungen gegen ndjou, was meist als Schutz gegen Diebstahl an Häusern oder Äckern oder Bäumen verwendet wird, folgt diboa la ndjou „Verrücktheit, Irrsinn“, was nur vermieden werden kann, wenn der Besitzer des ndjou an dem Frevler eine Sühnehandlung vornimmt. – Auch Ringe und Ketten, besonders die aus den Kernen der Musa religiosa Musa religiosa bereiteten Ketten für weibliche Fruchtbarkeit Fruchtbarkeit gehören hierher, vgl. S. 205. Mancherlei sind die Zwecke, die mit den ndjou-Mitteln erstrebt werden. Eines heißt mponde, es soll unterwegs die Feinde willfährig machen, so daß man ohne Anstand reisen kann.
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[Notiz auf Rückseite von S. 143: Diesen Machtmitteln schreibt man natürlich Wunder zu. Da ist ein Dorf abgebrannt. Das einzige, was die im Dorf verbliebenen Alten retteten, ist ihre große Kultbundtrommel, die sie in den Wald zogen. Nachher erzählte man im Dorf und der Gegend, der im Bund verehrte Dämon sei während des Brandes gekommen, habe die Trommel aufge+ und sei mit ihr zu dem geschützten Platz geflogen. (Mulee [?] Ngea, 1911, S. 72: Der Brand von Koba, Bakundu)]Dieses Mittel ist nicht zu verwechseln mit dem auf S. 234 genannten mbonde, das bei der elielie-Rite eine Frau in hypnotischen Zustand fallen läßt.
nia Nia [ist] ein Mittel, das das Gegenüber seiner Kräfte beraubt; besonders von Jägern getragen, die sich vor wilden Tieren schützen wollen; andere Mittel geben die Fähigkeit ndjengulan, d. h. der Besitzer kann einem ihn Verfolgenden gerade vorm Zugriff entschlüpfen, um an einem anderen Ort aufzutauchen (wobei also die Seele im Körper bleibt), während mwanda die Fähigkeit ist, sich zu ‘ spalten, sich spalten’, d. h. seine Lebensseele der Gefahr zu entziehen, indem man aus dem Gefahrenbereich wegfliegt oder sich in einen Termitenbau Termitenbau verwandelt oder als Käfer aus einer Wandritze ins Freie kriecht u. ä. Hierher gehört auch alles Orakelgerät, vgl. S. 157ff., und die Fetische der Geheimbünde, vgl. S. 269ff., und Zubehör zu Großfetischen, vgl. S. 112ff. und ---ff. Bei diesen kleinen Fetischen wird vielfach auch geschworen, vgl. S. 150ff. Sehr angesehen ist auch das in Hörnchen gefüllte Mittel pindi, vgl. S. 14 Kräuter 6. Amulett
Großfetische bestehen zumeist aus einer ganzen Reihe von Macht, -mittel, -erlebnis Machtmitteln, die ein bestimmtes System darstellen mit besonderen Tabu-Regeln und verschiedenen Aufgaben; meist sollen die Mittel schützen gegen Hexeneinfluß in jeder Gestalt, gegen Diebstahl Diebstahl, Krankheiten und andere Übel, und zwar ein ganzes Dorf oder -teil, ja [eine ganze] Landschaft, darin sie stehen. Meist sind dann an den Eintrittstellen eines so gesicherten Platzes Medizintöpfe vergraben und unter Panierstöcken Zwiebeln u. a. gepflanzt. So standen an den Eingängen zu vielen Ortschaften im Manenguba-Gebiet 1928 die Abzeichen des Mittels mekime oder bekime, ein Fremdwort aus Duala = „Drohung“, zur Abwehr von Krankheiten, wilden Tieren (Nagual), Hexen und anderen Menschen, die sich in übler Absicht der Ortschaft nahen; ein anderes Mittel war Mwa-Ndjindang, dessen Anhänger gefürchtet waren. Diese Mittel sind besonders gegen Hexen gerichtet und zwar nicht nur gegen fremde, sondern es soll auch verhindern, daß in den betreffenden Gehöften oder Ortschaften Leute als Hexen herauskommen; treten sie doch aus den Hütten, so soll sie das Mittel niederschlagen. Eigenartig ist auch das Mittel ngwam: Im Häuptlingsgehöft wird ein Topf (Medizin) Topf mit Medizinen vergraben, vor die beiden Ortsausgänge wird an einem hohen Pfahl ein Büschel Drogen, vgl. auch Medizin Drogen und ein lebendes Huhn Huhn gehängt. Es ist an den Beinen gebunden und hängt mit dem Kopf nach unten. Bis zu seinem Verenden flattert es immer wieder auf und schlägt mit den Flügeln. Dadurch soll es alle bösen Einflüsse verscheuchen, so daß dem Ort Krankheit und andere Not fern bleibe.
Oft sind solche Mittel in einem Gebiet seit langem heimisch, wie z. B. die mbando-Steine, vgl. S. 93b, oder der mfam im Kreuzflußgebiet, vgl. S. 112ff., epupa epupa in der Manenguba-Gegend, vgl. S. 148, u. ä. Andere wieder durchziehen gleichsam nur das Land, um verhältnismäßig rasch wieder zu verschwinden, so z. B. ndjom ums Jahr 1910, beschrieben in dem Heftchen Ittmann, Mein Freund Leopard (Basel 192-), ndjeg, vgl. S. 148, und andere. Ein Schwur bei solchem Großfetisch, dem man gleichsam persönliche Eigenschaften zuschreibt, ist natürlich noch verpflichtender als der bei einem einfachen Mittel.
Diese verschiedenen Mittel können religiöser Art sein, wie z. B. das Abfallstoffe Abfallstoffe enthaltende Päckchen, das die Lebensseele des Trägers in seinen Körper bannen soll oder die Mittel, die auf dem Ahnenkultplatz liegen, die Fetisch, -ismus Fetische der Kult, -bund, vgl. auch Geheimbünde Kultbünde u. ä.; andere sind medizinisch-magischer Art wie die als Heilmittel gebrauchten Kräuterbündel und pulverisierten Drogen, Haut- und Grasstreifen, die um schmerzende Stellen gebunden werden und dgl.
Im Kampf gegen schädlichen Geister- und Hexeneinfluß kann man gradweise vorgehen: 1. Man beugt dem Übel vor durch entsprechendes Verhalten (das ist besonders im Gefahrenzustande durch Tabu-Regeln geordnet) oder durch Mittel; diese können einfache Manipulationen sein, wie das Wegblasen, vgl. S. 55b, oder Wegwerfen, vgl. S. 265, eines Übels in Gestalt eines Substituts, oder Schutzmittel wie die vorhin genannten kleinen oder großen Fetische.
Oder bei Vermuten einer Hexenversammlung auf einem Baum kann man in die Krone hinaufschießen, so daß die Eule Eulen so erschreckt davonfliegen, daß ihre Besitzer an dem Schreck eingehen; oder man macht unter dem Baum ein Feuer und verbrennt darin Stoffe, die einen beißenden Rauch erzeugen, z. B. Ölnußtrester, Pfefferzweige u. ä. Der Rauch steigt den Vögeln in den Hals und erzeugt bei den Besitzern die Schwindsucht, vgl. S. 29.
2. Man stellt die finstere Macht bloßstellen bloß, wodurch sie vielfach ihre Gewalt verliert; vgl. ekalabandja auf S. 81 oder durch Ordal, vgl. S. 164ff., und Aussprache, vgl. S. 236ff., oder Obduktion, vgl. S. 96.
3. Man straft Hexen oder besticht Geister; die vom Orakel bezeichneten Geistwesen sind zu bitten und ihnen ist zu opfern; die bloßgestellten Hexen müssen gestehen, wodurch ihre Macht bricht, vgl. S. ---, sie müssen sühnen und wiedergutmachen gutmachen; oder ein Machtmittel <fängt> den Schädling, vgl. bei mfam S. 112ff., der entweder zugrunde geht oder durch Vermittlung des ‘ Priester Priesters’ gutmacht und seinen bösen Einfluß aufhebt; das Ordal, Gottesgericht, -urteil Ordal zeigt den Schuldigen an, indem es ihn vernichtet, den Unschuldigen, indem er ohne Schaden davonkommt.
Gang eines Krankheitsfalles mit magischen Eingriffen:
1. Periode: X fühlt sich krank; er liegt in der Hütte beim Feuer herum; man versucht das oder jenes Hausmittel, Klistier Klistiere, Brechmittel und dgl.
2. Periode: Da diese Mittel nicht geholfen [haben], fragt man das Orakel Orakel, ob die Sache schlimm ist, und läßt sich einen Medizinmann bezeichnen; oft fordert das Orakel auch eine Sühneaussprache und Gutmachung, wie S. 235ff., oder ein Opfer an die Ahnengeister und dgl. Zuweilen wird auch schon der Ursächer genannt.
3. Periode: Die Sühneaussprache wird gehalten und die nötigen Gebräu-
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[2 Notizen auf Rückseite von S. 144: „Europäer werden nie verstehen können, wie schrecklich das Leben der armen Geschöpfe ist, die ihre Tage in dauernder Furcht vor Fetische, die gegen sie verwendet werden können, verbringen.“ A. Schweitzer Njou eines Jägers: Ein Beutelchen mit pulverisierten Knochen, Haaren u. ä. von Wild, daß er im Wald antreffen möchte, hergestellt in der Kultbundhütte und vermischt mit einem diesem Bund eigenen Kraut. Njou eines Fischers: Er trägt etwas an einem Armring angesponnen [?], ein Knöchlein von einem Fisch; wichtiger ist aber noch etwas, das als von mengu „Wassergeistern“ herrührend gilt, vgl. S. 118. Njou eines Reisenden: Der Medizinmann besorgt ihm ein Mittel, das ihn unterwegs vor Unheil schützt und Widerstände beseitigt, einen auf S. 131 beschriebenen Gunstzauber oder ein Stück Rinde vom „Amulettenbaum“, vgl. S. 19. Oft sind in seinem Amulett Teilchen von wilden Tieren enthalten, das Tier im Wald „riecht“ in dem Wanderer seinen Kameraden und läßt so den Menschen unbehelligt passieren.]che verrichtet, doch ohne Erfolg.
4. Periode: Der Kranke muß <auswandern>, oft wird er heimlich in der Nacht in ein ander[es] Dorf, etwa zu einem Medizinmann gebracht oder er geht in eine kleine Hütte in den Busch, die nur wenige wissen. In dieser pond’ a musala „Erholungszeit“ steht er ganz unter der Einwirkung des Medizinmannes und die Krankheit wendet sich entweder zum Guten oder zum Schlimmen.
5. Periode: In letzterem Fall tritt der Tod ein; die Beerdigungsbräuche, Obduktion u. ä. sind zu beachten, vgl. S. 96, 213ff., 216, und die verschiedenen Totenfeiern zu halten, vgl. S. 217, 227; in ersterem Fall das dindo, eine „Reinigungszeremonie“, vgl. S. 265ff.
Haben die Obduktion Obduktion oder andere Wege auf die Spur fremder Hexenkraft geführt, so kann der in Verdachtstehende zum Trinken des Ordals genötigt werden.
Hat ein Magier mit seinen Mitteln in einem Falle keinen Erfolg, so ist damit weder des einen Unvermögen noch des anderen Unmacht erwiesen, vgl. S. 246. Darum müssen im Voraus bezahlte Sporteln nicht zurückvergütet werden; noch ausstehende werden aber auch nicht bezahlt. Das Mißlingen eines Mittels kann bedingt sein dadurch, daß
1. die Hilfe zu spät angefordert wurde, die edi „Lebensseele“ war schon in der unsinnlichen Welt festgemacht; a wede a Kupe „er ist auf dem Kupe gestorben“ oder a wede o bedimo „er starb in der Schattenwelt“;
2. die widrigen Mächte zu stark waren (Hexen, Geister u. a.) und auch zeitlich im Vorteil;
3. der Kranke oder ein naher Angehöriger von ihm die Sache verdorben hat, weil Tabu-Regeln verletzt oder sonst gefrevelt wurden;
4. Gott ( Loba Loba) es so gewollt hat.
Bei diesen Gründen ist nichts zu machen und man tröstet sich mit dem Spruch, daß ‘auch in des großen Magiers Hause Kinder sterben’. Krankheitsbehandlung
Mbema be matatane nyolo „den Körper schützende Mittel“; sie werden natürlich auch am Körper getragen (im Haar Haar, am Hals, als Ring Ring um Hand- und Fußgelenk und Finger – oft sind die eigentlichen Mittel an solchen Ringen befestigt –, als Ketten um die Hüften); oft aber sind solche Mittel nur Symbol Symbole oder Parallelstücke zu größeren im Haus oder Hof. Fingerringe hatte man früher in unserem Gebiet nicht; sie sind von den Hausa und aus Belgien und Amerika (!) eingeführt [worden]. Um den Hals trägt man irgendein Mittel an einer Schnur; oft ist es nur der Zahn Zahn eines Tieres, oft ein mit einem Mittel gefülltes Hörnchen oder [eine] Muschel; in den Ketten um Hals und Hüften sind oft europäische Glas Perle, Glas- perlen aufgereiht; dazwischen aber solche, die als besonders krafthaltig angesehen werden, oder Zähne oder Samen, vgl. S. 205, o. a. Hörnchen hängen die Männer auch oft an ihre Gürtel, Frauen binden sie in ihre Kleider, legen sie in ihre Körbe, wie sie Männer in ihren Taschen mittragen. Wenn Dr. Mansfeld in “Urwalddokumente“ schreibt, daß der Häuptling Egbe von Mbabong bei Osidinge eine Mütze trug, auf der etwa 200 menschliche Backenzähne und 2 Leopardenzähne aufgenäht waren, so ist das nur ein Beispiel aus älterer Zeit (die Backenzähne rührten wohl von Sklave, Sklaverei Sklaven her, die beim Tod seines Vaters und Großvaters geopfert waren; es können aber auch Zähne eigener Vorfahren sein, vgl. Schädelkult S. 226. Besonders trägt man solche Mittel während Gefahrenzuständen, so z. B. die Trauerzeichen, vgl. S. 217ff.
{146} Nse mod a yalad, edengedeng (von edinge = Du. mudi, vgl. S. 77) „Wenn sich einer ge spalten, sich spalten [hat] (vgl. S. 97), hat er keine Seele mehr im Leib“. Dann kann nur ein Magier die Seele wieder zurückbringen. Er setzt den Patienten dabei vor sich auf einen Pisangstrunk, wäscht ihm den Körper mit seinem Absud ab und bestreicht ihn mit einem lebendigen Hahn. Dieser ist zuvor noch mit ‘Mitteln’ gestärkt, etwa hat man ihn neunmal mit einem Fetisch oder Kultbund-Gegenstand in Berührung gebracht oder dgl.
Denn es besteht die Vorstellung, daß dem Kranken bei seiner Verhexung ein Huhn Huhn in den Körper gebracht worden ist, das die Lebensseele durch Picken vertrieb und, so oft sie zurückkommen will, vertreibt. Durch das Bestreichen mittels des Hahns soll das magische Huhn aus dem Körper gelockt werden. Ist das erfolgt, so läßt man den Hahn laufen, er trägt als ‘ Sündenbock Sündenbock’ das ‘Böse’ weg; nun ist Raum für die Lebensseele geschaffen und der Magier winkt die Seele mit einem Kräuterstrauß herbei und lädt sie durch Gesang ein, wieder in den Körper zu gehen:
Be dide we a nkog m-böl,
be wupe we;
ntimte we edengedeng a yol.
„Man hat dich auf einen Medizinstock gesetzt;
man hat dich abgewaschen;
ich bringe dir die Seele in den Körper zurück.“
Bei diesem Spruch bindet der Magier dem Patienten ein ehintene, ähnlich dem Duala pindi, vgl. unten, um den Hals; dieses Mittel ist ein Säckchen gefüllt mit Wachstumsstoffe Wachstumsstoffen des Kranken und anderen magischen Mitteln. So in Bakosi; in anderen Gegenden bestreicht man dem Kranken noch den Bauch mit feuchter Erde (etwa Schwangeren) oder die Körperstelle, da der Wurm der Krankheit sitzt.
Herr Missionar Christlieb Schmidt berichtet über einen Fall, wie die Bakwiri suchen, die entwichene Lebensseele wieder zurückzubringen: Eine Frau ist in Ohnmacht gefallen; das Orakel behauptet, die Lebensseele sei entwichen und man solle die nötige Medizin dafür bekommen. Der Medizinmann läßt ein Grab graben und die Frau wird hineingelegt; der Arzt reibt den ganzen Körper mit heilsamen Kräuter Kräutern ein; eine Ziege und ein Huhn werden geschächtet; mit dem Blut Blut wird der Frau Brust, Rücken, Stirn und die Oberseite der Zehen bestrichen, das übrige als Tunke zur gebackenen Ziegenleber der Frau zum Essen gegeben. Die Feder Federn des Huhns werden zu einem Amulett zusammengebunden und der Frau umgehängt, als Mittel, die Seele in dem Körper festzumachen.
Hat nun aber ein solches Mittel bei dem Betreffenden keinen Erfolg und der Kranke stirbt, weil, wie man annimmt oder das Orakel angibt, ein böser Mensch Hexerei getrieben [hat], so fertigt der Medizinmann aus den gleichen Mitteln wie vorstehend angegeben ein Päckchen an, das epume epume (Ko.) Bei den Jaunde ist abub melan „Fetischamulett“ nur mit Zähnen, Gehirnteilchen und dergleichen von Menschenleichen gefülltes Säckchen aus Tierfell zum Umhängen.
heißt: Fußnägel, Kopfhaare, ein Stückchen von seinem Kleid, etwas Hauttalg von dem Toten und allen Gehöftsbewohnern werden vermischt. Mit Kardamomum Kardamomum, Pfeffer Pfeffer, großen Nachtschatten Nachtschattenfrüchten, Pulver u. ä. magischen Mitteln und einem Hühnerei legt man es in einen Topf und vergräbt es unterm Herd, bei der Haustür oder im Hof oder hängt es über der Haustür unterm Dach auf mit dem Wunsch, daß dieses Mittel den Mörder bei seiner Wiederkehr als Hexe packen möge.
Das Hühnerei soll zerplatzen, wenn eine Hexe in die Nähe kommt und so sie anzeigen. Man bereitet aus den genannten Ingredienzien auch kleine Beutelchen, die einzelne als Amulett Amulett umhängen. Bei der Bereitung des Mittels wird auch ein Huhn geschlachtet und sein Blut über die Herdsteine spritzen [ge]lassen, während man zugleich viel Pfeffer verbrennt, um beißenden Rauch zu erzeugen. Dieses Mittel epume, pl. e’pume, ist das allgemeine Hexenabwehrmittel der Bakosi, vgl. S. 55b.
Bei den Bakwiri beobachtete ich folgendes: Nach dem Tod ihres Mannes nahm eine Frau Kokosnußwasser in eine Schale und wusch ihre Hände darin, dann ging sie von Haus zu Haus und ließ alle Erwachsene, auch anwesenden Fremde, Fremdlinge Fremde, ihre Hände darin waschen. Darauf mischte sie noch allerlei magische Mittel, besonders Abfallstoffe von Toten darein und schüttete das Mittel in ein Loch vor der Hüttentür des Verstorbenen. Der ‘ Mord, Mörder Mörder’ sollte auf diese Stelle treten und an dem Mittel zugrunde gehen.
Wer sich in den Besitz von Mitteln gesetzt [hat], die einem die ekong-Kraft, vgl. S. 86ff., vermitteln, kann auch das Kräutlein bewudu ba nyo na nyo „Haarkraut“, bewule ba Fako (Kp.) „Kamerunbergskraut“ oder ky’ ekom (Ko.) „Totemkraut“, ein auf freien Plätzen und Wegrändern häufiges, bis zu 50 [c]m hohes, stark behaartes, mit gegenständig gezähnten Blättern versehenes weiches Kräutchen, das als Heilkraut überall bekannt ist, gegen Hexeneinfluß verwenden. Hat ein Nkosi böse geträumt oder sonst gemerkt, daß ihn Hexen gequält [haben], so zerreibt er am Morgen einige Blätter dieses Kräutleins, mischt sie mit Pfeffer und Salz Salz und verzehrt dies; dadurch entweicht das Ungute, das die Hexe nachts in seinen Körper gebracht [hat], wieder auf natürlichem Weg. – Wer unterwegs gegen Feinde und daheim gegen Hexen und dergleichen im Schlaf gefeit sein möchte, zerreibt die Blätter dieses behaarten Krautes und bestreicht sich mit dem Brei den ganzen Körper. Dadurch wird er im Schlaf über und über mit Maden bedeckt, die ihm aus dem Körper herauskriechen. Kommt dann ein Neiding und sieht die Würmer, so glaubt er sich vor einer Leiche Leiche stehen und läßt den Schläfer in Ruhe. Freilich ist in solchem Falle Vorsicht gegen Hühner geboten; würden sie diese Würmer abpicken, so würde der Betreffende lebrakrank [lepra- ?; leber- ?]. Es hat alles zwei Seiten.
Besonders berühmt ist seit alters ein Mittel pindi pindi, bei Sa., Yao. u. a. pin, um den Kamerunberg. Es soll solchen, die einen gefährlichen Beruf haben: Jäger, Krieger u. a. helfen, sich unsichtbar zu machen; es sind Kräuter, Blut Blut, womöglich auch etwas von einem Menschen darin, etwas Asche; darum wird das Mittel sehr geheim gehalten. Man hat noch besondere Spezialitäten davon z. B. pin nsiog (Ko.) „Tarnmittel gegen Elefanten“, pind’ a ndjo „Antileopardenpulver“ u. ä.
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[Notiz auf Rückseite von S. 146: Das Grasland Grasland ist regenärmer als das Waldland, daher [sind] auch dort die Regenmacher häufiger. Bei den Meta hat ein besonderer Medizinmann die Aufgabe, den Regen auf seiner Felltrommel herbeizurufen; man glaubt, der Regen komme von tiefen Wasser[n], die irgendwo seien in der unsinnlichen Welt.]In dem regenreichen Lande gibt es zwar auch Regenmacher Bei den Bakwiri nehmen Regenmacher dünne, mit kleinen Blättchen versehene Grashalme, reißen die Blättchen vom Stengel und werfen beides ins Feuer. Dann spießt man das Gras samt den Blättchen mit einem gespaltenen Stecken auf und fährt damit durch die Luft. Dabei rieselt die leichte Asche der losen Blättchen wie Regentropfen hernieder; so wird es also regnen. Der Regenmacher darf aber nicht von diesem Regenwasser trinken (d. h. aus einem Gefäß, das den Regen an der Dachtraufe auffing), sonst muß er sterben.
; zumeist aber müssen <Mittel> Regenzauber Regen abhalten. Man kennt da zwei Arten: 1) Der Hausvater Hausvater kennt meist ein Mittel, welches den Regen vertreibt. Oft ist es ein Kraut, das auf einem irgendwo errichteten Herd Herd verbrannt wird. Der Mann wedelt mit einem Gegenstand den Rauch weg; und wie dieser verzieht, so sollen auch die Regenwolken sich verziehen. Man kann auch an der gebräuchlichen Feuerstelle im Haus die Prozedur vornehmen, indem man Öl Öl in das Feuer spritzt, so daß das auflodernde Feuer die Kräuter schnell verzehrt, worauf der Rauch verjagt wird. Diese Art wird fast nur angewendet, wenn eine besondere Rite zu halten ist, wie Totentanz und dgl., oder wenn einer Leute zu einer Arbeit gedingt hat. – 2) Besondere Regenvertreiber gehen durchs Land. Sie tragen einen Medizinkräuter-Büschel an einen Stab, Stock Stock gebunden vor sich; und wie sie ihn schwenken, so wird der Regen vor ihnen vertrieben. Vor dem Ausgang ist aber sowohl der Kräuterstrauß, wie auch der Himmel zu bespuckhauchen; beim Strauß bedeutet der Speichel Speichel Segen, Stärkung; die Wolken aber sollen zurückgeschreckt werden. So soll der Regen gerade vor und hinter dem Magier fallen; wo er aber gerade ist, regnet es nicht.
Wieviele sind der religiösen und der medizinisch-magischen Mittel, mit denen man „seinen Körper“, d. h. sich selbst schützt! Viele werden auch nicht beständig getragen, wie z. B. ehid ’ewake „Oberschenkel Knochen knochen des Schimpanse Schimpansen“, vgl. S. 131; man bestreicht sich damit auch die ermüdeten oder schmerzenden Körperstellen, besonders Wettringer, Krieger, Jäger, Wanderer, bevor sie von zu Hause aufbrechen. – Hornvipern werden bei den Bakosi nicht nur wegen des Fleisches geschätzt, sondern auch wegen ihrer Giftzähne, denn mesong me pi nyo „Zähne der Hornviper“ (wozu auch ihre Hörner gezählt werden) sind ein Gegenmittel bei Schlangenbiß; der abgehackte Kopf wird über dem Feuer getrocknet und aufbewahrt. Bei erfolgtem Biß wird von den Knochen und Zähnen etwas zerrieben und das Mehl in die Medizin getan, um sie zu stärken; man macht dem Betreffenden auch Einschnitte in die Haut und reibt von dem Zahnstaub ein, vgl. S. 26.
Ebenso sind auch die Mittel zum Schutz von Haus Haus, -bau und Garten mannigfaltig. Es können nur einige genannt werden; manche sind beweglich und haben keinen festen Platz; anderer Ort ist festgelegt.
Unter dem Namen tongo (Du.), sonstwo auch tong, „ Horn Horn“ versteht man Mittel mit mancherlei Zweck, je nach dem Inhalt (manche sind auch leer); wir sind solchen Hörnern schon begegnet beim mfam, vgl. S. 112ff., bei den Mitteln zum Körperschutz, vgl. S. 145; sie werden auch als Orakel verwendet, vgl. S. 158, 163b. Zu unserem Zweck verwendet man meist Antilopen- oder Ziegenhörner von 5 bis 50 cm Länge. Ein großes Horn kann einem ganzen Dorf zum Schutz dienen, kleinere haben einzelne Besitzer; sie sollen Fruchtbarkeit Fruchtbarkeit im Dorf bewirken und Krankheit und Tod abhalten; man hängt es im Kulthaus auf oder steckt es in den Boden, etwa unters Bett oder trägt es im Gürtel auf der Reise. Von Zeit zu Zeit muß das Horn „gespeist“ werden; wenn für einen Kranken ein Tier geschächtet wird, begießt man auch ein solches Horn mit Blut. So ist es kräftig und der Medizinmann rührt damit seine im Topf kochenden Drogen um, bestreicht damit auch den Kranken. – Das unter Nr. 2, S. 158 abgebildete Horn [nur in Kopie] , 52 cm lang, wurde als Mittel gegen Neidinge angeschafft. Es kostete seinen Besitzer über 50 Mk. Zusammen mit einem Salbfläschchen war es am unteren Ende des Bettes vergraben; nur das geschlossene Ende schaute aus dem Boden heraus. Jeden Abend waren dem Horn drei zerkaute Kardamomum Kardamomum-Körner als Spuckopfer zu geben. Dabei nannte der Mann seine Feinde und sprach den Wunsch aus, daß ihm das von ihnen ihm zugedachte Übel nicht zustoße. Ging er auf die Reise, so verabschiedete er sich von dem Horn, sagte ihm Umstände, Zweck, Ziel und Dauer der Reise und bat um Schutz während seiner Abwesenheit. Als der Mann sich der christlichen Gemeinde näherte, gab er mir das Horn. – Ein solches Horn dient auch in der Hand des Magiers zum Auffinden vergrabener schädlicher Mittel, vgl. S. 163.
Ist in einem Belung-Haus ein Kind gestorben, so legt man, um Hexen weiterhin Zutritt zu diesem Haus zu verwehren, aufs Dach über die Haustür {148} ein Bündel Baumorchideen und quer darüber zwei Dornenzweige, in deren Stacheln mehrere nded’ e ’lem, moliar [?] tangalanga (Du.), vgl. S. 20f., stecken. Wenn sich wieder Hexen der Hütte nahen, sollen sie sich an den Dornen aufspießen.
Der gleiche Dornenzweig, geschmückt mit nded’ e ’lem „Hexentomaten“ und überragt von Baumorchideen hängt über einem zugedeckten Topf, der auf der dreizinkigen Gabel eines im Boden steckenden Astes ruht. Daneben steht ein Baumfarnstock und vor beiden im Boden halbvergraben ein Topf, der in der Regenzeit von Moskitos Moskitolarven wimmelt. Auch dieses Mittel, ndje’ genannt Ndje’ wohl = ndjeb, vgl. Note 1 S. 143.
, dient der Hexenabwehr; Hexen schwellen am Leib und ihre Leichname bersten.
Diesem ähnlich ist ein Mittel in den Gehöften um den Manenguba, epupa epupa genannt. Dieses Mittel soll die Frauen des Gehöftes, die auf den Feldern arbeiten, vor Regen und Sturm schützen. Um eine abud e ’kong „Speergarten“ ( Musa religiosa Musa religiosa ) sind gepflanzt: Esweng „Riesenbrennessel“, die sonst auch als primitives Folterwerkzeug dient, ekwolengwole, ein lilienblättriges Gewächs, dessen Fruchtkolben mit vielen roten Beerchen besetzt sind und dessen Saft bei Lumbago ins Kreuz gerieben wird und starkes Beißen und Brennen auf der Haut verursacht, medjang, verschiedene Arten von „ Zwiebelgewächse Zwiebelgewächsen“, wovon eine genießbar ist, vgl. S. 143. Ein Medizintopf ist im Boden begraben, ein anderer mit allerlei Mitteln, Eiern und etametam „eßbare Frucht von Nachtschatten Nachtschatten“, steht auf einem Stock. Ein schlankes Bäumchen überragt alles und ein Zaun aus dünnen Baumfarnstämmchen schließt es ein. Das Ganze ist gesetzt von einem Medizinmann aus Belung, der auch draußen auf dem Felde verschiedene Pfosten mit Kräuterbüscheln am oberen Ende aufgestellt hatte.
Und wieder ein anderes Mittel sichert einem die Macht der Heinzelmännchen edim e ’kol (Ko.) edim e ’kol, ein Großmachtmittel, vgl. S. 144; ein solcher Besitzer muß also über die Macht ekong, vgl. S. 86ff., verfügen. Über einem vergrabenen Medizintopf (der bei derartigen Mitteln am meisten gefürchtete Teil; daher ist er auch vergraben) ist ein Zwiebelgewächs gepflanzt, vgl. adjang S. 143, das umsteckt ist mit dürren Elefantengrasstengeln und aus Raphiarippenmark geschnitzten Messern und Scheiden. Das sind die Waffen ( Speer Speere, Buschmesser, Säbel und Schwertscheiden) der edim e ’kol; damit übt diese Geheimpolizei den Schutz um Haus und Pflanzung besonders nachts [aus], vgl. S. 91. Wer über solche edim e ’kol verfügt, kommt durch alle Gefahr hindurch; will man ihn fangen, dann kann er sich in eine Frau verwandeln, wechseln verwandeln; ist er in die Hände seiner Gegner gefallen, so kommt er ohne Verletzung wieder heraus. Von jenem Zwiebelgewächs kann er noch Ableger an andere Stellen, z. B. auf den Zugang zu seinem Acker pflanzen.
Als im März 1931 vom Grasland her auch einzelne Schwärme von ngame „Wanderheuschrecken“ ins Gebiet der Stämme um Manenguba und Kupé kamen und den Mais abfraßen, ließen die Dörfer um den Manenguba an ihren Dorfeingängen solche Mittel bereiten. Eine Steinreihe lag quer über den Weg vorm Dorf, an deren Enden adjang und etametam unter Stökken gepflanzt waren. So war ja zu früherer Zeit jeder Dorfzugang ‘bewehrt’. Als die Leute im vorderen Bakosi-Gebiet sahen, daß die Abwehr der anderen doch die Heuschrecken Heuschrecken nicht fernhalten konnten, stellten sie keinen ‘Wachen’ aus. Da sie nicht soviel Mais haben, waren sie auch nicht in solcher Gefahr wie jene.
