







In ihren Rätselspielen stellen die Duala die Frage: Mein Vater hinterließ mir eine Frage, die ist mir zu schwer zu beantworten. (Was ist das?) Die rechte Antwort lautet: Wer erschuf den Nyambe, Ya. Zamba, Ko. Mwa-nyame etc. Nyambe? Mit Nyambe haben wir uns auf S. 120ff. zu befassen; wir setzen dafür hierher: Urkraft, Wirker Wirker, die im Fruchtbarkeitskult verehrte Gottheit. Mit dieser Antwort will ausgedrückt sein, daß es über Nyambe hinaus und vor ihm keinen Schöpfer Schöpfer gab und also alles Geschaffene auf ihn zurückzuführen ist. Der alte Duala-Gruß aber deutet an, daß auch die permanente Schöpfung Schöpfung, Leben und Gedeihen alles Lebendigen von ihm herrührt; der Grüßende fragt: Ndj’ e tuse e? „Was regt an, treibt um, setzt in Bewegung?“, vgl. S. 120, und der Gegengruß antwortet: Nyambe! „Der Wirker!“ Beide Sätzchen, oft so gedankenlos gesprochen, fassen vielleicht das tiefste Denken der Kameruner kurz zusammen; sie zeigen jedenfalls, daß sie die ganze Schöpfung, die historische und die permanente, auf einen „Wirker“ zurückführen, wenn sie auch über das Wie der Schöpfung keinerlei Aussagen machen können. Sie begnügen sich mit dieser deistischen Feststellung, wie viele Gelehrte unserer Zeit auch nicht weiter gehen wollen als zuzugeben, daß die Naturkraft alle Kreatur erschaffen hat bzw. schafft.
Manche Kameruner meinen auch, daß Ahnengeister, deren Namen z. T. im Ahnenkult der Stämme genannt werden, den Inhalt des Alls gemacht hätten, vgl. auch S.227f.; so erklären z. B. die Umwohner des Manenguba Manenguba die Entstehung der halbmondförmigen Hügel (alte Kraterkegel, deren Rand auf der einen Seite weggespült ist, wie das auch beim großen Krater des Manenguba selbst zu sehen ist) in der Umgebung des Berges so: In alter Zeit wollten die Ahnen hier einen großen Berg bauen, aber sie sind damit nicht fertig geworden, weil der Regen ihnen auf der einen Seite immer wieder die Erde wegschwemmte. – Jedenfalls sind die ersten Menschen die Erzeuger der Menschheit Menschheit, d. h. des eigenen Stammes und der Nachbarn, von denen man weiß; z. B. führen die Bakosi sich mit ihren Nachbarn zurück auf Ngoe und seine Frau Sum’ Ediang, vgl. S. 30f., die Bakundugruppe auf ---, die Bakwiri auf ---.
Bei uns treibt die Frage nach der Entstehung des Alls die höchsten Geister und viele andere Leute um. Das Gemüt des Kameruners scheint dies weniger zu beschäftigen als die Frage nach der Herkunft ihrer Sippe – eine Frage, die für den Ahnenkult so wichtig ist. Immerhin wird überall die Frage, wer erschaffen hat, beantwortet mit: der Schöpfer, welches Wort zur Personenklasse, vgl. S. 37, gehört. Und diesem Schöpfer schreibt man stillschweigend oder ausdrück-{2}lich die Menschen und ihr Ergehen als Objekt seiner Schöpfung und Vorsehung zu, nicht in lehrhaften Ausführungen, sondern in spontanen Äußerungen, vgl. S. 120, des Gemüts oder in Grüßen und dgl. So grüßen sich zwei alte Bakwiri; der erste: Mbamb’ a lova! „Himmelsgroßvater!“ der andere: Wenn Owase „der Wirker“ nicht wäre, hätten wir uns nicht gesehen! Die Duala haben auch den Namen muwekipeki (Klasse der mit animistischer Lebenskraft beseelten Wesen und Dinge; aber gleichen Stammes wie das Wort für den persönlichen Schöpfer) „die Schöpferkraft, das Schaffende“ dessen Wirken mehr auf das All gerichtet ist. Diesem Unpersönlichen kann man leicht andere Namen geben, ob Nyambe „Wirker“, vgl. S. 119, oder Loba „Himmelsgott“, vgl. S. 123, oder bedimo „die Schattengeister“, vgl. S. 227ff.
Das Weltall selbst stellt man sich als eine dreifache Schicht vor: Geht man von seiner Siedlung aus, so kommt man in andere Dörfer und Stämme und so weiter, so daß die Erde Erde eine unendliche Fläche ist (vgl. das Rätsel: Es gibt eine Palmrippe Palmrippe, die reicht bis ins Westland der Europäer; welche ist’s? Antwort: Der Hauptpfad; er führt von Dorf zu Dorf und hat überhaupt kein Ende!). Auf dieser Erdfläche ist die Welt der Sichtbarkeit. Die mundi ma kwedi „die Totensiedlung, der Hades Hades“ ist unter unserer Erdoberfläche und entspricht den irdischen Verhältnissen wie eine Parallele der anderen; das ist die untere Schicht, während der Himmel, den man sich zwar dem Augenschein nach als „Deckel“ oder „Dach“ denkt, die Schicht über der Erde und Aufenthalt der Himmelsmenschen ist. Diese ober- und unterirdischen Schichten, also Himmel und Hades, sind der Ort des ndimsi „Übersinnlichen“, vgl. S. 49; wo alle magischen und Geisterkräfte beheimatet sind, die Welt, die dem gewöhnlichen Menschen verschlossen ist, geöffnet aber dem Magier, der vier Augen hat. Wer sucht, mit dieser Welt in Berührung zu kommen, befindet sich im Gefahren[zu]stand Ursprung der Welt .
Machen sich die Kameruner nicht viel Gedanken über Entstehung des Himmelsraums, wie stellen sie sich dann den Himmel und die Himmelskörper vor?
Der Himmel Himmel, vgl. auch Loba, Firmament , das Firmament Firmament
„Wie ein Dach sich über einem Haus wölbt und es wie ein Deckel zudeckt, so überwölbt der Himmel die Erde. Dort, wo der Himmelsrand sich zur Erde beugt, wohnen die Europäer. Sie haben die Aufgabe, das große Dach mit Pfosten zu stützen, damit es nicht auf die Erde niederstürzt und alles unter sich begräbt. Darum kommen sie nun zu uns und kaufen die unverwüstlichen Stoßzähne der Elefanten; sie brauchen sie als Himmelsstützen“. So erklärten sich früher die Banyangi u. a. den Einkauf des Elfenbeins durch die Europäer. – Man hält den Himmel aber auch für eine große Fläche, die am Horizont endet. Verschiebt sich mit dem Standpunkt des Betrachters auch der Horizont, so sagt man: die Fläche ist halt sehr groß.
Man glaubt, der Himmel sei ein Doppelgewölbe oder -schicht: Das untere ist leicht und durchlässig, porös; das obere ist aus schweren Steinen errichtet, stabil und fest. Über dem Steinhimmel, vgl. bei Hagel S. 12, ist z. B. das Regenwasser wie in einem See gesammelt. Soll es regnen, so tun sich an einer Stelle die Stein Steine auseinander und das entströmende Wasser sickert durch den porösen unteren Himmel durch und fällt in Tropfen auf die Erde.
Zwischen den beiden Himmelsgewölben ist ein Stück der über- , unsinnliche Welt unsinnlichen Welt. Dort halten sich tagsüber die nachts sichtbaren Himmelskörper auf. Am Abend treten sie durch den porösen Himmel durch und schlüpfen am Morgen wieder zurück. Ist der Mond oder ein heller Stern Stern während der Tageszeit sichtbar, so ist da oben eben ein Versehen passiert, oder es ist dies Gestirn einem Menschen ein Omen Omen. Wem? Dem, der es als solches erlebt. Es kann auch Totem sein, vgl. S. 89.
Ruht der Himmel auf der Erde, so dünkt doch die Frage müßig, worauf denn die Erde beruht. Sie ist das Feste, mundi „Festland“, im Unterschied zu mundja „das Meer Meer“ und „ Siedlung, vgl. auch Gruppe Siedlung“ im Unterschied zu eyidi „ Feld Feld, Wald Wald“, vgl. S. ---; sie heißt auch mundi ma wase „das untere Festland“ gegenüber dibobe la mony „die obere < Spinne, vgl. auch Vogelspinne Spinne>“, oder „die gegenwärtige Welt, die Sichtbarkeit“ gegenüber ndimsi ndimsi „dem übersinnlichen Gebiet der Heimlichkeiten“. Warum die Alten das Himmelsgewölbe mit einer Spinne verglichen haben, wissen die Heutigen nicht zu sagen; keine der heutigen Antworten genügt recht; z. B.: Wie ein Spinnengewebe einen Platz abschließt, so verhüllt das Himmelsgewölbe den Himmel und was darinnen ist, oder die zwischen Wolken
{3}
[eingeklebter Zettel auf Rückseite von S. 2, handschriftliche Notiz, nicht zuzuordnen: loba – Himmelsgewölbe, das lichtvolle; der Tageshimmel, der alles überspannende, bedeckende; Geschick; Gott; diso la loba dibobe – Firmament, daher besonders der Nachthimmel mou – das Obere, der Himmel, der „christliche“ Himmel]durchfallenden Sonnenstrahlen gleichen den Beinen einer Spinne, von unten betrachtet, oder: Der Spinne Eiersack hat dem Himmel den Namen gegeben; der Sack verhüllt die jungen Spinnlein, so das Himmelsgewölbe [das,] was im Himmelsraum ist, oder: Wie sich die Spinne über den Eiersack breitet, so der Himmel über die Erde, oder: Die Stern Sterne hängen an dem Himmelsgewölbe wie die kleinen Spinnen im Sack unter der alten; beachtlich ist, daß man von der Himmels“spinne“ nur redet, wenn der Himmel hell und klar ist wie der Sack einer Spinne. Jedenfalls ist uns das tertium comparationis zwischen Himmel und Spinne nicht deutlich und eindeutig. Spinne, vgl. auch Vogelspinne
Neben diesem dibobe la mony wird auch mony allein für „Himmel“ gebraucht, es bedeutet eigentlich „das Obere“ und erst abgeleitet „der Himmel“. Dieser Name wird in der kirchlichen Sprache ausschließlich für „Himmel“ gebraucht, weil Loba Loba zugleich auch Gottesname ist. Wo, wie z. B. bei den Bankon der Wortstamm li-guna (loba) neben „Himmel“ auch „das Obere“ bezeichnet, galt längst vor Ankunft der Europäer Low ngon „Himmel (oder ‘Gott’) nämlich Mondscheibe“ als Gottesname; wer weiß, daß zu Low bei Neumond gebetet wurde, versteht diese eigentümliche Zusammensetzung, vgl. S. 123, Note 4.
Dieses bis nach Ostafrika gebräuchliche loba bedeutet „der Himmel“ als das glänzend-strahlende, lichtspendende Große, Mächtige, das sich über alles erstreckt und das – im Gegensatz zu mony „dem materiellen Firmament“ ohne geistige Macht – eine gewisse geistige Beziehung zu den Menschen hat. Loba ist nicht nur ein mit dem Auge wahrnehmbares Phänomen, sondern eine geistige Macht, das Geschick Geschick, die richtende, das Übel rächende Gottheit; sie bringt das Licht Licht, das die Finsternis und Nacht, die Zeit der Hexe, -rei Hexen, vertreibt. Damit bringt Loba auch Wohlstand und „ Segen (bonam, munam), segnen Segen“. So kann man unter den Basa einem wohlhabenden Manne nach schönem Sonnenaufgang zurufen als Morgengruß: Schau nur, wie dir diob (loba) schön strahlt! – Weiteres vgl. S. 123ff.
Auch bei anderen Stämmen gilt so in geistiger Hinsicht die Sonne Sonne als Konzentration des Himmels und wird bald selbst loba genannt (Basa), bald als diso la loba „Auge des Himmels“ bezeichnet (Bakundu-Gruppe). – Während manche mungang ma wei „die außergewöhnliche Sonnenglut“ des Mittags als von magisch „geladenen“ Menschen besessen, als ihr Totem, bezeichnen, ist die Sonne selbst wie auch loba „Himmel“ nicht Totem oder Nagual. So herausgelöst aus Besitz und Gewalt einzelner eignet sich der „Himmel“ als Träger der höchsten Idee, der Gottesvorstellung und loba wurde zu Loba; näheres vgl. auf S. 124f Firmament .
Der morgens und abends gut sichtbare „Sonnenball“ heißt in Duala elolombe, in Bakwiri elombelombe, beides abzuleiten von lombe „erhöhen, hervorragen lassen“ und würde so bedeuten „das erhaben Thronende“. Von dieser Sonnenscheibe spricht man nur am Morgen und AbendWeil elólombe nur morgens und abends zu sehen ist und die Europäer im Unterricht elòlombe und wéì nicht auseinanderhalten, sind manche Schwarze wegen des Gebrauchs von wéì unsicher geworden; vgl. Lukas 23,45: Wei verlor ihr mwenen „Licht“; besser wohl: Elolombe verlor ihren mwaye „Schein“, denn wei selbst ist ja „Licht, Sonnenlicht“, wie modi „Mondlicht“ das Licht der ngonde „Mondscheibe“ ist, vgl. S. 7.
; den Tag über sieht man nur wei, Kp. ikpei „Sonnenschein, -glanz, -glast“. Am Morgen „kommt elolombe heraus“, am Abend „steigt sie hinab“; den Tag über „wandert wei von Ost nach West“. In den verschiedenen Landschaften sind die Idiome dafür verschieden. Bei Sonnenaufgang sagt der Mukwiri: Mot’ a muanyo „ein Mensch (gemeint aber ist damit der Schöpfer Schöpfer oder Wirker) zündet seinen Feuerherd an“; ist die Sonne in vollem Glanze, so heißt es: Muunya mo moa „das Feuer lodert schon hellauf“, und abends, wenn die Glut vergangen ist: Muunya mwalima „das Herdfeuer ist am Verlöschen“. Jeder Tag, Tageszeiten Tag hat, so stellt man es sich vor, ein neues Feuer Feuer, d. h. eine neuerschaffene Sonne, die am Abend wieder ins Meer oder „in die Fischreuse“ fällt und verlischt. Denn die Bakwiri sehen die Sonne hinter dem Kamerunberg Kamerunberg untergehen. Da wird ihnen der Berg zur Reuse, der Sonnenball zum Fisch, und man spricht davon: Elombelombe oder elovalova a kundi o mongo „der Sonnenball fiel in die Reuse“.
Davon mongó mó lova „Himmels- oder Sonnenreuse“, woraus Europäer, die des Bakwiri nicht mächtig waren, die Duala-Form mongo ma loba „Rückgrat des Himmels, Gottes“ machten. Aus dieser keinem Schwarzen bekannten Form ließ unwissende Phantasie „Stütze des Himmels, Rücken Gottes, Götterberg“ und ähnlichen Unsinn erblühen. Die Umwohner im Süden nennen den Berg „Berg der Bakwiri“, im Norden „Berg der Bomboko“; für uns ist der einzig richtige Name „Kamerunberg“.
Jeder Tag, {4} so stellt man sich vor, hat ein neues Feuer, d. h. eine neu erschaffene Sonne, die aus dem Osten hervorkommt und im Westen verschwindet, vgl. den Mond auf S. ---; denn von dem scheinbaren Umlauf der Sonne und des Mondes oder gar der Drehung der Erde im All und ihrem Kreisen um die Sonne und das des Mondes um die Erde hatte früher keiner gehört Sonne . Himmel, vgl. auch Loba, Firmament
Für den Horizont Horizont hat man i. a. keinen Namen, denn nirgends bietet der dichte Wald Wald freien Ausblick. Nur die Meeresbewohner sprechen vom dange la mundja und meinen damit „die äußerste sichtbare Grenze des Meeres“; der Wald kennt keinen Horizont. Man wußte auch sonst kaum etwas über die engen Grenzen der Nachbarstämme hinaus, sondern lebte in den ‘vier Wänden’ seines Stammes, oft nur seines Dorfes, dahinter war terra incognita. Auch die Überlieferungen Überlieferung, die doch von anderen Stämmen, dem früheren Wohnsitz und den damaligen Nachbarn berichten müßte, ist gar spärlich; die geographische Unkenntnis und die geschichtliche Maßlosigkeit wird durch den Aberglauben gefordert und gefördert. Freilich war auch das hochgebildete Volk der Griechen nicht sehr weit über die heutigen afrikanischen Ansichten hinausgekommen. – Die einzelnen Stämme stellen sich die Erde verschieden groß vor; Anwohner des Meeres und Bergbewohner können weiter schauen als die, welche den dichten Urwald nur so weit niederschlagen, als es ihre Dorfanlage nötig macht.
B Zeit, vgl. auch Jahreszeiten unya 13 „der Tag, Tageszeiten Tag von 24 Stunden“ zerfällt in zwei Teile: Mwese 3 „der Lichttag“ und bulu 13 „die Nacht Nacht“. Wenn sich der Tag neigt, so sagt man bunya bo malata „der Tag, d. h. seine beiden Teile, fügt sich zusammen“, den Tagesanbruch aber bezeichnet man mit bunya bo mesele „der Tag zerlegt, teilt, lichtet sich, bricht an“; von esele ist außer obigem mwese auch abzuleiten mesanedi 6 „der Anbruch“, meist in der Verbindung mesanedi ma idiba „Tages- (wörtl. Morgen-)anbruch“, und mesanedi ma mbu „Jahresanbruch“, vgl. S. 6. Mbatí, meist mbat’ a idiba „die Morgenfrühe“ geht dem mesanedi ma idiba voraus, wenn es noch dunkel ist; malongolongo „Dämmerung“ läßt den Abend Abend zur Nacht werden. Idiba “Morgen“ heißt die Zeit nach Tagesanbruch, rund 6 Uhr, bis etwa um 8 – 9 Uhr, wenn eololombe nicht mehr sichtbar ist und wei das heiße Regiment des mwese „Lichttags“ führt. Für die Mitte des mwese hat sich pond’ a kosi „Kanonenzeit“ eingebürgert, weil zu dieser Zeit an den Hafenplätzen Duala und Viktoria täglich ein Kanonenschuß den Mitt-Tag anzeigte. Wenn um 4 Uhr wei allmählich nachläßt und elolombe deutlich sichtbar wird, beginnt ebiamu „der Abend“; zwischen 6 und 7 Uhr bricht nach kurzer malongolongo herein bulu „die Nacht“.
Neben diesen Bezeichnungen drücken die Stämme im Nordwesten gewisse Tageszeiten oder -stunden mehr bildlich aus, z. B. die Bakwiri: ---
Westlich des Mongo (Fluß) Mongo hat jeder der 13 Mondmonate seinen besonderen Namen; auch das mag von der Vorstellung herrühren, daß nach Verschwinden des abnehmenden Mondes immer wieder ein ganz neuer Mond, Monat Mond hervorkommt. Wir geben im Folgenden die bei den Bakwiri gebräuchlichen Monatsnamen:
I. mayeli (Du. mesanedi) Jahr und Jahreszeiten Jahresanfang, kameruner Frühjahr (Oktober /November):
1. ekpe-mesinga „der dem Knarren Rufende“; die die Regenzeit abschließenden Tornado-stürme beginnen, welche die Bäume knarren und brechen machen (Okt);
2. mile mindene „große Stürme“, Haupttornadozeit (Nov);
3. mile misali „geringe Stürme“, Übergang der Tornado- in die Trockenzeit (Dez).