Einen eigentümlichen Fetisch, -ismus Fetisch haben auch die Basa in ihren Höfen: Wo der Zugangsweg in den Hof mündet oder mitten im Hof wird von einem Medizinmann mit Hilfe der Gesippten und ihrer Nachbarn ein Lehmaufwurf in Höhe von 1 Fuß bis Manneshöhe und einem unteren Durchmesser von 2 m errichtet. So sieht dieser ndjeg (übrigens das gleiche Wort wie Du. ndjou, vgl. S. 143) einem abgestumpften Kegel ähnlich. Ist der Lehmhaufen fertig, so werden entsprechend der Leistungsfähigkeit des Besitzers und der Größe des ndjeg vom Magier ein Huhn, ein Hund und eine Ziege Ziege rituell getötet; das Blut wird aufgefangen und über die Anwesenden, die sich über das Werk ihrer Hände gebeugt haben, gesprengt. Dabei singt der Medizinmann ungefähr:
Wer da kommt mit bösem Blicke,
wer da brütet üble Laune,
wer da heget Haß im Herzen,
starker ndjeg, den töte du.
Laß auch Krankheit, Streit und Tod
ferne diesem Hause sein;
bringe Kinder, Vieh und Wohlstand
stets in diese Heimstatt ein.
{149} Mit der Errichtung dieses Mals ist natürlich auch eine Beichte Beichte und Abschwören der Hexerei verbunden. Zum Schluß wird über dem Gebilde ein Schutzdach errichtet und die Anwesenden zerstreuen sich. Spruch, Blut und Brauch haben nun dem ndjeg Leben eingehaucht und jeder hat das Vertrauen zu ihm, daß er alles gut gehen läßt. – Oft erhält der ndjeg auch ganz bestimmte, spezielle Aufträge, gerichtet gegen einzelne Personen, mit denen man in Feindschaft Feindschaft lebt. Haus, -bau
Geht man durch die Farmen, so sieht man zu ihren Eingängen oft irgendwelche Kräuter, in den Spalt eines Stab, Stock Stockes geklemmt, an einen Baum gebunden oder baumelnd an einer um die Pflanzung gespannten Schnur. Diese Mittel sollen den Ort schützen; und daß es sich dabei nicht nur um materiellen Diebstahl handelt, sondern auch okkulte Schädigungen abgewehrt werden sollen Man will z. B. verhindern, daß Vorüberwandernde auf dem Feld zu Stuhl gehen, solche ‘Frevler’ soll der Fetisch mit starkem Durchfall strafen.
, ist zu erkennen daran, daß Plätze, die zwar angerodet, aber noch nicht bepflanzt sind, bereits ihr Schutzmittel haben. Diese ausgesteckten Blätter oder Gräser, Kräuter wollen nicht durch sich selbst wirken; so wie etwa ein europäisches Amtssiegel nicht in sich Macht hat, sondern nur das Zeichen der Obrigkeit Obrigkeit ist. So sind die verwendeten Mittel meist Insignien eines Kultbundes oder eines Großfetischs, vgl. S. 113, oder eines anderen Machtmittels, wie z. B. die vielen Euphorbienzweige, die man auf solchen Stöcken sieht, vgl. S. 19.
In den letzten Jahren sieht man im Inland auf den Feldern in fast regelmäßigen Abständen Elefantengrashalme oder Stecken im Boden; sie gelten als Schutz für die Farm. Dieses Mittel haben schwarze Arbeiter einer Gepflogenheit auf deutschen Pflanzungen nachgeahmt. Bevor man dort nach Niederschlagen und Aufräumen des Busches die Kakao- oder Gummipflänzchen oder Bananenschößlinge pflanzt, wird das Stück abgemessen und dort ein Stecken hingesteckt, wo ein Pflanzloch gegraben werden soll. Die Arbeiter halten das für einen europäischen Schutzzauber und ahmen ihn auf den eigenen Pflanzungen nach.
Wie man sich gegen Diebstahl Diebstahl wehrt, soll ein Bericht aus dem Gebiet am Kamerunberg zeigen. Die Geiß des Lyonga la Mafani aus Bolifamba war gestohlen, er fragt im Dorf nach, beauftragt auch Freunde, Umschau zu halten; das Orakel gibt zweideutige Auskunft. So kann der Klageweg nicht beschritten werden; es bleibt nur die Möglichkeit, den Dieb auf okkulte Weise zu packen. Lyonga macht seine Absicht möglichst bekannt und bestellt den zuständigen nganga. Der gräbt vor dem Dorfeingang neben dem Weg ein Loch in den Boden, bereitet einen Termitenbau Termitenbau, steckt in einige seiner Löcher tondo, Du. betondo „Ingwerschötchen“ und fügt etanganga, Du. tangalanga „Früchte des großen Nachtschatten Nachtschatten“ hinzu und umwickelt das Ganze mit einer mokosa- Liane Liane. Das ist eine Imitation des magisch bereits gefesselten, noch unbekannten Diebes. Ein mitgebrachtes Körbchen oder Töpfchen hält der Magier in einer Hand, in der anderen hat er einen Blätterstrauß Neben anderem gehört dazu die herzförmig beblätterte Krautpflanze liwokowoko; mit solchem Strauß winkt der Magier auch eine entschwundene Lebensseele zum Patienten herbei.
; er bespuckt alles mit zerkautem Kardamomum Kardamomum, wedelt mit dem Strauß und singt dabei: Elinge (vgl. S. 77), e dja on e! (Kp.) „Lebensseele, komm hierher!“ So lockt er des Diebes Lebensseele herbei. Zuletzt tut er, als habe er sie in seinem Behälter, rasch deckt er ihn zu, stellt ihn in die Grube, den Ameisenbau oben auf, worauf er das Loch und [den] Inhalt unter Spucken von Kardamomum mit Erde zudeckt. Solche Grube ist meist unter einem Baum und die Handlung heißt te mae „ein Macht, -mittel, -erlebnis Machtmittel aufstellen“. Der Medizinmann bekommt als Lohn 3 – 6 Mk., je nach Ansehen, früher war es eine Ziege. Man hofft, der Zauber wirkt; der lebensseelenlose Dieb soll nun krank werden; yuke „Eiterbeulen“ sollen ihm aus dem Körper drängen oder nyamb’ a mwanyu „die obere Krankheit Krankheit“, d. h. ein unheilbares Eitergeschwür an der Nase oder im Gesicht, soll ihn quälen. Similia similibus curantur. Die Imitation ist gefesselt, also auch das Urbild; und die Manipulationen des Zauberers machen die Lebensseele aus dem Urbild in das schon beerdigte Abbild übersiedeln. – Der Dieb hat natürlich von dem Vorgang gehört; er bekommt es mit der Angst zu tun. Ndongo a Ngombe kommt zu Lyonga, gesteht seine Schuld ein und bittet, daß a wule mae „er
{150}
[Notiz auf Rückseite von Seite 149: Auch da wo ein Mittel oder [eine] Handlung zunächst als aktiv helfend erscheint, ist es im Grunde schützend abwehrend, so z. B. wenn sich die Frau des Jägers während des Waidganges still und friedlich verhalten muß, um das Werk ihres Mannes zu fördern, handelt es sich darum, das Wild zu beruhigen, seinen Erregtheitszustand [?] zu hindern. Eingeklebter Zettel auf S. 150: Das mwag menyol „Trinken von Schmutz (Zubehör, Abfall) trinken, wegwerfen Schmutz“ (menyol ist wohl ein Plural von yol „Körper, Leib“ und meint „das vom Körper stammende, die Abfall- bzw. Wachstumsstoffe“) [Fragezeichen am linken Rand] wird auch geübt, wenn man nabe diad „die Hofstätte in Ordnung gebracht hat“, vgl. S. 48. Etwa 1924 hatten die Mpako-Leute ( Kosi Kosi) gelegentlich eines solchen <Schmutztrinkens> angeordnet, daß am Morgen niemand das Dorf verlassen dürfe, es sei Kind oder Erwachsener, Mann oder Weib. Am Morgen aber nahm Made Sone, Frauenschaftsvorsteherin der Christen, ihren Rückenkorb und ging auf den Acker. Nach ihrer Rückkehr rief sie der Häuptling, damit sie den ihr aufbewahrten Schmutzanteil trinke. Sie aber erklärte: Ob Leben oder Tod, ich trinke den Schmutz nicht; ich habe mel me Diob „Gottes Machtmittel“ (vgl. S. 151) getrunken, d. h. ich bin getauft und nehme am heiligen Abendmahl teil; auf etwas anderes lasse ich mich nicht ein! Ihr Mann, von den anderen aufgestachelt, ergriff und schlug sie und, als sie davonlief, verfolgte er sie bis zu dem zwei Stunden entfernten Nyasoso, wo sie dem Oberhäuptling ihre Not klagte. Der Eingeborenengerichtshof verurteilte darauf das Dorf Mpako zu 4.-- Strafe.]das Mittel auflöse“. Ist Lyonga zufriedengestellt, so schickt er Ndongo zum Magier. Der geht mit ihm zur Grube und reißt sie auseinander. Er nimmt das ‘Abbild’ heraus, löst die Liane daran und öffnet das Körbchen, wobei er wieder alles tüchtig bespuckhaucht und dazu leise singt: Ndongo a Ngombe, a dja wonu, na o wule mae, ma sa lembe fe ono moto. (Kp.) „Ndongo a Ngombe (d. h. seine Lebensseele), komm hierher, ich löse dich von dem Machtmittel; es soll diesen Menschen da nicht mehr festhalten.“ (Also auch hier Ähnlichkeit Ähnlichkeitszauber: Das Zerreißen der Schnur befreit den gefangenen Dieb.) Ndongo schleicht beschämt nach Hause, denn durchs Dorf tönt der Ruf: Ho e, ho e, ho e, ho e! womit ausgedrückt wird, daß der gesuchte Dieb gefangen ist. Lyonga bringt die Sache vor vato va wokonde „das Ortsgericht“; die entscheiden: Ndongo muß das Gestohlene ersetzen, dem Lyonga die Auslagen für den Medizinmann erstatten, und – weil er nicht sehr begütert ist – muß er statt zwei nur ein fettes Schwein Schwein den Gerichtsherren für ihre Bemühungen geben; nachdem diese ihre betoti „Vorzugsstücke“ erhalten, fällt der Rest dem ekombo „dem Lande“, d. h. den Zuhörern bei der Verhandlung zu.
Von Mitteln, die einer oder eine Gruppe „ trinken trinken“ muß, zur Beteuerung der Wahrheit ist schon berichtet, vgl. S. 137b, 237ff.
Ein ausführlicher Fall mache die Sache deutlicher:
Jakob Ebong im Dorfteil Mwanekom in Mbule-Bakosi war ein rückfälliger Christ und erkrankte im Juni 1931 auf den Tod. Die Aufregung in der Sippe ist groß. Der in Nyasoso abwesende Sippenälteste Metung wird gerufen; in der Nacht auf den 24. Juni kommt er heim. Frühmorgens ruft die Sprechtrommel alle Sippenglieder zusammen: Weil der Bursche am Sterben und kein anderer Rat ist, soll menyol (Du. mbindo) „ Schmutz (Zubehör, Abfall) trinken, wegwerfen Schmutz“ getrunken werden. Ungebadet, wie sie vom Lager aufstehen, kommen alle vor des Alten Hütte: Gesunde und Kranke, Männer und Frauen, klein und groß. Eine große Holzschüssel steht im Hof und ist mit Wasser gefüllt. Jeder der Erwachsenen tritt zur Schüssel und wäscht darin seine Hände; den Kindern der Sippe wird das Haar geschoren, verbrannt und die Asche Asche ins Wasser gestreut. Alte Fetzen von Lendentüchern werden ins Wasser getaucht und dann in die Schüssel ausgewrungen: Zehennägel und Kopfhaare des Kranken kommen in die Brühe; dazu etwas Milchsaft der Euphorbie Euphorbie (stark giftig), zerstoßene Baumrinde und zerkleinertes Zuckerrohr; das eine, um die ‘Kraft’ des Mittels zu erhöhen, das letztere, um die Sache etwas schmackhafter zu machen. Nun tritt jeder nochmals zur Schüssel, leckt mit dem Finger von der ‘Kraftbrühe’, fischt sich ein Bröckchen Zuckerrohr heraus und ißt es; dazu hat er zu sprechen: Bin ich einer vom ekom (Du. ekong, vgl. S. 86ff.), der diesem Burschen oder anderen Kinder oder Vieh wegnimmt, dann, du menyol, soll ich eine Leiche sein, ehe sieben Tage vergehen! Die ganze Sippe hatte sich zu beteiligen, selbst die Aussätzigen; die Christen Christen suchte man zu zwingen, alle Männer blieben standhaft; etliche Frauen folgten ihren heidnischen Männern, andere widerstanden trotz Schlägen. Jeder hatte beides zu verrichten: Händewaschen und vom Wasser lecken; ausgenommen waren nur hoffende Frauen, damit sie nicht samt ihrer Leibesfrucht umkämen. Und doch half alles nichts. Der dämmernde Abend nahm den Jakob Ebong hinweg. Nun wartete man gespannt sieben Tage und als in dieser Zeit in Mbule niemand starb, wußte man: In der Sippe des Metung gibt es keine ekong-Hexen, die ‘Menschen essen’. – Menyol ist der Schmutz, der beim Waschen vom Körper oder Wäsche abgeht und das Wasser trübt. Außer dem Euphorbiensaft kommt oft auch noch hinein [Randnotiz: „Abfallstoffe“] Mäusedreck, etwas Schmutz vom Rande des Abtritts und anderes Unappetitliches. Man nennt diesen Brauch auch mele me ’lem „ein Hexereiabschwörmittel“ trinken. Ein wesentlicher Punkt dabei ist natürlich, daß möglichst die ganze Gruppe sich beteiligt (daher auch der Zwang, der auf die Christen ausgeübt wird). Tritt in der angegebenen Zeit ein Todesfall ein, so muß der Tote unbedingt der Schuldige sein; das Mittel hat als Ordal gewirkt, vgl. S. 164ff.
Ein anderer Fall: Ein Kind ist gestorben. Die Alten behaupten nach Orakelbescheid, daß unter den männlichen Verwandten der ‘ Mord, Mörder Mörder’ sein müsse. Also wird ‘ Schmutz (Zubehör, Abfall) trinken, wegwerfen Schmutz trinken’ angeordnet, dazu ein Medizinmann gerufen. Er kocht einen Kräuterabsud, mischt darein Abfallstoffe Abfallstoffe und Mundwasser der Leiche Leiche und etwas Blut von den lebenden Geschwistern des Verstorbenen. Von der Brühe haben alle Männer zu trinken. Der nächste, der bald nach dieser Prozedur erkrankt oder gar stirbt, gilt als der heimliche Mörder.
Unter den Balue gingen eines Mannes Ziegen ein; er beschuldigte eine Frau, als habe sie die Tiere verhext. Sie wird verurteilt zu schwören. Ein Emblem des dio-Kultes wird abgewaschen, sie stellt das Emblem auf ihren Kopf und trinkt von dem Waschwasser, indem sie schwört: Gehe ich als Hexe aus und ‘esse’ anderer Leute Ziegen, so soll der dio-Dämon meine Kinder und ganze Sippe ‘essen’! – Oder ein Schwörender nimmt sein Kind an die Hand, tritt mit einem Machtmittel in Verbindung und spricht: Wenn ich als Hexe in dein Haus komme, so soll dieses Machtmittel nimmer von diesem Kind lassen!
Wird bei den Banyangi trotz besa-Versammlung, vgl. S. 236ff., ein Angesehener nicht gesund, so wird die ganze Dorfschaft zusammengerufen und viel Pfeffer Pfeffer gesammelt; der Pfeffer in eine vom Magier bereitete Medizin getaucht und jeder hat ein Schötchen zu essen mit den Worten: Habe ich als Hexe diesen Mann ‘gegessen’, dann soll dieser Pfeffer mich töten!
So gab und gibt es überall im Land noch andere Mittel, die man ‘trinken’ muß; obwohl es sich dabei keineswegs immer um ‘Trinken’ han-
{151}
[3 Notizen auf Rückseite von S. 150: Male besagt etymologisch: Ma- (Vorsilbe der Flüssigkeitsklasse) „eine Flüssigkeit, gewonnen aus -le Baum“. Wenn man neuerdings male mit „Bund“ wiedergibt, so gilt das nur in übertragenem Sinn. No male ist „ein vom Baum gewonnenes Mittel rituell trinken“. No male mit Bundschließen Auch das auf S. 164ff. beschriebene Ordal wird getrunken, gehört also zu den hier beschriebenen Mitteln. Es wirkt durch sich selbst und zwar sofort, während hinter den anderen Mitteln meist eine besondere geistige Macht (etwa Dämon des Kultbundes) steht.]delt, oft ist es nur ein Lecken, oft auch nur ein Berühren, so ist der terminus technicus dafür doch nyo male male Nyose (Intensivform von nyo) male bedeutet „Losen, das Los werfen“; gemeint ist damit, daß das betreffende Machtmittel unter einer Gruppe den auswählen soll, um den es sich in dem betreffenden Fall handelt, vgl. Duala diwoko.
„ein Macht, -mittel, -erlebnis Machtmittel trinken“. male Male, gleichen Stammes wie bwele „Baum“, zeigt, daß es sich ursprünglich um Mittel handelte, die von Bäumen genommen waren, vgl. S. 20.
In der Mwambong-Landschaft zwischen Kupe und Manenguba ist folgender Brauch in Übung: Wer mele m-bun zu ‘trinken’ hat, sitzt auf einem Stück Bananenstrunk; Nasenlöcher, Ohren und After werden ihm mit nyokled „trockenem Baummoos“ zugestopft (damit die ‘Kraft’ nicht entweichen kann). Nun muß er an einer uralten < Medizin, Machtmittel Medizin> lecken, von der niemand mehr weiß, was es eigentlich ist. Dabei sagt er: Bin ich schuldig, dann soll das Mittel mich in Bälde verzehren! War er schuldig, so wurde er nach diesem Schwur krank und starb innert dreier Monate und nichts konnte ihn retten.
Nur wenig südlich vom Dorf Nguse bei Nyasoso ist in einen alten Waldbaum ein rundes Stück Eisen Eisen geschlagen; dieses Mittel gilt für den ganzen Unterstamm Mwa-Nnyo der Bakosi. War ein großer Streit, der den ganzen Unterstamm betraf, auf dem Platz vor diesem Baum geschlichtet, so hatten die Parteien das getroffene Urteil dadurch zu beschwören, daß sie das Eisen mit einem Stein beklopften und dabei schworen: Wenn ich gegen diesen Volksentscheid löcke, so soll mich dieses edjengele (so heißt der Platz, das Eisen, die Versammlung und der Brauch) töten, vgl. S. 237ff.
Mit nyo male „ein Schwurmittel trinken“ bezeichnet man auch die Schließung eines Blutbund Blutbundes, wobei sich die Partner (es konnte etwa Mann oder Frau sein oder zwei andere Einzelpersonen, aber auch ganze Stammesgruppen) zuschworen, daß sie hinfort nur als ‘gute Menschen’ gegeneinander handeln wollen; jede Handlung eines Neidings sollte ausgeschlossen sein. Der Brauch im einzelnen variierte bei den verschiedenen Stämmen und Zeiten; das wesentliche ist, daß das Blut Blut der Kontrahenten gemischt und von beiden getrunken wurde. Zumeist wurde eine Stelle auf dem Handrücken oder Unterarm geritzt, das Blut etwa in mit Mittel gemischten Palmwein Palmwein tropfen [ge]lassen und dann getrunken. Oder man tupfte das Blut mit einer Pfefferschote ab, zerrieb diese auf einem Stein und mischte dies in ein Mahl, das beide genossen. So hatte jeder auf natürliche Weise etwas vom anderen gegessen, ein Teilchen seiner Lebensseele zu sich genommen; versuchte er nun als Neiding nach Hexenweise an dem Blutsfreund zu handeln, so gereichte ihm das zum Verderben, denn man sagt: Londo la ngedi iba di si ben musima, nde ngedi po musima, nine ngedi mbeu a nyolo „Eine zweimal oder wiederholt tun zweimalige Reise Reise bringt kein Glück, -sgut Glück, sondern nur das eine Mal Glück, das andere Mal Gefahrenzustand Gefahrenzustand“, vgl. S. 65.
Beim Trinken eines solchen male „Bundes“ sind die Vertragsziele zu nennen, z. B. den anderen nicht durch Hurerei Hurerei oder Ehebruch Ehebruch, Diebstahl zu schädigen, ihm keine Wunde beizubringen, gegen ihn keine Gewalt und kriegerischen Handlungen zu unternehmen, sondern Streitpunkte durch offene Aussprache zu regeln, und besonders keine schwarze Kunst gegen ihn zu treiben.
Oft hielt man sich bei solchem schwören, vgl. auch nyo male Schwören auch die mit Blut und Drogen, vgl. auch Medizin Drogen bestrichenen Insignien eines Kultbundes auf den Kopf, ans Auge, an den Bauch und sagte etwa: Werde ich diese Abmachungen nicht halten, so soll dieses Mittel mich ‘packen’ und töten. So reichte der Bamum-König Ndjoya beim jährlichen ngwom- Fest Fest (ein Erntefest Erntefest) seinen Häuptlingen und Unterfürsten einen uralten krummen schwarzen Stab, Stock Stab; jeder berührte den Stab mit beiden Händen und führte diese dann an seinen Bauch. Dieses Symbol Symbol wollte sagen: Bei Untreue gegen den Herrscher soll der Bauch des Frevlers schwellen und er an Wassersucht zugrunde gehen. Darauf tränkte Ndjoya seine Fürsten mit Palmwein. – Wer bei den Bakundu eine Beschuldigung bestritt, hatte mit dem mosongo, einer kleinen menschlichen Figur aus Holz oder Knochen geschnitzt, zu schwören. Dabei setzt der Schwörende die Figur auf den Kopf oder ans Auge und spricht: Du mosongo, wenn nicht wahr ist, was ich sage, dann mache dieses Auge schwellen! und man glaubte, daß das Auge innerhalb [von] 2 [bis] 3 Tage[n] krank wird, wenn er falsch geredet hat trinken .
{152}
Bezüglich der Großfetische sei hingewiesen auf mfam, S. 112ff., 144.
Das Treiben einer Gruppe Propagandisten für ein Mittel gegen solche schädlichen Einflüsse ging im Jahre 193- vor den Augen der Basler Missionare im Bakosi-Gebiet vor sich. Diese Bewegung entstand im französischen Teil, griff dann aber auch auf den englischen Teil über. Ihre Führer waren Leute, die entweder etwas vom Christentum wußten, oder doch in die Schule gegangen waren. Ein gewisser Ngole aus Mwambong war die treibende Kraft unter den Bakosi, der auf S. 80 genannte Kome Ngwane war sein hellseherischer Helfer und kam zuletzt auch mit ihm nach Kumba ins Gefängnis Gefängnis. Sein Mittel, das den Namen lemba, ma- lemba „schwarze Kunst“ trug, obwohl es diese gerade bekämpfen wollte, wurde eingeführt, wie das in dem genannten Heft „Mein Freund Leopard“ bezüglich des ndjom geschildert ist. Es wurden zunächst in einem Ort einige Helfershelfer gewonnen, die für die Sache propagieren mußten, um das Verlangen nach Reinigung der Orte von Hexen zu wecken. War ein Teil der Leute dafür, so wurde eine allgemeine „Schwurversammlung“, vgl. S. 236ff., einberaumt, wo alle ein Mittel zu trinken und zu bekennen bekennen hatten, ob sie schwarzer Kunst huldigten. Während die, welche bekannten, ein Schaf als Sühne zu leisten hatten, wurden die übrigen nur mit einer kleineren Steuer belegt. Bei der Sühne von ihrem Hexenfrevel wurden die Bekennenden in die Kultgemeinde des lemba aufgenommen und hatten darum auch Anteil an dem, was Ngole seinen Anhängern zukommen ließ. Der Hauptpunkt bei der Sühnehandlung war, daß jeder ein Stückchen rohes Fleisch verschlukken mußte (was bei jedem eine Überwindung von Ekel Ekel bedeutete), damit er nicht mehr seine Seele zu hexerischer Verbindung mit einem Nagual oder Totem ausgehen lassen könne. Besonders hatte man es darauf abgesehen, Anklagen wegen Hexerei gegen Christen Christen vorbringen zu lassen; doch scheiterte der Umtrieb zuletzt an deren Widerstand. Ein englischer Beamter untersuchte die Sache und steckte die, welche von öffentlicher Propaganda und augenscheinlichem Betrug nicht lassen wollten, endlich ins Gefängnis.
Bezüglich der Tätigkeit der Kultbünde zwecks Bekämpfung der Hexerei und anderer Schädigungen sei kurz hingewiesen auf die in den Bünden gebräuchlichen Fetisch, -ismus Fetische. Als solcher galt eigentlich jeder dem Bund gehörige Gegenstand, aber besonders Kräuter Kräuter und Stäbe, welche man als Abzeichen des Bundes gegen Diebstahl Diebstahl auf Äcker und dgl. steckte oder hängte. Gegen eigentliche Hexerei halfen diese Abzeichen darum nicht, weil ja in den Bünden das Hexenwesen (wenigstens ewusu ewusu und ekong ekong) organisiert war. Ich führe die in Bakosi bekannten Mittel auf:
Der ngue-Bund hat den Stab mwedang, dessen oberes Ende zu einer etwa 15 cm langen menschlichen Figur geschnitzt ist, dazu ein Büschel von ky’ e ngue, ngue-Kraut;
den djengu-Bund symbolisierten eine Rassel Rassel, vgl. S. ---, und ein Büschel Blätter des mbong e djengu „ Farn Farnkrauts“;
ein Stock, dessen oberes Ende übers Kreuz gespalten war; in diese Spalten waren zwei Stäbchen kreuzweise eingeklemmt; galt als Zeichen des Mwankum, Du. mungi, vgl. S. ---, die Leute des mal (Du. tambimbe) stellten einfach den Zweig einer Ölpalme auf;
ein Prügel, dessen Rinde am oberen Ende abgeschält war, war ähnlich wie bei dem des Mwankum kreuzweise gespalten und in die Spalten [waren] Stäbchen gekeilt; unterhalb dieser Stäbchen waren mit hi „ Rotholz Rotholzfarbe“ und aki „Holzkohle“ einige Ringe gemalt Medizinmann . Kult, -bund, vgl. auch Geheimbünde
werden beschrieben bei den Riten, vgl. S. 202ff., da dabei nicht ein einfaches Zaubermittel genügt. Es ist da zu handeln von den Dämonen, die besessen machen, von der Art, wie die Besessenheit auftritt, von dem exorzistischen Handeln und dem neuen Leben der Geheilten. Schutz durch Machtmittel, Medizin
{153}
[S. 153 besteht ausschließlich aus Einschüben für S. 154]
[handschriftliche Notiz: zu S. 153 – 168 vgl. [Ittmann, Johannes; Orakelwesen im Kameruner Waldland] Anthropos, Band 55 / 1960, Seite 114 – 134]{154}
Die Unsicherheit des Lebens und die Furcht Furcht vor dem Kommenden nötigte das primitive Denken, magische Mittel zu suchen, die den Menschen der Ungewißheit entheben und ihm die Zukunft und damit Wegrichtung zeigen.
Von Vorzeichen und Omen ist schon auf S. 56ff. berichtet; das Orakelwesen will durch allerlei magische Manipulationen solche Vorzeichen absichtlich herbeiführen; es ist auf Unbekanntes angewandte Magie. Vgl. auch die ++ eyabe Kwing [?] am Ebuoge u. ä. Vgl unter Omen.
{153} ngambi Ngambi (Du.), ngamb (Sa.), ngam (Graslandspr,. Jao u. a.), alunge (Ko.), enebe (Nya.) „Orakel“ ist ein bestimmtes Gerät, an dem gewisse Handlungen vorgenommen werden und von dem man glaubt, nach einem festgelegten System Äußerungen der unsinnlichen Welt ablesen zu können. Der Kameruner Meinung von ihm ist in dem Basa-Wort ausgedrückt: Ngamb a mpwal bes „Das Orakelgerät hat uns geboren“, d. h. es hat veranlaßt, daß wir da sind, vgl. S. 57a. Darum steht man auch in fortwährender Beziehung zu ihm und erwartet Hilfe in allen Lebenslagen, da es den Weg aus allen Schwierigkeiten, Übeln und Verlegenheiten heraus zeigt. Es gibt Rat vor jeder Unternehmung von der Geburt bis zum Sterben in wichtigen und nebensächlichen Dingen. Bevor der Fischer Fischer auf wochenlangen Fang, der Jäger auf Streifjagd, der Händler auf eine Reise, der Landwirt zum Anlegen eines Ackers geht, fragt er sein Orakel um Rat und Leitung. Während Perioden, mit denen Gefahren verknüpft sind: Schwangerschaft Schwangerschaft, Geburt, gebären Geburt, Reise Reise, Umzug, Streit, Krieg Krieg, nach Erscheinen beunruhigender Vorzeichen, wird das Orakel immer wieder um Auskunft und Wegleitung gefragt. Im Orakel sieht der Kameruner ein Gegengewicht gegen seine Furcht, die beständig sein Gemüt umlagert.
{154} Das Orakelwesen ist unter den Kamerunern nicht nur allgemein anerkannt, sondern wird auch überall und zu aller Zeit geübt. Umgeben von so vielen bösen Einflüssen wird jeder, der keinerlei wissenschaftliche Kenntnis der Zusammenhänge besitzt und unbekannt ist mit dem Gott, der den Lebensweg erhellt, versuchen, durch allerlei Mittel Wegleitung zu bekommen. Der Glaube an das Orakel ist absolut; man macht fast göttliche Aussagen über es: „Es weiß, wo das Leben ist und woher der Tod kommt.“ Ja, man stellt es eigentlich über Gottheit und Geister und andere Mächte, denn mit ihm kann man jede unsichtbare Macht zwingen, sich und ihre verborgenen Absichten zu enthüllen. „Das Orakel ist der Heidentum, Grundzüge des Heiden Offenbarungsmittel.“ Christliche und heidnische Kameruner streiten oft, welches die bessere Offenbarung sei: Bibel oder Orakel; bei dieser Einstellung wird es auch nicht befremden, daß die zu Synkretismus Synkretismus neigenden Neger leicht die Lösung finden, die Bibel als Orakel zu gebrauchen. Der Geist der Kameruner hat vielleicht nichts mehr durchgearbeitet als den Gebrauch der verschiedenen Orakelsysteme. Und wenn auch kein vernünftig denkender Mensch an den objektiven Wert der gefundenen Praktiken glauben kann – sie haben nicht mehr Wert als Kartenschlagen, Handlesen, Totenbefragen und andere Manien – so entspricht solche Praxis doch genau den Wünschen der Kameruner, denn sie enthält alle Elemente ihres Lebens und vor allem, sie enthebt sie so oft des persönlichen Entscheids, der eine sittliche Haltung, einen Drang nach Wahrheit voraussetzt. – Wenn ihr Denken so oft einen anderen Weg geht, als europäische Logik Logik erwartet, so ist ihr Gebundensein an den magischen Zauber des Orakels ein Hauptgrund dafür. Denn diese Mittel entscheiden, wie dem Verderben widerstanden und Leben errungen werden kann.
„Man vertraute dem Orakel sehr und viele tun es heute noch. Haben auch schon viele Nichtchristen herausgefunden, daß die Sache nicht ganz stimmt, daß sich verschiedene Aussprüche über die gleiche Sache widersprechen, hat man auch schon viele Orakler als Betrüger entlarvt, ist auch schon oft das Gegenteil eingetroffen statt des Angekündigten, so ist man doch fest überzeugt, daß nicht alles Betrug Betrug ist.“ ( [gestrichen:] Preisarbeit)
In manchen Fällen kann ein Privatmann sein eigen[es] Orakel werfen; weil man aber glaubt, daß diese Sache kein Kinderspiel ist, sondern verstanden sein will, vertraut man sich eher einem an, der öffentlich anerkannt ist und dessen Handlungen man nicht für Quacksalberei und Betrug hält.
{153} Der Besitzer eines privaten Gerätes geht auch oftmals zu einem anerkannten Orakler, um die Richtigkeit der Aussage seines Gerätes überprüfen zu lassen. So geht einer wohl tageweit nach Hilfe und Rat und kehrt zunächst nie mit leerem Herzen zurück.
{154} Ein großer Teil der Orakler will seinen Beruf auch als wirkliche Kunst üben, die verstanden sein muß. Sie glauben selbst, daß sie objektive Offenbarungen durch ihre Mittel erhalten und der Ernst mancher ist auf allerlei Weise erprobt. Suchen sie auch ihre Kunst auf esoterischem Weg bei einem Meister zu erlernen, so üben sie sie doch meist nicht in esoterischer und geheimer Weise; denn viele wissen um die Kunst und nehmen oft Teil an den nötigen Überlegungen und Deutungen, die halbenthüllte Heimlichkeit macht die Sache glaubwürdig. Das Vertrauen der Orakler in ihre Gegenstände ist groß; mit einzelnen der Gegenstände ist fast ihr ganzes Leben verbunden und sie wissen oft von jedem Ding, wie sie in seinen Besitz gekommen sind. Während der Lehre besorgt sich der Adept die nötigen Mittel, oft wird das Finden eines Quarzkegels [?] ein Zeichen zum Beginn des Orakelns.
Freilich sind die Orakler schlaue Leute. Ihre Überlegung beruht nicht auf mathematischem Beweis, sondern auf der außerordentlichen Kraft ihrer Einbildung; oft sind sie hellseherisch begabt; und vor allem kennen sie ihre Leute. Sie suchen sich auf dem Laufenden zu erhalten über Vorgänge in den Orten, woher ihre Klienten zu kommen pflegen und über die Verhältnisse des Einzelnen. In kluger Weise suchen sie auch vieles aus den Fragern herauszubekommen, so daß sie oft die allgemeine Sachlage überblicken, noch ehe sie ihr Orakel werfen.
{153} Manche halten sich auch Hintermänner, die ihnen allerlei Neuigkeiten zutragen. „Oft wohnen sie am Weg und erfahren von solchen, die nach dem Orakelmann fragen, welches Anliegen sie haben und welche Vermutungen sie für ihre besonderen Umstände hegen. Durch sie erfährt der Orakelmann schon vieles, bevor die Fremden mit ihm gesprochen [haben]. Und dann überrascht er durch sein Wissen um ihre besonderen Umstände und findet rasch ihr Vertrauen, so daß sie ihm noch mehr enthüllen, das er bei Formulierung seines Befundes verwerten kann.“
{154} Viele einfache Orakelgeräte geben nur einfachen Bescheid „Ja“ oder „Nein“; andere aber sind recht kompliziert. So hat z. B. im Körbchenorakel, vgl. S. 161ff., jeder einzelne Gegenstand seine Bedeutung und zwar {155} wechselnd je nach Stellung und Umgebung, in die er beim Werfen zu liegen kommen. Jedermann weiß auch, daß es nicht bewußter Betrug Betrug ist, wenn einmal eine Äußerung nicht zutrifft. Es gibt da so viele für den Primitiven glaubwürdige Erklärungen; und manchmal, oft stimmt die Sache eben doch. Da fragt etwa einer wegen seiner Frau, die in Hoffnung ist. Bescheid: Sie wird einem Jungen das Leben schenken und das wird erhalten bleiben. Aber die Frau gebiert ein Mädchen und das stirbt bald nach der Geburt. Und doch geht der Mann bei nächster Gelegenheit ohne Bedenken zum gleichen Orakler. Denn man weiß, auch ngambi i mabukane „die Orakelmittel übertreffen sich gegenseitig“ in den gleichen Fällen. Das Verlangen, die Zukunft zu wissen oder in dunklen Fragen einen Entscheid zu erhalten, ist so groß, daß man bei jeder Gelegenheit wieder fragt. Am Orakel selbst zweifelt der unberührte Kameruner nicht; für jeden Fehlentscheid ist ja eine Erklärung vorhanden: Die oder jene Gegenwirkung war zu stark, um dagegen anzukommen. (Laufen nicht auch in Europa viele von einem Arzt zum anderen, und es kann ihnen doch nicht geholfen werden?) Der Glaube an das Orakel ist zwar blind, aber er ist groß. – Wie ist nun zu erklären, daß das Orakel ein solches Ansehen im Land besitzt?
Einmal hat das Orakel eine religiöse Grundlage. Der Orakler ruft oft vor dem Gebrauch der Gegenstände seine Ahnen oder verstorbenen Meister an oder er bittet auch Gott um Erfolg; dabei bringt er sowohl seinem Gerät wie auch den geistigen Mächten das Spuckhauchopfer, vgl. S. 136. Oder vor Gebrauch beteuern beteuern die Orakler, daß sie noch in Verbindung mit den Abgeschiedenen stehen, so einer unter den Bakwiri: Ich sah den Luma la Meseke (ndse = Spuckhauchopfer), ich sah den Ndji’ a Wefongo (ndse), ich sah den Mbongo a Isoke (ndse); Owas’ a Lova, zeige nun an, was uns verborgen ist! (ndse) Im Grunde ist das aber nur Fassade; das Orakel wirkt aus sich selbst; es ist ja schon gesagt, wie es über anderen geistigen Mächten steht und deren Geheimnisse enthüllt. Darum wird statt Gottes oder der Ahnen von sehr vielen das Orakelgerät selbst angeredet und zwar oft mit sango, ba- Sango! „Herr!“, als wäre es eine Person.
Es entspricht der kameruner primitive Mentalität Mentalität, daß ein neuer Orakler sagt, ihm seien Gerät und Kenntnisse zum Orakeln im Traum Traum durch einen Vorfahren oder einen verstorbenen Orakler mitgeteilt worden. Oder er sagt, er besitze jemand im ekong, vgl. S. 86ff., und dessen Lebensseele flüstere ihm die Offenbarung zu, vgl. edim e ’kol auf S. 148.
Dazu sind ja die Orakelmänner immer auch verbunden sowohl mit den Geheimbünden als auch mit denen, die für Dorf und Wald verantwortlich sind; der Orakler enthüllt dem Dorfvorsteher, wann es Zeit ist, den Fruchtbarkeitskult zu üben, regt an, daß die Siedlung wieder einmal „in Ordnung gebracht werden“ müsse, vgl. S. 48, sagt voraus, welche Krankheiten im angebrochenen Jahr in der Gegend zu erwarten sind und rät Schutz- und Gegenmittel dafür an. Er wacht über Opfer, vgl. auch Kulte und Ahnenkult Opfer, die den Geistern gebracht werden und entscheidet, ob sie angenommen wurden oder ihren Zweck verfehlten. Sein magisches Getue entbehrt also der religiösen Grundlage nicht, obwohl es vom wahren Gottesdienst geradezu wegführt.
Das Orakel ist hauptsächlich magisch. Es ruht auf den allgemeinen Voraussetzungen primitiver Mentalität, die tief in des Kameruners Seele ruhen, vgl. S. 47ff., und das genügt, um zu ermessen, welchen Wert das Orakel in aller Augen hat. ‘Ähnliches steht für Ähnliches’: Ein Gegenstand vertritt einen anderen durch die Macht der Ähnlichkeit Ähnlichkeit oder andere magische ‘Verwandtschaft’. So werden Menschen, Geister Geister u. ä. dargestellt durch Tiere oder Teile von ihnen, wenn sie mit jenen in irgendeiner Beziehung stehen: Das Huhn Huhn vertritt die Schattengeister, denn es scharrt in der Erde, wo jene hausen, es geht auch gern in den Wald, wo sich diese gern offenbaren; so auch das Wildschwein: wie die Ahnenschatten hält es sich im tiefen Wald auf. Zwergantilope Zwerg Antilope antilope und Hexen treiben beide nachts ihr Wesen; die Zwergantilope gleicht auch dem Wanderer, denn beide rasten selten. Die Zibetkatze frißt, was der Leopard hat liegen lassen, so kann sie Leute vertreten, die von anderen leben. Steine aus dem Magen eines Krokodils oder aus fremder Gegend erinnern an Europäer, die auch von weither kommen u. ä., vgl. S. 161.
Aber Ähnliches wirkt auch auf Ähnliches ein: In geheimnisvoller Weise wird das Schicksal Schicksal des dargestellten Objekts zum Schicksal des Darzustellenden. Darum muß ein Frager etwas von dem Kranken, der nicht zum Orakel kommen kann, mitbringen, das ihn vertritt, etwa ein Stück Kleidung Kleidung. Bei den Bakosi ist es üblich, daß man in solchem Falle ein Stück von dem knotenreichen Pflänzchen abong, pl. mebongmebong, abbricht, die Blätter entfernt und es dann dem Kranken quer über alle Gelenke und die Stirn streicht; dann zerkaut der Kranke das eine Ende des Stäbchens. Dieses ese, pl. e’ se, dient beim Orakler als Substitut des Kranken; es stellt das Bindeglied zwischen Krankem und Orakel dar. Schlaue Leute prüfen mit ihm auch gelegentlich den Orakler, indem sie fragen, ob ein Mann oder eine Frau daran gekaut habe. Der Orakelglaube meint nun nicht nur Geheimes enthüllen und gute Ratschläge geben zu können, sondern daß das Orakel auch den Lauf von Ereignissen beeinflussen und gewisse Ergebnisse herbeiführen kann. Darum wiederholt man auch das Fragen des Orakels, wenn nicht die gewünschte Antwort kommt. Zuvor muß man freilich gewisse Änderungen treffen, etwa die Sache nochmals besprechen oder sie dem Orakel noch- {156} mals vortragen. Trifft tatsächlich ein, was das Orakel angekündigt [hat], so glaubt man, das Orakel habe beim Herbeiführen des Resultats mitgewirkt. Es konnte gar nicht anders kommen, weil es das Orakel so dargestellt hatte; es hatte die Ereignisse gleichsam in seiner Hand und konnte sie beeinflussen.
Die komplizierteren Geräte entscheiden nicht nur zustimmend oder abratend, sondern geben auch Begründungen, Erklärungen und Verhandlungsmaßregeln. In Krankheitsfällen sagt solches Gerät also nicht nur, ob die Krankheit als ernst oder leicht zu betrachten ist, sondern gibt die Ursache an (Hexeneinfluß, wegen Vernachlässigung oder Streit in der Sippe verärgerte Ahnen, magische Schuldverhaftung u. ä.) und zeigt den Weg zur Beseitigung des Übels.
Wie die imitative Magie die Orakelkunst beeinflußt, so auch die, welcher die Idee der Gemeinschaft, -smahl Gemeinschaft zugrunde liegt: Ein kleines Knöchelchen stellt den ganzen Körper dar und sein Ergehen weist hin auf das Ergehen dessen, den das Knöchlein darstellt. Der Kameruner hat eine viel tiefere Vorstellung von der Einheit zwischen Tier, Tierwelt Tier und Mensch, ja des ganzen Alls, denn wir sie haben. Darum finden wir im ‘ Schüttel- oder Körbchenorakel Körbchenorakel’ neben den Zeichen auch mancherlei Mittel aus Luft-, Erd- und Wasserreich; in ihnen ist die ganze unsichtbare Welt vertreten, vgl. S. 161f. Ein Ziegenknöchlein kann ein ganzes Dorf vertreten, denn, so ist die Meinung: Die Ziege kennt und liebt ihr Dorf, sie weiß, was darin vorgeht und kennt die Bewohner, also kann ihr Knöchlein auch offenbaren, was im Dorf vorgeht oder geschehen wird (vgl. auch das oben vom ese Gesagte). So bringt man andernorts ein Amulett des Kranken mit zum Orakel; sind darin nicht Haare oder Nägel Nägel des Kranken, so ist, wie man sagt, doch der < Geruch Geruch> des Betreffenden daran und damit ist es ein Teil des Kranken selbst. Beim Orakeln wird über die den Klienten darstellenden Gegenstände das Orakelgerät gehalten, es darüber gestülpt, mit ihm daran geklopft, damit des Besitzers „ Geruch Geruch“ in das Gerät eingehen kann. Dadurch wird der abwesende Kranke gleichsam ein Stück des Orakels und was sein Vertreter erfährt, geschieht ihm selbst. Diese magischen Vorstellungen stützen den Glauben ans Orakel beim Volk, beim Frager und beim Orakler.
Andererseits sind die Orakelgegenstände so eingerichtet, daß sie auf alle Fragen Antwort geben können. Entweder man stellt bei den einfacheren Geräten die Frage und es wird nur <ja> oder <nein> geantwortet; oder es sind im Körbchenorakel alle Elemente des primitiven Lebens vereint, so daß die aus dem Körbchen geschüttelten Zeichen und Mittel ein Bild von dem geben können, was geschehen kann.
Ein Umstand, der auch in Europa beobachtet werden kann, wirkt in Kamerun für den Orakelglauben: Trifft einmal die Voraussage eines Oraklers wirklich ein, so redet jedermann im ganzen Land davon und in einer Weise, als sei jede Äußerung des Orakels bis jetzt untrügliche Wahrheit gewesen; auf die vielen Aussagen aber, die vorbeischossen, achtet man nie, weder Orakler noch Frager teilen dies anderen mit. Die Enttäuschung führt nicht auf den Gedanken, das ganze Orakelwesen beruhe auf falschen Voraussetzungen, sondern man denkt höchstens, daß ein Orakelgerät nicht recht funktioniere, oder sucht die Gründe der Unstimmigkeit anderswo.
Ein solches Orakelgerät, das Produkt des geistigen Lebens eines Stammes, zeigt einen gewissen Grad von Intelligenz. Könnte man die Voraussetzungen dieses Orakelwesens für richtig halten, so müßte man zugeben, daß das kameruner Körbchenorakel auf besserer Grundlage beruht als mancherlei geheime <Kunst>, die bei uns erfunden wurde. Schüttel- oder Körbchenorakel
Trotz dieser Intelligenz bei Erfindung und Auslegung des Orakels ist zu sagen, daß die Orakler es nicht nur auf Erkennen aus den geworfenen Gegenständen abstellen; bei manchen ist das nur Mittel zum Zweck. Zum andern zeitigt das ganze Orakelwesen ein durchaus übles Resultat im Volk, wie es das ganze Volksleben zeigt. Diese Praktiken und der uneingeschränkte Glaube, den man ihnen entgegenbringt, ertöten von vornherein jede ernste Anstrengung, Wille Wille, Vernunft und Erfahrung wirklich auszuwerten. Hätten z. B. die Medizinmänner, von denen einzelne eine erstaunliche Kenntnis von Pflanzen und in ihnen schlummernden Kräften besitzen, die Pflanzen und die Wirkung ihrer Säfte studiert, sie hätten der Menschheit nützen können. Aber wozu ein solch mühsames Studium, wenn das Orakel oder Somnambulismus somnambule Äußerungen hinweisen auf die Mittel, die in dem einzelnen Fall angewendet werden sollen? Ebenso ertötet das Orakel das moralische Gewissen Gewissen; jedenfalls hindert es die gesunde Entwicklung Entwicklung dieser wertvollen Kraft. Es kommt vor, daß bei einem Unglücksfall einer innerlich bewegt wird, sein Leben und sein Verhalten zu überprüfen, um zu erkennen, was er falsch und unrecht gemacht hat. Solche Selbstprüfung hätte manchen moralischen Fortschritt Fortschritt zeitigen können. Aber wozu solche Überlegungen? Das Orakel sagt einem ja, was das Unglück, -szeichen Unglück herbeigeführt hat: Seelenkräfte, Schattengeister, Hexen, Verunreinigungen, Übertretungen von Tabu-Regeln und dgl.; dazu noch, daß das Unglück mit dem oder jenem magischen Mittel, Opfer, Waschung, Klistier Klistier, Beobachtung von Regeln und dgl. bekämpft werden muß; das ist alles. Denn alles wickelt sich mechanisch- Materialismus materialistisch ab, nichts ist sittlich bedingt, obwohl dem Volksgemüt solche Erkenntnis nicht ganz unbekannt ist. Aber das Orakel beherrscht die Öffentlichkeit und bildet die Meinung; danach genügt die äußerliche Handlung, das Gewissen und die Vernunft kann weiter schlafen. Das Orakel hat nichts zu tun mit sittlicher Erneuerung. – Ich traf einen Orakler im Gefängnis und fragte ihn, ob er zuvor auch sein Orakel gefragt [habe]. Die Antwort war nur ein verschmitztes Lächeln. Das Orakel tötet das Gewissen.
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Es gibt in Kamerun mancherlei Arten von Orakeln. Die Gegenstände einer bestimmten Art stimmen bei verschiedenen Oraklern oft völlig überein, als seien sie fabrikmäßig hergestellt, bei anderen weichen sie wieder voneinander ab, gewisse Arten werden in einer anderen Gegend von einer ähnlichen Art vertreten. Obwohl die einzelnen Teile eines Orakelsatzes eine festgelegte Bedeutung haben, so daß ein Orakler mit dem Werkzeug eines anderen ‘arbeiten’ könnte, können sie gelegentlich auch andere Gegenstände und Umstände bedeuten, wenn nur zwischen dem Orakelteil und dem zu deutenden Objekt eine Verbindung gefunden werden kann, und leicht findet der Kameruner solche Beziehungen.
Bei den einfacheren Orakelgeräten kann meist nur entschieden werden, ob eine Sache unterbleiben oder getan werden soll; zur gestellten Frage sagt das Orakel nur ‘ja’ oder ‘nein’ oder läßt die Sache in der Schwebe. Mancherlei Orakelgeräte bestehen aus vier gleichen Stücken. Das einzelne Stück ist meist auf der einen Seite konvex, auf der anderen Seite konkav oder flach, wie z. B. die Hälfte der Kernschale einer Frucht, Kolakerne u. a., vgl. S. 242. Die konvexe Seite wird mit ‘Rücken’ bezeichnet, die flache oder konkave mit ‘Beinen’. Kommt ein solches Stück beim Werfen auf die ‘Beine’ zu liegen und der ‘Rücken’ ist oben, so bedeutet das positiven Bescheid, ‘ja’; umgekehrt sagt dieses Stück ‘nein’, gibt negativen Bescheid, wenn das Stück auf den ‘Rücken’ zu liegen kommt und die ‘Beine’ in die Höhe streckt; so werden Schlaf, Krankheit, Tod, Mißlingen symbolisiert und umgekehrt [?] das Gegenteil. Bei einem Satz von vier Stücken sind nun folgende Bilder möglich (wobei + positiv, – negativ bedeutet) [in diesem Falle sind „+“ und „–“ keine editorischen Zeichen!] :
– – – – oder + + + + die Sache ist abzulehnen, das Orakel verbietet die Ausführung; bei – – – – sind keine Kräfte vorhanden, bei + + + + sind alle magischen Kräfte mobil und drohen mit Gefahr, es ist – –modern ausgedrückt – eine Explosition [Explosion?] zu befürchten.
– – + + oder ebenso + + – – gibt günstigen Bescheid, die magischen Kräfte sind ausgeglichen; das Orakel sagt ‘ja’ zum Vorhaben des Fragenden.
Dementsprechend ist – – – + nahe beim ‘nein’, – + + + nahe beim ‘ja’. In diesen Fällen wird meist der Wurf nochmals wiederholt, nachdem die Sache dem Gerät nochmals vorgetragen oder das oder jenes nachgeholt wurde.
Etwas einfacher ist die Sache, wenn mit einem Satz von zwei Stücken geworfen wird; es ist dann möglich – + = positiver Bescheid; oder + + oder – – ‘die Sache ist abgelehnt’.
Auf diese Weise werfen z. B. die Bakosi mit zwei oder vier Kolanuß >Kolanuß-Kernen, die Basa mit Muscheln oder Würfelstäbchen, andere mit Blättern, wieder andere mit den Schalen der Waldfrucht mandjandja. Im Kreuzflußgebiet und Nachbarschaft benützt man die Schalenhälfte Man bekommt sie von einem älteren Orakler oder findet sie in Elefantenmist.
der Kerne des bwiba ba ndjou, der ungenießbaren Abart der wilden Mango Irvingia barteri; meist sind vier davon mit Schnürchen zu einer kurzen Kette vereint und zwei solcher Ketten bilden einen Satz; komplizierter aber ist dann noch die Steigerung der Wurfstücke; es gibt Sätze, die haben bis vier Ketten und jede Kette bis zu sieben Schalenhälften. Der Orakler nimmt die Ketten paarweise an einem Ende, schwingt sie um seine Hände herum und läßt sie dann im Schwung auf die zwischen ihm und dem Frager ausgebreiteten Matte fallen. Er beklopft sie dann mit dem Hauer eines wilden Ebers, den der Frager zuvor mit beiden Händen berührt hat. Dann widmet er sich den Schalen, um den Spruch des Orakels herauszufinden.
Die Schilderung eines Vorganges bei den Bakosi zeigt zugleich, wie das Orakel nicht nur Verborgenes offenbart, sondern auch die Garantie geben soll, gleichsam erzwingt, daß das Geoffenbarte das Beste ist, was geschehen kann: Vor einem ngwe (Ko.), sonstwo ngua, Kultbund der Kosi und Nachbarn ngwe-Mann, vgl. S. 116, wird eine Streitsache gebracht von zwei Sippenältesten, die mit dem Streit zu keinem Ende kommen können. Der ngwe-Mann zerbricht nun eine Kolanuß in ihre vier Kerne und wirft sie, nachdem er die Sache angehört hat, auf den Boden, um aus dem Orakel zu ersehen, ob er die Sache richtig verstanden hat und deshalb auch zu einem guten Ende bringen kann. Die Kerne fallen alle mit dem Rücken nach oben, sind also alle <auf den Beinen>. Da läßt er sich die Sache wieder vortragen und wiederholt das Anliegen. Dann nimmt er die Kerne auf und wirft wieder das Orakel. Einer der Kerne ist <auf den Beinen>, drei <liegen auf dem Rücken>; die Sache ist also noch unausgeglichen. Wieder wird die Sache vorgetragen und vom ngwe-Mann wiederholt, und wieder würfelt er und zwei Kerne zeigen <positiv>, zwei <negativ>; die Sache ist nun ausgeglichen und der Alte singt: Ehob e bong, ngwe e kob „Die Sache kommt in Ordnung, der ngwe-Dämon hat gepackt“, d. h. sich der Sache angenommen; und die anderen stimmen mit ein und wohl zwanzigmal wird die Strophe wiederholt. Darauf verteilt der Alte die vier Kerne unter sich, dem, der die Sache vorgetragen [hat] und den beiden Sippenhäuptern. – Nun kann die Sache verhandelt werden, denn das Orakel gab zu gutem Gelingen den Entscheid.
Diese Gegenstände sind freilich nur Zeichen (Omen) Zeichen, Äußerungsmittel des Orakels. Ein rechter Orakler besitzt aber zumeist auch noch ein Macht, -mittel, -erlebnis Machtmittel, das das eigentliche Orakel ist, der Träger der offenbarenden Macht. Das kann sein: Der schon genannte Eberzahn, ein Berg Kristalle kristall, der meist so hingestellt wird, daß die Spitze nach oben zeigt, er also in positiver Stellung ist. Als Ersatz dafür haben die Basa auch einen besonderen Kegelstumpf aus Lehm Lehm, etwa 6 cm hoch mit unterem Durchmesser von 6 cm, oberen von 4 cm; in diesem Lehmknollen ist irgendein Machtmittel enthalten. Gegen solche Symbole werden beim Fragen die obengenannten ‘Zeichen’ geworfen; sie geben der Sache erst die nötige Kraft. Außer diesen, bei den Basa nku genannten Symbol Symbolen kann auch ein Horn Horn, vgl. unten, verwendet werden, ebenso die noch zu behandelnde Vogelspinne.
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[Nur in Kopie eingeklebter Zettel mit der Abbildung zweier Orakelhörner. Da diese in schlechter Qualität vorliegen und mit einer Abbildung in Ittmanns Aufsatz 'Orakelwesen im Kameruner Waldland', Anthropos 55, 1960, S. 114–134 auf S. 122 identisch sind, wurden diese Abbildungen hier verwandt.
Bemerkung zum linken Horn:
Orakelhorn, 1/4 natürl. Größe
Bemerkung zum rechten Horn:
Horn eines Medizinmannes 1/10 natürl. Größe]
Diese Mittel in einfacher Ausführung können einzelne auch für ihren Privatgebrauch benützen, wenn auch jeder mehr dem Orakel eines ‘Mannes von Ruf’ traut denn der eigenen Kunst. Ein solch einfaches Mittel ist auch das von den Basa dise „Freude“ genannte Gerät. Es besteht aus einem etwa 22 cm langen hölzernen Kolben, der an einer Schnur frei schwebt, und einem Bündel Medizinkräuter und anderer ‘starker Mittel’, die mit einer Schnur umwickelt sind, und von übergossenen Drogen-Absuden, Blut u. ä. ganz schwarz aussehen (dieses und ähnliche Machtmittelbündel sind häufig und werden zu allerlei magischen Zwecken verwendet). Dieses Bündel hat eine Schlaufe, mit der es am kleinen Finger hängend gegen den Kolben gehalten wird. Zeigt es, zur Ruhe gekommen, gegen den Kolben, so ist die Auskunft positiv; legt es sich parallel zum Kolben, so ist die Sache abgelehnt.
Ein in allen Gegenden bekanntes Orakelmittel ist auch ein mit magischen Mitteln und Steinchen gefülltes, an der Öffnung mit einem Stück Leopardenfell verschlossenes und mit einem Henkel versehenes Horn ( Büffelhorn Büffel, Rind, Antilope u. ä.) oder ein kleiner Elefantenzahn. Die Bakosi haben dafür den Namen nlag 3, bei den anderen hörte ich nur „Horn“, tongo 9 (Du.), itong (Sa.), aton ngam (Jao.), sonstwo häufig tong. Es gleicht den zum mfam, vgl. S. 112ff., gehörigen Hörnern und hat an dem Henkel oft noch einen Strauß Kräuter oder ein Vogelnest, meist vom Webervogel, hängen, aber auch kleine Schellen eingeborener oder europäischer Machart. Es gibt allerdings auch ganz leere Hörner; als Füllsel dient alles mögliche wie beim Schüttel- oder Körbchenorakel Körbchenorakel: Menschenknochen, Knochen Knochen, Fell, Krallen, Haut Haut, Haar Haare, Feder Federn von Vögeln, Exkremente vom Leopard mit unverdauten Tierteilen u. a. Der Felldeckel ist mit Lianen festgemacht. Manche Hörner haben auch eine Art Messingbeschlag zu Schmuck Schmuck und Ansehen und Kupferringe zum Aufhängen.
Solche Hörner werden als handliches Gefäß mannigfach in der Magie verwendet, beim Orakel meist auf zweifache Art: 1. Man gebraucht sie, wie oben beim Bergkristall angedeutet, als Machtmittel für Zeichen; 2. als Mittel, das dem Orakler direkt Mitteilungen macht, es ist dann gleichsam ‘Zauberstab’. Bei den Bakosi läßt sich der mod e’ ’lunge vom Klienten den Fall vortragen, dann bespuckhaucht er das Horn Horn, trägt ihm den Fall vor, schüttelt es, wobei das Gerassel des Inhalts den Frager beeindrucken und seinen Glauben stärken soll. Dann sagt ihm das Horn die rechte Antwort ins Ohr, die der Orakler dem Frager mitteilt. – Andernorts gibt der Magier dem Frager das Horn in beide Hände, es soll den Frager ‘ausriechen’; dann beschnuppert er selber das Horn und beschwört es um die rechte Antwort; dabei hält er es in der Hand, beschaut es eine Weile ruhig oder er zieht sich mit dem Horn in seine Hütte zurück, horcht auf die ‘Stimme’ aus dem Horn, schüttelt es, damit man außen das Gerassel hört; nach einer Weile kommt er wieder, um Bericht zu geben. – Wieder andere legen sich, nachdem sie den Fall angehört und ihn dem Orakel mitgeteilt haben, nieder, schieben sich das Horn unter den Kopf und fallen scheinbar in Schlaf Schlaf; dabei teilen ihnen die magischen Kräfte die Antwort mit.
Eine bedeutende Rolle als Orakel spielt auch die Vogelspinne, besonders im Süden und im Grasland; in manchen Gegenden einfach ngam oder ngambi ngambi „Orakel“ genannt, bei den Basa isi „in der Erde“, Du. dibobe la ngambi „Orakelspinne“. Dieses große behaarte Insekt lebt in Erdlöchern, die Mäuselöchern gleichen. Dort ist sie in Verbindung mit dem Reich der Schattengeister und kann also deren Geheimnisse vermitteln. Darum steht sie in hohem Ansehen und wird, obwohl giftig, nicht getötet; im Gegenteil: Mancher verpflanzt sie in die Nähe seiner Wohnung, säubert den Platz vor dem Loch und überdeckt den Eingang mit einem kleinen Blätterdach.
Bei privatem Gebrauch heischt man von ihr nur positiven oder negativen Bescheid. Dazu legt man am Abend vor ihr Loch oder schiebt in es etwa vier Bohnenhäute, die außen farbig, innen weiß sind, oder man hat Stäbchen oder schneidet Blätter zu und bestreicht sie auf einer Seite rot ( Glück, -sgut Glück), auf der anderen Seite schwarz ( Unglück, -szeichen Unglück). Dabei trägt man ihr den Fall vor und bittet um Bescheid. Am andern Morgen hat die Spinne diese Gegenstände verschoben, z. T. umgewendet, und aus ihrer Lage erkennt der Frager die Antwort, wie oben bei den geworfenen Gegenständen gezeigt. Außer der La-
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[eingeklebter Zettel auf S. 159: Zunächst muß das Orakel feststellen den Ursächer Bedimo? Wessen? (Vaters oder Mutterseite) Mulemba? Woher? Frau oder Mann Isango? Welcher? Ansteckung? Berührung mit wem? Aufgelesen? Fußspuren, Urin, Medizin (kata [Bedeutung unklar] ) das Befragen [wird] solange fortgesetzt, bis klare Antwort erfolgt.]ge (ob <Glück> oder <Unglück> oben liegt) werden auch Schlüsse gezogen aus der Stellung der Zeichen: Liegen sie quer vor dem Loch, dann zeigen sie, daß der beabsichtigte Weg ‘gesperrt’ ist; zeigen sie vom Loch weg, so ist der Weg frei. Bei ‘gesperrtem’ Weg ist wieder nach der Ursache zu fragen und nach einem Mittel, diesen Weg zu öffnen.
Wesentlich komplizierter, aber auch auskunftsreicher ist es, wenn der Orakler nicht nur solch einfache Mittel besitzt, sondern einen Satz von etwa 50 Möglichkeiten Die natürlich vermehrt werden können, sowie neue Fragen kommen.
, wie sie unten dargestellt sind. Herr Missionar Paul Scheibler sen. Scheibler sen., Paul Missionar , dem ich verschiedene Notizen in diesem Abschnitt verdanke, hat mir gestattet, sie von seiner Natursammlung abzuzeichnen. Die Blätter stammen von dem bosao 13, mi- „Neger Pflaumen, Neger- pflaumenbaum“ Pachylobus edulis, die ziemlich steif sind. Man steckt die für den Fall zuständigen Zeichen in das Loch der Spinne. Diese schiebt die Blätter bei ihrem nächtlichen Ausgang vor sich her und je nachdem sie zu liegen kommen, lautet die Antwort. Zeigt ein Blatt seinen ‘Rücken’, d. h. liegt die Blattrippe oben, so ist die Antwort positiv, umgekehrt negativ.
Die abgebildeten Zeichen zerfallen in Gruppen und bedeuten:
[Ittmann hat die Orakelblätter und ihre Bedeutung in einem Aufsatz 'Orakelwesen im Kameruner Waldland', Anthropos 55, 1960, S. 114–134 auf S. 124ff. veröffentlicht. Abweichungen vom RVK-Text werden in []-Klammern wiedergegeben]
I. Personenfiguren
Nr. 1 – 12a: männliche Mann und Frau, männlich und weiblich :
1. kum mut: „Ein reicher Mann“ mit zahlreicher Nachkommenschaft;
2. mis mem: „Meine Augen“, d. h. du wirst sehen (bekommen), was du begehrst;
3. nko [nkol] mut: „Unbeweibter“, ein Junggeselle, einer ohne Frau;
4. nyo: „Mund“, d. h. es werden Aussagen gemacht; ob gut oder schlecht, zeigt die Lage des Blattes;
5. nu [„satt werden“]: Ein Mann, der einen Hof und zwei Weiber hat, und
6. mut mpom ngwa: „Einer mit einer Frau“ hat etwas wider dich;
7. wo u gwel djam: „Eine Hand hält etwas“, d. h. einer wird dich packen und dir etwas Böses antun;
8. nemb wong: „Jemand von den Deinen“ und zwar ein männliches Glied hat etwas gegen dich;
9. base kon e mal: „Du wirst gesund werden“;
10. song: „Grab“, Todesfall wird eintreten;
11. hiloga: „Ein noch unbeschnittener Junge“ hilft dir oder steht wider dich;
12a. munlom: „Männlich“, es handelt sich um ein männliches Wesen.