II. --- (Du. loe) „ Trockenzeit Trockenzeit, Sommer“ (Dezember – März):
4. esondje-mekoko „Stämmeaustrockner“; es wird Mitte der Trockenzeit, daher gibt es dürres und trockenes Holz;
5. mbandje (von bandja „versiegen“) „Austrocknung (aller Wasserläufe)“ (Jan);
6. etoma-matia „ Saat, -fest, säen, Samen Saatzeitanfang“, denn die Frühregen setzen ein (März); {5}
7. yosuse, pl. zu isuse „Akazienart mit langen Schoten“; ihre reifen Schoten platzen nun geräuschvoll und machen überall auf die Sträucher aufmerksam.
III: malimeli (von lima „verlöschen“) „Verdüsterung“, weil nun die Regenwolken wieder an den Himmel kommen; kameruner Herbst (April – Juni):
8. kitekite „Eile“ ist nötig, um die Aussaat in den Boden zu bringen (April);
9. efimbe-mea „es wirft die Hacken weg“, die nach der Aussaat nicht mehr nötig sind (Mai);
10. isofesofe „Bereitschaft“ auf bevorstehenden Regen Regen; auch tiefhängende Regenwolken werden so genannt (Juni).
IV. efufa „Regenzeit“; Winter (Juli – September):
11. veale (von veali, pl. zu yali „Blatt“, also) „Blätter“, die die Bäume unter dem vielen Regen fallen lassen (Juli);
12. mbo‘ a ndjoke „das Verderben, das Verderben durch Elefant Elefanten“; unter dem vielen Regen sehen die Farmen aus, als hätten Elefanten darin gehaust;
13. vekondondo „Hautschrunden“; vom vielen Naßwerden und Trocknen am Feuer wurde die Haut Haut rissig, und es entstehen leicht Schrunden.
Diese Monatsnamen sind also wie unsere altdeutschen dem Naturleben entnommen; sie fallen wie diese immer mehr der Vergessenheit anheim, denn sie stehen nicht in dem von allen so begehrten europäischen Kalender. Sie neu aufleben zu lassen und sie etwa gar bei anderen Stämmen einzuführen, wäre ein ebenso aussichtsloses Unterfangen wie der Versuch bei uns, die lateinischen Namen durch deutsche Bezeichnungen zu verdrängen. Diesem Urteil unterliegen auch die von Pastor M. Itondo vorgeschlagenen Monatsnamen: 1
Man meint, ein neuer Mond zwänge sich allmählich durch den unteren hindurch, bis er seine volle Gestalt zeigen kann: modi mu mate „der Mond stellt sich hin“ heißt es bei seinem ersten Erscheinen, dann mu manyaka „er wächst“, bis mu londa „er vollgeworden ist“ und man auch sagt: ebobok’ a modi e busi „der Vollmond ist herausgekommen“. Dann mu manyongo „nimmt er wieder ab“ bis mu bo „er vergangen“ oder mu nyongo „verschwunden“ oder mu dima „verloschen ist“; worauf sich nach acht Tagen ein neuer Mond „darstellt“. Die Ursache der mondlosen Nächte will untenstehendes Märchen vom Mondschaf erklären.
Mit den verschiedenen Mondphasen bringt man an der Küste auch die regelmäßig wechselnde Spring- (mudio mundene) und Nippflut (mudio musadi) in Verbindung.
Der Mond spielt im Geistesleben der Kameruner eine größere Rolle als die Sonne. Ngonde „die Mondscheibe“ strahlt modi 3 „das Mondlicht“ aus. Von diesem letzteren spricht man manchmal, wie wenn man dahinter eine Kraft oder gar ein Wesen vermutete, so z. B. wenn Kinder ihre Milchzähnchen Milchzähnchen ihm zuwerfen und sich neue erbitten.
Während die Sippenvorsteher am Neumondabend zu Loba beten, vgl. S. 126, 187ff., gehen Frauen, die in Hoffnung kommen wollen, zur Schöpferstelle, um sich ein Kind zu ‘schöpfen’, vgl. den Kindchensborn im germanischen Aberglauben; Frauen, die schon einmal Zwillinge Zwillinge geboren [haben], werden ermahnt, doch ja nicht nochmals Zwillinge zu schöpfen.
Die Bakwiri und andere Stämme scheinen den Mond wie eine Art Totem, Totemismus Totem zu verehren, er scheint früher mit dem Fruchtbarkeitskult verbunden gewesen zu sein. Die monatliche Regel der Frau drückt man aus: Amene modi „Sie nimmt den Mond wahr (mit dem Gesicht)“ oder, weil sich die Frau in dieser Zeit ihrer Unreinheit zurückhalten muß: Alo jene modi „Sie ging zum Mond auf Besuch“, und die Mutter hält beim neuen Erscheinen des Mondes ihren Säugling Säugling gegen den Mond und spricht: Schau, das ist dein Großvater! Auf welcherlei Kult diese Mythe, Mythenbildung mythologischen Äußerungen zurückgehen, ist wohl nicht mehr festzustellen. – Daß die Sonne ein Bursche, der Mond eine Jungfrau sei, habe ich in Kamerun nicht belegt gesehen, aber es ist mehr als wahrscheinlich, daß da geschlechtliche Anklänge bestanden; vgl.: Duala ngonde, in den Nachbarsprachen ngon „Mond“ als Scheibe am Himmel, Duala ngondedi, in den Nachbarsprachen ngondo oder ngon „Jungfrau“, in Duala und anderen Sprachen ngon „Tochter des..., Frau aus...“; {6} beachte auch, daß der Mann betet, gerichtet zum Monde, die Frau zur Sonne Sonne, vgl. S. 6. Andererseits ist also der Mond auch der „Großvater, nämlich der Himmel, Gott“, vgl. mbamb’ a lova der Bakwiri auf S. 2. Bei den gleichen Bakwiri und ihren Nachbarn gilt der Mond als „Schmied“, und man sagt: Mgbende e wonde vana „Der Mond schmiedet Kinder“, nämlich aus der Mutter Blut Blut. Von ihm stammt das monatliche Blut, vgl. oben. „Schmiedet“ er eine solche Blutportion magisch zum Kind und gibt solches in den Mutterleib, so wächst solches Blut zum Fötus und weitere Blutungen setzen nun aus. Von der hoffenden Frau sagt man: A endi wokuva o lova „Sie war zum schmieden Schmieden in den Himmel gegangen“; hat die Frau die Regel, so heißt es: Mulana a ene mgbende „Die Frau sieht (oder besucht) den Mond“; er hat ihr dann aber ungeschmiedetes Blut in den Leib gebracht. – Wie mweme „der Flughund Flughund“ auch iwonde (Kp.) „Schmiedchen“ genannt wird und sein Schrei als des Schmieds Hammerschlag und als ein für die Sippe günstiges Omen Omen gedeutet wird, ist auf S. --- gezeigt. Der Flughundschrei bei Nacht ist der in die Sichtbarkeit dringende Widerhall eines in der über- , unsinnliche Welt unsinnlichen Welt getätigten Vorgangs.
Diese Verbindung des Mondes mit menschlicher Fruchtbarkeit Fruchtbarkeit und die Bedeutung dieser Fruchtbarkeit im Denken der Primitiven bestätigt die Vermutung, daß Zahl Neun als die kultisch bedeutsame Zahl in Kamerun zurückzuführen ist auf die Beobachtung, daß die menschliche Schwangerschaftsperiode neun Monate beträgt, vgl. im Missionsmagazin 1932, S. 184ff. Ittmann, „Neun, die bedeutende Zahl der Kameruner“ [Evangelisches Missionsmagazin - Neue Folge 1931: „Neun, die wichtige Zahl im vorderen Kamerun“, S. 184–189].
Neben Glück und Unglück, -szeichen Unglück bei Geburt, gebären Geburten bringt man mit dem Mond auch allerlei Krankheit Krankheiten, besonders Erkältungskrankheiten in Verbindung. Der Mond ist für viele auch ein besonderes Zeichen (Omen) Zeichen, Omen. Am kameruner Himmel gleicht die Mond-„sichel“ Der Kameruner sieht im Neumond einen songa l’mode „Zahn des Mondes“.
einem Boot, dessen Kiel nach der Erde, dessen Bug und Heck nach oben gerichtet sind. Sind nun beide Mondhornspitzen gleich weit nach oben gerichtet, so ist das „Boot“ in ruhigem Wasser, die Lage ist ausgeglichen, günstig; vgl. wie auch bei Orakel solche Ausgeglichenheit gefordert ist, vgl. S. 157. Anders, wenn ein Horn das andere überragt; das deutet auf „stürmische Fahrt“; ein Macht, -mittel, -erlebnis Machterlebnis, vgl. S. 55aff., kündigt sich an. Daher auch die Bitte zum Monde, er möge freundlich zu dem Menschen sein, ihm nicht mit Krankheiten kommen. Während die Frau „den Mond sieht“ – es muß ja nicht gerade am Neumond sein –, ist sie tabu; aber auch der Neumondabend ist tabu, es soll feierliche Ruhe herrschen, und der Bedrückte wendet sich an Gott um Schutz und Rache.
Ein „Hof“ um den Mond modi mu bin krto [?] gilt als Zeichen, daß ein großer Mann, ein „ Gefüllter Gefüllter“ irgendwo stirbt. Dieser Sterbende stellt den „Hof“ als sein Nagual, Nagualismus = Individualtotemismus Nagual um den Mond. Auch das Verhüllen des Mondes durch leichte Nebelwolken ist, wie Nebel Nebel überhaupt, das Werk von Unholden.
Sonnen- und Mondfinsternisse werden kaum beobachtet, wenn aber doch, so sagt man, daß mbaki „Nebel“ Sonne oder Mond verdecke, ebenfalls verursacht durch Leute, die vorgeben, Sonne Sonne oder Mond als Totem zu „besitzen“; vgl. auch S. 89ff.