Nr. 12b – 18: weibliche:
12b. muda: „Weiblich“, es handelt sich um ein weibliches Wesen;
13. mud’ a bon: „Mutter von Kindern“, entweder: Das Weib wird fruchtbar sein, oder: In dem Fall dreht es sich um eine solche Frau;
14. ko: „Ein Kultbund“, d. h. nimm Medizin von einer Frau, die dem ko-Bund angehört;
15. hingond: „Ein Mädchen“, wie bei 11;
16. muda a gwal: „Eine Frau wird gebären“; durch das umgebogene und mit einem Stäbchen festgesteckte Blatteil ist die Schwangerschaft markiert (weil bei der Geburt, gebären Geburt die Frau auf dem Rücken liegt, ist die Antwort positiv, wenn die Oberseite unten liegt; negativ, wenn die Rippe nach oben schaut);
17. song: „Grab“, vgl. Nr. 10; hier nur eine Frau, dort ein Mann;
18. mis mem: „Meine Augen“, wie bei Nr. 2.
II. Tierfiguren
19. ngamb: „Vogelspinne“, entscheidet, ob die Antwort richtig ist oder nicht;
20. titi wel: „Ein Tier mit langem Schwanz“ wirst du erlegen;
21. nug’ a bihond: „Ein Tier des Beils“, d. h. Großwild, wirst du töten;
{160}
[diese Seite fehlt im Original, nur in Durchschrift vorhanden; obere Hälfte Skizzen; Unterschrift: Vorstehende Zeichen etwa 1/16 der Größe der erwähnten Blätter und 1/4 der auf Seite besprochenen Schuppen]22. kob: „Huhn“; ein solches ist zu opfern;
23. nlom kob: „Hahn“; ein solcher ist [den Ahnen] zu opfern.
III. Allerlei Sinnbilder; Nr. 24 – 44.
24. nkuki mbe (vgl. S. 105): „Schlimmer Schattengeist im Wald“ wird dich töten (er hat Mund und Auge);
25. ngen: „ böser Blick Böser Blick“, durch den eine Hexe dich aus dem Weg zu schaffen sucht;
26. long: „Gefolgschaft“, d. h. jemand aus deiner Gruppe wird sterben oder ihm [wird] ein Unglück zustoßen;
27. mase: „Jubel“ (beim Lachen werden die Zähne sichtbar) steht dir bevor;
28. nyen bag: „Du wirst mager werden“, denn es stehen dir schlimme Zeiten bevor;
29. nduba: „Umsonst, ohne Gewinn“; das Ende des Blattes ist umgeklappt, dadurch ist angedeutet, daß er gesenkten Hauptes nach Hause geht;
30. bogla [bigla] nyemb: „Der Tod wird dich holen“;
31. kob djam: „Etwas festhaken [festhalten]“, d. h. du bleibst an etwas hängen, daher hast du keinen Erfolg, verlierst den Prozeß oder ähnliches;
32. pagbe: „Eingeengt“, d. h. Ausweg ist versperrt, du kommst nicht zum erstrebten Ziel; vgl. das Gegenteil in
33. bekeg kundag: „Der Weg ist frei“, du kannst gehen, wohin du willst, der Erfolg winkt (die beiden Hakenreihen gehen in entgegengesetzter Richtung);
34. ikang: „Überwindung“ (zwei Blätter sind aufeinander geheftet; davon ist das eine rot gefärbt = positiv, das andere schwarz = negativ) {161} bezieht sich auf eine vorliegende Schwierigkeit;
35. mbeleg: „Enttäuschung“, d. h. du wirst nichts nach Hause tragen, etwa von der Jagd, Markt o. ä., es winkt also kein Erfolg;
36. iken: „Stock, Fußfessel“, d. h. du wirst festgehalten, gefesselt, gefangen, in den Stock gelegt; dir droht Gefahr;
37. ibok i lam: „Ein guter Ort“, d. h. beim dort geplanten Unternehmen ist nichts Schlimmes zu befürchten;
38. bawai: „Nutz-, zwecklos“, das Unternehmen ist also zu widerraten, denn es ist umsonst;
39. i boma lam: „Du triffst Gutes“, d. h. dir winkt das Glück;
40. bekum: „Rindenmedizin vom gleichnamigen Baum“, die mußt du anwenden;
41. nhad mut: „Ein Reicher“; die Löcher bedeuten „Grab“; er wird also sterben;
42. nge (Duala: mungi, vgl. S. 115): „Der über Fruchtbarkeits-Tabus wachende Feme-Bund“ weiß um die Sache, wende dich an seine Vertreter;
43. nku bilim (vgl. bedim auf S. 56): „Du bekommst ein Unglück, -szeichen Unglückszeichen“, es wird gewarnt, sich durch naheliegende günstige Umstände nicht täuschen zu lassen, sondern vielmehr auf Wegtun von Verhaftung sinnen;
44. mo a ngwo: „Es stirbt einer“ (man schlägt mit den Händen über dem Kopf zusammen als Zeichen der Trauer).
Es zeigen also Nr. 5 – 9, 14, 18, 24, 25, 38, 43 „Augen“, z. T. „den bösen Blick“, Nr. 10, 17, 41 „Grab“, Nr. 7 und 44 „Hände“, Nr. 31 – 33 einen „Haken“ zum Festhalten, der Haken in Nr. 16 ist ein „Weib“, wie auch in Nr. 5, während dort die Kerbe links einen „Hof“ bedeutet; die vielen Zacken in Nr. 26 sind Kinder und Enkel; Nr. 3, 4, 24 zeigen einen „Mund“, Nr. 36 das „Loch“ im Block, der Fessel; Nr. 35 zeigt auf dem leeren Bauch den Nabel hervorragen. Symbol
Mehr als irgendein anderes Orakelgerät symbolisiert das Körbchen- oder Schüttelorakel das Wissen, die Allwissenheit. Es verdankt seinen Namen dem „Körbchen“ (etwa 7 cm hoch, 22 cm im Durchmesser) esandja (Du.), sel (Sa.), in dem die Zeichen und Mittel aufbewahrt und bei Gebrauch auch sesebe „geschüttelt“ werden. Statt seiner dient diesem Zweck auch oft eine Rindenschachtel ngobe, etwa 11 cm im Durchmesser und 20 cm hoch, oder eine Stofftasche mit geflochtenem Henkel. Alle diese Behälter sind mit einem Deckel zu verschließen.
Der Inhalt besteht aus Kraftmitteln und Anzeigemitteln. Das Wesentliche bei den ersteren ist ein Berg Kristalle kristall oder ein Quarzstück, vgl. S. 16, das ist mulopo „der Kopf, vgl. auch Schädel Kopf“ des Ganzen, ohne solchen Stein ist alles andere Gerät wertlos. Wer ihn hat, kann sich ein Orakelgerät machen oder machen lassen und wem die Geister Geister wohlwollen, den lassen sie solchen Stein finden; er kann ihn auch teuer verkaufen, denn er bringt auch anderes Glück, und mancher trägt einen in seiner Schultertasche herum, bestreicht ihn oft mit Rotholz Rotholzfarbe und bespuckhaucht ihn. Man sagt, auch die Leopard Leoparden tragen solche Steine bei sich, und wenn sie am Wege scharren, seien sie auf der Suche nach ihnen. Weil der Stein aus der Erde, dem Aufenthalt von Geistern und magischen Kräften stammt, muß er auch ein Träger dieser Kräfte sein.
Die anderen Machtmittel stammen aus allen Gebieten der unsichtbaren und sichtbaren Welt, sie haben die Kräfte von Erd-, Luft- und Wassergeistern an sich und weil auch die medizinischen Kräfte des Waldes vertreten sein müssen, befinden sich auch Rinden, Blätter, Wurzeln, Gräser u. ä. dabei. Anderes muß mit der Menschenwelt in Berührung stehen, wie Hund, Huhn, vgl. S. 155; wieder andere können leicht in Erfahrung bringen, was Menschenaugen verborgen ist, z. B. der Leopard, der nächtens auf den Pfaden entlang geht, an den Kreuzweg Kreuzwegen, vgl. S. 33, steht, die Gehöfte umschleicht. Der Weih überfliegt die Siedlungen und seinem scharfen Auge entgeht nichts. Puffotter, Stachelschwein, Krabben wohnen in Löchern im Boden und Felsen und können daher die Schattengeister belauschen. Krokodilen und Fischen werden nicht nur die Anschläge der Strandbewohner kund, sondern auch die Geheimnisse der mengu „Meergeister“. Sind also unter den Mitteln des Orakels Teile von solchen Tieren oder Pflanzen, so steht dem Orakel alles Wissen, auch {162} alles geheime Wissen zu Gebote, es ist allwissend und seine Anhänger sind davon überzeugt, daß „es weiß, woher der Tod Tod kommt und wo das Leben zu finden ist“. Ihm steht die ganze Natur Natur mit all ihren geheimen Kräften zur Verfügung und es ist in sichtbarer und unsichtbarer Welt allmächtig, und vor allem: Es stellt die Verbindung zwischen beiden her.
Dementsprechend sind in dem Behälter [Teile] von Animalia: Knochen von Ziege Ziege, Schaf Schaf, Huhn Huhn, Schildkröte Schildkröte, Stachelschwein, Schlange Schlange, Antilope Antilope, Schimpanse Schimpanse, Gorilla Gorilla, Leopard, aber auch von Albino Albinos. Besonders sind Knochen Knochen beliebt, die andere Tiere unverdaut von sich gegeben haben (daher auch der Leopardenkot); solches Exkrement und unverdaute Knochen wirken durch Ähnlichkeit Ähnlichkeit des Vorgangs: Sie waren verschlungen und sind wiedergekommen; also müssen sie auch in der unsichtbaren Welt Vorhandenes oder im Tode Verschlungenes bekannt geben können. Weiter: Knorpel von Fischen, Schneckenhäuschen, Muscheln, Krabben- und Krebsscheren, Stachelschweinborsten, Krallen von Raubtier Raubtieren und Raubvögel Raubvögeln, Zähne von Puffotter, Hecht, Krokodil Krokodil, Leopard, Wildschwein, Säge vom kleinen Sägefisch u. a.; Puppen von Insekten und Schmetterlingen, Vogelfedern, Menschenhaare.
Getrocknete Menschenhände dürfen natürlich heute nicht mehr unter solchen Orakelmitteln sein; dagegen steht in neuerer Zeit ein kleiner Spiegel solchem Gerät wohl an.
An Pflanzlichem finden sich Baumrindenstücke, kleine Grasbüschel, Scherben von Kalebassen u. ä. Diese pflanzlichen Mittel sorgen für Kräfte der Gesundheit Gesundheit, aber auch schädigende Kräfte sind in ihnen verkörpert.
„Der Orakler besitzt vielerlei Dinge, die er irgendwohin schicken kann, damit sie ihm Kunde aus allen Ortschaften und Gehöften bringen, woher Leute zum Fragen zu ihm kommen, so daß, wenn er gefragt wird, sofort im Bild ist und Bescheid geben kann.“
Untermengt mit diesen Mitteln sind die Zeichen, vgl. S. 159, 161. Das sind Schuppen des Schuppentier Schuppentieres [gestrichen: Zu bevorzugen sind Schuppen eines vom Leoparden zerrissenen Tieres.]
, in die allerlei Figuren eingekerbt und ausgeschnitten sind, die genau den oben in Pflaumen, Neger- Pflaumenblätter geschnittenen entsprechen, in etwa 1/4 ihrer Größe und mbamba „ Kaurimuscheln Kaurimuscheln“, an denen besonders leicht das Positive und Negative festzustellen ist (Bauch- und Rükkenlage). Erst die oben aufgeführten Mittel <ermächtigen> diese Zeichen, die rechte Auskunft zu geben.
Beim Gebrauch werden zunächst die Kraftmittel auf einer Matte oder [einem] Bett Bett oder dem Boden schön säuberlich ausgebreitet zwischen Orakler und Klient. Der Bergkristall oder die anderen Steine kommen in die Mitte zu liegen und ihre Spitze schaut nie auf den Klienten; die anderen Mittel werden diesem ‘Kopf’ des Ganzen gegenüber aufgelegt. Unterdessen trägt der Klient seinen Fall vor, gibt auch, wenn wegen eines Abwesenden gefragt wird, das ab, was ihn vertreten soll. Daran läßt der Orakler seinen Stein „riechen“. Hat der Orakler Einblick in das fragliche Anliegen bekommen, so bespuckt er alle Sachen, pfeifen (Pfeife, Flöte) pfeift mit einer Krabbenschere Krabbenschere, vgl. S. 179, 181a, und trägt nun die Sache dem Orakelgerät vor. Dabei hält er das Körbchen mit den für den vorliegenden Fall ausgewählten Schuppen vor sich und a masese ngambi „schüttelt sie“. Der Vortrag wird immer wieder unterbrochen durch einen Pfiff auf der Krabbenschere, als müsse des Gerätes Aufmerksamkeit wacherhalten werden. Auch werden die Schuppen immer wieder bespuckt. Dann nochmals einen Pfiff und er läßt, indem er weiter schüttelt, die Schuppen über den Stein fallen. Damit die Schuppen nicht übereinander zu liegen kommen, legt er die gefallenen immer wieder auf die Seite. Ist das Körbchen leer, so kann der Orakler zur Deutung der Zeichen und Anwendung auf den betreffenden Fall gehen.
Die Lage der Zeichen zum ‘Kopf’, ob ein solches direkt vor dem ‘Kopf’ liegt oder zur Rechten, zur Linken, dahinter oder weiter weg, gibt dem Deuter allerlei Fingerzeige. Danach entscheidet sich z. B., in welcher Reihenfolge die Zeichen zu lesen sind. Die wichtigsten fallen vor den ‘Kopf’, bezüglich ‘rechts’ und ‘links’ kommt es beim Verordnen von Medizinen sehr an, vgl. S. 128f.
Krankheitsbehandlung Es handelt sich etwa um einen Schwerkranken. Unter den Zeichen findet sich dann auch Nr. 10 oder 17 „Grab“; es fällt negativ, also besteht keine Todesgefahr, aber es muß ein Mittel gefunden werden zur Abwendung der Gefahr. Von den Zeichen 22 und 23 ist das erstere positiv, das andere negativ, also muß ein Huhn getötet werden; Nr. 42 liegt mit Rücken nach oben, also muß die Weiterbehandlung des Falles dem mungi-Bund übergeben werden; der hat dann auch zu entscheiden, was mit dem Huhn zu machen ist. – Oder das Zeichen für <Grab> fällt positiv; dem Kranken steht also der Tod bevor. Ebenso liegt positiv Nr. 3, also hat ein Junggeselle die Krankheit verursacht und Nr. 25 positiv zeigt an, daß es durch Hexerei geschehen. Da kann der Orakler nun raten, durch eine „ Tadelversammlung, vgl. auch besa Tadelversammlung“ diesen Junggesellen festzustellen und ihn zur Rücknahme seines bösen Einflusses zu veranlassen.
Einer fragt wegen eines Handelsunternehmen: Unter den Zeichen liegen ‘positiv’ Nr. 31, also sind Schwierigkeiten und Verwicklungen zu erwarten, Nr. 21 positiv zeigt, daß diese Schwierigkeiten ausgehen von einem Nagualbesitzer. Der Orakler fragt, ob in seiner Gruppe ein solcher sei. Er rät an, eine Ausspracheversammlung, vgl. S. 236ff., zu veranstalten, um diese Schwierigkeit zu beheben. Komme dabei nichts heraus, so solle er wiederkommen, damit der Orakler feststelle, wer der Widersacher ist.
Durch einen herabfallenden Baumast ist ein halbwüchsiger Junge erschlagen worden. Dadurch wurde offenbar, daß auf der ganzen Sippe eine Verhaftung liegt. Diese ist zu beseitigen, wie auf S. 265ff. beschrieben. Es ist aber auch <festgestellt>, daß die Siedlung an einem unguten Platz angelegt ist. So kommt der Sippenvorsteher zum Orakel, um feststellen zu lassen, wo ein besserer Platz ist. Als Beachtungspunkte empfiehlt das Orakel folgendes: Nr. 1 liegt positiv, also: Wähle einen Platz zur Linken eines wohlhabenden Mannes; Nr. 13 positiv, also: Gute Aussicht, daß er auf dem Platz Nachkommen haben werde; Nr. 25 negativ, also: Nichts von Hexerei zu befürchten; Nr. 23 positiv, also: Hahn opfern (wohl den Ahnen); Nr. 32 positiv: Widerstand ist zu erwarten; darum ist, sobald er sich bemerkbar macht, durchs Orakel feststellen zu lassen, wie er zu beseitigen ist. Zunächst muß nun der Sippenvater einen Platz suchen ‘ linke Seite links von einem reichen Mann’; hat er ihn gefunden, kann er wiederkommen und das Orakel fragen, ob das der rechte Platz sei und welche Vorsichtsmaßregeln er beim Klären des Platzes zu beachten habe, vgl. S. 47f.
Dadurch, daß der Orakler in beständigem Kontakt mit seinem Frager steht, kann er bei jedem einzelnen Zeichen durch Fragen feststellen, wie der Entscheid nun für die betreffenden Verhältnisse paßt. Zwar will sich ein ehrlicher Orakler stets von seinem Orakel leiten lassen; aber ganz offenbar muß bei solchem Unterhalten auch manch anderer Einfluß sich geltend machen.
Alles Kraftgeladene verliert durch Gebrauch und ungünstige Einflüsse von seiner Kraft, so ist es beim Gewehr, vgl. S. 261ff., so auch beim Orakelgerät. Hat der Orakler den Eindruck, es funktioniert nicht mehr recht, so opfert er ihm ein Huhn und begießt es mit Blut Blut oder er hält sein Gerät neunmal gegen ein Feuer Feuer oder klopft es neunmal auf einen Herdstein oder führt es neunmal um sein Bein herum, dann soll es wieder richtige Auskunft geben. Oder man läßt durch ein anderes Orakel feststellen, warum es streikt. Ist es nicht zu bessern, so wirft man es weg und schafft ein Neues. Schüttel- oder Körbchenorakel
{163a}
[Notiz auf Rückseite von S. 162: zu S. 163b: „O der Sperling“ etwa [gemeint] ist[, er ist] ja stets um die Menschen [?].]Nachstehend gebe ich gekürzt den Bericht eines Regierungslehrers, der einen Orakler interessehalber aufsuchte und ihn zum Schein konsultierte, um etwas hinter seine Wirklichkeit zu kommen. Der Orakler gab vor, daß ihm eine ‘alte Frau’ die Offenbarungen zuflüstere; er arbeitete also ohne Geräte als eine Art Hellseher; der Lehrer erzählte:
Ich machte mich frühe auf, weil es nach der Regel geht: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. (vgl. aber auch den Grund auf S. ---). Nur wenn ein anderer Orakler oder Medizinmann kommt, so hat er den Vortritt vor allen; wahrscheinlich damit er bald wieder geht und nicht hinter gewisse Geheimnisse kommt. Ich traf schon eine Menge Leute und mußte von der Dämmerung ab bis 10 Uhr warten. Von einem Penny aufwärts sind die Sporteln; der Orakler fordert zwar nicht, wenn aber einer mehr als ein gewisses Quantum georakelt haben will, deutet das Orakel an, daß es für den Preis nicht mehr leisten könne. Da gibt man einen weiteren Penny mit der Aufforderung: So, nun streng dich aber an! Die kleine Hütte ist nur 2 1/2 x 2 1/2 m, Licht fällt nur durch die Dachritzen etwas hinein. Die Tür steht offen und ihr gegenüber an der Wand nimmt der Klient Platz, während der Orakler in der dunkelsten Ecke hinter einem Vorhang sitzt. Darein ist ein Loch geschnitten, so daß der Orakler von seinem Sitz aus den Klienten genau beobachten kann. Ist ein Frager abgefertigt, so macht der Orakler einen kurzen Gang vor seinem Haus und studiert da etwas die Leute, die auf Zutritt bei ihm warten.
Mit einem neuen Frager beginnt ‘die alte Frau’ zu sprechen und ihn zu begrüßen. In Wirklichkeit ist es natürlich der Orakler selbst, der auf diese Weise noch leichter den überraschten Frager beobachten und seine Schlüsse ziehen kann. Bei dieser Unterredung mit der ‘alten Frau’ merkt der Alte meistens schon an des Fragers Sprache, aus welcher Gegend er stammt, was er ist, welches Anliegen ihn bewegt. Und wenn nun der Orakler dem Frager das oder jenes sagt, was dieser eben in seinem Staunen der ‘alten Frau’ nur gesagt hat, da hat er des Klienten Vertrauen meist schon gewonnen. Und bis er auf die letzte Frage zu antworten hat, weiß der Orakler schon das ganze Anliegen des Fragers, die Befürchtungen und seine Hoffnung, seine Nachbarn, die befreundeten und die vergrämten; und was die Worte des Fragers ihm nicht sagen, das liest der geübte, wenn auch ungeschulte Psychologie Psychologe auf dem Gesicht Gesicht seines Gegenübers. Plötzlich trifft er den Nagel auf den Kopf, der Orakler spricht gerade aus, was der Klient auch im Stillen gedacht hat. So manchem dieser Dunkelmänner gebührte der Doktorhut für Intuitivpsychologie, auch wenn er keine Hochschule besucht hat, denn fast alle seine Antworten beruhen auf Vermutung und Schlüssen, die er aus Antworten und Seelenäußerungen des Klienten gezogen [hat], und wenn er einmal merkt, daß er daneben gegriffen [hat], so ist er schnell bei der Hand mit einem „Nun, ich sagte das nur mal so im Scherz!“
Ich hatte dem Alten vorgegeben, daß ein Verwandter von mir schwerkrank sei und ich Ursache und Heilmittel erfahren wolle. Er sagte mir, nachdem er leider von meinem Begleiter erfahren, daß ich Lehrer bin, daß der Betreffende durch einen Mann krank gemacht sei und zwar habe der ihm die Krankheit durch Grüßen mit der Hand übertragen; dann gab er mir noch ein Heilkraut an, den Namen des Krankmachers weigerte er sich zu sagen. Beim Gehen reichte er mir ein Bällchen weißen Ton, Töpfer Tons als gutes Zeichen, daß ich beruhigt nach Hause gehen konnte; drohende Sorgen zeigt ein Stück Holzkohle an beim Weggehen. – Soweit mein Freund.
{163b} Es gibt auch Orakler, die nicht nur schädlichen Einfluß schwarzer Künste feststellen, sondern das betreffende Mittel auch auffinden und dadurch es unwirksam machen. Es gibt nun allerlei Mittel finsterer Menschen. Eines nennen z. B. die Bakosi nsom belem „Haupthexerei“, die Sache selbst wird aber auch andernorts geübt. Es nimmt einer Haar Haare und anderen Abfall, ein altes Tüchlein, die Armspange einer Frau, wickelt das mit anderen Mitteln zu einem Bündelchen zusammen und vergräbt es in seines Feindes Wohnung, dem er schaden will. Solange diese Sache dort vergraben ist, wirkt sie schädlich in der Familie des Hausbesitzers; herausgefunden aber werden kann sie nur von solchen, die ein Orakelmittel haben, mittels dessen sie das versteckte Unheilspäckchen riechen können. Solche „Hexenriecher“ nennen sich zwar „Medizinmänner“, weil sie aber Verborgenes herausfinden wollen, sind sie den Oraklern verwandt, auch wenn sie nicht ein Orakelgerät werfen, sondern ihr Mittel es ihnen „sagt“, wo das Hexenbündelchen verborgen ist. Vielfach haben Medizinmänner solche Zaubersäckchen in Hütten vergraben lassen, um sie später zu ‘erriechen’.
Die Bakosi kennen drei Mittel, denen sie solche finderischen Eigenschaften zuschreiben: Edimeköl, vgl. S. 148, das Mittel eines ekong-Mannes, vgl. S. 91, dem gefangene Menschenseelen zur Verfügung stehen; ndien-diade „Sperling“, wörtlich „Siedlungswächter“ und nkonekon „Rabe“; alle drei sind zu Sträußen gebundene Blätter und Reiser, die von übergossenen Absuden und Blut ganz schwarz aussehen. Daß man das letzte Mittel „Rabe“ heißt, kommt wohl aus der Beobachtung, daß dieser schwarze Vogel mit der weißen Brust in Gruppen von Baum zu Baum fliegt und seine Nahrung sucht. Der Orakler läßt durch sein Mittel den Platz ‘erriechen’, wo das Mittel vergraben sein soll und gibt dann seinem Gehilfen an, wo er graben soll. Und richtig: In vielen Fällen befördert dieser ein solch schädliches Bündelchen ans Tageslicht. Darauf herrscht große Freude in dem Gehöft, das seither von Krankheit und Tod heimgesucht war. Nun ist ja die Ursache allen Leids beseitigt. – Dem Treiben dieser Hexenriecher wird viel Kritik entgegengebracht, aber nicht in dem Sinn, daß man etwa sagt, ihr Treiben sei Schwindel; das verfängt darum nicht, weil sie ja offenbar immer wieder solche versteckten Mittel zutage fördern. Man sagt: Sie schicken zuvor jemand in ein solches Haus und lassen selbst das Bündel vergraben, das sie später durch Mittel und Kunst ‘entdecken’.
Vielfach dient auch das auf S. 147 beschriebene Horn zum Zwingen des bösen Mittels.
Der schon genannte Pfarrer Chr. Schmidt berichtete aus Bakwiri: Die beiden Frauen eines Mannes sind unfruchtbar. Auf Befragen beschuldigt das Orakel eine verstorbene Christin, daß sie das Übel mittels eines Machtmittels den Frauen angehext habe. Die Verstorbene käme immer wieder aus dem Grab und setze durch ihr Mittel die Frauen in den unguten Stand. Als Zweifel laut wurden, erklärte das Orakel: Die Verstorbene habe ja ein Mittel als Päckchen im Hofe der Frauen begraben; in der Abenddämmerung solle es gesucht werden. Alles macht sich dann ans Suchen und richtig, der Orakler findet das Päckchen, das Palmnüsse und Harz enthält. (Diese Päckchen sind vielfach von einer Mischung von Gummi und Erde umgeben, so daß es sich monatelang im Boden hält, ohne zu verderben. Wenn es sich aber wie im vorstehenden Fall um einen Betrug Betrug des Oraklers handelt, macht man sich meist die Mühe des Gutverpackens nicht.) Dann konnte die Behandlung der Frauen anheben: Ein Schaf Schaf wurde geschlachtet und ein Beil Beil ins Feuer gelegt; jeder Frau wurden 8 – 10 Einschnitte in die Bauchdecke gemacht; das daraus fließende Blut Blut tupfte der Medizinmann auf und verschlang es. Dann hielt er das glühende Beil an die Schnittwunde, damit durch sie die Hitze in den Bauch dringe und die ersehnte Nachkommenschaft erwirke. hellsehen
Man kennt auch allerlei Mittel, um fragliche Dinge festzustellen, die Orakel genannt werden, die aber eher als Ordal, vgl. S. 164, anzusprechen sind, denn sie stellen den Schuldigen unmittelbar fest, vgl. S. 246.
Ist in einer Gruppe, vgl. auch Familie, Sippe, Stamm Gruppe etwas gestohlen worden, so geht die ganze Gesellschaft zu einem Medizinmann Medizinmann oder läßt ihn kommen. Der steckt jedem einzelnen ein Pfefferschötchen unter das Augenlid. Beim Blinzeln fällt dies bei Unschuldigen sofort heraus, der Dieb aber behält es im Auge.
Ein anderes Mittel sind zwölf Blätter des mowendewende [Zusatz in Steno] . Auf einem Bananenblatt werden sie einzeln mit dem Absud aus einem Blattrichter bespritzt und dann so aufeinandergelegt, daß der Blattstiel des einen Blattes nach rechts, der des anderen nach links schaut und so abwechselnd, und zwar decken sich die abwechselnden Blätter nur [auf] etwa 2/3 ihrer Länge. Neben diesen Blättern liegt ein altes Buschmesser, die Blätter beklopft der Orakler mit einem mudiki-Stein, vgl. S. 16, während die beiden Partner oder der Orakler und der Beschuldigte die Blattstiele fassen. Der Orakler spricht dann etwa: Hast du die fragliche Sache gestohlen, so sollen die Blätter zusammen festhalten; hast du nicht gestohlen, so sollen sich die Blätter lösen. Dann wird gezogen, währenddem der Orakler weiter Absud auf die Blätter spritzt.
Diesen beiden Mitteln wird von allen getraut; man kann sich die Sache nicht erklären, aber jeder versichert, daß sie stimme. Herr Pflanzer Erich Wolf von der Mbonge-Pflanzung (DWH.) erzählte mir, als einmal ihm etwas gestohlen gewesen sei, habe seine Bedienung gewünscht, daß sie alle sich diesen beiden Orakeln unterziehen. In beiden Fällen deutete das Orakel auf den Kochjungen als den Schuldigen, auch dann als Herr Wolf auf der einen Seite der Blätter zog; während, wenn er mit anderen zog, die Blätter auseinander gingen.
Bei manchen Handlungen muß festgestellt werden, ob sie richtig waren oder nicht, z. B. beim Gebet, vgl. Neumondsgebet auf S. 180 und Gebet beim {164} Waschen S. 178b und sonst oft. Beim Lela- Fest Fest in Bali wird der geköpfte Opferhahn in die Luft geworfen: Flattert er im Bogen weg, so war das Opfer angenehm, fällt er sofort herunter, so hatte es keinen Zweck.
In das Gebiet des Orakel gehören auch mancherlei Geräte, die im Besitz der Geheimbünde sind und zur Feststellung von Schuld und Unschuld gebraucht werden. Statt vieler sei nur eines aufgeführt. Bei den Kulttänzen des mengu-Bundes haben die Dämonendarsteller Rassel Rasseln (mit Steinchen oder Paternostererbsen gefüllte, geschlossene Körbchen) in der Hand. Kommt die Frau eines Kultbundmitgliedes in Hoffnung, so ist festzustellen, ob das Kind von ihrem Mann herrührt oder jemand anders des Kindes Vater ist. Diese Feststellung ist nötig, weil der Bund Unfreie nicht aufnimmt, Halbfreie Halbfreie nur mit beschränkten Rechten. Die Frau sitzt nun im Kulthaus, vor ihr steht eine Schale mit Meerwasser. Darein wird eine solche Rassel getaucht, die die Frau dann hochhebt und sich das Wasser in den Mund und über den Bauch tropfen läßt, sie führt sich auch die Rassel über den Bauch. Dabei schwört sie, der djengu-Dämon möge sie ergreifen, wenn das Kind von einem anderen als ihrem Mann gezeugt sei. Man glaubt, daß bei falschem Eid die Frau an Bauchwassersucht eingehen werde. – Das Machtmittel hat wie viele andere auch offenbarende Wirkung. Weil diese Mittel aber zugleich auch die Strafe zu dem Entscheid hinzufügen, sind sie den Ordalmitteln verwandt. Orakel
Der Kameruner zählt das Ordal zu den Orakelmitteln. In ihrer Wirkung sieht er nicht den unmittelbaren Entscheid des ewigen Gottes, sondern er glaubt, die Mittel selbst hätten solche offenbarende und entscheidende Kraft in sich, daß sie beim Schuldigen in ihrer natürlichen lebensbedrohenden Kraft wirken, beim Unschuldigen aber zu dessen Gunsten mit dieser Wirkung aussetzen, weil die geheimen Kräfte für den Unschuldigen eintreten. Es kann dabei verschiedenes als Mittel genommen werden s. v.: scharfe Früchte, Blätter, Vögel, Feuer, heißes Öl Öl, Wasser u. a., das wichtigste aber ist der Gifttrunk.
Die schwerste Beschuldigung, die man gegen einen vorbringen kann, ist, daß er Hexe, Neiding sei; seine Feindschaft Feindschaft gegen die Gruppe und ihre Glieder erwidert diese mit Ausrottung oder Verbannung. Die Wirkung schwarzer Kunst will man leicht ersehen in Krankheit Krankheit, Sterben und anderem Unglück. Weil aber die Hexe ihr Werk im Geheimen und Finstern treibt, ist sie ohne das magische Mittel des Ordals nicht zu greifen. Wer des Gifttrunks verurteilt war und fühlte sich unschuldig, sträubte sich dagegen nicht; ja viele riefen das Ordal auf Beschuldigung der Hexe hin an und unterzogen sich ihm freiwillig.
Als Ordalmittel gebraucht man in weitem Gebiet des Landes die rote Wurzelrinde des Gewürzbaumes kwa Nyo kwa „sich dem Ordal unterziehen“, wörtlich „giftigen Absud trinken“; meist geschah das auf einem besonderen Platz, bei Manenguba (Bo.) hieß er imju di kwawan „Ordaltrunkplatz“ und war an einem Dörflein gelegen; wegen der Kwiri vgl. S. 228, Note 1.
(Du.), kwawe (Kp.) kwawan (Nk.), ngol (Ko.), elon, bi- (Ja.) „Erytrophloeum guinense“. Im Bedarfsfall geht einer in den Wald und reißt junge Pflänzchen aus, von denen man die Wurzelrinde nimmt. Bei diesem Ausreißen ist ein ‘Machterleben’ entweder zu meiden meiden oder herbeizuführen: Zieht einer das Bäumchen aus und die Wurzelspitze reißt ab, so daß der Ziehende nach hinten zu Boden fällt, so ist das ein Omen Omen, daß der das Ordal Trinkende auch zu Boden fällt und seine Lebenswurzel abreißt. Darum, holt ein Verwandter der Verurteilten die Pflanze, so sieht er wohl zu, daß ihm solches Abreißen und zu-Boden-Fallen nicht passiert oder wenn doch, so läßt er diese Pflänzchen im Wald liegen. Dagegen wird einer von der Gegenpartei solche Pflanzen gerade auswählen. Es ist meist dem Trinkenden anheimgestellt, den nötigen Stoff dazu holen zu lassen.
{165} Wie alle Gerichtshandlungen und -verhandlungen ist auch das Ordaltrinken öffentlich. Meist findet es an einer Wasserstelle statt. Während die beiden Parteien und andere Zuschauer einen Kreis bilden, bereitet ein Medizinmann den Trunk; er schält verschiedene Wurzeln und knüllt aus der Rinde neun Kügelchen zusammen; andere Rindenstücke legt er zum Auslaugen in einen großen Wassertopf, während der Verurteilte beteuert, er sei gern zum Ordal bereit, denn er sei unschuldig, sei er aber doch schuldig (man kann ja nicht immer wissen, was Unwesens die Lebensseele treibt, vgl. S. 94ff.), so möge ihn das Ordal packen. Er muß nun die neun Rindenpillen verschlucken; darauf steht es ihm frei, möglichst viel von der Giftbrühe zu trinken. Denn man glaubt, je mehr einer davon trinke, desto leichter könne er alles wieder durch erbrechen, sich Erbrechen von sich geben. Aus diesem Grunde suchen Mütter ihre Säuglinge schon in frühester Jugend auf solche Gifttrünke vorzubereiten, indem sie zunächst das Kind, vgl. auch Eltern und Kind Kind nur halbsatt trinken lassen. Schreit das Kind nach Entzug der Brust auf, so schüttet man ihm Wasser in den geöffneten Mund, bis das Mäglein voll und prall hervorsteht. Manche Mütter unterbrechen das Stillen 6 – 8 mal, um zwischendrin Wasser einzugießen. Auf diese Weise will die fürsorgliche Mutter, vgl. auch Eltern Mutter den Magen weiten, damit er später genügend Speise, aber auch genügend Ordalbrühe in sich aufnehmen kann.
Hat der Verurteilte genügend Wasser getrunken, so muß er sich an der Versammlungsstelle hin und her bewegen; meistens singt er dabei. Entweder stellt sich Brechreiz ein und er kann sich übergeben, was von seinen Anhängern mit lautem Jubel begrüßt wird. Ist es festgestellt, daß die neun Giftpillen erbrochen sind, so ist der Verurteilte frei und wird im Triumph von seiner Sippe nach Hause geleitet; er hat gegen seinen Verkläger einen Anspruch auf Entschädigung. Kommt es aber nicht zum Erbrechen und im beginnenden Taumeln wird die Wirkung des Giftes offenbar, so wagt selten noch jemand für die Unschuld des Verurteilten einzutreten und wenn es einer täte, wäre es zumeist völlig zwecklos; zu stark ist der Glaube in aller Herzen, daß das Ordal ein rechtes Gericht übt. Seine Gegner haben nun das Recht, über den Gerichteten herzufallen. Er wird entweder mit Knüppeln totgeschlagen oder man bindet ihn und schleift ihn zu einem Baum, wo er aufgehängt wird. Denn das Taumeln macht es klar, daß das Ordal ihn als Hexe erkannt hat und ihn nun zu Tode bringt.
Es ist natürlich möglich, daß auch bei dieser Übung geschwindelt werden konnte. Der Medizinmann konnte in die Brühe auch ein Erbrechen erregendes Mittel tun, so daß fast mit Sicherheit erbrochen werden mußte. Im allgemeinen war aber die Handlung so sehr in der Öffentlichkeit und jeder wollte auch dazu beitragen, daß unheimliche Hexenkraft aus ihrer Mitte weggetan werde, daß man i. a. nicht durch unlautere Manipulationen die Wirkung des Ordal beeinflußte.
In den Landschaften nahe der nigerianischen Grenze benützt man beim Ordal statt der Rinde dieses Giftbaumes mukasambingo (Du.), molala (Kp.), nlala (Lo.), nsambel (Ko.), esiede (Nya.) die „ Kalabarbohne Kalabarbohne“, Frucht des Kletterstrauches Physostigma venenosum. Diese Nüsse wurden zerrieben und das Pulver in Wasser geschüttet und ähnlich wie das kwa getrunken.
Beide Gifte wurden und werden natürlich auch sonst noch verwendet, z. B. nützt man die Kalabarbohne als Mittel gegen Kopfläuse, als Fisch- und Pfeilgift.
Heute ist, soweit der Arm der europäischen Verwaltung reicht, das Ordal in dieser Form öffentlich verboten und niemand kann dazu gezwungen werden. Das hindert aber nicht, daß manche freiwillig diesen letzten Beweis ihrer Unschuld anbieten und oft auch leisten.
In manchen Gegenden hat man früher schon diese Probe Probe nicht bei einer Person angestellt, sondern an ihrer Stelle an ihrem Huhn Huhn. Und diese Stellvertretung Stellvertretung wird heute in vielen Gegenden geübt, wo die weiße Regierung das Ordal für Menschen verboten hat. – Man fängt das Huhn, setzt es auf die Darre des Verurteilten und schüttet ihm den Gifttrunk ein. Wirkt er und tötet er das Huhn, so wird der Besitzer zur Wiedergutmachung des ihm nachgewiesenen Unrechts vom Volksgericht verurteilt. Das kann zwar in manchem Stamm nicht mehr äußerlich erzwungen werden; aber man hat doch {166} Mittel, ihn zu nötigen, so wie der unschuldig Erfundene seine gekränkte Ehre gegen seinen Kläger verteidigen kann.
Während diese Art des Ordal meist nur gegen Hexen angewendet wurde, hatte sich [der] des Diebstahl Diebstahls Bezichtigte dem Spruch des ‘ Beil Beils’ (es konnte auch ein anderes Stück Eisen Eisen sein) zu unterziehen. Während das Eisen glühend gemacht wurde, bestrich der Medizinmann zur Milderung des Brandes des Angeschuldigten Handteller mit einer bestimmten mit Öl vermischten Droge. Vom Herdfeuer [?] wurden 6 – 8 m weit Blätter der roten Plante gelegt. Darauf wurde ihm das glühende Beil in die Hand gelegt und er hatte damit mit den Blättern hin und zurück zu gehen und dabei zu sprechen:
Nse me ndjibe mue mone,
e’ hon e’ hiang me!
Nsa me jibe,
e’ bwid me a meka!
„Wenn ich jenes Geld gestohlen,
so soll das Beil mich packen!
Hab ich aber nicht gestohlen,
so gehe es mir wieder aus den Händen!“
Dann konnte er das Beil Beil wegwerfen. Durchschlug es dabei ein auf den Boden gelegtes Plantenblatt, so wusch man die Medizinschmiere von des Beschuldigten Händen und sah nach, ob sich Brandblasen bildeten oder nicht. Waren die Hände unbeschädigt, so war seine Unschuld erwiesen. Blieb die Haut Haut aber an dem Eisen hängen oder er mußte das Eisen wegwerfen, bevor er an den Zielpunkt kam, so war er schuldig gesprochen und mochte er noch so sehr leugnen.
Werden die Schmerzen unerträglich, so ist es dem Geprüften erlaubt, seine Hände in einen Haufen Schafmist zu stecken, wodurch Brandblasenbildung vermieden werden soll.
Wer sich als „schuldlos“ erwiesen, erhielt die [?] zuvor festgesetzte Entschädigung – Kuh, Ziege oder dgl. Eisen
In anderen Gegenden ließ man gewissen Unrechts Beschuldigte beide Hände in kochen kochendes Öl Öl stecken und sah zu, ob dieses Mittel Schuld oder Unschuld offenbart.
In Elambeng-Bakosi war auch folgendes Ordal üblich: Ein großer Topf mit Wasser wurde zum Sieden gebracht. Während noch dichter Dampf Dampf aus dem Topf steigt, wird ein mit magischem Mittel bestrichener Kieselstein in Wasser fallen [ge]lassen. Verschwindet der Dampf und der Stein Stein wird am Topfboden sichtbar, so ermuntert der Medizinmann den zu Prüfenden, er solle den Stein holen, denn ihm geschehe nichts, wenn er ohne Schuld sei. Hüllt der Dampf aber den Topf noch so ein, daß der Stein nicht zu sehen ist, so widerrät der Magier die Probe Probe, weil Gefahr des Verbrennens bestehe. Unterläßt der zu Prüfende die Probe, so ist er schuldig, unternimmt er sie doch und verbrennt sich, so ist seine Schuld erwiesen. Man meint, der Stein mache bei einem Unschuldigen den Dampf verschwinden und beseitige die Gefahr der Verbrennung, führe aber dem Schuldigen alle Last aufs Haupt.
Harmloser ist ein anderes Mittel der Bakosi: Man gab einem Angeschuldigten einen klebrigen Kloß, den er mit beiden Händen zu drücken hatte. Der blieb zunächst fest an der Hand kleben. Wurde er aber nach und nach steif und löste sich von der Hand, so war das ein Zeichen der Unschuld; bei Schuldigen sollte er sich nicht lösen.
Wie man Leute, die nicht gern gelitten sind oder die sonst enttäuschen (etwa eine Mutter, deren Kinder immer wieder wegsterben) oder Leute, die aus dem Mittelmaß der Gegend herausfallen, gern der Hexerei verdächtigt, so stehen sie auch in Gefahr, zum Ordal verurteilt zu werden. Das vorstehend beschriebene Ordal ist nur eine besondere Art von no male „ Medizin, Machtmittel Medizin trinken“. In der Wirkung ist es aber anders, denn alle Ordalmittel müssen unmittelbar wirken; der Art nach aber steht es auf einer Stufe mit vielen anderen ‚Mitteln Ordal, Gottesgericht, -urteil ‘ Kunst, weiße und schwarze . Kampf, magischer -, vgl. auch ekumti
{167}
In Kamerun sind Religion und Magie vielfach verbunden, so daß sich eine oft nur schwer vom anderen unterscheiden läßt. Um den Unterschied wahrzunehmen, seien zuerst die beiden Begriffe für sich kurz dargestellt unter der Frage: Wie verhält sich der Kameruner dem Übernatürlichen gegenüber auf beiden Gebieten, die nicht mbusa po „einrückig“, d. h. gleicher Art sind, sondern sich boso na boso „Gesicht und Gesicht“, d. h. gegenüber stehen?
In der Religion unterwirft sich der Mensch letztlich dem übergeordneten Wille Willen; der Priester Priester ist Diener der Gottheit; er bittet, beugt sich, fleht, bekennt, er unterwirft sich, sucht Erbarmen, zeigt Demut, Furcht Furcht und Vertrauen, wa o ban biso [?].
In der Magie sucht der Mensch das Göttliche in seinen Dienst, unter seine Gewalt zu zwingen; der Zauberer will Beherrscher des Göttlichen sein, er erzwingt, strengt sich an, zeigt seine Macht und Mittel. Er ist Egoist, der in seinen Operationen seine Wünsche gebieterisch durchdrücken will; Demut und Ehrfurcht Ehrfurcht liegen ihm fern.
In der Praxis zeigt sich dieser Gegensatz zwischen beiden auf Schritt und Tritt.
Bezüglich des erstrebten Zieles in der Religion: Der Mensch will teilhaben an einer höheren Lebenssphäre; er möchte mit dem Göttlichen in Gemeinschaft, -smahl Gemeinschaft treten, ersehnt Bergung bei einer höheren Macht und sucht bei ihr sein Recht. In der Magie erstrebt der Mensch unter List List und Gewaltübung Erfüllung selbstischer Wünsche, die sich durchweg auf das Irdische beziehen.
In der Religion verfolgt der Mensch den Weg ruhiger, wenn oft auch [unter] heißen Bitten, wobei er seine Ohnmacht anerkennt. In der Magie täuscht der Mensch sich und anderen eigenes Können vor, das oft sehr individualistische Züge trägt.
Bei der Religion steht im Hintergrund aller Handlungen ein ethisches Moment; man denkt an letzte Verantwortung; z. B. beim Ahnendienst ist Vorbedingung: Versöhnung der streitenden Nachkommen u. ä. Dies Moment fehlt bei der Magie, an seine Stelle tritt selbstische Erhöhung; [unleserliche Randnotiz] ; die Ahnen, Geister und Kräfte werden gezwungen ohne innerliche Sinnesänderung. Es kommen hier gleiche Vorgänge auf beiden Gebieten vor, die doch ganz verschiedene Bedeutung haben.
In der Religion liegt der Drang zur Personifikation; man sucht ein persönliches Du, ob das nun Geister, Dämonen, ein Gott oder wer sonst ist, zu dem man Zuflucht nimmt. Die Magie kennt dieses Bedürfnis nicht; sie kennt nur eine Macht, eine Masse, ein Etwas, das ndimsi ndimsi. [unleserliche Notizen]
So ist der Unterschied zwischen Religion und Magie theoretisch klar, in Kameruns praktischer Übung aber greift beides ineinander über, ist miteinander verbunden, sobald der Mensch in die Sphäre des Übernatürlichen, Numinosen, Heiligen eintaucht. Die Riten Riten werden, obwohl sie mit soviel Unruhe und Äußerlichem verbunden sind, in einer gewissen Ehrfurcht vollzogen, die Gebet Gebete atmen etwas von Vertrauen; die Handlungen entbehren nicht einer gewissen Scheu. Tabu-Riten und negative Magie haben zum Gegenstand etwas Irrationales, das ein „Du sollst!“ und „Du darfst nicht!“ äußert.
Die Frage nun, was bei Religion und Magie zeitlich das Erste war, läßt sich von Kamerun her empirisch nicht beantworten; denn wir treffen überall beide Erscheinungen an, als wären sie miteinander entstanden und von Anfang an nebeneinander hergegangen, die eine sich emporrankend wie ein gotischer Dom zu lichten Höhen, die andere wie ein Gewirr von Urwaldpflanzen. Aber sie sind nicht zu trennen in der natürlichen Religion. Ihr Bild ist der ndie (Ko.) ndie „Ahnenkultplatz“ der Bakosi. Der runde Platz ist umstanden von einem Kranz glattstämmiger Drachenbäume, die ihre Kronen oben zu einer Kuppel wölben; aber in den und um die Stämme schlingen sich in verwirrender Fülle eine Menge Liane Lianen, so daß man nicht recht weiß, was ist nun die Hauptsache in der Umgebung dieses geweihten Platzes: die {168} säulengleichen Stämme oder das verbogene Lianengewirr.
Immerhin ist es bezeichnend, daß man von den ganz auf magischer Grundlage beruhenden Kultbünden in fast allen Stämmen behauptet, man habe sie früher nicht gehabt, sondern sie erst von Nachbarstämmen übernommen Dem ist leicht entgegenzuhalten, daß es sich da um einzelne Kultbundeinrichtungen handelt, daß aber das Kultbundwesen schon vor den einzelnen Bünden bestand. Das als richtig zugegeben ist doch klar, daß dem Volksempfinden nach ein solcher Wechsel in der Gottesvorstellung nicht stattgefunden hat, auch wenn wir noch Reste (oder Anfänge) von verschiedenen Kulten (Gestirndienst u. ä.) beobachten können. Gerade dieses Bestreben zeigt ja, wie man strebte, beim Suchen nach dem Göttlichen zur Persönlichkeit zu dringen.
, oder wie die Bakosi eine Überlieferungen Überlieferung über die Einrichtung des ngue-Bundes haben, wonach er erst aus dem Bedürfnis entstanden ist, eine Stelle zur rechten Sühneverhandlung zu haben, vgl. Zeitschrift Afrika, ---, Bd. ---, S. ---. Parallel mit dieser Beobachtung geht ja auch die Aussage, daß die Gottheit eher war als alles andere; vgl. das Rätsel auf S. 1.
Fragen wir nun, wie das Verhältnis von Religion und Magie heute aussieht, so ist zu sagen, daß trotz der hingebenden Arbeit von Mission, Missionare, vgl. auch Christen Mission, Schule So nannte sich Aron Mbolo aus Lum an der Nordbahn, der ein angesehener und befähigter Regierungslehrer, dabei aber auch ein weit bekannter Medizinmann war, auf dem Kopf seiner gedruckten Briefbogen: Ne nde munuku na muwasedi nya mambo ma mayengilane o ngo, inyanyo n’ ebangubangu a wei o Kamerun, mandjule ma bebolo ba ma, mpongokoma stamp, elongi ewo oteten a mikwandedi m’ ebol’ a baledi, munyo-male n’ esungu a po o janane diwendje, mbutu, tongo, bekusungang; ekolo-ma „Ich bin ein Herausklauber und Untersucher von Dingen, die in der Luft schweben, wie Morgenröte und Mittagssonnenglut, in Kamerun, leiste Ungeheuerliches in Handarbeit, mache Gummistempel, bin einer der hervorragendsten Lehrer, ich habe mich bei einem abgebrochenen Haumesser | verschworen, zu streiten gegen (die Hexenmächte in) Urwald, Dickicht, Fluß und Hexenameisen; ich bin Rechtsverständiger“, (vgl. Note 1 auf S. 81).
, Regierung und anderem europäischen Einfluß der Magie-Glaube wie eine schwere dunkle Wolke über dem kameruner Volksleben liegt. Die Regierungsschule hat ja hier einen z. T. mehr als zweifelhaften Einfluß, denn ein Teil dieser Lehrer Lehrer verbreitet magic aus Europa und Amerika, als ob sie von den betreffenden Firmen angestellt wären. Die Sucht, Schutz durch Machtmittel, Medizin Schutzmittel gegen die Macht böser Geister Geister und zur Erreichung von Macht und Einfluß zu bekommen, ist groß und immer wieder gibt es Streit wegen Hexerei und schwarzer Kunst. Jede Dorftragödie, jede Krankheit Krankheit, jeder Mißerfolg wird dem Einfluß von Geistern und Hexen zugeschrieben. Streit und Anklagen entstehen und ohne daß die Behörde es gewahr wird, findet der Orakler heraus, wer die Sache angerichtet [hat Religion, vgl. auch Synkretismus ]. Magie, vgl. auch Kunst
[auf extra Zettel Lageplan von Manenguba und Umgebung]{169}
Der Kultus in Kamerun ist nicht stark ausgeprägt. Das mag seinen Grund haben in der Tatsache, daß die Gottesidee, soweit sie die hohe Gottheit Gottheit betrifft, gegenüber den niederen Mächten zurücktritt. Man denkt sich die Gottheit als weltfern, vgl. S. 31f., 124f., sie kümmere sich nicht viel um die Menschen, darum müsse man sich auch nicht viel um sie kümmern. So haben sich zwischen den Wirker Wirker und Richter Richter und die Menschen die Ahnen als Mittelsleute eingeschoben und Mittel als mächtige Gewalten. Dadurch hat sich die vorhandene einheitliche Gottesidee aufgelöst in Einzelgestalten der Dämonen Dämonen, die man durch Weihen und Riten Riten unter die eigene Gewalt bringt, und als Besitzer, Herr des Dämons, spielt man mit dem Gedanken der Selbstvergottung. – Die Gottheit selbst ist gedacht als milde und gütig und aus der christlichen Verkündigung: <Gott ist Liebe Liebe> zieht der Primitive so gerne wie der gebildete Mitteleuropäer den falschen Schluß: Also muß ich ihm nicht dienen, ihn nicht ehrfürchten. Denn der natürliche Mensch kennt nur knechtische Furcht Furcht; kindliche Ehrfurcht Ehrfurcht vor dem Vater ist selten. – Wo in den Mysterien Mysterien etwas wie Gebetsstimmung herrscht, ist ihr Ziel nicht die Gottheit, sondern vor allem die Dämonen, die magische Handlung ist überall wahrem Gebet Gebet abträglich, vgl. S. 115, 167. Beim Fruchtbarkeitskult Fruchtbarkeitskult nennt man zwar neben den Ahnen gelegentlich auch den Wirker im Anruf, aber doch nicht ohne durch Zauberhandlung die Fruchtbarkeit selbst schaffen zu wollen, vgl. S. 228f. Nur der Schrei des Herzens in der Not zum Rächer und Richter ist verhältnismäßig frei von magischem Rankenwerk. Das Gebet selbst ist zwar nicht stereotype Zauberformel, aber doch traditionell gemustert.
Bevor wir uns die eigentlichen Kulthandlungen: Gebet und Opfer ansehen, vergegenwärtigen wir uns die äußerlichen Umstände des Kultes.
Durchwandert man das Land, so sieht man i. a. nicht viel von Kultstätten. Das war auch früher nicht viel anders. Der Kult ist nicht stets an die gleiche Stätte gebunden, wenn sich andererseits solche Stätten auch von Stamm zu Stamm bei Verschiebungen vererben. Zum anderen fallen solche Stätten dem ungeschulten Auge oft nicht auf. Wenn da ein oder mehrere Steine am Weg oder auf einem vergrasten Platz liegen, wer achtet darauf? Wenn ein Kulthüttlein bei anderen Hütten steht, wem fällt es auf und welcher Einheimische macht den Fremden auf solches aufmerksam? Und trittst du in eine Kult- oder Versammlungshütte, was siehst du besonderes? Die Geheimbundutensilien sind natürlich wohl verwahrt vor Neugier. Wer denkt, daß der Hof oder gelegentlich gar der Abfallhaufen Kultstätte ist? Das Land ist voller Orte, da man Kult und religiösen Brauch übt oder übte, abgesehen davon, daß gewisse Kulte überall getätigt werden können; andere sind wieder an besondere Orte gebunden; wir nennen im folgenden einige. Wo Berge, Steine, Gewässer, Sümpfe, das Meer u. a. als Sitz magischer Mächte gelten, sind sie oder ein Ort in ihrer Nähe Kultplatz.
Hauptsächlich hat der mit Fruchtbarkeitsriten verbundene Ahnendienst einen Kult und einen Ort dafür. Abgesehen von den Gräbern sind es meist althergebrachte Orte, und selten weiß jemand, wer sie als Kultstätten bestimmt hat und wann; doch vgl. S. 50 (Baum bei Bamenka). Ob und wo einzelne Kulthandlungen auszuüben sind, entscheidet im Zweifelsfall das Orakel.
Während jeder die für Ort und Akt bestehenden Tabu-Regeln zu halten sucht und man ängstlich ihren Bruch meidet, kennt man eigentliche Ehrfurcht Ehrfurcht davor nicht: Entweder man ist geschützt – so hat man nichts zu fürchten, oder man hält sich als Ungeschützter davon fern. Da liegt in einem Dorf ein geschnitzter Pfosten; einst stand er als Hauptpfosten in einem Kulthaus. Nun ist der Kult abgeklungen, das Haus zerfallen, {170a} Wetter und Tiere haben den Pfosten umgeworfen. Nun liegt er in Sonne, Regen und Morast, niemand kümmert sich um ihn, niemand nützt ihn als Brennholz oder rührt ihn nur an, nur Ziegen liegen darauf, wenn der Boden feucht ist. Man hat Angst davor, aber keine Ehrfurcht. Ebenso geht es mit den Bauten; man läßt sie zerfallen, fürchterlich sehen sie oft aus, aber man fürchtet sich, sie hinwegzutun. Die Gräber sind nicht gepflegt, Kultplätze verwachsen; nur wenn ein Kult nötig wird, kommt zuvor das reinigende Gerät.
Der Ahnenkultplatz: Der Weg von Nkag-Ninong auf den Manenguba führt ein Stück oberhalb des Dorfes durch eine kleine Ebene, die auf einem Raum von 30 x 50 m in regelmäßigem Abstand mit Bäumen bepflanzt ist. Dieser schöne Hain Hain ist ihre ndie „Ahnenkultplatz“, von die „essen“; die Duala und Nachbarn heißen solchen Platz dibala dibala. Dreißig Minuten weiter oberhalb führt der mannshoch in den Boden eingeschnittene Pfad durch ein dichtes Gestrüpp, den mwa-ndie „kleinen Speiseplatz“. – Wo die Ko. im Waldland wohnen, ist ihre ndie im Wald [?] ein freier Kreis von 6 – 7 m Durchmesser, umwachsen und umwölbt von Drazäne Drazänen. Mitten durch den Platz führt der öffentliche Pfad. Am Wurzelstock eines starken Baumes steht ein Kochtopf, gefüllt mit Sand Sand, vgl. S. 258; drumherum liegen einige Steine, die als nyo (Ko.) nyo „ Schlange Schlange“ gelten. Der Sand ist Symbol Symbol der Fruchtbarkeit Fruchtbarkeit, der Menge; die Stein Steine symbolisieren die Ahnengeister. Diese Stelle heißt aban de ndie „mbando (-Steine, vgl. S. 93b) auf dem Eßplatz“, die einzelnen Steine heißen ndiege n-ndie „Ahnengeiststeine (vgl. S. 16) auf dem Kultplatz“. Außerdem stehen oft leere Kochtöpfe und liegen Holzscheite auf dem Platz herum – ein Zeichen, daß nicht lange zuvor eine Feier auf dem Platz gehalten wurde, denn nichts darf wieder nach Hause getragen werden, was einmal hier abgestellt worden war. Den Ahnen gehört alles, was auf den ndie gefallen [ist], vgl. S. ---, wie auch alles, was in ihrer Umgebung wächst. Vögel oder Tiere dürfen dort nicht gejagt werden. Nur die Ältester Ältesten, die Vertreter der Ahnen, die gelegentlich als Priester auf dem dibala wirken, können Lianennüsse und ähnliches dort pflücken. Durch den Drazänenzaun führt ein Pfädchen einige Schritte zur Seite und leitet auf einen kleineren freien Platz, dem ndie m-Mwa-nkum „Kultplatz für den Feme- oder Fruchtbarkeitsdämon“, vgl. S. 115. Auf diesem Platz, der für die Frauen tabu ist, hat der Dämon während des Fruchtbarkeitsfestes seinen Sitz. Oberhalb davon liegt die schon genannte mwa-ndie.
Nicht überall hat man solch schön angelegte Ahnenkultplätze, die den Eindruck einer Naturkapelle machen. Sonstwo hält man das Ahnenopfer am Grab, Gräberkult Grab des zuletzt verstorbenen Ahnen, am Weg- oder Ackerrand und legt dorthin auch das Opfer. Besonders beliebt ist zu diesem Zweck auch eine Wegkreuzung, wie im Grasland <Wegkreuzung> zugleich auch <Ahnenkultplatz> bedeutet, vgl. S. 33.
Als schönsten Kultplatz entdeckte ich im Oktober 1933 den ndie-m-Mwabi „Opferplatz von Mwabi Mwabi“. Er liegt unterhalb dieses Dorfes am Nordhang des Manenguba Manenguba dicht neben dem Pfad von Mwabi nach Ekangte, von dem Hauptweg Poala-Nkikog nur durch ein schmales Tälchen getrennt; vgl. Zeichnung auf S. 170b. ndie (Ko.)
Während dieser öffentliche Ahnenkultplatz i. a. nur von größeren Gruppen, besonders bei öffentlichem Kult benutzt wird, bringt man den Ahnen Einzelopfer auf dem Hof und zwar hinter dem Haus. Darum wird dort auch nicht gegessen. Bei den Ko. ist ausdrücklich mom „der Kehrichthaufen“, bei den Mbo sogar der Abtritt der Ort, wo Einzelne ihr Ahnenopfer dar- und ihre Bitten vorbringen, denn dort hebt niemand nichts mehr auf (das bedeutet aber nicht Sicherung vor Diebstahl, sondern Sicherung des Menschen). Hier bittet der Jäger um günstigen Waldgang, der Händler um ein gutes Geschäft oder andere Absichten. Solcher Bittgang kann an irgendeinem Abend sein, gern aber sieht man dabei den Neumond, vgl. S. 179. Der Hausherr läßt seinen Frau einen Topf Speise kochen. Davon legt er einen kleinen Teil samt Fleisch, Salz Salz, Schnupftabak Schnupftabak beiseite, wickelt dies in ein Blatt und geht damit hinters Haus vor den Abfallhaufen. Hier hustet er einige Male laut: Bob, bob Durch Husten und sich Räuspern melden sich Besucher vor dem Haus an: es ist unanständig, einfach in ein Haus einzutreten. Besonders nötig ist es, sich anzumelden, wenn die Hausbewohner beim Essen sind. Vor einem leeren Haus muß man sich erst recht anmelden, denn es könnten ja „Ahnen“ darin sein, die nicht überrascht sein wollen.
, klatscht in die Hände, ruft seine
{170b}
[Skizze mit Beschreibung des Ahnenkultplatzes von Nkikog; fortlaufender Text vgl. S. 171]
1. ndie (Ko.) Ndie; Hauptplatz, besonders für Sippenvorsteher und Kultbundführer, umgeben mit [einem] mannshohem Wall, der im Norden und Süden mit Drazäne Drazänen, sonst mit Gestrüpp bestanden [ist].
2. Kleiner Holzpfeiler als Sitzgelegenheit.
3. Ndie m-mwankum oder esag e mwankum; muldenartig, bestanden mit Liliazeen und
4. Liliazeen hinterm Kulthaus, vgl. S. 143.
5. Verbuschter Platz für Frauen, die sich Fruchtbarkeitsriten zu unterziehen haben, mbuog me bebad.
6. Giebeldachhaus; 5 m lang, 1,20 m breit, 1,50 m hoch; das Dach von drei dicken Stämmen getragen, mit Feder Federn geschmückt, stehen auf im Boden vergrabenen Machtmitteln, die mit Scherben bedeckt sind. Vor der Tür im Osten steht ein Drazäne, hier ist der aban ne ndie, wo den Frauen beim Fruchtbarkeitskult symbolisch Kinder gegeben werden, vgl. S. 230.
7. Einzelner Baum mit Scherbenhaufen davor.
8. Aschenhaufen mit Steinen ndiege n-ndie. Er ist der Krafthort der Siedlung, vgl. auch Gruppe Siedlung. Die Asche Asche wird das Jahr über gesammelt und nach einem Fruchtbarkeitsfest auf die Äcker getragen als magisches Mittel der Fruchtbarkeit Fruchtbarkeit, vgl. S. ---.
9. Das Ganze umschließt ein Hain Hain mit viel Unterholz, der die Stätte dem Blick Vorübergehender entzieht.
{171}
[Notizen auf Rückseite von S. 170a: Bameka ben 3 Veehrungsplatz, vgl. Bericht Lampeter Bati [?] unterschieden nikot 1. Ahne 2. Gott ninsi Erdgeist]Ahnen mit Namen und bringt sein Anliegen etwa so vor:
Ihr Ahnenväter und -mütter allesamt,
existiert ihr denn nicht mehr da unten,
daß ihr uns solche Not leiden lasset?
Bitte, besorgt mir doch Tiere (Wild) und Kinder und Güter!
Wohin ich und meine Angehörigen in diesen Tagen auch gehen,
da möchten wir Gutes bekommen.
Wenn eine unserer Frauen ins Feld zur Arbeit geht,
dann lasset sie finden ein Tier, das ihr für uns getötet habt!
Gehe ich auf die Jagd, so öffnet euren Stall und lasset mir
eine Ziege heraus oder ein Schaf oder eines eurer Rinder (als Wild, vgl. S. 103f.)
damit ich samt den Meinen wieder einmal etwas zu essen habe!
Kommt eines von uns auf den Markt, um etwas zu verkaufen,
dann machet den Sinn des Käufers weich,
damit wir Gewinn haben und auch nicht betrogen werden.
Hier habe ich euch auch etwas zu essen gebracht,
nun lasset auch uns nicht in Verlegenheiten stecken!