Die hellen Mondnächte sind beliebt. Beleuchtet vom nächtlichen Himmelslicht genießt man die Kühle des Abends im Hofe bei Erzählen und Tanz Tanz und manchmal auch zum Nächtigen, wenn es in den Hütten zu heiß ist; die Fruchtbarkeitsfeste auf der dibala dibala sind natürlich auch im Mondenschein gehalten, und gerne nützt man ihn als Reiselicht.
Wie sehr der Mond in der Gedankenwelt der Kameruner eine Rolle spielt, zeigt folgende Mythe der Barombi, die den Vollmond auch „ Schaf Schaf“ nennen; da die kameruner Schafe meist rehbraun und immer kurzhaarig sind, liegt nicht in dem weißen Wollpelz des Schafes der Vergleichspunkt:
„Vom Mond erzählt eine aus alter Zeit überlieferte Geschichte, daß der Mond früher nächtlicherweise häufig in seinem vollen Glanze auf die Erde heruntergekommen sei, um Plantenschalen auf den Abfallhaufen hinter den Häusern zu verzehren. In einer Nacht fraß dieses ‘Schaf’ auch wieder einmal auf dem Abfallhaufen des Dorfvorstehers. Als der das fremde Schaf sah, wurde er zornig und befahl, daß seine Leute es sofort fangen. Sie brachten es, legten ihm einen Strick um den Hals und banden es an den Hauptpfosten im Hause des Dorfvorstehers an, damit es nicht wieder entlaufe. Da freute [er] sich männiglich mit dem Häuptling, und dieser ordnete an, daß am Morgen alle Leute auf das Feld gingen, um Planten zu holen, denn anderntags solle {7} ein großes Tanzfest stattfinden, dabei solle das Schaf geschlachtet und mit den Planten verzehrt werden. Der Häuptling stellte auch einige junge Leute als Wächter vor des Hauses Türe, die er sorgfältig verschlossen hatte. Aber trotzdem löste sich gegen Morgen die Schlinge an des Schafes Hals, das Schaf verschwand geheimnisvoll und zog sich in den Himmel zurück, ohne daß die Wächter merkten, wie das geschah; und niemand sah es mehr. Am Morgen erfuhr auch der Häuptling von dem Verschwinden des Schafes, und er wurde zornig, doch konnte ihm niemand sagen, wohin das Tier gekommen war.
Seitdem kam der Mond nimmer auf die Erde, und doch nennt man den Vollmond noch nlonge nkembe ‘Schaf’ bis auf den heutigen Tag.“ Mythe, Mythenbildung
Nach anderer Überlieferung ist es nach Einsperren des Schafes finstere Nacht geworden, und weil der Mond nicht am Himmel verschwinden konnte, wurde es auch nicht Tag. In solcher Finsternis wurde dem Häuptling und seinen Leuten doch bange, und sie gaben schließlich dem Schafe die Freiheit wieder. Es ging alsbald als Mond zum Himmel und der Tag brach an.
Märchen Märchen nach Bakwiri-Version: Warum der Mond erscheint und wächst
Vor langer, langer Zeit pflegte der Mond in Gestalt eines sehr großen Schafs der Erde regelmäßige Besuche abzustatten. Es nährt sich dann von Bananenschalen, die man auf den Abfallhaufen hinterm Hause geworfen [hat]. Eines Tages legte ein Jäger diesem Schafe eine Schlinge, tötete es und trug es nach Hause. Dort trocknete des Jägers Frau ein Stück des Fleisches und hob es in einer mokowe „Rindenschachtel“ auf der Darre überm Feuer auf; das übrige Fleisch aßen sie miteinander.
Von der Nacht aber, da das eigentümliche Schaf getötet worden war, tagte es nimmer; es blieb immer dunkle Nacht. Auch fiel kein Regen mehr, und eine Hungersnot kam auf, der immer mehr Leute zum Opfer fielen. Da kamen alle Dorfältesten des ganzen Landes zusammen, um herauszufinden, was die Ursache der üblen Umstände sei. Als sie lange hin- und hergeredet hatten, sandten sie zur Vogelspinne, vgl. S. 158f., um Auskunft zu erhalten. Die gab den Bescheid, daß der Tod des geheimnisvollen Schafes den Untergang der Leute hervorgerufen [habe]; denn das Schaf sei der Mond gewesen, der Licht bei Nacht und Regen und Fruchtbarkeit Fruchtbarkeit der Erde gäbe – als Bote der Ahnenschatten. Nun sollten sie im ganzen Lande suchen, ob nicht noch ein Fleischstück von dem Schafe zu finden sei; das sollten sie dann auf die Stelle werfen, wo das Schaf getötet worden war.
Die Frau hörte von diesem Rat und warf den getrockneten Schenkel auf ihren Abfallhaufen. Nicht lange danach wurde es wieder hell auf Erden. Aber von da ab kommt der Mond nicht mehr als Schaf auf die Erde herunter, sondern läßt sich nur ganz von weitem am Horizont sehen, und zwar beginnt er ganz sachte als ein kleines Licht, wächst dann aber zum Vollmond heran, um wieder geheimnisvoll zu verschwinden. Schaf
Wie man bei der Sonne zwischen dem Himmelskörper und dem Schein unterscheidet, so auch beim Monde; als Phänomen ist er ngonde „Scheibe, Mond“; die Wirkung der Scheibe, das „Mondlicht“ heißt modì, auch für „Monat“ verwendet. Mond, Monat
Die 13 „Monde“ zusammen bilden mbu 3 „das Jahr“, das aber durch den großen Regen Regen deutlich in zwei Hälften zerlegt wird. „Regen“ heißt mbua 9 vom alten -bula „Regen, Gottheit Gottheit, Wasser Wasser“ und mbu „Jahr“ ist wohl gleichen Stammes. Man sagt: Mbua e mayole „Regen(-gottheit) tröpfelt“, d. h. es regnet.
Die HauptjahreszeitenIn den verschiedenen Landschaften hat man verschiedene Zeichen zur Zeitbestimmung. So zeigt z. B. das Blühen des --- „Tulpenbaumes“ den Bakosi, daß die Regenzeit zu Ende geht. Der See Ebuoge auf dem Manenguba, vgl. S. ---, gibt manche Zeitbestimmung, z. B. erscheint die Kohlart ekwaged im See (Monat Mai), so sind es noch 2 – 3 Monde bis zu dem großen Regen; im Juli und August, also in der ärgsten Regenzeit, werden dort nte gefangen und gegessen. Im September erscheinen die sone und geben das Zeichen zum Säen des Mais, denn die Regenzeit ist zu Ende. Im übrigen vgl. Ittmann „Zeichen und Zeiten der Kameruner“ im Miss. Mag. 193, S. ---ff. [„Zeiten und Zeichen im vorderen Kamerun“, Evangelisches Missionsmagazin 1930, S. 213ff.]
sind loe 5 „ Trockenzeit Trockenzeit“ und epupa epupa 7 (von pupa „überfluten, überbrodeln“) „Regenzeit“. Beide Zeiten werden durch Übergänge eingeleitet: Mesanedi ma mbu, vgl. S. 4, „Anbrechen, Sich-öffnen des Jahres“ und mingea (von ingea „hineingehen“) ma mbu „Eingänge des Jahres“, d. h. das Jahr geht wieder ein, nämlich in die Unsichtbarkeit des ndimsi. So wäre also die ursprüngliche Vorstellung: Das alte -bula besteht aus zwei Abschnitten: 1. im ersten Teil kommt es heraus, bricht als mesanedi ma mbu an, wird zum mbu, dessen Höhepunkt ngandambu [ngand’a mbu ?], vgl. u., ist und klingt in mingea ma mbu aus. Ist so mbu eingegangen in die unsinnliche Welt, so kommt es 2. als mbua „Regen“ wieder. Die Regenzeit schafft Flut und Düsterkeit, bis nach etwa 2 – 3 Monaten mbua e mate „der Regen sich stellt“, d. h. „aufhört“. So wird deutlich, wie dem Kameruner „der Regen“ nicht nur das Regenwasser ist, sondern daß dahinter noch etwas anderes waltet. Die dem alten Bantu -bula verbundenen Assoziationen: Regen, Gott, Wasser klingen dem Kameruner in mbu und mbua etwas an. – Die Teilung des Jahres in zwei Hälften wird im Süden stärker empfunden als im Norden; das hängt wohl zusammen mit der kleinen Regenzeit, die sich dort im März/April von der großen Juli – September abhebt; im Norden sieht man den Jahreszyklus mehr als ein Ganzes an, die dortigen 13 Monatsnamen deuten schon darauf hin Zeit, vgl. auch Jahreszeiten . Jahr und Jahreszeiten
Die Stern Sterne, Du. ngengetì (bei den anderen Stämmen verschiedene Bezeichnungen), spielen im kameruner Denken eine recht bescheidene Rolle, und die Meinung, daß alle Religion, vgl. auch Synkretismus Religion ursprünglich vom Sternendienst ausgegangen sei, findet hier keinen rechten Grund. Die Sterne zu zählen ist tabu, wie das Zählen einer Kriegerabteilung oder der Sippenmitglieder. Es wäre aber wohl keine besondere Enthaltungsvorschrift in diesem Stücke nötig gewesen, denn der Rechendrang ist nicht groß im Lande. – Ein Unterschied zwischen Fixstern und Planet wird nicht gemacht; fällt einem doch einmal ein Planet durch Stellung und Glanz besonders auf, so ist ihm das das Werk von ekong ekong- Hexe, -rei Hexen. Man kennt nur sehr wenige Sterne und Sternbilder mit Namen. Der bekannteste ist die Venus Venus; man weiß aber wie auch sonstwo nicht, daß Abend- und Morgenstern die gleiche Venus ist. Als Abendstern heißt sie sombe und gilt als Frau, Begleiterin des Mondes, die sich ihm nähert und ihn wieder verläßt. Als einsamer Morgenstern heißt sie „das Beschauende“, nämlich die langsam aus dem Schlafe erwachende Erde und ihre Bewohner. Weil auch bei ihnen „Morgenstund Gold im Munde hat“, d. h. sie sich das Vorbild des Tausendfuß >Tausendfuß zu Herzen nehmen: Londo le nde idiba „Morgens muß man reisen“, so ist der Morgenstern auch das Zeichen des Aufbruchs: Er schaut den Krieger, der sich aufmacht, ein Dorf zu überfallen, die Jäger, die in den Busch gehen, die Reisenden, die zu langem Marsch oder Kanufahrt aufbrechen, die fleißigen Ackerbauern, die
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[auf Rückseite von S. 7 zwei nicht zuzuordnende handschriftl. Notizen: 1. nsonge ntintine „der herunterhängende (nämlich ein) Stern“ ist ein sehr hellglänzender Stern. 2. Farben: Schwarz: Anstrich aus Ruß, besonders Harzruß; Eingraben in Moos Gelb: Absud der inneren Rinde der Alstonia Congensis, Du. bokaka Rot: iledi Weiß: pembe]auf entlegene Äcker eilen. – Die Plejadengruppe trägt den Namen bana ba nyue, Ko. mwa nyue „Waisenkinder“; sie haben ihren Vater verloren und hocken nun ängstlich beisammen, denn sie haben keinen Helfer. – Den flimmernden Kanopus nennen die Bakosi mit dem Namen für eine Grillenart, denn sein Flimmern vergleichen sie mit dem aufgeregten Flügelschlag dieses Insektes. – Sonst ist der Versuch kaum gemacht [worden], Sternbilder zu entdecken, d. h. Figuren am Himmel zu sehen, zusammenzuschauen; hier unterscheiden sich die Kameruner sehr von den Orientalen. Immerhin sind kleine Ansätze dazu vorhanden: Der Aronsstab im Orion ist ihnen ein mwendi m’ ewondo Bulu nkel ovon „Beilstiel“ ist β, α,η,γ in der Kassiopeia.
„Beilstiel“. -tole heißt vielleicht „Sternbild“ im allgemeinen; jedenfalls bezeichnet man damit das Sternbild, das für ihr wirtschaftliches Leben von Bedeutung ist, den Orion, und zwar seine fünf Hauptsterne, die den mwendi m’ ewondo umgeben; genauer bezeichnet man den Orion auch als tol’ a ndjou „Elefanten- (d. h. großes) Sternbild“, den Großen Hund als tol‘ a moto „Menschen- (d. h. mittleres) Sternbild“ und das südliche Kreuz als tol’ a wuba „Hühner- (d. h. kleines) Sternbild“. Wenn tole im kameruner Frühjahr (Oktober/November) am östlichen Abendhimmel erscheint, so zeigt es an, vgl. S. 57 a und b, daß die Feldarbeit Feldarbeit zu beginnen ist. – Eine Sternschnuppe heißt ngenget’ a sombo „Stern der Raubehe“; sie ist ein Zeichen (Omen) Zeichen, daß eine Frau ihren Mann verläßt oder die väterliche Sippe, um sich ohne Ehevertrag einem Mann zu verbinden; vgl. „Ähnliches wirkt auf Ähnliches und bewirkt Ähnliches“ auf S. 47c, 131ff. So ist die Sternschnuppe wie der „Hof um den Mond“ ein schlimmes Omen Omen; die Schnuppe zeigt zugleich die Richtung an, wo sich der Todesfall bzw. die Untreue ereignet. Andererseits ist die Sternschnuppe gleich dem Herauswerfen eines Gegenstandes aus der Hüttentüre. Solches geschieht nur in tiefer Gefühlserregung und zwar als Äußerung des Zorns oder der Freude; so kann die Schnuppe auch in diesem Punkte als günstiges oder übles Omen gedeutet werden; bezüglich der Aufnahme des Sterbenden in die über- , unsinnliche Welt unsinnliche Welt; scheint sie rötlich, so ist das Blut Blut und zeigt, daß der Sterbende beim Eintritt ins Jenseits Schwierigkeiten hat, weißlicher Schimmer verheißt ihm friedvolle Aufnahme.
Mit ngengeti „Stern“ bezeichnet man auch das Glühwürmchen, das nachts unterwegs ist und wie ein Stern im Dunkeln leuchtet. Stern
Komet Kometen beeindrucken auch das kameruner Gemüt sehr; sie sind „Sterne, die einen Schwanz haben“. Solch außerordentliche Erscheinung kann auch nur Außerordentliches, Großes bedeuten; und was könnte es Schlimmeres geben, als das Sterben eines Großen oder ein großes Sterben! Der Große ist bereits gestorben, aber sein Tod noch nicht bekanntgegeben worden, vgl. S. ---, doch kraft seines magischen Besitzes stellt er öffentlich solches Zeichen am Himmel auf.
Neben diesen siderischen Lichtquellen ist auch zu reden von mweneni [?], dem seelenkrafthaltigen Etwas, mit dem gesehen wird, d. h. „ Licht Licht, Helligkeit“. Eine physikalische Erklärung für das Licht hat man nicht; etwas das panya „strahlt, glänzt, leuchtet“ erzeugt mwaye „Strahl, Schein“ und bewirkt „Licht“: Daß man für Sonnen- und Mondlicht andere Namen hat als für die bezügliche Lichtquelle ist schon gesagt. – Allgemein wird das Licht, das Klare als angenehm empfunden, im Gegensatz zur mwitíti „ Finsternis Finsternis“ und bulu „ Nacht Nacht“, dem Reiche dunkler Mächte und Kräfte. Der wolkenlose Tageshimmel loba, die sternenklare Nacht sind harmlos, sie zeigen ja keinerlei Omen. Das Lichte, das Helle ist daher die Farbe der Unbelastetheit, der Unschuld und daher der Harmonie und des Glücks.
Für Farbe Farben sind eigentlich nur drei Ausdrücke vorhanden: sángà Sángà „weiß, hell, rein, lauter werden“ mit der Nebenbedeutung „unbelastet, frei von bösen Einflüssen und daher auch Ausflüssen, frei von Schuld sein“; winda „schwarz, dunkel werden“ mit der Nebenbedeutung „behaftet sein mit Ungutem“Wenn ein Opfer den Zweck hat, finstere Gewalten niederzuhalten, wie bei den mbando-Steinen oder am Ebuoge-See, vgl. S. ---, so nimmt man Tiere von schwarzer Farbe, das Schwarze soll alles Ungute „zudecken“, denn sieht man es nicht mehr, so wirkt es auch nicht mehr.
, auch „grün“ wird mit winda bezeichnet; ola „rot, gelb werden“ mit der Nebenbedeutung „reif werden“, zugleich ist es Ausdruck der Freude, vgl. etedi auf S. ---. Die helle Farbe ist auch Zeichen eines anderen Zustandes, da man in Verbindung steht mit der unsinnlichen Welt; daher die Initianten der Kult, -bund, vgl. auch Geheimbünde Kultbünde, die ja von Dämonen Dämonen besessen sind, sich weiß anstreichen; mengu „Wassergeister“ und bedimo „Hadesgeister“, wie auch die „Himmelsmenschen“ sind hellfarbig, kein Wunder, wenn auch die minanga „Hellfarbigen, Europäer“, zu bakala „Überlegenen“ wurden. In manchen südlichen Gegenden bestreicht man auch die Witwen, vgl. auch Trauer Witwen in der Trauerzeit mit weißer Erde; sonst ist aber schwarz die eigentliche Trauerfarbe, die Farbe der unrein unreinen Behaftung.
Hat man so auch zunächst nur drei Farbnamen, so beobachten sie doch mit dem Auge mehr Farbunterschiede. Das merkt man am besten, wenn sie bunt-
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[eingeklebter Zettel auf Rückseite von S. 8: Erdbeben soa la minanga sind beim Kamerun-Berg häufiger als sonstwo. Der Name ist Europian made. Eine Erklärung für das Naturereignis hat man nicht. Epas’ a moto hat man [?] bewegt [?].]farbige Kattunstoffe einkaufen und tragen. Dem Mangel an Farbbezeichnungen wird auf allerlei Weise abgeholfen: einmal durch Beifügung sogenannter Lautbilder Lautbilder, wodurch man Ausdrücke wie: knallrot, blütenweiß, kohlschwarz u. ä. wiedergibt; oder indem man einen Farbträger zur näheren Erläuterung herbeizieht, z. B. schwarz wie Gras = grün, rot wie Gold = goldfarben u. ä., oder man nimmt den Namen eines Objekts zur Bezeichnung seiner Farbe, z. B. dibono „mit Palmöl angerührter Erbsenbrei“, übertragen: „hellgelb“, dipumbwe „spröde, graue Haut Haut nach dem Baden oder im Alter“, übertragen: „grau“ u. a. Farbe
So ist es wenig, was man über die astronomischen Kenntnisse erfahren kann; vgl. auch Ittmann, Zeichen und Zeiten in Kamerun; Missionsmagazin 193, S. ---ff. [„Zeiten und Zeichen im vorderen Kamerun“, Evangelisches Missionsmagazin 1930, S. 213ff.]. Astronomie Astronomie geht über des Kameruner Horizont; Veränderungen am Himmel sind Werke der Magier oder Omen Omen aus der übersinnlichen Welt.
Obwohl in dem Lande altvulkanische Gebiete sind und der große Kamerunberg Kamerunberg immer wieder einmal ausbricht (z. B. 18--, 1909, 1922), sind Erdbeben Erdbeben, obwohl mit den Ausbrüchen verbunden, relativ selten und haben meist keinen großen Radius. Selbst die Bakwiri, die doch auf den unteren Hängen des vulkanischen Berges wohnen, haben noch nicht einmal eine spezifische Bezeichnung für Erdbeben; man spricht wie sonstwo von „Erschütterungen des Erdbodens“. Man hat auch sonst keine andere Erklärung dafür, als daß die Geister Geister, Ahnengeister oder andere diese Erschütterungen hervorbringen. Um den Kamerunberg soll der Epas’ a moto „längsgeteilter Mensch“, ein mystisches Wesen, das halb Mensch, halb Stein, auf dem Berg sein Wesen hat, solche Erderschütterungen hervorbringen, wenn es unwillig geworden ist und die Menschen schrecken will, vgl. S. 47f., 109.