Mit seinen Bitten zu Ende gekommen, wirft er sein Essensbündelchen auf den Kehrichthaufen und kehrt, ohne sich umzuschauen, zu seiner Hütte zurück und schlüpft zur niedrigen Tür hinein. Er schließt die Tür und klopft einige Male fest daran, damit die Ahnen merken, er sei jetzt eingetreten und sie können sich ungestört dem Mahl auf dem Mist hingeben Kehrichthaufen, vgl. auch wegwerfen . Hof
Vielfach sucht man aber auch das Grab, vgl. S. 174b, 214, des letztverstorbenen Sippenvaters oder auch der Mutter zu diesem Zweck auf. Das von Europäern nicht beeinflußte Grab ist ein ovales Loch (Längsschnitt 1,50 m, Querschnitt 1,20 m) von 1,50 m Tiefe. Am Boden wird aus der Wand die Grabnische ausgearbeitet; sie ist länglich, wo die Leiche Leiche <zum Schlafen gelegt> wird, und höher als breit, wo man in Hockerstellung Wo das Grab im Freien liegt, ist das <Spundloch> dennoch bald verdeckt. Es gilt aber als bedim, vgl. S. 56, „Unglückszeichen“, wenn die eingeschüttete Opfergabe nicht recht abfließt. Denn dann verweigert der Verstorbene die Annahme, weil er aus irgendeinem Grunde zürnt. Dieser muß gefunden und beseitigt werden, wenn der Gefahrenzustand aufhören soll.
beerdigt. Bei Leichen, denen voraussichtlich geopfert werden muß (denn man opfert nur Ahnen), stellt man vom Mund aufwärts ein Loch zur Aufnahme der Opfergaben dadurch her, daß man beim Füllen des Grabes eine Palmrippe Palmrippe (reichen Männern soll früher ein Elefantenzahn ins Grab gestellt worden sein So wurde mir von glaubwürdiger Seite vom Manenguba-Gebiet versichert.
) vor den Mund der Leiche setzte und die Erde festtrat. Hatte sich nach einigen Wochen der Boden gesetzt, so zog man den Stab, Stock Stab heraus und deckte die Öffnung mit einem Steine zu oder steckte sie mit einem Stöpsel [zu]. Schön ist das Grab des alten We-Häuptlings (Grasland). Neben der Hauptstraße steht auf einem 1,50 m hohen Sockel ein leeres Hüttchen über diesem Grab Früher wurden fast alle Männer, die eine Hütte besaßen, in der Hütte beerdigt. Mancherorts geschieht es heute noch, vgl. S. 174b. Im Grasland beobachtete ich, daß man zwar außerhalb der Hütte, aber noch innerhalb der Dachtraufe begrub, so daß der Regen nicht auf die Leiche fiel. – Als Missionar Johs. Köngeter 1913 auf einer Reise durch Batongtu in einer Hütte zu übernachten hatte, in der ein modernder Totenschädel stand, sagte ihm am anderen Morgen der Häuptling, das sei der Schädel seiner Mutter. Er sei immer krank gewesen und das Orakel habe ihm als Krankheitsursache enthüllt, daß seiner Mutter die Dachtraufe auf den Kopf falle. Darum habe er den Kopf gelöst und ihn in die trockene Hütte gestellt. – In der Hütte will man dem Toten die Herdwärme zugute kommen lassen und zugleich seine Segenskräfte in der Nähe haben. Vielfach wurde das Haus weiter bewohnt. Der Platz wurde nur verlassen, wenn man annehmen mußte, daß man von den Toten nicht in Ruhe gelassen wurde oder daß das Haus sonstwo an einem unguten Platz stand. 14
Neben diesen Kultplätzen für bestimmte Ahnen hat man noch solche für Ahnengeister im allgemeinen und andere dämonische Mächte. Grab, Gräberkult
Wo man wie an der Küste die Wassergeister verehrt, bringt man ihnen Anruf und Opfer, vgl. auch Kulte und Ahnenkult Opfer an verrufene Orte verrufenen Plätzen, auf dem Meer, an Flüssen oder Seen; anderen Geistern auch auf Bergen oder an besonderen Felsen, häufig auch an feuchten und oft dicht bewachsenen Stellen, vgl. z. B. ngokume (Ko.) ngokume S. 92f. Statt vieler beschreibe ich den Kult im Ebuoge-Krater auf dem Manenguba Manenguba. Dieser Krater hat einen Boden von mehr als fünf Kilometer Durchmesser und ist umgeben von [einem] hohem Kraterrand, der sich nach Nordwest etwas abflacht, nach Südost sich aber als Berglandschaft aufbaut. Auf dem Kraterboden erheben sich einige Kegel, von den Umwohnern njeb „Sippenkulthaus“ genannt. Zwei dieser Kegel sind jüngere Krater und umschließen je einen See. Die Seen werden von den Abwässern der Berge im Südosten gespeist und haben das ganze Jahr hindurch Wasser, steigen aber auch in der Regenzeit nicht sonderlich. Der kleinere See ndjom „Mann“ ist unzugänglich, da er ganz in Felsen ein- {172} gebettet ist, zum größeren, mwad „ Mann und Frau, männlich und weiblich Frau“, führt ein steiler Abstieg und unten kann man ihn auf der südlichen Hälfte umgehen. Frauen und Kinder der benachbarten Ortschaften fangen dort allerlei Kleingetier am Wasserrand; in den See wagt aber niemand zu gehen; man fürchtet, von den Wassergeistern in die Tiefe gezogen zu werden. Man erzählt: Als die ersten Deutschen auf den Berg gekommen waren, tauchte ein Soldat im See unter, um dessen Tiefe festzustellen. Aber die Ahnengeister ließen ihn nicht mehr heraus. – Neben dem See stand ein Baum mit Bienen, der tabu war. Um zum Honig zu gelangen, hieb ein Sohn des Priesters von Mwabi den Baum um. Dabei stürzte der Bursche ins Wasser und ist bis auf den heutigen Tag nicht mehr herausgekommen. – Schießt man mit dem Gewehr Wildenten auf dem See, so lassen die erzürnten Geister einen Sturm übers Land sausen, daß den Leuten angst und bange wird (Widerhall und Gewitter: Ähnlichkeitszauber). Solche Überlieferungen, die den Aberglauben um Berg und See stützen, kursieren bei den Bergbewohnern in Menge, vgl. S. 108f.
Diese Seen sind für die Anwohner ngokume, vgl. S. 92f., daher ihr Ansehen. Dorthin gehen die ekong-Leute, vgl. S. 86ff., um Segen an Geburten, Vermögen, Fruchtbarkeit, Jagderfolg u. a. für ihre Sippen zu holen; anderen ist dieser magische Weg versperrt; wer in der Landschaft vermögend ist, glaubt im See den Hort seines Besitzes zu haben. Wenn jemand in der Gegend und besonders auf dem Berg gegen die Unsichtbaren frevelt, dann steigt das Wasser der Seen und es kann wieder zur Sintflut, vgl. S. 34f. kommen. Aber damit daraus nicht nochmals ein großes Unglück entsteht, haben die alten, alten Ahnen um die Seen den Höhenwall des doppelten Kraterrandes gebaut; und wenn das Wasser in den Seen auch ansteigt, so wächst auch der Rand der Berge. Es ist Aufgabe des Opfers am See und ala de ngum, solche üblen Kräfte niederzuhalten, vgl. S. 93b, so daß es nicht mehr zur Sintflut kommt.
Die oberen Belung, die sich Nghyang nennen, wohnen am nächsten bei diesen Seen und die Leute von Mwabi Mwabi haben zusammen mit denen aus Mwebag den Opferdienst dort zu versehen. In jedem der beiden Dörfer hat ein bestimmter Mann den Kult im Kraterkessel zu überwachen. Das Opfer am See selbst scheint aber nur der Mann aus Mwabi auszuführen und zwar im November beim Beginn der Trockenzeit Trockenzeit. Es konnten aber auch zu anderer Zeit die Stammesältesten ein Opfer am See für nötig halten, wenn sie Gefahr für die Landschaft witterten. Sie setzten dann fest, wer die Opfergaben zu stiften und wer sie auf den Berg zu bringen hatte. An Gaben waren bereitzustellen: 1. Ein schwarzes, fleckenloses, ausgewachsenes Schaf Schaf ohne Fehl als Opfer. Das Tier mußte schwarz sein, diese Farbe Farbe deckt alles Ungute zu, vgl. S. 8; 2. mehrere Töpfe Speise, gekocht von einer alten Frau, vgl. S. 52; 3. ein Bündel roher Kochbanane Kochbananen und Feuerholz; 4. als Lohn für den Priester eine Ziege.
Am See zündet der Priester Priester ein Feuer Feuer an, tötet das Opfertier, läßt dessen Blut Blut in den Boden laufen und zerlegt das Tier in eine gerade Anzahl von Teilen, die er auf zwei gleiche Haufen legt. Das Volk erzählt sich, das alles geschehe <auf> dem Wasser und, fallen die beiden Haufen nicht gleich aus oder gibt es beim Zerlegen eine ungerade Zahl von Stücken, so ziehen die Seegeister den Priester in den Abgrund und er kommt nicht mehr nach Hause. Auch die Speise in den Töpfen und die Bananen werden halbiert. Den einen Haufen wirft er den Geistern im Wasser zu, ruft dazu die verstorbenen <Gefüllten> an und spricht: Das ist euer Anteil, gebt uns dafür Wohlergehen! Dann packt er die andere Hälfte des Gemeinschaft, -smahl Gemeinschaftsmahles zusammen und geht mit seinen Begleitern ohne zurückzuschauen ins Dorf zurück. Hier verzehren die Ortsältesten gemeinsam ihre Hälfte. Unterwegs aber grüßt der Priester niemanden, denn es könnte dem anderen schaden, oder auch seinen Opfergang illusorisch machen, vgl. S. 132f. Von diesem Gang erhofft man nun Segen für die ganze Landschaft.
Zwischen Poala-Mwabi und Mweba-Nkag liegt oben innerhalb des beschriebenen Kraterrandes ein erratischer Block zwischen der steilen Kraterwand, aus der er sich gelöst, und dem Fußpfad. Der Stein Stein ist etwa 2,80 m hoch und 2 x 1,5 m im Umfang. Oben ist er ziemlich flach, an den Seiten teilweise abgeschrägt, so daß er an ein Satteldach erinnert. An dem Stein erleben die Umwohner etwas von unsichtbarer Macht, vgl. S. 50f.; sie nennen ihn ala de ngum „Stein unbesiegter Kraft“. An ihm bringt man Opfer zur Beseitigung drohender Gefahr. Wenn viel Vogelmist auf dem Felsen zu sehen {173a} ist, gilt das als bedim „Schreckzeichen“, vgl. S. 56, daß die Landschaft durch Durchfall oder gar Dysenterie bedroht sei. Jedenfalls suchen diese Krankheiten die Gegend oft heim, so daß die Leute sie abzuwehren suchen und zwar durch ein blutiges Opfer an diesem <Allmachtsstein>, der ihnen ein Heilszeichen ist. Denn man sagt, wie der See sei auch dieser Stein der Landschaft Segensquell (ngokume), aber doch dem See untergeordnet. Darum können auch die Ninong Ninong nicht an den Stein gehen, ohne daß ein Nghyang-Mann dabei ist oder auch umgekehrt. Zeigt sich solcher Vogelmist, so drängt man darauf, daß wieder geopfert werde; natürlich kann auch sonst das Orakel ein solches Opfer anraten. Dieses Opfer ist gemeinsam zu bringen von den oberen Dörfern Poala und Mwebag; als führende Priester fungieren der Besitzer des Gehöftes in Mwebag, das am nächsten bergwärts steht und der Priester von Mwabi. – Es können sowohl am See als am Stein auch andere, abgelegenere Ortschaften opfern lassen, aber nur durch die Ebengenannten, denn deren Vorfahren <besitzen> diese Plätze und Fremde, Fremdlinge Fremde können sie nur durch Vermittler anrufen.
Zur notwendigen Zeit verabreden die beiden Gruppen einen Termin und stellen fest, wer das Opfer zu liefern und zum Stein zu tragen hat. Am festgesetzten Morgen bewegen sich die Gruppen aus den beiden Dörfern den Berg hinauf über den Kraterrand. Es ist aber tabu, daß eine Gruppe vor der andern am ala de ngum eintrifft. Hat eine Gruppe den Höhenrand überschritten, so muß sie warten, bis sie die andere Gruppe von der jenseitigen Höhe herabkommen sieht. Da nahen sie sich dem Stein von beiden Seiten so, daß sie zu gleicher Zeit dort eintreffen. Jede Gruppe läßt sich an der der Heimat zugekehrten Seite des Steinblockes nieder und schlachtet den mitgebrachten Karpater. Das Schächten besorgt der Führer, der das Blut auf den Stein sprengt. Die Tiere werden zu gleichen Teilen zerlegt, ebenso die andern Opfergaben. Dann rufen beide Gruppen ihre Ahnenschatten an, laden sie zum Genuß der Opfer, geben ihnen die Hälfte des Verteilten und beschwören sie um Bewahrung vor Krankheit und um Segen und Wohlstand. Die verbleibenden Hälften des Opfermahls tauschen die beiden Gruppen gegenseitig aus, packen sie in ihre Basttaschen, stehen auf, und gehen ohne zu reden nach Hause. Würde sich einer einmal umschauen, ehe sie den Kraterrand hinter sich haben, so würde sich ein fürchterlicher Sturm Sturm erheben, der den Zweck ihres Opfers zunichte machte, ja die beim Genuß des Opfers gestörten Geister würden dann in ihrem Zorn die Krankheit und anderes Unheil erst recht schicken. Stein
Die mbando mbando-Steine, der eigentliche Altar Altar der Kameruner Siedlung, sind bereits auf S. 93b beschrieben. Dazu gehört auch der in vielen Kulthütten aufgerichtete Phallusstein, in manchen Stämmen dale la nyamgbe Sie werden im Manengebiet zumeist von den aus dem Tal ragenden burgartigen, bis 75 m hohen Basaltmonolithen genommen, welche verrufen sind.
genannt, vgl. S. 17 und Abb. S. 173b. Wo man um [einen] solchen großen Stein noch kleinere legt, gelten sie als „Vater und Kinder“.
Außerdem kann man Macht, -mittel, -erlebnis Machtmittel groß und klein an allen möglichen Stellen anbringen: An Hütten und Zaun, bei Äckern und Fruchtbäumen und sonst im Freien. Bringt man solchen Mitteln auch nicht immer wieder Opfer, so stärkt man sie doch, wenn man sie setzt oder stellt oder aufhängt oder sie erneuert, vgl. S. 145ff. – In den Höfen der Ko. und Nachbarn oder am Ende eines Dorfteils, oder auch, wie in Nyasoso, in der Nähe eines mboko mboko „ Gerichtsrasen (mboko) Gerichtsrasens“ steht oft ein Stein, ähnlich dem auf S. 90 Note 1 beschriebenen oder obigem dale la nyamgbe, nur zumeist kleiner. Daneben steckt ein kurzer, oben gespaltener Stab, Stock Stock und drum herum sind Liliaceen gepflanzt. Das Ganze trägt den Namen tieg e mbuog „das Köstliche der Heimat“; er ist wohl den mbando-Steinen vergleichbar und hat ähnliche Bedeutung wie die kleinen Basaltsäulen, die man auf dem Barombigebirge in den Dörfern beim Kulthaus quer über den Weg liegen sieht und über die zu schreiten tabu ist für Frauen, die noch Kinder erhoffen. Hat nun jemand in der Nacht einen bösen Traum Traum, etwa, daß einer von einem Baum erschlagen oder vom Wasser fortgerissen wurde o. ä., so ruft er noch in der Nacht seine Angehörigen um diesen Baum zusammen; sie umschreiten im Reigen den Platz und der mod e mba „ Ältester Älteste“ schwingt dabei einen Hahn über dem Stein. Dann rupft er ihm einige Federn aus und legt sie auf den Stock, hat er Lust, so kann
{173b}
[Einschub mit zwei Zeichnungen (Kulthaus, Sippenkulthaus) mit erklärendem Text; nur in Kopie. Fortlaufender Text auf S. 174a]
1. Ndabo a nyamgbe, Kulthaus Haus, -bau im Nordwesten Kameruns. Vor dem Haupt Pfosten pfosten in der offenen Vordergiebelwand steht der Phallusstein, an dessen Fuß einige Machtmittel (Steine, Eisen Eisen, Messingstangen) liegen. An der Wand eine Fell Trommel, Fell-, Schlitz- trommel.
2. Njeb, Sippenkulthaus der Stämme um Kupe und Manenguba; es hat zwei Vordertüren und eine Hintertür. Esam, das Kulthaus des Stammes in jener Gegend hat zwei Vorder- und zwei Hintertüren, dazu sitzt um die Dachspitze ein Kranz von Geweihfarnen. Anstelle des Phallussteines steht hier zwischen den Eingangstüren ein geschnitzter Pfahl mit männlichen und weiblichen Figuren.
{174a}
man den Hahn auch töten und das Blut über Stein und Stock fließen lassen; es genügt aber, die Federn zurückzulassen, vgl. S. 187f. Dann ruft der Älteste die Vorfahren namentlich an und fährt fort:
Se nnang nlo m-mbeb
ene nya kyo e ke bang se pake.
Se djang nye nen
ad’ e ’kan de pag!
„Wir hatten einen bösen Traum; darum sind wir hierher gekommen.
Wir bitten euch, daß diese Sache nicht eintreffen möge!“
Dann gehen sie in ihre Hütten zurück und schlafen weiter.
Die Kp. haben folgende Mittel in oder bei ihrem Haus [gestrichen: Vgl. die der Ko. S. 148.]
, bei denen man gelegentlich opfert: Im Hofe steht ikumu dj’ ewoka ikumu dj’ ewoka vor einer Gruppe Kochbanane Kochbananen und Gestrüpp. In einem Hüttchen aus fünf Brettern, 70 cm hoch und 50 x 50 cm im Geviert, steht eine etwa 50 cm hohe Holzfigur, die aus einem viereckigen Loch wie aus einem Häuschen herausschaut. Diese Figur ist ein kleiner Körper, der auf der Vorderseite männliche, auf der Rückseite Mann und Frau, männlich und weiblich weibliche Erkennungszeichen trägt. Darauf ruht ein großer Janusfigur Januskopf, dessen Frauengesicht nach hinten schaut; oft hat die Figur auch nur ein männliches Gesicht nach vorn. Es ist dies der Hofschutz, dem der Hausherr wichtige Vorgänge auf dem Hof meldet, dessen Hilfe er gelegentlich erbittet und der vom nganga gestärkt wird, wenn er „abgekühlt“ erscheint.
In der Haupthütte, meist dem Eingang gegenüber an der Wand, ist das niedrige ndab’ a yowo a mboli „Medizinhäuschen für Ziege Ziegen“ zum Schutz des Vieh Viehs; am Hauptpfosten hängt ein Medizinstrauß moso als Hausschutz, und mit einem Stäbchen unter dem Dach befestigte Eierschalen sind das Mittel ewongo, das die Küchlein behütet. – Während diese Mittel hauptsächlich dem Vieh gelten, hängt an dunkler Stelle unter dem Dach das der Fortpflanzung der Sippe geltende ewombo, dessen Einführungsrite auf S. 253ff. geschildert ist.
Solche Mittel haben keinen regelmäßig wiederkehrenden Kult, sondern sind von einem Medizinmann Medizinmann zu erneuern oder zu „füttern“, wenn man den Eindruck hat, daß ihre Kraft nachgelassen hat. Der Ritus zur Erneuerung ist ähnlich dem der Einführung, doch weniger kostspielig.
Bauten für Kultzwecke unterscheiden sich nicht wesentlich von den gewöhnlichen Hütten, nur sind sie bald größer, bald kleiner als Wohnhütten; z. B. die Bakosi haben neben wenigen Satteldachhütten drei Rundhüttenarten: 1) Die gewöhnliche Wohnhütte ndab e ndjume „Turmhaus“, d. h. Rundhaus mit Kegeldach, hat eine Vorder- und (meist) eine Hintertür. 2) Ndjeb auf S. 173b dargestellt. 3) Die etwas größere Hütte esam, die außer den Türen meist noch einige Gucklöcher in der Wand hat. Bei 2) und 3) steht zwischen den beiden Vordertüren ein geschnitzter Pfahl akon de ngwe mit einer Anzahl von nyo-Steinen. Um eine esam staken früher einige Pfähle mit Menschenschädeln, die bei Eröffnung des Hauses dem nhon „Leiter des Unterstammes“ von seinen Anhängern gegeben wurden, wofür er sie wiederum mit Vieh beschenkte. Njeb und esam sind Versammlungs- und Kultbundhütten zugleich.
Unterscheiden sich Kultbundhütten auch bei anderen Stämmen nicht von den Wohnhütten, so haben sie doch meist eine offene Giebelseite. Statt der fehlenden Wand ist oft ein niedriger Zaun gezogen, um das Viehzeug abzuhalten. Mitten in dieser offenen Seite steht ein starker Pfosten Pfosten von oft einem halben Meter Durchmesser und trägt hier den Firstbalken und das Dach. Er hat die gleiche Bedeutung wie der akon de ngwe der Ko., ihm sind auch Figuren ( Waran oder Leguan Leguan o. ä. als Zeichen der Fruchtbarkeit Fruchtbarkeit) eingeschnitzt oder [er] trägt ein Kapitell. Oft steht dieser Pfosten auf einem besonderen Lehmsockel, der Töpfe voller Machtmittel birgt. Vor ihm, der offenen Seite zu, steht der auf S. 173b sichtbare Phallusstein mit seinen Trabanten.
Bauten aber, die nicht zur Versammlung, sondern nur Machtmitteln zum Schutz dienen, sind meist kleiner als die anderen Hütten, denen sie im Stil und Material gleichen. Sie sollen die Mittel vor Regen schützen, vgl. S. 15, 56.
{174b} Errichtet werden die Kultbauten von ihren Besitzern. Diese lassen sie durch Angehörige oder Kultbundmitglieder bauen oder suchen diese Last auf andere abzuwälzen. Die Bauten sind tabu und jeder fürchtet sich, sie zu betreten, besonders jüngere Frauen scheuen die Männerhäuser, um die Fruchtbarkeit nicht zu verlieren. Dagegen findet man nichts dabei, wenn Tiere solche Hütten betreten; sie <verunreinigen> dadurch weder sich noch die Mittel; man trifft nur Vorkehrungen, daß die Tiere die Hütten nicht beschädigen. – Oft befinden sich die Kulthütten in einem erbärmlichen Zustand. In der Blütezeit des Kultes aber sind sie die besterhaltenen Hütten, denn sie sind zugleich der angesehenen Männer Versammlungshäuser.
Allgemeine Friedhöfe gab es früher nicht, außer man bezeichnete den tabuierten Waldteil als solchen, in dem manche Stämme, wie die Ku., ihre <Gefüllten> beerdigten. Angesehene Leute, gegen die nichts besonderes vorlag, hat man früher in der Hütte beerdigt; das geschieht sogar auf der für diesen Zweck so wenig geeigneten Insel Bot’ a mundja heute noch. Die anderen wurden auch früher schon im Busch hinter den Hütten, die in Gefahrenzustand, vgl. S. 215, Gestorbenen im wilden Wald begraben. In manchen Landschaften beerdigt man noch im Gehöft. Angesehene Grasländer beerdigt man zwar nicht mehr in der Hütte, sondern dicht vor der Hauswand, so daß der Leichnam von der Dachtraufe geschützt ist.
Nur wo Christen Christen glauben, daß sie auch neben anderen, die friedvoll gestorben sind, ruhen können und im Grab nicht belästigt werden, legt man auch im Inneren christliche Friedhöfe an, während sich Dörfer in der Nähe der Küste schon früher auf Druck der Deutsche deutschen Regierung hin zum Anlegen öffentlicher Begräbnisgärten bequemten. Eine einheitliche Sitte hat sich im Umbruch der Zeit noch nicht gebildet, außer daß man strebt, für die Männer einen Sarg zu beschaffen, sonst schwankt man aber zwischen Herkommen und den Europäern Abgeschautem. Die Grabstätten sind nicht eigentlich tabu, aber maladi „abscheulich“, es graut einem davor. Nur Verwandte betreten die Umgebung eines Grabes, wenn sie eine kultische Aufgabe zu erledigen haben. In manchen Gegenden stampft man einige Zeit nach der Beerdigung Beerdigung das Grab fest und belegt die Oberfläche oder doch den Rand mit Steinen, damit Tiere das Grab nicht leicht aufwühlen können. Bei den Ku. kamen Grabgewölbe unter den Hütten vor; eine kleine Öffnung führte zu diesem Raum, wo man die Leichen niederlegte. Sie wurde so verdeckt, daß sie beim nächsten Todesfall wieder leicht zu öffnen war. In manchen Gegenden pflanzt man einen Drazänenstock als Grabmal. Daher die Duala die Drazäne Drazäne auch ebongo a songo „Gräberbaum“ heißen. Grab, Gräberkult
Für Alle festgelegte tabuierte Zeiten kennt der Kameruner i. a. nicht; nur sind die für Kulte ausgerufenen Tage von denen zu beachten, die es angeht. Manche solcher Zeiten werden nach bestimmten Ereignissen wie Tod Tod, Unglück, -szeichen Unglück, Geburt, gebären Geburt u. a. festgesetzt. Naturereignisse, wie Erscheinen der Neumondsichel, Aufhören der Regenzeit ( Saat, -fest, säen, Samen Saatfest), Reifen der Früchte ( Erntefest Erntefest) u. ä. fordern des Menschen Antwort auf das Tun einer stärkeren Hand. Andere Zeiten sind dem freien Ermessen oder dem Orakel überlassen; z. B. alles, was mit dem Geheimbund zusammenhängt, wie Pubertätsriten o. ä. Die meisten derartigen Anlässe finden in der zweiten Hälfte der Trockenzeit Trockenzeit etwa im Januar statt. Da reifen die Früchte und zu den mit dem Kult verbundenen Mählern ist die nötige Nahrung Nahrung da. Darum nannte man schon früher die Zeit Anfang Januar ngand’ a mbu „ Tanz Tanz um die Jahreswende“, vgl. S. 208. Denn da wurden viele mit Tanzen verbundene Kultfeiern gehalten. Zu diesen, an Fastnachtsbräuche erinnernden Fest Festen wird der Festplatz gereinigt und meist auch der Weg zur Quelle und zum Kultplatz; es sind besondere Tabu-Regeln zu halten, z. B. nicht mit Waffen umgehen, damit kein Blut fließt; die an dem Feste besondere Funktionen zu üben haben, müssen sich zuvor sexuell enthalten u. ä. Zeit, vgl. auch Jahreszeiten
{175}
Zwei Gruppen sind es, in deren Hand der Kult ruht: Den Ahnenkult überwacht der Sippen-, Orts-, Stammesvorsteher, den Kult der Dämonen, Machtmittel u. ä. bedienen <Gefüllte>, seien sie nun in einem Kultbund organisiert oder nicht. Diese sind auf S. 48f. und 128ff. näher beschrieben, jener auf S. 63f., 84 – 94. Grundsätzlich können beide Gruppen nur aus der Klasse der Freien stammen, zur zweiten Gruppe können auch Leute von auswärts kommen, ja man ruft dazu oft Leute aus der Fremde und mancher Sklave, Sklaverei Sklave war als Medizinmann berühmt.
Die Funktionen der Kultdiener sind bei den einzelnen Gebräuchen geschildert; sie sind bei den anderen angesehen, denn sie sind Besitzer besonderer Kräfte, sind die Patriarchen und Wissenden des Volkes. Entgelt für ihren Dienst erhalten sie von denen, die ihn begehren; sehr häufig steuert dazu die Allgemeinheit zusammen bei. Der Lohn besteht meist in Tieren oder Fleisch, neuerdings auch in Geld oder anderen Waren, früher auch gelegentlich in einem Weib. – Diese Männer versehen außer dem Kult auch andere Dienste. Die einen sind Leiter und Mundwalt der Gruppen, die anderen Ärzte, Wahrsager, Zauberer. Man erwartet von ihnen, daß sie friedliebende Leute sind, sonst werden sie gemieden. Oft sind sie in manchem Stück wahre Vorbilder, andere Betrüger. Außer gelegentlicher Tabu fordernder Askese liegen ihnen meist keine besonderen Pflichten ob. Bezüglich des Opferers vgl. S. 185.
{176}
Nicht jeder Kult hatte eine besondere Sprache für sich; aller Ahnen- und Fruchtbarkeitskult, alle sonstigen Opfer, vgl. auch Kulte und Ahnenkult Opfer und Gebet Gebete werden vollzogen in der alltäglichen, öffentlichen Umgangssprache. Nur der leitende Kultbund, der die Jugendweihen [?] überwacht, hat eine besondere Kultsprache, die von den Hörigen [?] während der Initiation, Einführung in Kulte Initiation erlernt und von den Kult[bund]mitgliedern bei Ausübung des Dämonenkultes verwendet wird, vgl. S. 200, 204. Nachstehend folgen einige Beispiele dafür. Diese Kultsprache wechselt in den verschiedenen Gegenden. Sie ist also auch im gleichen Dämonenbund nicht durchs ganze Land gleich. Im grammatikalischen Aufbau ähnelt diese Geheimsprache der öffentlichen Umgangssprache; nur die Ausdrucksmittel sind so verschieden, daß keiner diese Sprache verstehen kann, er sei denn darein eingeführt.
Zunächst einige Beispiele aus Bünden in der Nähe von Duala:
I. Nomina
Djengu Duala Deutsch balang wanga Salz bebolondjo belembe Blattgemüse bekid mbanga mbonde dibonde Kokosnuß, eine ihr ähnliche Waldfrucht, daraus verfertigter Becher bendeng ngoa Schwein [?] bengog embola eine Kolokasia-Art di-, ma-Klasse Djengu Duala Deutsch dikong, ma- mukala Europäer dikud, ma- da Speise diming, ma- mbea Fanggrube dimug, ma- ndjou Amulett, Verrücktheit dingolo, ma- mbua Regen e-, bi-Klasse Djengu Duala Deutsch ebed-beng, bi- muledi Lehrer ebo, bi- eyi’ a mbia Fruchstand der Ölpalme ekugleng, bi- esas nyo Feder Haar elontoug, bi- ebongo mukoko Schemel, Stock liegender Baumstamm esoko esungu etwas Kurzes i-, ...-Klasse Djengu Duala Deutsch ibeme lende Ölpalme inide mwende Unterschenkel, Fuß iweg ekanga Kalebasse iwie wea Feuer, Feuerholz ko (vgl. Verba) londo Reise kwe’ mbende ikwale Rebhuhn mbende wuba Huhn mboi-mikula-mitog diwendi Wasser mbolo bwam schön, gut mbong po Haumesser mbule dia Hand mongo muna Kind mu-, mi-Klasse Djengu Duala Deutsch mpanang wei Sonnenglut mpeo mpemba Nase mpod mukuta Tasche, Sack mgule mboa Heimstatt ndem wase das Untere, die Erde ndibeng ndabo Hütte, Haus ndjo 3 mudumbu Mund ndo bulu Nacht ndong mulopo Kopf ngala mou das Obere, der Himmel ngala dindem ekoki Bohnenpudding ngamudungu = ndundjo ndjou Elefant ngingleng tombedi Trinkgefäß ngog ndjo Leopard nkoko 3 moto Mensch nkun 3 djongo Speer nkundung 3 elimbi Schlitztrommel nlom 3 moni [?] das Männchen, männlich ntinde 3 sango, tete Herr, Vater ntug 3 eyidi Buschfeld, Wald nyom mbale Wahrheit, echt [?] pele dibato Lendentuch ying inyi meine MutterII. Verba
II. Verba Djengu Duala Deutsch bad bola geben bembeng nanga sich legen bonge bola tun, arbeiten e e sein (im Präsens) kwe wamse leicht machen, schnell sein ko (vgl. Nomina) wala gehen log wondo betrügen nug senga hören, empfinden segbeng ka sich vor Gericht verteidigen tebeng ombwa betrachten tumbung ja sich setzenInfinitiv hat Vorsilbe be-, z. B.