Für „Wind“ gibt es zwei Ausdrücke: Ngo heißt auch „ Luft Luft“ und „Kälte“, und weil die Malaria meist mit Kälte und Schüttelfrost beginnt, auch „ Fieber Fieber“. Bei diesem Wort ist also weniger an bewegte Luft gedacht als an das von ngo hervorgerufene Kältegefühl. Ngo nindene „großer Wind“ ist Ausdruck für „ Sturm Sturm“ und ngo a bulu „Nachtluft“ bezeichnet „Kälte“; ngo a mbenge „Wind aus dem Tiefland“ ist „Seewind“ im Gegensatz zu dibongo „Landwind“. In manchen Bantusprachen ist das Wort für „Wind“ und „Hauch“ und dem seelischen Teile des Menschen, „ Seele, vgl. auch Lebens- und Schattenseele Seele, Geist“ gleich. Daß das früher auch im Duala der Fall war, ist darum zu vermuten, weil die drei Bezeichnungen lautlich gleich sind; doch in dem für die Kamerunsprachen so wichtigen etymologischen Ton unterscheiden sie sich: Mudi, pl. myudi?? im Süden und sonst ukulu.
„Sturm, Gewitter Gewitter, Tornado“; mudì, pl. myudì „Hauch“, wie er aus Menschen- oder Tiermund oder gar als körperliche Ausdünstung im Tiefland selten zu sehen ist, und „ Dampf Dampf“, wie er bei Verdunsten des Wassers entsteht; mudi, pl. midi „Lebensseele“, vgl. S. 44ff, 76 – 98; alle drei zur 3./4. Klasse gehörig. Hier interessiert uns nur der Ausdruck mudi „bewegte Luft“, besonders, wenn sie als Sturm und Tornado im ersten Teile eines Gewitters durchs Land rast; mudie mu matomba „ein Sturm geht vorbei; es gewittert“; mu munga „er schwillt an, tobt“. Die Stürme erregen das Gefühl des Kameruners, und er fragt nach der Ursache solchen Macht, -mittel, -erlebnis Machterlebnisses. Man hat dafür zwei Antworten: a) sie sind aus unbekannten Gründen verursacht durch die ekong ekong-Hexen, vgl. S. 91ff. und Ittmann, der Kupe im Aberglaube der Kameruner, Evang. Heidenbote 1931, S. --- [„Der Kupe im Aberglauben der Kameruner“, Der Heidenbote 1930, S. 77–113]. Wenn solche Hexe, -rei Hexen von ihren Versammlungen auseinandergehen und sich um ihre Schicksalspäckchen streiten, sausen sie durch die Luft und erregen dadurch den Sturm, knicken Bäume, brechen Äste, führen das Anschwellen der Bäche und Flüsse herbei und lassen von steilen Bergen ein Stück abrutschen: Lauter Umstände, die den Menschen in Gefahr bringen. Die dabei Verletzten stehen in besonderem Gefahrenzustand, und die so Umgekommenen sind besonders tabu, vgl. S. ---. Droht ein solcher Tornado mit schwarzen Wolken, so tritt der Ältester Älteste wohl vor sein Gehöft, spuckt aus und spricht den Wunsch: Sturm, gehe bei mir vorüber und tobe dich sonstwo aus; ich habe dich nicht gerufen und habe nichts mit dir gemein; gehe in ein Land, wo böse Menschen wohnen! Darauf soll sich das Gewitter verziehen. Ist der Sturm aber ausgebrochen, so nimmt man die Sprechtrommel und trommelt, was die Schlegel hergeben, schießt auch seine Donnerbüchse in die Luft entweder im Hof oder im Haus durchs Dach und glaubt, auf diese Weise die Unholde abschrecken zu können; b) sie sind verursacht durch „ Geister Geister, Schatten {10} oder Dämonen Dämonen“, die wild erregt sind. Darum gibt es allerlei Tabu-Regeln, deren Nichtachtung die unsinnliche Welt erregt, was sich im Gewittersturm äußern kann. So ist es z. B. tabu, auf der See im Kanu zu pfeifen (Pfeife, Flöte) pfeifen, vgl. S. 61f., an verrufenen Stellen auf dem Lande oder am Wasser, vgl. S. 50ff., mit Gewehr, vgl. auch ngad’ a mudumbu Gewehren zu schießen, auf den den Ahnen geweihten Plätzen mit Eisen Eisen zu hantieren. So muß man z. B. auf dem Manenguba Manenguba mit Eisen beschlagene Stöcke über Stellen, wo der Fels bloß liegt, waagerecht oder umgekehrt tragen; die Stockspitze oder der Lauf eines Gewehrs darf den Stein nicht berühren u. ä. Wird das nicht beachtet, so antworten die übersinnlichen Mächte mit Sturm. Und was so im Sturm von Hexen oder Geistern beschädigt wird, ist streng tabu und wird, wenn es Sachen sind, nicht mehr berührt, oder, wenn es sich um Menschen handelt, nicht besonders behandelt; der Schatten eines so Umgekommenen geht nicht in den Hades, sondern in den Himmel; d. h. aber: Früher wurde er nicht beerdigt; man ließ ihn liegen, und war das in der Nähe einer Siedlung, so wurde sie verlassen. Um 1910 waren die Dächer zweier Rundhütten des Häuptlings von Ekante-Belung am Manenguba vom Sturm abgehoben und jenseits einer Schlucht niedergesetzt worden. Dort blieben die fast unbeschädigten Dächer liegen, bis sie nach Jahren verrottet waren. Denn die Unholde hatten die Dächer berührt, und es wäre für Menschen verhängnisvoll gewesen, sie zu entfernen oder gar weiter zu benützen. Der Eigentümer jener Hütten war nämlich okkulter Weise bei einer Versammlung der ekong-Hexen am Ala de ngum „Allmachtsfelsen“ des Berges gewesen und hatte beim Erraffen der Schicksalspäckchen ein sehr gutes erwischt. Als die anderen das gemerkt [hatten], hatte sich die ganze Meute auf ihn gestürzt, um ihm sein Gut zu entreißen. Im Sturm ging der tolle Wettlauf durch die Luft und gerade konnte des Häuptlings ekong noch in die schützende Hütte schlüpfen, da war auch schon das wilde Heer herangebraust und, weil die Tür verschlossen und durch magische Abwehrmittel geschützt war, kühlte es sein Mütchen, indem es die beiden Dächer abhob und jenseits der Schlucht warf. Sturm
Gewitter Gewitter gibt es fast nur in der Tornadozeit, die die Regenzeit ein- und ausleitet. Der dazu gehörige Sturm ist vorstehend beschrieben; bleiben noch Blitz Blitz und Donner Donner, welche beide im Denken der Kameruner nicht wie Ursache und Wirkung vereint sind. Denn man sieht beim Wetterleuchten Blitze und hört keinen Donner; einmal sind Blitz und Donner ganz nah beisammen und dann wieder lang getrennt. Blitz und Wetterleuchten heißt motemote; Verdoppelung des Wortstammes vom motele „aufflammen machen; entzünden, anzünden“ und motomeye „sich selbst aufflammen machen“, d. h. von den Augen „blinzeln“, vom Blitz „blitzen“. Es nimmt nicht wunder, wenn auch der Blitz totemistischer Wirkung der ekong- Hexe, -rei Hexen zugeschrieben wird, besonders wenn er gelegentlich einen Menschen oder Baum erschlägt oder eine Hütte in Brand setzt. Die Kraft des Blitzes glaubt man in einem kleinen schwarzen Stein Stein, genannt ndjolandi ndjolandi Ob ndjolandi entstanden ist aus ndjo e landí „der Leopard steigt hoch, klettert“? Jedenfalls hängt es etwas mit dem Leopard und seiner magischen Kraft zusammen (vgl. das Bakosi ngokume auf S. 92f.), denn auch die lähmende Kraft, die im Blicke des Leoparden liegen soll und den Menschen so erschreckt, daß er weder schreien noch entfliehen kann, heißt ndjolandi.
, Ko. ngin, inkorporiert, vgl. S. 262. Man kann ihm am Orte, wo der Blitz einschlug, nachgraben. Freilich kann das nur ein Machtgeladener, denn für andere ist der Platz tabu. Der Stein ist von Medizinmännern sehr gesucht; zerrieben und mit anderen Machtmitteln vermischt, mehrt er deren Wirkung (+); meist werden sie innerlich verwendet.
Wo der Blitz eingeschlagen [ist] oder gar ein Dorf eingeäschert hat, muß man den Platz wechseln, denn ndjolandi würde alles Leben verderben; es ist dann Aufgabe des sango a mboa „Heimstattvorstehers“, mit Hilfe eines Machtgeladenen einen anderen Platz zu finden. So darf auch ein Baum, in den der Blitz geschlagen [hat], nicht als Feuerholz verwendet werden.
Würde jemand, der ungesichert ist, über einen vom Blitz getroffenen Platz schreiten oder gar dort wohnen, bevor der Ort durch Wegnahme des Blitzsteins beruhigt ist, so würden ihm die Füße und der Körper schwellen. Wer solche Kraft des Blitzes entfernen kann, mag sie sich auch aneignen und dann numea moto nupepe ndjolandi „einem anderen die Blitzkraft anstechen“, so daß er lähmende und schwächende Schmerzen ins Bein bekommt. Blitz
{11} Der Donner hieß ursprünglich ngadì; als man aber Gewehr, vgl. auch ngad’ a mudumbu Gewehre einführte, die einen donnerähnlichen Schall erzeugten, nannte man sie auch ngadi und nannte zum Unterschied davon „Donner“ ngad’ a loba „Himmelsgewehr“. Vom Donner oder Gewehrschuß sagt man „er redet“, d. h. „es donnert“; hört man Donner, ohne daß der Blitz sichtbar wurde, was besonders unter dem dichten Wolkenschleier des Kamerunberges vorkommt, so sagt man: Loba di madoma „Der Himmel, vgl. auch Loba, Firmament Himmel brüllt“.
Will man auch nicht wirklich ein „Sprechen“ des Himmels aus dem Donner hören, so doch Mythe, Mythenbildung mythologisch. Man erzählt: Der „große Himmel“, vgl. Stein- und poröser Himmel auf S. 2, werde von Zeit zu Zeit über das arge Treiben der Menschen sehr böse und beschließe in seinem Herzen, hinabzufahren und alles Irdische unter seiner Schwere zu begraben, weil es zu arg sei auf Erden. Und wenn er so seine gewaltige Stimme erhebe und brülle, da donnere es mit lautem Krachen, und er spräche zu dem „kleinen Himmel“ unter sich: „Mache Platz, daß ich hinunterfahre und alles Menschliche zermalme!“ Diese gewaltigen Donnerschläge aber wechseln mit leichterem Gepolter ab. Dies ist die Stimme des „kleinen Himmel“, der zu seinem Alten sagt: „Tu’s nicht, bleib oben, ich ergötze mich immer wieder an dem lustigen Treiben der Menschenkinder da unten, und ich möchte weiter zusehen, wie sie es machen“. Darauf verklingt allmählich die Stimme des zürnenden Alten, und die Bäume strecken sich gen Himmel, als wollten sie dem „kleinen Himmel“ danken für sein gutes Wort. – In Ittmann, die Sprache der Nyang (Zeitschrift für Eingeborenensprachen, Band ---) [„Kenyan, die Sprache der Nyang“; Zeitschrift für Eingeborenensprachen; Band XXVI; 1935/1936; S. 2–300] ist auf S. --- ein Märchen der Banyangi berichtet, wonach im Donner der Zorn des Himmels zum Ausdruck komme, darüber, daß seine Tochter, die er der Erde in die Ehe gegeben habe, wegen schlechter Behandlung gestorben sei. Der Himmel wolle herabkommen und mit der Erde streiten, aber die Bäume halten ihn zurück. Donner
Über den Regenbogen Regenbogen laufen zwei verschiedene Erklärungen um: Im Süden ist er das Maul eines gewaltigen Tieres, das das im Gewitter Gewitter drohende Verderben verschlang, oder auch: Er ist der leere Rachen des verderblichen Tieres, das in Sturm und Wetter drohte, alles Leben auf Erden zu vernichten. Regenbogen heißt hier nyungu, ein Wort aus der Tierklasse. Neben dieser mythologischen Erklärung macht auch der Totemglaube seine Ansprüche geltend, besonders im Norden. Dort haben die ekong ekong-Besitzer, vgl. S. ---, den Regenbogen in ihrer totemistischen Gewalt. Wenn sie o nongo bema „Vermögen zu holen“ in den Himmel gehen wollen, wo Reichtum Reichtum und Macht zu haben sind, stellen sie den Regenbogen (jede Hexe, -rei Hexe hat also ihren eigenen) heraus. – Weil der Regenbogen weder Unheil anrichtet, wie etwa der Blitz, noch erschreckt, wie etwa der Donner, so fürchtet man ihn nicht gerade, aber er erweckt doch ein ungemütliches Gefühl. Man weiß, er ist Hexenwerk, und man sieht ihn nicht gern. Im Gebirge sieht es aus, als ob das eine Ende des Regenbogens in einem Tal oder [einer] Schlucht steht, und man vermutet den Besitzer dieses Regenbogens in jenem Tal wohnend. Im Norden hat fast jeder Stamm einen anderen Namen für den Regenbogen, z. B. ---. Regenbogen
Nebel Nebel, Wolken Wolken, Regen Regen. Auch mbaki, Du. mba, „Nebel, Harmattan [NO-Passatwind] , niedrige helle Wolken“ ist ein Gebilde, das die Unholde erzeugen, sei es, daß es in der unsichtbaren Welt erwirkt ist, wenn etwa die Dämonen oder Geister einen, der an einem verrufene Orte verrufenen Platze frevelt, in Nebel einhüllen, um ihn zu verwirren und irrezuleiten, so daß er umkommt; sei es, daß ein Machterfüllter den Nebel erzaubert hat. Ein solcher kann das tun, um sich von Feinden nicht sehen zu lassen, oder er hüllt andere in Nebel ein, damit sie nicht sehen; vgl. die altgermanische Tarnkappe.
Auch die Wolken bezeichnet man oft als „Nebel“, besonders die lichten. Dunkle Wolken sind diwindi 5, ma- „Schwarzes“ oder diwindiwindi „ganz Schwarzes“, von winda „schwarz werden“. Sie sind ähnlich gewirkt wie der Nebel, nur treten sie nicht mit Menschen schädigend oder helfend in Berührung, weil sie immer hoch oben am Himmel sind. Rote oder gelbe Wolken sind „ Blut Blut“ und als Omen Omen zu beachten; sie zeigen, daß ein schweres Unglück, -szeichen Unglück droht. Früher wurde in vielen Stämmen bei rotem Abendhimmel gewarnt, daß am nächsten Tage niemand einen Baum besteigen oder mit Waffen oder scharfem Werkzeug umgehen solle, weil sich „Blutverlust“ oder ein anderes Un-
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[Eingeklebter Zettel mit handschriftlichen Notizen: Geographische Kenntnisse: Solche Begriffe sind spärlich. Daß es Länder gäbe, die irgendwer von ihnen noch nicht bereist [hätte,] hält man nicht für möglich. Im übrigen macht sich jeder seiner Geographie zurecht. Wer noch nicht aus dem Dorf gekommen [ist], wie Frauen, [weiß] wenig über [sein] eigenes Land.]glück angemeldet habe. – Im Mai 1931 trat ich vorm Rasthaus Ndinikum im Grasland zu meinen Trägern und machte sie auf die Pracht des tropischen Abendhimmels aufmerksam. Die aber wehrten ab und sagten: Herr, das sehen wir nicht gern; morgen droht uns ein Unglück! Und keiner sah hin, denn keiner wollte ein Macht, -mittel, -erlebnis Machterlebnis haben.
Auf S. 2 ist gesagt, daß man über dem „oberen“ Himmel ein Meer Meer vermutet, aus dem der Regen komme. Trennen sich an diesem Steinhimmel die Steine, so fällt der Regen durch und durchsickert in Tropfen den „unteren“ porösen Himmel. – Zauber zur Herbeiführung von Regen ist im Waldland nur selten nötig, es regnet ja genug. Aber um einem Feinde eine Sache zu verderben, greift man gelegentlich zur Kunst des Regenmachens, vgl. S. 147. Öfters aber ist Regen hinderlich, besonders wenn eine Reise oder sonst ein Unternehmen bevorsteht. Im regenärmeren Grasland Grasland tritt manchmal unerwünschte Trockenheit auf; dann hat ein besonders dazu bestimmter Machtgeladener die Aufgabe, durch Schlagen einer Fell Trommel, Fell-, Schlitz- trommel Regen herbeizurufen. Wer sich vor Regengüssen schützen will, benützt einen Strauß aus mit allerlei Drogen, vgl. auch Medizin Drogen und Blut getränkten Hahnen-, Fasanen- und anderen Feder Federn, der am Ende eines 2 m langen Stab, Stock Stabes befestigt ist. Damit vertreibt der Reisende die Regenwolken, indem er beim Marsch den Strauß vor sich durch die Luft schwingt. Im Gebirge, wo die Regenschauer eines Tornado oft recht kalt sind, hat man allerlei besondere Mittel, um die auf dem Felde arbeitenden Frauen vor Unfällen und Krankheiten zu schützen; auf den kahlen Hängen des Manenguba Manenguba sind es meist Pfosten, die man ins Feld Feld gesetzt hat und deren oberes Ende mit einem Knäuel magischer Mittel umwickelt ist, vgl. auch (Ko.) epupa epupa S. ---. – Ein großes Ahnenfest in Nyasoso war von trübem Wetter umhüllt. Da hatte ein Alter hinter einer Hausecke ein Feuerchen angezündet und verbrannte allerlei, starken Rauch entwickelnde Drogen; den aufsteigenden Rauch vertrieb er mit einem Wedel Wedel und damit zugleich die drohenden Wolken Wolken, denn similia similibus curantur. – Zur Bereitung mancher Machtmittel ist Regenwasser erforderlich; so gehört z. B. zum ndjom, vgl. S. ---, ein Topf oder eine Flasche mit Regenwasser, das freilich ein Machterfüllter besorgt haben muß.
Bei einem Regen versickert das Wasser im Boden und sammelt sich in [einem] unterirdischem See, dem Gegenstück zum See über dem Himmelsgewölbe und beides der unsinnlichen Welt angehörend. Von dort bricht das Wasser wieder in Quellen hervor, bildet Bäche, Flüsse, Ströme und ergießt sich zuletzt ins Meer. Wie man am Meere nicht wußte, woher die Gewässer des Inlands kamen und ihren Ausgang der über- , unsinnliche Welt übersinnlichen Welt zuschrieb, so weiß man umgekehrt im Inland nichts von dem Meer und meinte, die Wasser verschwinden wieder in der Unendlichkeit des ndimsi. Daß man bei solchen Vorstellungen nichts wissen konnte von des Wassers Kreislauf: Wasser, Dampf, Wolken, Regen, Wasser, ist verständlich.
So ist auch der Tau, der im Waldland selbst in der Trockenzeit dem Gewächs noch ein frisches Aussehen gibt, und seine Entstehung nicht Gegenstand des Nachdenkens. Beim Marsch durch die taufrischen, vergrasten Wege sieht man nur darauf, daß man möglichst einen Vordermann hat, der das kühle Naß von dem kalten Grase abstreift.