II. Verba [Fortsetzung] Djengu Duala Deutsch kwe bebonge wamse bola schnell tunIII. Andere Wortarten
III. Andere Wortarten Djengu Duala Deutsch me (meg) mba und na ich we wa und o du mo mo er -eng (meng 1, mweng 3, yeng 11) -am mein (Possessivpronomen) mu, di, i mu, di, i Verbalpronomen in Kl. 2, 5, 11 bele 2, mule 3, yele 7 und 11 ba, bane mu, mune ye, yene yi, yine Demonstrativpronomen in Kl. 2, 3, 7 und 11 wele ... wa, wane da, dort wiu’le [?] ya won Komm hierher!{177}
[Fortsetzung von S. 176: III. Andere Wortarten]
III. Andere Wortarten [Fortsetzung] Djengu Duala Deutsch ne o in, an, bei, zu ni na und, mit le na und ke? ndje? was? ndong-ke? onyolandje? warum? ngete e ja -e e Schlußlaut bei Frage le e Schluß beiAusrufesatz eye! aye! ate! Interjektion zur + schmerzlicher ÜberrascungGenitivverbindungen entbehren den Verbindungspartikel:
Djengu Duala Deutsch ngingleng dikong tombed’ a mukala europäisches Trinkgefäß mongo ntinde meng mun’ a sango am mein Bruder (Schwester) esoko bekid esungu a dibonde kurzer Becher [?]Sätzchen:
Djengu: Nyom yile meg segbeng.
Duala: Mbale nde na makano.
Deutsch: Wahrheit ist’s (die) ich vor Gericht rede.
Djengu: Win gi le!
Duala: Ya te!
Deutsch: Komm doch!
Djengu: E ne ndibeng.
Duala: E o ndabo.
Deutsch: Er ist im Haus.
Djengu: Bad me mpod meng mule!
Duala: Bola mba mukuta mam mu!
Deutsch: Gib mir Tasche meine diese!
Djengu: Elontong i ni wele.
Duala: Ebongo ye owa.
Deutsch: Ein Stock ist da.
Djengu: Djo mu ni mo wele ipedhen ngog.
Duala: Mudumbu mwe mo wa biana ndjo.
Deutsch: Ein Mund ist ihm da wie eines Leoparden.
= Er hat ein Mundwerk wie ein Leopard.
Djengu: Dimug di ni we ndong.
Duala: Ndjou ne wa o mulopo.
Deutsch: Verrücktheit ist dir im Kopfe.
= Du bist nicht mehr ganz dicht.
Djengu: Me bembeng wele le!
Duala: Na mananga wan e!
Deutsch: Ich schlafe hier!
Djengu: Weg mig e?
Duala: O masenga e?
Deutsch: Du hörst?
= Hast du verstanden?
Djengu: Dikud di ni mbolo.
Duala: Da le bwam.
Deutsch: Speise [?] ist gut.
Es folgen noch einige Beispiele aus dem djengu-Bund der Bakwiri:
Beispiele aus dem djengu-Bund der Bakwiri Djengu Duala Deutsch yongoli Chamäleon ngose 9 große Winkerkrabbe ndjale 9 iseli Zwergantilope ndjondje 9 ekulu Schildkröte nyanye kleiner Nager nyanye e ndjilo ko Ratte nyanye e wotea po Maus mondjenga 1, pl. va- moto Mensch edjombe edjomb’ a vandjenga fao Haumesser elengelenge moni Geld ngakalikonge (vgl. oben dikong) mokala Europäer mosase tata mein Vater monyanye meine Mutter engandja livato Land+ esindja elaka Land+ aus Farn mongange 3, me- (?) mukuku djengu-Novize ndjola (?) moseseke djengu-Rassel liwukuwuku (?) kele FluchbannDjengu +:
Djengu: A djen [?] menge nge!
Bakwiri:
Deutsch: Du Kultmann, tanze heftig!
Djengu: O no ndondi, na ndjolo.
Bakwiri: O no mo na mo dja.
Deutsch: Du mich gerufen, ich bin gekommen.
Der Vergleich zwischen Kult- und Volkssprache der Duala bzw. Bakwiri zeigt, daß da im Wortbestand ein sehr großer Unterschied besteht. Sprache
{178a}
Im Allgemeinen fallen Gebet und Opfer, vgl. auch Kulte und Ahnenkult Opfer zusammen, besonders wenn es sich um den Dienst untergeordneter Wesen handelt, während dem Himmelsgott, vgl. S. 126, nie geopfert wird; die Ahnengottheit wird nie ohne Vermittlung der Ahnen angerufen, denen die dabei ausgeschütteten Opfergaben gelten, vgl. S. 119ff.
Das Gebet ist der Pulsschlag des religiösen Lebens; in ihm kann auch die kameruner Religion am besten belauscht werden. Höhere Mächte, von denen man sich abhängig weiß und von denen man glaubt, daß sie helfen können, und hofft, daß sie helfen wollen, geht man um ihre Hilfe an. Bei ihnen versucht man auch den Zwang der Magie nicht, wie bei den niederen Zwischenmächten. Kommt auch einmal Lob und Preis zum Ausdruck und vertieft sich eine Äußerung zur Anbetung Anbetung, so sind doch Bitten der Hauptinhalt der Gebete, ob es nun kurze Stoßseufzer sind oder längere Ausführungen in ritualer Form. Furcht Furcht und Hoffnung, Mangel und Not treiben zu Bitte und Gebet, das bei längerem Warten zum Vorwurf werden kann. Im Allgemeinen gehören Gebete in den patriarchalen Rahmen der Gruppe, daher auch ihr Mundwalt das Gebet spricht: Hausvater Hausvater, Sippenvorsteher, Dorfältester, Häuptling Häuptling. Doch kann auch ein Einzelner für sich, ja eine Frau ein Stoßgebet sprechen, vgl. S. 125, 178b.
Kurze Anrufe werden laut bei Beginn mancher Unternehmungen, z. B. Jagd, Jäger Jagd, Handel Handel u. a., besonders wenn mehrere Leute beisammen sind. Geht eine Gruppe zum Fischfang Fischfang mittels Fischgift zum Fluß oder See, so spricht vor Arbeitsbeginn der Ältester Älteste ein Gebet, ruft die Ahnengeister, die früher das Gewässer <besaßen>, spuckhaucht und spricht etwa: Ihr Herren dieses Wassers, gebt uns heute Fische Fische und verbergt sie nicht hinter Steinen und Stöcken und in Löchern. Gebt uns soviel, daß jedermann genügend bekommt! Darauf nimmt jedes sein Bündel Akazienblätter auf und begibt sich ins Wasser. – Ähnlich, wenn eine Jagdgruppe in den Wald eintritt. Da hält der Führer der Gruppe an und bittet, daß der Wald Wald ihnen günstig sein möge und ihnen Wild zukommen lasse. Dann werden die Gewehre geladen und dazu ein sonnenbeschienenes Blatt gesteckt, damit <das Gewehr, vgl. auch ngad’ a mudumbu Gewehr sehe>, und hinein geht’s in den düstren Wald.
Mit verschiedenen Verben bezeichnet man das Beten:
Soso sosomeye meye Wohl stativ-applikativ von soso „niederstampfen, -treten“ und wäre dann „sich selbst für einen zusammenstampfen, prosternere“. Die oft dabei beobachtete Gebärde des sich Niederdrückens und des anderen Knie Berührens würde dem entsprechen.
„bitten“ ist allgemeiner Ausdruck und bezeichnet eigentlich nicht das Ganze eines Gebets, wenn auch die meisten Gebete als Bittgebete gelten müssen; aber als Objekt dieses Verbs kann auch ein Mensch, ja auch ein Untergebener figurieren.
Bele „rufen, rufen, anrufen anrufen, zurufen“ hat in Gebeten als Objekt meist die Ahnengeister und ist für Ahnen- und Fruchtbarkeitskult Fruchtbarkeitskult neben dese „füttern, opfern“ terminus technicus, wird freilich auch für das Neumondgebet zu Loba gebraucht, vgl. S. 125, 180f.
Kánè, perf. kánê „beten, beten zu“, mit kánè, perf. kán' „rechten mit jemand“ von kâ „sein Rechtswesen, vgl. auch Gericht Recht verteidigen“ abzuleiten; davon auch muka 3, mi- 1) „Gericht, Gerichtswesen“, 2) „Gebet“. Da kane kane „beten“ meist ohne Objekt steht (vgl. seine Perfektform), also intransitiv ist, kann es nur „mit sich selbst rechten“ bedeuten; mit uneigentlichem Objekt z. B. kane Loba „mit sich selbst rechten in bezug auf die Himmelsgottheit“.
oe Oe ist Reflexivform von oa „waschen“ und bedeutet also „sich waschen“, mit uneigentlichem Subjekt, also z. B. oe djengu „sich waschen in bezug auf den Wasserdämon“, d. h. „den Wasserdämonen djengu Wasserdämon anbeten“, vgl dazu S. 178b; sonst ist noch gebräuchlich oe ngambi, bwanga, bedimo, isango „das Orakel Orakel, magische Mittel, die Ahnengeister, den Kultbunddämon anbeten, anrufen“.
Mit <beten> innerlich verwandt ist der Ausdruck somele, vgl. S. 250, „einem etwas (Gutes) anwünschen“; entweder kausativ oder intensiv von *somea, Grundform *soma, oder Applikativ von *some, welch beide einfacheren Formen aber nur theoretisch erschlossen sind. Der Gegensatz dazu ist loa loa „ schelten schelten, Fluch fluchen“, vgl. S. 137c. – Bei beiden wird aber der Geber, die Quelle des Segens oder Fluches nicht genannt, weil eben das Wort Wort selbst als magisches Mittel wirkt, vgl. S. 134ff. somele und loa, beides ist eine Art Beschwörung Beschwörung.
Der Form nach ist das Gebet i. a. ein freier, unvorbereiteter Herzenserguß; er ist, wie die folgenden Beispiele zeigen, nicht formelhaft und hat doch eine überlieferte Form. Das Gebet, besonders zu den Ahnen, ist keine restlose Unterordnung, Ahnen sind ja Menschen, mit denen man ja doch bis zu einem gewissen Grad auf gleicher Stufe steht; die < Furcht Furcht Gottes > tritt zurück.
[eingeklebtes Blatt ohne Seitenzahl, lt. Vermerk zu S. 178b gehörend]
GEBETE
Banyangi. Sie rufen die Ahnen als Mittler Mittler zwischen sich und Gott, neben Gott an. Neben feststehenden Anrufungen gibt es solche, die aus besonderem Anlaß gesprochen werden: morgens, abends, vor der Jagd, vor Reise Reise, in Krankheit Krankheit, beim Nahen des Todes.
Der Mond, Monat Mond spielt eine Rolle, nicht daß der Mond angebetet wird, sondern man ahnt hinter ihm die Gottheit. Kranke rufen dem aufgehenden Vollmond entgegen:
E ntan, boko kegok eka, dog ne ko „Du Mond, trage meine Eiterpusteln, geh mit ihnen weg.“ Natürlich betet man auch für andere Krankheiten.
Wenn in der Trockenzeit Trockenzeit der Himmel, vgl. auch Loba, Firmament Himmel sich bei untergehender Sonne rötet oder sehr dunkelt, erfüllt Angst vor ungewissem Kommendem die Seele, und man schaut ins Abendrot und spricht: Eta Mandem, wo mbon kwag bese ndu mpok eyen, ndu se beke dene enende tuo „Herr Gott, hilf du selbst uns zu dieser Zeit, denn wir wissen nicht, was uns bevorsteht.“
Vielfach ist das Gebet mit einer symbolischen Handlung begleitet, die zugleich als Zauber, vgl. auch Magie Zauber wirkt, damit das Gebet erhört wird bzw. Auskunft gibt, ob das Gebet angenehm ist, z. B.:
1. Morgens nach dem Aufstehen nimmt [der] Hausvater [eine] Kanne mit Wasser, tritt unter [die] Haustür, gießt mit [der] linken Hand etwas Wasser auf [die] Erde, spricht: Gott, nimm dies wenige Wasser an. Schlief ich heute Nacht nicht und ging aus, meinen Nachbarn in der Dunkelheit zu „essen“, so soll dies[es] Wasser meine böse Handlung strafen strafen und mein Unrecht auf mich zurückbringen. Wer aber kam und eines der Meinen „gegessen“ hat, den soll dies Wasser rächen und das Unglück auf seinen Kopf zurückbringen. – Dann schüttet er Wasser mit der rechten Hand aus und spricht: Wie dies[es] Wasser, so sei mein Tag! Es ist rein; so sei mein Handeln, auf allen meinen Wegen rein von allem Bösen! – Dann wäscht er Gesicht Gesicht, Hände und Füße und schüttet das Wasser aus. Fällt es platschend zu Boden, so ist das ein Zeichen, daß das Gebet der [Gottheit] genehm war, vgl. dazu Nyang-Grammatik Seite 124f.
2. Mißerfolg auf der Jagd, Jäger Jagd läßt sich der Jäger vom Orakel deuten. Auskunft verschieden. Etwa: [Die] Bedimo sind zornig, weil sie sich vernachlässigt fühlen. Sie halten nun Antilope Antilopen, Schwein Schweine, Büffel und ander[es] Wild in ihrer Viehherde zurück. Denn alles Wild ist „ Vieh Vieh“, eßbare Vögel Vögel „Hühner“ der Ahnen, von denen sie nach Belieben den Nachkommen in den Wald schicken. Anweisung: Den Ahnen ombusa sua oder auf dem Weg (jeder hat seinen besonderen Platz, etwa in der Nähe eines Ahnengrabes) Speise auszulegen. Der Opferer schüttet mit der linken Hand aus einer Kalebasse etwas Wasser auf die Erde und ruft die versippten Verstorbenen namentlich an und spricht: Kommt und trinkt; das ist für euch und kommt aus meiner Hand; ihr zürnt mir, weil ich euch vernachlässigte. – Dann schüttet er Wasser mit der rechten Hand aus und spricht weiter: Kommt, wascht eure Hände, das Essen ist bereit, es kommt gleich. – Dann legt er den getrockneten Rest des zuletzt erlegten Wildes nieder, der zu diesem Zweck aufbewahrt war, und spricht: Nehmt und esset den Rest eurer letzten Gabe. – Dann legt er zwei Kerne einer Kolanuß >Kolanuß in den Wasserbecher und schüttet Wasser und Kerne aus. Liegen die Kerne mit der Außenseite nach oben, oder liegen sie halb und halb, so sind die Ahnen versöhnt. Er nimmt dann Teil an dem Ahnenmahl und geht befriedigt heim. Daheim bestreicht er sein Gewehr mit seinem Speichel Speichel und geht mit neuer Zuversicht zur Jagd, und spricht: Hilft mir nun Gott, so ist mir der Wald günstig und ich habe Glück.
3. Geht der Munyangi morgens zur Reise Reise, so verrichtet er am nächsten Bach Waschung und Gebet, denn „Wasser ist Zeichen der Abkühlung und Reinigung“. Beim Waschen des Gesichts spricht der Wanderer: Möge mir auf der Reise kein Unglück zustoßen, möge ich auf rauhem Weg nicht stolpern stolpern und fallen! Hilf mir Gott, so ist meine Reise nicht umsonst. – Mancher bereitet vor seiner Reise auch seine Schutz durch Machtmittel, Medizin Schutzmedizinen und hängt sie um, auf dem Grab seines Vaters schächtet er eine Ziege, damit der Verstorbene ihm seinen Beistand leihe.
Bei jeder Gelegenheit heißt es „So Gott hilft!“, aber Gehorsam gegen Gott kennt man doch nicht.
[eingeklebter handschriftlicher Bericht eines Mose Eno]
„Zu Zeiten sagen unsere Sippenväter zueinander: Unsere Frauen kommen nicht mehr recht in Hoffnung und Geburten sind rar. Da beginnen sie allerlei Nahrungsmittel zu sammeln, von jeder etwas und gehen damit an den Dorfausgang, wo oft ein besonderer Platz bereitet ist. Dort setzen sich alle Sippenväter nieder und ein grauhaariger Alter beginnt zu reden: E Mandem <o Gott>, wo sind die vielen Kinder? Ihr abgeschiedenen Vorfahren, kommt aller hierher, genießet diese Speisen, gebt uns aber auch Kinder. Da schlachten sie eine Ziege und lassen ihr Blut Blut auf den Boden rinnen. Jener Alte nimmt dann ein Gefäß mit Wasser und gießt dieses auf das Blut, so daß sich beides mischt: Blut und Wasser. Mit diesem Gemisch bestreicht er nun den Anwesenden, besonders aber den umstehenden Frauen die Brust und sagt: Kinder, von heute ab sollt ihr in Hoffnung kommen und gebären. Dann setzen sie sich wieder zum Mahl, von dem sie ein Teil für die Schattengeister absondern. Dies tragen einige Alte vors Dorf an den Waldrand, legen die Speisen nieder und binden einige Palmzweige an den Dorfausgang.
Manchmal sagen auch die Ältesten [?] auf Anraten des Orakels: Eine kleine Krankheit ist im Anzug und alle Leute sind in Gefahr. Darum sollen alle Ölpalmblätter um den Hals binden. Wer nicht so tut, dem wird die Krankheit befallen“
von Mose Eno
{178b}
Morgengebete werden im Blick auf das aufgehende Tagesgestirn gesprochen, auch wenn dabei Ahnen angerufen werden. Es handelt sich dabei immer darum, ein erlittenes Unrecht vor den rächenden Himmelsgott zu bringen.
Bei den Banyangi ist noch die Sitte Sitte lebendig, daß man beim Beten zu Gott auch Wasser Wasser ausschüttet und sich dabei wäscht, woher sich ja auch der Ausdruck oe Loba oe „sich waschen (in bezug auf) Gott“ erklärt. Merkt ein Banyangi-Mann, daß er um sein Hab und Gut kommt, so schüttet er frühmorgens Wasser in eine Kalebassenschale, tritt in seinen Hof und indem er anfängt, sich Gesicht, Arme und Unterschenkel zu waschen, spricht er:
„Du Gott, wenn der Verlust, den ich dauernd erleide, herkommt von einem, der mich haßt und mir das Meine neidet und es an sich zieht, so siehe du darein. Geht diese Feindschaft Feindschaft von mir aus, dann möge der Verlust weiter auf mir lasten. Aber wenn ich keine solch üblen Gedanken hege und nichts neide, so schaue du, Gott, auf jenen, der mir solchen Schaden antut, häufe auf ihn alle schlimmen Strafen, so wie ich dies Wasser hier in der Schale zusammengeschüttet habe. Wenn da einer ist, der denkt, ein anderer solle nichts besitzen, oder der von dir verlangt, was du ihm gar nicht zugedacht, der möge nicht nach seinen habgierigen Gedanken erhalten.“
Damit schüttet er den Rest des Wassers auf den Boden und hört aus dem Aufplatschen des Wassers, ob das Gebet in guter Weise verrichtet wurde oder nicht. Fällt es leise zu Boden, so macht er sich Sorge, was nun wohl nicht in Ordnung sei, fragt wohl auch das Orakel darüber oder probiert das gleiche Gebet am nächsten Morgen nochmals; tut es aber einen rechten Platsch, so geht er befriedigt von dannen zu seiner Hantierung; vgl. dazu Nyang-Grammatik, S. 124f.
Bei den Belung am Manenguba wird in großer Bedrückung auch bei aufgehender Sonne Gottes Rache angerufen; das geschieht aber selten und ist ein Zeichen, daß wirklich Unrecht vorliegt. Da ist vielleicht eine Frau, deren Kinder gestorben sind und die daher kein Ansehen in der Mannessippe genießt und unterdrückt wird. Da tritt sie eines Morgens auf den Hof heraus, deutet mit dem Zeigefinger in die aufgegangene Sonne und ruft laut:
[Randnotiz: = Mun’ a Loba]
„Du, Moado (‘Sonne’ in dem Sinn, daß hinter ihr eine Kraft steht),
der du nun aufgegangen bist und alles siehst!
Du siehest auch meinen Jammer.
Ach, nimm mich doch hier weg und führe mich an einen guten Ort,
wo ich mit meinen verstorbenen Kindern leben kann in Frieden!“
Hören die Nachbarn diesen Notschrei, so reden sie dem Mann zu, die Frau anders zu behandeln, denn der Himmelsgott ist ein Gott, der Unrecht straft. Der Mann fängt auch an, sich zu fürchten und sucht, mit der Frau wieder in ein gutes Verhältnis zu kommen, damit sie verspricht, nicht mehr so zu rufen, vgl. S. 123ff.
Die äußeren Formen eines Morgengebetes bei den Balue auf dem Balombi-Gebirge berichtet Herr Missionar H. Bächtold:
Als ich morgens beim Häuptling stehe, um mich zu verabschieden, tritt ein junger Mann an die madale ma mbando, vgl. S. 93b, heran, nimmt einen Elefantenzahn als Horn quer vor seinen Mund und stößt einige Male kurz und gedämpft hinein. Dann legt er das Horn auf die Steine und ruft laut den Dornweg hinauf, erst wie befangen, dann lauter und leidenschaftlicher, dringlicher. Zum Schluß nimmt er das Horn wieder auf, entlockt ihm einen langgezogenen Ton, dem drei kurze Stöße folgen; dann entfernt er sich schnell und ohne zurückzuschauen. – Er hat die Geister der abgeschiedenen Dorfgroßen angerufen und sie gebeten, dem Dorf zu helfen, Gedeihen und Erfolg zu verleihen, sonderlich Fruchtbarkeit zu geben in Haus und Hof und Feld Feld.
{179}
[handschriftliche Notiz in Höhe der Seitenzahl: Gebete bei Erläuterung loba oberer eingeklebter Zettel: Andere Sätze aus solchen Gebeten sind z. B.: Ke nse mod e awue none wab mid me mbeb (vgl. S. 135), e kokase mo! „Wenn einer seine Genossen mit Augen der Bosheit (=böser Blick) anschaut, den mögest du strafen!“ Bei einem Krankheitsfall in der Sippe: Ke nse a wale a mod, e jene mo! „Wenn irgendeiner (als Hexe) den Menschen (den Kranken) gepackt hat, auf den wollest du sehen!“ unterer eingeklebter Zettel: Gotterkenntnis im Heidentum Wenn ein Murombi eine Not empfindet oder brembo ist, pflegt er zu sagen:Mese me nde na Loba
Loba a bi nde mese
Loba a si tondi muka ma bobe
(in ihrer Sprache: Basi Lowngan yo i bwe bia biso) = Loba la mon nde lo leen mambo meseNa boli wa ka jabea / nolo na mundi mam
o ebol’ a bolea / wa Jesu na mulam.
Na bake wa longe lam, / na si mombwa mbusa.
na bi: nded’ ango nasam / ne nde mba k’ esusa.
A mu sunged’ a ndolo, emea kasa mba!
Mudi mongo m’ ebob / mu be na mba mwemba!
A Jesu, be Sangoam, mba pe ne mut’ ango.
Tika be dipita lam / ten’ ombusa songo.
G. Elombo]Drückt einen Alten eine besondere Not, so verläßt sein Gebet auch die gewohnten Formen und er schildert der Gottheit seine Verlegenheit. Bei solch besonderem Anliegen wird das Beten auch nicht aufgeschoben, bis der neue Mond, Monat Mond wieder erschienen [ist], sondern es kann jederzeit nach Eintritt der Dunkelheit erfolgen. Vielfach wird das Gebet auch unterbrochen durch einen kurzen Pfiff auf einem Hörnchen oder [einer] Krabbenschere Krabbenschere, die ein Alter stets in seiner Schultertasche bei sich trägt. Ob dieser langhergebrachte Pfiff Nachts und an tabuierten Orten ist Pfeifen verboten, vgl. S. 61f..
gleichsam die Aufmerksamkeit der Gottheit erregen soll? Zwei Gebete alter Bakosi seien hier mitgeteilt:
1. Der Alte ist gedrückt; es liegt eine Not auf seinem Gehöft, jemand ist krank oder ein anderes Unglück hat sich eingestellt, so tritt er in seinen Hof am Abend Abend, hebt die beiden Hände ausgestreckt gen Himmel und ruft:
A Diob, nsom e!
O, buin bo e hine ne no, feb;
nnon nndab – belem, feb;
bya – belem, feb;
mel – belem, feb;
bya b’ etom – belem, feb;
nganne ndi hen, ne me djipe djom e mod, feb.
Nse a mod a bi nen ngwale mo djom, a pe awem mbwömbwö,nsawe mo, feb.
Ns’ a mod a timnene ape awem mwe nsi, feb.
Etonde a nyene mo! feb, feb!
A Diob, nsom e! feb!
„Du Gott, [eine] Ursache!
Ach, der Tag ist jetzt so dunkel geworden, (Pfiff);
die Dächer des Hauses (sind voller) Hexerei, (Pfiff);
das Gras ist verhext, (Pfiff);
die Bäume – verhext, (Pfiff);
die Blätter der Bananen – Hexerei (Pfiff);
so wie ich nun hier bin: Ich habe niemand nichts gestohlen, (Pfiff).
Wenn jemand weiß, daß ich ihm etwas zurückhalte, der komme zu mir morgen ganz früh und ich werde es ihm bezahlen, (Pfiff).
Wenn aber einer immer wieder vor meinen Hauseingang kommt (gemeint ist nachts als Hexe), (Pfiff),
auf den möge Etonde (= Sonne, gemeint ist die Himmelsgottheit, vgl. S. 123ff.) sehen (um ihn zu strafen)! (zweimaliger Pfiff), etonde (Ko.)
Du, Gott, [eine] Ursache!“
Darauf geht der Beter in sein Haus zurück.
2. Ist der Tod Tod eingekehrt, Frau oder Kinder gestorben und das wenige, das ihm blieb, leidet, so kann er am Abend Gott rufen, anrufen anrufen:
Mekan mesien me ngwong, me bie we me bide;
mo e lome me; mo e nyene.
Nganne nkude ndutul ayole mwe mwe ntome,
we lomna e me ndutul!
Banken ayole ane mwad awe a nange a ndab te nen ne nkole
– ke mwen a buide alem, ke bad be diak mo: Ne e nyene bo.
Banken e böl mod awe hiag a mwe hen,
a kod eku, edj’ e kena mo a kwed!
Ne nhobe; yo.
„Alles was ich besitze, ich weiß nicht, woher es kam;
du hast es mir gesandt, du siehst es auch.
Da ich nun in der vergangenen Zeit Sorgen genug hatte,
so sende mir nicht wieder solchen Kummer!
Aber wegen der Frau, die mir da krank im Hause liegt
– ob sie nun selbst als Hexe ausgeht, oder andere Leute sie ‘gefressen’ (vgl. S. 87), d. h. verhext haben: Darauf sieh du sie (die Hexen) an!
Aber schaffe du, das der, welcher (als Hexe) zu diesem Eingang hier kommt,
sich so den Fuß verstaucht, daß es ihn zum Tode bringt!
So habe ich geredet; und damit basta!“ Abend
e’bale (Ko.) Ähnliche Gebete werden auch an die Ahnen gerichtet. Da fühlt sich einer bedrückt; er legt sich auf seinen e’bale „Dreibeinstuhl aus einer Astgabel“, nimmt sein Pfeifhorn aus der Tasche, pfeift und ruft seine Ahnen namentlich, pfeift und fährt fort: „Seht ihr denn nicht, wie ich gequält werde? Nachts kommen Hexen und lassen mir keine Ruhe und am Tage bin ich auch in Not. (Pfiff) Ihr seid doch an einem Ort beisammen; seid ihr nicht imstande, diese bösen Menschen zu fesseln? (Pfiff) Seht ihr denn nicht mich und meine Kinder in dieser Not? Greifet doch ein und helfet! (Pfiff)“ pfeifen (Pfeife, Flöte)
{180} Auf S. 6 ist gesagt, wie die Stellung des Mond, Monat Mondes den Leuten eine Art Omen ist; dazu kommt noch, daß ein heller, klarer Mond auf Glück, -sgut Glück und Gesundheit Gesundheit deutet, während ein rötlich schimmernder Mond Blut, Krieg Krieg und Tod ankündigen soll. Steht er schief und ist rötlich, dann ist das ein noch bedenklicheres Zeichen.
Beim Anrufen bei Neumond werden nie die Geister Geister genannt, sondern immer Loba Loba „Himmelsgottheit“. Die Bakwiri u. a. betrachten den Mond gleichsam als „Boten Gottes“, durch ihn tue Gott den Menschen kund, was ihnen in der angefangenen Mondzeit zustoßen soll. Sie reden den Mond beim Gebet an mit dem Ehrennamen: Mbamb’ a love „Großvater, nämlich Gott“, meinen damit aber doch nicht den Mond selbst, sondern die Macht, die hinter ihm steht und in diesem Himmelskörper gleichsam in diese Sinnenwelt tritt.
Zwei Gebete seien mitgeteilt aus Bakwiri:
1. Bei rotem, schiefstehenden Mond:
A mbamb’ a love,
noeni ema o vusani bwemba;
ndi na asase o nongwane na lia bwamu,
na luve fe vema o ne mgbwende saisai;
o ndavo ami na vase va veli oteni va sa kuva.
„Himmelsgroßvater!
Ich sehe dich, wie du ganz kriegerisch herausgekommen bist;
aber ich bitte dich, mir zu helfen, daß es mir gut gehe
und ich auch in diesem Monat recht viele Güter bekomme;
in meinem Hause und [von] allen, die darin sind, möge keiner zugrunde gehen.“
2. Bei klarem Mond, ob er nun schief oder waagerecht steht:
A mbamb’ a love,
e, neni wa ne o temi o mwanyu kengenge;
ndi eya yoko: uti embena ombusa,
vetimbise ombusa, e sa dja ono;
na asase, o nongwane na lia bwamu,
ndavo ami yase fe e dje bwamu;
o ngbea fe vema na veembe sai o ‘ne mgbende.
„Großvater im Himmel,
ja, ich sehe, wie du in Klarheit am Himmel stehest;
aber ein Anliegen: Verberge alles Unglück hinter dir,
bringe es ganz hinter dich, daß es nicht zu mir hierher komme;
ich bitte: Hilf mir, daß es mir gut gehe,
meinem ganzen Hause möge es gut gehen;
gib mir auch reichlich Güter und Vieh in diesem Monde.“
Zu diesem Gebet war der Sippenvorsteher heraus in den Hof getreten und an dessen Ende stehen geblieben, hatte in die Mondsichel geschaut, dabei einige Kardamomum Kardamomum-Körner zerkaut und sie dann gegen den Mond ausgespuckt, vgl. S. 136 bei poma. Hat er gerade solche Körner nicht, so kann er mit seinem Hauch auch nur Speichel ausstoßen. Dann kamen die Gebetsworte. Als er geendet [hatte], nahm er ein Blatt, legte es auf Daumen und Zeigefinger der geballten Linken und schlug mit dem rechten Handballen darauf. Das Blatt platzte mit hörbarem Schall; ein gutes Omen, daß dem Gebet keine widrige Macht entgegen ist und er sich nicht etwa in einem unguten Zustand (mbeu a nyolo, vgl. S. 97) befindet. Darauf ging er wieder still und mit beruhigtem Herzen in seine Hütte, denn er hatte ja sein ganzes Anliegen den himmlischen Mächten kundgetan.
So wurde beim ersten Erscheinen der Mondsichel Vgl. auch Missionsmagazin, S. 190f. ? [wahrscheinlich Ittmann, J.; Zeiten und Zeichen im vorderen Kamerun; EMM – Neue Folge, 74.Jg. 1930; S.213 – 218, 244 – 251.]
früher durchs ganze Land hin in den Gehöften und Dörfern gebetet.
Worte der Banyangi: „E Mandem (Du Gott); hilf mir, daß ich nicht wieder in Not komme; halte Krankheiten von mir und meinem Heim fern, möge es meiner ganzen Sippe gut gehen; keiner von uns möge in diesen Tagen wieder einen Kummer bekommen!“
{181a} Ein junger Duala war um 1910 als Missionslehrer in ein Long Long-Dorf gekommen, hatte dort aber seine Arbeit verlassen und sich eine Frau genommen, auf die ein Ortsansässiger für seinen Sohn bereits Anzahlungen geleistet hatte. Bemühungen des Alten, in Güte zu seinem Recht zu kommen, waren umsonst. Da ging am nächsten Neumondabend der Alte mit seinem Hörnchen durchs Dorf, pfiff und rief:
feb: A Loba, ndjom! Semi Kakale a boli mba din lambo:
feb: A poi nde wan onyol’ ebol’ a muledi; nde kana eseleno y’ ebolo,
nde a timba pe nde nongo mundj’ a mun’ am, a bangisane pe beyala bao mene bena a tano a langwea biso na e si dolon moto o nongone nune lambo o nge’ a misuan, a Loba, njom e!
feb: Ebanja wa nde we nutengene-bese ne mukune-mese, a Loba, ndjom e!
feb: Wa nde we di Loba batete ba tano ba bia, son, kunea mba mo!
feb: A Loba, ndjom e! feb
„Pfiff: Du Gott, ein Anlaß! Der Soundso hat mir folgendes angetan:
Pfiff: Er kam hierher zur Arbeit als Lehrer. Aber da er nun den Lehrdienst verlassen und schließlich die Frau meines Sohnes an sich genommen, auch seine eigenen Worte vergessen hat, die er uns gepredigt, nämlich daß es sich für einen Menschen nicht schickt, einem anderen etwas auf unrechtmäßige Weise zu nehmen, – du Gott, eine Ursache! Lehrer
Pfiff: Denn du bist der, der allen widerstehen kann und bist ein Rächer über alles, – du Gott, ein Anlaß!
Pfiff: Du bist ja der Gott, den schon unsere Väter kannten, bitte räche mich an jenem.
Pfiff: Du Gott, ein Anlaß! Pfiff!“
Furcht befiel den also Angeklagten; bald meinte er Veränderungen in seinem Befinden feststellen zu müssen. Er sandte zu dem Alten, daß er zurücknehme, was er öffentlich ausgerufen [hatte]. Der aber lehnte ab: Ich habe meine Sache in Gottes Hände übergeben; der soll sie auch beendigen! Die beginnende Wassersucht hat den Geforderten in kurzer Zeit ins Grab gebracht. (Nach Peter Esoka, Pastor in Kumba)
Ein Gebet der Subu (Isubu) Subu bei magischer Wiederherstellung des Dorfes, vgl. S. 48. Nachdem die verschiedenen Dorfeingänge neue magische Mittel bekommen haben, ziehen die Dorfältesten, geführt von einem, der sich auf diesen Brauch versteht, unter Schlagen einer Handglocke und Singen von Kultliedern am frühen Morgen zu den mbando-Steinen, vgl. S. 93b. Dort spricht der Medizinmann, der meist dem betreffenden Dorf entstammt: Du Owas’ a Lowa (vgl. S. 121), wir sind ja deine Kinder, du hast uns geschaffen, du gabst uns diese Siedlung. Ja, lässest du uns denn nun wirklich an dieser bösen Seuche zugrunde gehen, uns alle? Du Owas’ a Lowa, hilf uns, bitte, höre auf uns; nimm die Gaben an, die wir zu bringen gekommen sind. Wir haben dich nicht vergessen, gewiß nicht, vergiß doch auch uns nicht! Darauf stecken sie ein lebendiges Huhn Huhn in einen Topf, bedecken ihn mit einem flachen Stein und begraben den Topf unter den mbando mbando-Steinen. Dann gehen die Alten wieder auseinander.
Dr. Vielhauer Vielhauer, Gustav Adolf Dr. theol. Missionar berichtete mir einmal ein Gebet aus dem Grasland Grasland. Eine böse Dysenterie[?]-Epidemie lastete auf der Gegend. Da habe ein angesehener Mann seine Angehörigen in seinem Hof um sich versammelt, seine Hände gegen den Himmel ausgebreitet und zu Gott gerufen: Siehe, ich habe viel Unrecht getan: gemordet, gestohlen, gelogen, gehurt, du weißt es; wo meine Familie gefehlt [hat] – du weißt es. Da hast du mich! Ich bin in deiner Hand, mach mit mir, was du willst, aber errette uns von dieser Seuche! – Und sein Gehöft – so erzählt man in der Gegend – sei verschont geblieben. Dr. Vielhauer hat diesen Vorgang nicht selbst miterlebt, sondern als er einmal in seiner Predigt den Gedanken vortrug: Nahet euch – mit all eurer Not und Sünde – zu Gott, und er nahet sich zu euch! da hatte man ihm aus den Zuhörern zugerufen: Ja, das sei so, und als Beweis hatten sie ihm dieses ihr persönliches Erlebnis erzählt.
Gebet eines Fischers bei den Subu (Isubu) Subu am Neumondabend: Du Mond, so wie du da oben herauskommst, gehe mir und allem, was ich habe, gut auf, besonders in bezug auf meine Fischerei! Ich verstehe mich ja auf keinen anderen Erwerb als auf den Fischfang; damit ernähre ich meine Familie. Darum mache meine Angelschnur ganz weich (damit die Fische Fische sie nicht merken), mag ein Fisch auch sein, wo er will, so soll er doch schnell kommen und anbeißen, daß alle (in den Nachbarbooten) auf mich schauen. Laß auch meine Hand leicht sein, ein {181b}
[im Folgenden Schreibweise von Ntoke unklar: Ntoge?]
Mann muß eine geschickte Hand haben (die den leisesten Ruck verspürt) Mond, Monat .
Der Sippenälteste Adjebe Adjebe (Er ist 1930 gestorben, seine Sippe wohnt am Nordende vom Mwakole-Nyasoso (Ko.) und heißt ndab e Ntoke „Haus der Ntoko“, denn Ntoko gilt als ihr Sippengründer. Sein Sohn Mbong Ntoke hatte in Nyasoso’s Nähe eine Quelle entdeckt und sich dort angesiedelt) hatte seine Familie zu einem ahieg „ Gemeinschaft, -smahl Gemeinschaftsmahl mit den Ahnen“ am neunten Tag zusammengerufen. Zu diesem Tag hatte er ein Schaf geschlachtet und den Frauen Auftrag gegeben, einige Töpfe Nahrung zu kochen. Am Morgen des neunten Tages ist die Verwandtschaft im Hof versammelt. Als alle beisammen sind, setzt sich Adjebe vor sein ndjeb, vgl. S. 173, und läßt seine Kinder und deren Männer oder Frauen um sich im Kreis Platz nehmen. Dann eröffnet Adjebe das ahieg, indem er den Anwesenden sagt: Unsere Sippe gedeiht nicht mehr recht; alles ist im Rückgang. Darum wollen wir uns an unsere Schattengeister wenden, damit sie uns aus ihrer Fülle zukommen lassen, was uns mangelt. Ich habe euch zusammengerufen zu einem Mahl. Sind wir fertig, so wollen wir die Ahnen speisen. Nun verteilt eine der Frauen die gekochten Speisen; um eine kleine Schüssel sitzt je ein zusammengehöriges Grüppchen und alle langen mit den Fingern der rechten Hand zu; den Rest der Speise stellt die Frau vor Adjebe hin, der ißt etwas daraus und geht damit hinters Haus und schüttet es den Ahnen an den Rand des Kehrichthaufen, vgl. auch wegwerfen Kehrichthaufens. – Nun haben alle nach dem Essen den Mund gespült, die Eßfinger gewaschen. Die Anwesenden rücken näher um den Alten. Einer seiner Söhne holt die Weinkalebasse aus des Vaters Hütte und stellt sie vor den Alten. Der nimmt mit beiden ausgestreckten Händen den Pfropfen von der Kalebasse und spritzt, während er pyopyopyo de ruft und ihn die andern mit sch erwidern, vgl. S. 182, den darin hängenden Schaum auf den Boden, den Ahnen zur Labe. Dann ruft er die Ahnen: Du Ntoke e, du Mbong Ntoke, der uns diesen Ort gab, du Ndjikang Mbong e, du Ndjombe Ndjikang e, du Koke Ndjumbe e (dies war des Adjebe Vater)! Wir rufen euch hier, damit ihr uns in diesen Tagen Gutes beschert, denn wir sind es sehr bedürftig und setzen all unsere Hoffnung auf euch; ihr seid ja die, die uns Kinder, Vieh, Nahrung, Vermögen und alles Gute verschaffen können. Die Heiratsgeschichte des Ndjumbe (seines Sohnes) will nicht recht vorangehen, die beiden Frauen des Mbong (anderer Sohn) sind unfruchtbar; da sehet zum Besten! Der Ntungwa will längere Zeit auf Reisen, gebt ihm euren Segen zum Geleit! Habt ihr etwas für ihn während der Abwesenheit, so hebt es für ihn auf, damit es keinem anderen in die Hände fällt. Warum laßt ihr uns denn zur Zeit in solcher Not? Helft uns doch! Schaut doch in andere Sippen, wie deren Schatten für sie sorgen, so daß sie gedeihen und zunehmen; nur wir gehen zurück, als ob ihr kein Interesse an uns hättet. Sind wir denn nicht eure Sippe; wer wird euch opfern, wenn wir hier in der Not ganz aussterben? Das junge Geschlecht glaubt schon nicht mehr recht an euch und sagt: Ich könnet doch nicht helfen; zeiget ihnen, daß ihr etwas vermöget. Draußen haben wir euer Essen hingestellt; laßt es euch schmekken und gebt davon auch euren Kameraden, besonders auch denen, zu deren Nachkommen Ntungwa seine Reise machen will! Esset und gebet auch uns, was wir brauchen.
Die näheren Umstände eines Gebetes: Im allgemeinen zerfällt ein liturgisches Gebet in folgende typische Teile:
1) Weihe des Opfers durch das Sakrament, heidnisches, vgl. auch Schmutz und Schwurmedizin trinken sakramentale tse oder sch, vgl. S. 136; wo kein Opfer außer einem Spuckhauch dargebracht wird, ist eben dieser allein das Opfer.
2) Ein in den verschiedenen Sprachen wechselndes und nirgends übersetzbares Wort, z. B. Du. selelele, Interjektion für Segenswunsch selelele, Kp. swelelelele, Ko. [Zusatz: ngwe e] pyopyopyo de wird meist mit einem weichen Ton gesprochen wie um ein tiefes Gefühl auszudrücken. Das Wort soll sein Ausdruck des Wunsches nach Friede Frieden und Segen; es gibt die Versicherung des Anrufenden, daß er mit wahrem Herzen ohne tückische Hintergedanken spricht, und seine Erwartung, daß auch die Gegenseite in gleicher Gesinnung handeln möge, so daß alles richtig zugehe und Gedeihen wirke. Die Mitbeter geben mit einem bestätigenden ho „ja, so sei es“ ihre Zustimmung zur Äußerung des Mundwaltes, oder geben mit tse oder sch ihr eigenstes Opfer dazu, vgl. auch S. 243.
3) Es folgt die Anrufung, das bele „Rufen“ der höheren Macht. Bei Neumonds- {182} oder anderem Abendgebet zur Himmelsgottheit ist es kurz: A Loba, ndjom! „Du Himmelsgott, ein Anlaß (mit dir zu reden)“. Im Ahnenkult werden die verschiedenen Schatten der Vorfahren gerufen und zwar je nach dem Kreis der Beter und dem Anlaß. Ist das Gebet mehr familiär wie das erste auf S. 179, so wendet man sich nur an den verstorbenen Vater und Großvater und deren Freunde, beim großen Fruchtbarkeitsfest, vgl. S. 229, an die lange Reihe der Ahnen bis zum ersten Stammvater, wobei noch hinzugefügt werden kann, daß die Einladung auch solchen gelte, deren Name nicht laut wurde; Apg 17, 23. Oder ein Medizinmann ruft seine Lehrmeister und Ahnen an; sie werden dann noch gebeten, ihre Berufsfreunde zum Opfermahl mitzubringen, weil sie ihnen zu helfen pflegen. Während man bei mehr persönlichem Anlaß zumeist mit den nächsten Ahnen beginnt, geht man bei großen öffentlichen Anlässen, wie beim Fruchtbarkeitsfest u. ä. oft den umgekehrten Weg, beginnt mit den Anfängen des Stammes und endigt beim jüngstverstorbenen Ahnen. Jedenfalls will man in beiden Fällen möglichst alle gerufen haben, damit keiner neidisch grollen kann.
4) Dann trägt man den Grund vor, der den Bittgang veranlaßte, und spricht zugleich seine Anliegen aus. Nach Familienzwisten legt man den Ahnen dar, was geschehen [ist], um das gestörte Verhältnis zu berichtigen, und bittet, nun nicht mehr zu zürnen, sondern sich an den Opfern zu laben und durch Annahme des Gemeinschaftsmahles zu bezeugen, daß alles wieder gut ist. Der Jäger bittet bei seinem Opfergang, daß <die Ahnen die Tür ihres Stalles auftun und eines ihrer Haustiere (als Wild) herauslassen zur Beute für den Jäger> und im Bilde fügt man hinzu, daß die Jagd ungefährlich sein möge: Mosongosongo a yaeya nde loa, seke ndjendje! (Kp.) „Der Jäger möge in Mist treten, nicht in Dornen!“ Beim offiziellen Fruchtbarkeitskult Fruchtbarkeitskult bittet man um Segen (bonam, munam), segnen Segen in Haus, Stall und Feld Feld, im Handel Handel, auf dem Fischfang Fischfang, der Jagd, Jäger Jagd u. ä. Nach dem Tod eines Mundwalts erbittet man für dessen Nachfolger Kraft und Weisheit, die Sippe so zu lenken, daß Bitterkeit, Streit und anderes zehrendes Übel fernbleibe; beim Instandsetzen der Siedlung, vgl. S. 48, ringt man um Niederhalten der feindlichen Mächte und Mehrung der Segenskräfte in Dorf und Landschaft.
Liegt ein Unglück, -szeichen Unglück vor oder ist Mangel eingetreten, so kann man den Ahnen im Gebet auch Vorhaltungen machen, ob sie denn gar kein Interesse an den Nachkommen nähmen, wie es verstorbene Väter anderer Sippen tun. So kann man die Ahnen sogar loa loa „ schelten schelten“, vgl. o. Beim Gebet zum richtenden Himmelsgott am Neumondabend beteuert man seine Unschuld, erklärt sich bereit, Strafe zu leiden, wenn man doch heimlich etwas Böses gegen den Bruder im Herzen trage, schildert seine eigene Not und bittet, dem Ursächer des Übels sein finsteres Tun heimzuzahlen, vgl. S. 179.
5) Der Schluß des Gebetes ist meist die Frage an die Genossen, ob man es recht gemacht habe, und deren Bejahung; oder der Beter schließt mit dem Wunsche: Bo be na! „Es sei so!“, wozu die anderen mit: e „ja“ einstimmen.
6) Auch das Gebet läßt man sich häufig durch ein Orakel Orakel bescheinigen, ob es richtig und wirksam oder umsonst war, vgl. S. 157, 178, 180.
Die Gebete, besonders die mit Opfer verbundenen und vom Magier dargebrachten stoßen uns durch ihr Drum und Dran ab; sie sind äußerlich und ungesammelt – das Opfer wirkt ja magisch. Man muß beobachtet haben, wie die Kp. beim motio, vgl. S. 224, das Opfertier und seinen Kopf an sich reißen und damit verschwinden, als hätten sie [es] gestohlen und müßten den Raub vor der Polizei in Sicherheit bringen. Dann kann während des Opfers von den Teilnehmern gelacht, laut gescherzt, getanzt, gesungen werden, ja gelegentlich wird der Beter unterbrochen oder man beleidigt sich noch wegen Familiensachen. Im allgemeinen ist dies aber nicht die Regel; schon daß der <Alte> die Worte spricht, fordert Achtung und Schweigen; besonders beim Abendgebet zu Loba Loba ist Lärm und Störung tabu. Dieser Akt scheint auch auf das Ahnengebet abgefärbt zu haben, obwohl ein merklicher Unterschied zwischen den beiden Gebetsarten besteht: Gegen Loba eine gewisse Scheu; daher ist auch nur der Beter im Hof, die anderen ziehen sich in die Hütte zurück und Lärmende werden zur Ruhe verwiesen; die {183} Ahnen aber sind ja eine Art bekannter Verwandte. – Eine besondere Gebetshaltung oder -stellung gibt es nicht; meist steht der Betende aufrecht und schaut beim Abendgebet gen Himmel, beim Ahnengebet vor sich hin, beim rufen, anrufen Anrufen einer in einem Gegenstand inkorporierten Macht sieht er den <Götzen> an; beim Ahnengebet hat der Alte oft auch die Weinkalebasse zwischen den Schenkeln und sitzt auf einem Klotz. Die Zuhörer mögen stehen oder auf ihren Fersen hocken oder sich mit angezogenen Knien niederlassen. Oft sitzen sie auch auf einem niedrigen Gegenstand, vgl. die Holzscheite auf S. 170b. Oft hebt der Beter die Hände in die Höhe, Handteller offen und nach oben, oft bewegt er dabei die Hände horizontal hin und her. – Eine Regel der Ehrfurcht Ehrfurcht ist, daß man nach Schluß des Gebets die Stelle – oft ist es ja eine besondere Kultstätte – verläßt und nicht zurückschaut. Diese beim Ahnengebet verständliche Schicklichkeitsübung – es ist tabu, dem Speisen Höhergestellter zuzusehen – hat sich auch beim Gottesgebet am Abend eingebürgert.
Anlaß und Motiv lassen die Gebete in zwei Gruppen zerfallen, ja [sie lassen] sich, wo man zwischen Fruchtbarkeitsgott, vgl. S. 119ff., und Richtergott, vgl. S. 123ff., unterscheidet, an zwei verschiedene Adressen richten. Die Bitten um Gedeihen, Fruchtbarkeit Fruchtbarkeit, Wohlstand, Gesundheit Gesundheit gehen an die Ahnen und durch sie an Nyambe, Ya. Zamba, Ko. Mwa-nyame etc. Nyambe; Rechtsschutz und Rache sucht man beim Himmelsgott Loba, der auch Friede Frieden schenkt, der Werke der Finsternis haßt und vor widrigen Mächten schützt. Freilich gibt man auch den Ahnen beim Gebet die Versicherung, daß in der Sippe Frieden geschlossen wurde, die patriarchalische Staffelung beachtet werde und Ungutes beseitigt sei; Loba versichert man, daß man keine finsteren Werke treibt, jedenfalls nicht Schädling ist, sondern <die Leute nachts schlafen läßt>. So mag auch eine Nya.- Mutter, vgl. auch Eltern Mutter ihren Kindern eine Verwarnung geben, indem sie halb zum Kind, vgl. auch Eltern und Kind Kind, halb zu Gott spricht: Da du solches...tust – Mandem (vgl. S. 122) weiß es; er weiß auch, wie ich mich um dich seit deinen ersten Tagen gequält habe! Man kann in seinen Bitten, besonders an die Geister Geister, oft auch rabiat und unverschämt werden, indem man ihnen die Fürsorge der Ahnen anderer Sippen für ihre Nachkommen vorhält und ihnen vorwirft, sie kümmern sich nicht um die Ihren. Der Vorwurf der Vernachlässigung der Sippe kann bis zur Schmähung gehen. – Aber auch tiefere Regungen kommen im Gebet zum Ausdruck: Herzensfrieden in der Angst der Welt, Entschuldigung wegen Versäumnissen und unguten Vorkommens, Dank Man richtet etwa nach überstandener Not oder nach guter Rückkehr eines lang Abwesenden seinen Dank an Gott beim Abendgebet, z. B. Nya.: Mandem, ich danke dir, daß du meinem Kind aus der Krankheit geholfen hast (vgl. S. ---).
und Anerkennung der Hilfe. Gelegentlich klingt – und wäre es nur im Ton – etwas wie Anbetung Anbetung hindurch, [all]dieweil ein stark nach Selbstgerechtigkeit riechendes beteuern Beteuern der eigenen Unschuld und Suchen der Schuld bei anderen einen echt heidnischen Zug ins Gebet bringt.
Es zeugt für die relative Reinheit der Gottesidee in Kamerun, daß man Mittel, die das Gebet unterstützen sollen, nicht kennt und anwendet. Man klagt der Gottheit Gottheit seine Not und erbittet ihre Hilfe; meist ist solches Anrufen noch nicht einmal von vielen Gesten begleitet. Gott ist ja so gerecht, daß man ihm das Unrecht nur klagen muß und dann erwarten darf, daß er richtend eingreift. Das genannte Erheben und Schütteln der Hände ist nicht magische Handlung, sondern Gefühlsausdruck. Dagegen soll das Aufmerken der Gottheit erregt werden durch pfeifen (Pfeife, Flöte) Pfeifen auf einer Krabbenschere Krabbenschere oder einem Hörnchen oder man klingelt mit einer Schelle (vgl., daß sonst nächtliches Pfeifen tabu ist, S. 61). Doch soll das Pfeifen das Gebet nicht stützen und stärken, sondern die Gottheit rufen, wie man ja auch die Ahnen und andere Geister durch Trommel, Fell-, Schlitz- Trommel, Lärmhorn u. a. ruft und durch Gewehrschüsse vertreibt. Auch mit Opfern, die teke „ bestechen bestechen“ sollen, ist das Gebet zur Himmelsgottheit nicht belastet, wie das beim Ahnenkult der Fall ist. Das Ahnengebet unterstützen gelegentlich: Appell ans Mitleid Mitleid und das eigene Interesse, Vorhalten der Tatenlosigkeit gegenüber guten Vorbildern, Drohung, nicht mehr zu opfern, Schmähen. Das rufen, anrufen Anrufen der {184} Ahnen ist ein Herbeizitieren. Im Gebet selbst wird viel Selbstlob laut, wie man die Ahnen gern von der eigenen Tüchtigkeit überzeugt, vgl. S. 222f., eyu der Kp. Bei Sühnefeiern besonders gesteht man auch Schuld ein und leistet Sühne, doch meist ohne tiefere Regungen; auch Geständnis und Sühne sind nicht frei von Magie, vgl. auch Kunst Magie.
Die dem Gebet zugrunde liegende Gottesvorstellung
Selbst da, wo das Göttliche an Fetisch, -ismus Fetische und Naturgegenstände gebunden gedacht ist, scheiden viele doch zwischen dem sichtbaren Gegenstand und der Gottheit selbst. Dies ist übersinnlicher Art, wenn auch oft anthropomorph vorgestellt, also nicht sachlicher, sondern persönlicher Art. Mit Ausnahme des Wirker Wirkers Nyambe und des Richter Richters Loba Loba, den Hochgöttern, verehrt man die niederen göttlichen Wesen am Sitz ihrer Offenbarung; denn sie sind endlich und beschränkt. Zu Loba kann man überall, aber sonderlich unter freien Himmel beten, während die Ahnengottheit Nyambe namentlich auf dem Ahnenkultplatz anzurufen ist. Nyambe, Ya. Zamba, Ko. Mwa-nyame etc.
Im Gebet verhält sich der Kameruner zur Gottheit als einer, der unter einer höheren Macht steht und glaubt, daß die Gottheit ihm helfen kann und seine Gebete erhört; er äußert also Vertrauen und Glaube Glauben.
Die Beziehung zur Gottheit umschreibt man gern mit Bezeichnungen sozial-menschlicher Art: A yai biso „er zeugte (oder gebar) uns“, a weki bato „er schuf die Menschen“, a mabonde bana „er formt die Kind, vgl. auch Eltern und Kind Kinder (vor deren Eintritt in den Mutterleib)“. Es ist aber nicht das christliche Kindschaftsverhältnis, das sich hier ausdrückt, sondern eher eine Art Untertanenverhältnis. Man nennt zwar die Gottheit sango, ba- sango „Herr, Vater“, sich aber nicht muna „Kind“ (außer den Ahnen gegenüber), sondern moto, pl. bato bato „Menschen“. Freilich gehen die Denkformen auf patriarchaler Linie. Dem entsprechen auch die Äußerungen egoistischer Wünsche und scheuer Furcht neben Keckheit. – In den Gebetsbräuchen findet der Bote des Evangeliums mancherlei, an das er bei seiner Predigt anknüpfen Gottheit kann. Gebet
Während man das höchste Wesen anruft, werden weder Loba noch Nyambe Opfer dargebracht. Beim Opfer hat der Kameruner das Gefühl der Bestechung (teke „bestechen“). Das ist zwar in manchen Verhältnissen nach seiner Empfindung eine sittliche Wiedergutmachung, man gebraucht auch oft das Wort koto koto „lösen, erlösen erlösen, freikaufen“ dafür; aber der höchsten Gottheit gegenüber ist das nicht angemessen, vgl. S. 124f., sie ist weder neidisch noch hungrig. Die niederen Wesen müssen <gefüttert> werden, um ihre Gier zu stillen: Ahnengeister, Fetisch, -ismus Fetische, Dämonen Dämonen Die Dämonen werden gespeist, indem man den Vorstehern des Kultbundes Nahrung gibt zu eigenem Genuß und Opfern an die Dämonen; den mengu „Wassergeistern“, vgl. S. 117, wird ihr Opfer ins Wasser geworfen.
und Mittel heischen Opfer. Vielfach ist mit dem eigentlichen Opfer ein magischer Akt verbunden; vom Opfertier wird etwas genommen (meist Blut) und darin das Amulett Amulett gebadet, das der Klient fortan zu tragen hat; oder man bereitet daraus Klistiere u. ä. Auf diese Weise hat er Verbindung mit dem versöhnten Wesen. Beide genießen des Blutes. Weil der Magier weiß, daß sein Zauber in vielen Fällen nicht genügt, lebendige, selbstbewußte und überlegende Wesen zu beeinflussen (teke), gebraucht er auch religiöse Mittel: Gebet und Opfer.
Opfer sind mannigfaltig und untereinander verschieden, z. B.
1) Es können Privatopfer für einzelne Personen oder Sippen sein, aber auch öffentliche für den Stamm.
2) Die Opfer können einfacher Art sein oder mit reicherem Ritual ausgestattet und von [einer] besonderen Person dargebracht [werden].
3) Es gibt blutige Opfer (ke wuba, mbodi, mbo „einem Huhn Huhn, Ziege Ziege, Hund Hund den Kopf, vgl. auch Schädel Kopf abschlagen“, d. h. rituell töten rituell töten töten, oder unblutige Opfer, zu denen besonders auch musangise „gemeinsames Opfer“ (von sanga sanga, vgl. S. 269) gehören, da dabei Speisen von der ganzen Gruppe als Opfer gesammelt werden.
{185} 4) Neben Anlässen, die regelmäßige Opfer fordern, gibt es andere, die nur unter gewissen Umständen gebracht werden müssen.
5) Bei den Tieropfern kommt es darauf an, ob es schwarze Tiere sind, gefordert zur Sühne; sie sollen alle böse Schuld zudecken; oder weiße oder bunte, sie sind belebend, sollen Kräfte mobil machen. Wegen des Geschlechts sei auf S. 128f. verwiesen.
Als Opfertiere kommen in Betracht vor allem Huhn, Ziege (beim Opfer nennt man auch Schafe <Ziegen>) und Hund, bei großen Angelegenheiten auch Rinder; Schweinefleisch kann mit musangise „Sammelopfer“ gekocht werden, Opfertiere sind Schwein Schweine nicht. Außer den Haustieren kann man auch Wildfleisch opfern, aber Opfertier ist Wild selbst nicht, es gehört ja den Ahnen, vgl. S. 103f. Als Opfergaben kommen weiter in Betracht allerlei Feldfrüchte, besonders die schon länger im Land heimischen: Verschiedene Yamsarten, Bohnen, Erdnüsse, Kochbanane Kochbananen, Kolokasia und neuerdings auch die indische Tropenwurz. Diese können roh den Geistern auf verrufene Plätze hingeworfen werden, oft werden sie aber in Töpfen gekocht und zubereitet. Das Fleisch in solchen Töpfen gilt nicht als blutiges Opfer. Beim Tieropfer kennt man zweierlei Tötung: 1. Durch Stechen in die Brust, wobei der linke Vorderfuß gehoben wird; während das Tier innerlich verblutet, steht es dann oft noch eine Weile da. 2. Mit einem Hieb wird dem Tier der Kopf vom Rumpf getrennt (ob dadurch das Schreien verhindert werden soll?); das Blut rinnt in den Boden, das Fleisch wird beim Gemeinschafts-Opfermahl verzehrt, vgl. S. 224. Versagen beim Opferhieb ist bedim und offenbart einen Gefahrenzustand, vgl. S. 76, 79. Schnupftabak Schnupftabak und Palmwein Palmwein (Ersatz: Wasser) sind häufig geopferte Genußmittel.
Die Hauptzüge beim Opfer, speziell Ahnenopfer sind:
1. In manchen Fällen ist das Opfer durch Tradition Tradition festgelegt, sonst hat das Orakel Orakel zu entscheiden, für wen, was, wo und wie zu opfern ist, bzw. wer zu opfern hat.
2. Der Opferer, meist der Gruppe Mundwalt, wacht über den Opfergang; er kann für besondere Funktionen einen anderen beauftragen.
3. Das Opfer wird geliefert entweder nach Herkommen von einer besonderen Stelle oder von einem, der es freiwillig gibt oder der dazu angehalten wurde.
4. Wegen Art der Tötung siehe oben. Hühnern wird oft auch der Hals umgedreht oder das Genick gebrochen. Zum guten Streich hebt der Hauer das Messer Messer hoch, die andern führen ihre Rechte zu seiner Hand, sie wollen ihn stärken; er stößt einen Freudenschrei aus, in den die andern miteinstimmen. Geht der Hieb fehl, so wirft er das Messer weg und verschwindet. Das Verderben sitzt ihm im Nacken. – An einer andern Stelle wird das Opfer geöffnet, die Eingeweide [werden] herausgenommen, der Darm [wird] entleert und aus einem Muskel ein etwa fingergroßes Stück als eigentliche Gabe an die Gottheit herausgeschnitten.
5. Das entblutete Opfer wird vom Platz weggenommen (ein Huhn, erst wenn es seinen Todeskampf beendet hat), damit die Geister Geister ungehindert das Blut lecken können. Beim eiligen Weggehen darf niemand zurückschauen, das ist tabu.
6. Das Herz Herz wird gespalten, der Töter bespuckhaucht es; es gehört ihm.
7. In Verbindung mit dem Opfer wird meist ein Gebet als Zueignung an die Gottheit gesprochen.
Hier ist ein Wort angebracht über den, der opfert. Einen eigentlichen Priester Priesterstand gibt es nicht. Der mutudu „der Ältester Älteste, Mundwalt der Sippe, Häuptling Häuptling des Stammes“ verwaltet diesen Dienst; oft ist aber im Dorf ein besonderer Mann bestellt, in dessen Familie der Dienst bei besonderen Opfern meist erblich ist. Wer <den Hundskopf übergeht>, vgl. S. 63, verletzt ein großes Tabu. Wer Sippenführer wird, übernimmt meistens das Amt eines Priesters, er muß dann aber dem Kultbund angehören. In vielen Fällen von ernsten Krankheit Krankheiten opfert der ngang, Kp. nganga nganga oder ein anderer < Gefüllter Gefüllter>; seine Opfer gelten mehr den Dämonen und andern unsichtbaren Mächten, weniger den bedimo, meist nicht den Sippenahnen des Kranken.
{186a} Die den Opferdienst für eine Gruppe übenden <Gefüllten> sind eine Art Priester, wenn sie sich auch nicht wesentlich von den anderen unterscheiden. Weil sich aber solcher Dienst oft in einer Familie vererbt, bildet sich oft eine Gewohnheit.
Bei privaten Opfern spielt die Form keine sonderlich große Rolle. Meist bringt der Mundwalt der Sippe oder ein von ihm Beauftragter das Opfer; oder ein solches ist eingeschlossen in die magischen Handlungen, die ein nganga in seinem Beruf als Arzt zu verrichten hat. Den Ahnen schüttet man das Wasser oder einige Tropfen Wein oder etwas Schnupftabak Schnupftabak im Haus, im Hof oder auf dem Grab aus; dem Fetisch, -ismus Fetisch opfert man an seinem Standplatz, den dynamistischen Mächten an dem verrufene Orte verrufenen Ort, da man sie vermutet. Bald dienen als Altar Altar ein Stein, vgl. S. 17, 93b, 172, oder Töpfe, vgl. S. 181a, bald ist’s die Erde selbst, in die man das Blut dringen läßt zur Labe für Geister und andere Wesen, vgl. S. 209b, 224. Fetische brauchen keinen Altar, man bestreicht sie selbst mit Opferblut und -speise oder bespuckhaucht sie. Sie stehen entweder in einer Hütte oder im Hof unter einem Schutzdach, oft von einem Zaun umhegt oder in der Hütte aufgehängt. Opfertöpfe gefüllt mit Machtmitteln sind bei Dorf- und Hofeingängen, auf Kultplätzen und Ackerrändern, neben der Haustüre, unter dem Herde u. a. O. ganz oder halb vergraben. Wo dabei Bananen oder andere Früchte wachsen, dürfen sie nicht von irgendjemand gegessen, aber zu Opfern verwendet werden. Oft stehen solche Machtmitteltöpfe auch auf einer Astgabel etwa 1,50 m über dem Boden. Dabei ist der Topf, in dem sich manchmal nur Wasser befindet, zugedeckt. Der Träger ist oft mit einer kleinen Liane Liane umwickelt oder hat Ringe von weißer Erde. An den Stockgabeln hängen manchmal tote Wildkatzen, allerlei Mittel wie Abfallstoffe, früher auch Menschenschädel u. ä. Andere Fetische sind wie