Hagel Hagel ist in der Nähe des Äquators selten, fehlt an der Küste fast ganz, ist aber in den Gebirgen häufiger. Während er in manchen Stämmen einen besonderen Namen hat, heißt er im Duala madale ma loba „ Stein Steine aus dem Himmel“ und bei Nachbarstämmen ähnlich; vgl. dazu das auf S. 2 über den „Steinhimmel“ Gesagte. Da Hagel nie eigentlichen Schaden anrichtet, bestehen keine abergläubischen Vorstellungen über ihn, immerhin ist aber ein Hageltag insofern tabu, als an ihm keine Feldarbeit Feldarbeit u. ä. unternommen wir Regen d Meteorologie . Kosmographie
Sieht man ab von dem, was die jüngeren Generationen in Schule, europäische Schulen der Europäer gelernt haben, so sind unter dem Volk sehr wenige geographische Vorstellungen zu finden. Man weiß zwar die Namen der Nachbarstämme, wenn es gut geht, auch die [der] hinter ihnen wohnenden Stämme; was aber dahinter liegt, weiß man nicht, und wer von dort herkommt ist mot’ eyidi „Buschmann, Waldbewohner“ oder mot’ a djedu „Hinterländler“ oder gar mukom „ Sklave, Sklaverei Sklave“; dabei spielt im Untergrund des Bewußtseins ganz leise die Vor- {13} stellung mit, daß eyidi „ Wald Wald“ und djedu „ Hinterland Hinterland“ der Übergang aus der Welt der Sichtbarkeit in die übersinnliche Welt ist. Mit Bayong, sg. mu- (vom Lautbild na yong „abgetrennt vom Haufen, weit weg“, also) „die von weit her“ bezeichnet man hauptsächlich die Leute aus dem Aufstieggebiet, auch die dahinter siedelnden Grasländer. Weil aus diesem Gebiete früher die meisten Sklaven stammten, bezeichnet man diese Leute noch heute im Küstengebiet vielfach als „Sklaven“, welche Bedeutung auch das Kp. moyili, pl. ba-, hat, ursprünglich „Buschmann“. Genauere Kenntnisse über Landschaften jenseits der Stammesgrenzen hatte aber nur, wer weiter herumgekommen war. Und das waren früher fast nur die Sklaven, die durch verschiedene Hände gekommen [waren], bis sie an die Küste gelangten. Auch berühmte Medizinmänner, die oft in andere Stämme gerufen wurden, verfügten über einige Kenntnisse anderer Gegenden; ihnen nahe standen in diesem Stücke vereinzelte Händler, von denen jedoch kaum einmal einer durch das Nachbargebiet zum übernächsten Stämmchen gedrungen und heil heimgekehrt war. Und beide Gruppen hatten ja kein Interesse daran, die wahren Verhältnisse aufzuklären; wie mußte etwa das Ansehen eines Medizinmannes wachsen, wenn er aus der Fremde möglichst gruselige Geschichten berichtete, wonach er nur vermöge seiner magischen Mitteln allen Gefahren trotzen konnte!
Die an Flüssen Wohnenden wußten meist nichts über den Ursprung des Gewässers; es wurde halt nach dem oberhalb wohnenden Stamm genannt. Beispiel: Am von den Europäern Wuri genannten Fluß siedeln von der Mündung stromaufwärts: Duala, Ewodi (Wuri), Bodiman und Yabasi; demnach heißt der Fluß entsprechend dem von ihm durchflossenem Gebiet: „großes Wasser“ der Duala, der Ewodi, der Bodiman, der Yabasi. Ging man nun von Duala, wo die meisten Europäer wohnten, flußaufwärts, so sagte man „zum großen Wasser der Ewodi-Leute“, woraus die Weißen Wuri als Flußnamen machten. Wer den Mongo (Fluß) Mongo aufwärts ging, fuhr ins „große Wasser des Mongo-Stammes“. So wurde für die Europäer irrtümlicherweise der Stammes- zum Flußnamen. Weiter im Innern haben die Flüsse meist Eigennamen, so heißt der „Wuri“ oberhalb der Yabasi Nkam, der Mongo in seinem Oberlauf Wue und dann...
Ebenso verhält es sich mit den Namen von Bergen; man nennt sie meist nach dem Stamm, in deren Gebiet ein Berg liegt. Bezüglich des Kamerunberges vgl. Note 2 auf S. 3. Den oberen, unbewaldeten Teil dieses Berges nennen die Umwohner Fako (Kp.) Fako „Neuschlag“, weil er aussieht, als sei dort der Wald zwecks Anrodung des Landes gefällt. Rumpi-Gebirge ist verballhornt aus midongi ma Barombi „Berge (im Gebiete) der Barombi-Leute“. Andere Berge haben Eigennamen, wie Kongwe Kongwe, Kupé, Manenguba Manenguba „kleiner Schild“, die Bedeutung solcher Namen ist meist nicht mehr festzustellen, auch wo man wie bei letzterem das Wort übersetzen kann.
Die heutige Freizügigkeit läßt viele Männer und auch Frauen zur Küste kommen, um Arbeit zu finden; manche gehen auch an fremde Küstenplätze im Westen oder Süden; so erweitert sich manchem der Blick, auch ohne daß er die Schule besuchte. Bei Rückkehr in die Heimat mögen solche Reisenden ob ihres Wissens angestaunt werden; sie fallen aber bald der Vergessenheit anheim, wenn ihnen ihr Wissen nichts einbrachte. Daß der Weiße oft über Inlandstämme Bescheid weiß, die er noch nie besuchte, ist keinem auffallend; ein solcher weiß ja alles, während von anderen Leuten gilt: Na si bie ekombo, nde na nanga mo ndoti e? „Ohne daß ich eine Landschaft kenne, soll ich von ihr träumen?“
Matongo ma wase bedeutet „Himmelsrichtungen“; tongo 5, ma- ist die „Giebelwand“ eines Hauses. Der Weltraum gleicht ja einem großen Hause, vgl. S. 2, und zwar mit „vier Giebeln“. Doch sind diese Himmelsrichtungen so wenig örtlich feststehend wie die matongo ma ngo „Hausgiebel, aus denen der Wind kommt“. danach hat man also keine Entsprechungen für Nord, Süd, Ost, West. Die Sonne Sonne ist zwar „Tageszeitanzeiger“, zeigt aber nicht die Himmelsrichtung. Dagegen gibt der Wasserlauf die Orientierung, wie bei uns in kleineren Verhältnissen. Woher das Wasser kommt, ist überall djedu „Hoch-, Hinterland“; tal- und meerwärts ist mbenge „Tief-, Küstenland, Meeresgegend“. Denn landeinwärts steigt man i. a. bergan, nach dem Meer zu geht es bergab. Freilich hat so jede Gegend ihr besonderes djedu und mbenge. Auf dem Meer ist mbenge immer westwärts bis nach Europa hin, denn die kameruner Küstenbewohner haben den Eindruck, daß sich das Meer westwärts bewegt. So bezeichnet man mit bato ba mbenge „Leute aus dem
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[4 handschriftliche Notizen auf Rückseite von S. 13: – Meer-Wasser ist niemandes Freund – Die verschiedene Stellung zum Wasser zeigen die beiden Sprichwörter: 300 Bist du im Wasser gestorben so wirst du nicht beweint. Gehst du zum Buschroden, bevor du dem kema Wasser ausgeschüttet? – Die Quellen erregen natürlich das Interesse; die größeren glaubt man von mengu „Wassergeistern“,vgl. S. 117, belebt, besonders wenn sie einen Teich oder See bilden. Wo nur wenig Wasser austritt, das etwa in die Trockenzeit noch versiegt, glaubt man, daß didoko die Krabbe dieses Wasser besorgt. – Das Wasser reinigt, daher gehört eine Waschung oder [ein] Bad zu jeder Reinigung, das Wasser tut die Befleckung ab, vgl. z. B. S. 217f.]Nieder-, Westland“ Eingeborene aus Westafrika und Europa. Daher kommt es auch, daß mit djedu das Hinterwäldlerische, Althergebrachte verbunden ist, während die neue Zeit, die Aufklärung von mbenge herkommt. Zwischen djedu und mbenge liegen natürlich andere Gegenden, und die Richtung dahin gibt man mit den dort liegenden Landschaften oder dort siedelnden Stämmen an. Weil der erste Schulunterricht in Kamerun von Duala ausging, hat man auch dort für die geographischen Himmelsrichtungen entsprechende Namen geprägt. Dort ist djedu wirklich „Osten“ und mbenge „Westen“; das nördlich gelegene Ländchen Pongo wurde „Norden“ und sein südliches Gegenstücke ist Mikondo „Süden“, eine Landschaft im Süden Dualas. Schüler in Schulen anderer Gegenden müssen nun beim Einprägen der Duala-Himmelsrichtungen etwas umdenken. Hinterland
Auch die anorganische Welt regt zum Nachdenken und [zu] Vermutungen nur dann an, wenn die Aufmerksamkeit durch besondere außerordentliche Ereignisse oder Umstände geweckt wird.
Ob für Wasser Wasser nun madiba (Duala), maleb (Basa), mendib (Bakosi), manyeb (Banyangi), maneb ( Meta Meta) und in anderen Stämmen ähnlich gesagt wird: Der Wortstamm kommt immer von der gleichen Bantu-Wurzel -liva. Sie gehört mit der Vorsilbe ma- überall in die Flüssigkeitsgruppe der dima-Klasse. In manchen Sprachen wird dieser Stamm auch mit anderen Klassenpräfixen verbunden zu besonderer Bedeutung; z. B. in der e-be (Bantu: ki-bi)-Klasse bedeutet es „Landsee, Gewässer“, z. B. Bakundu: eliba, Bakosi: edib, Bankon: leb. In der mu-mi-Klasse, (Namen der Träger animistischer Lebenskraft) hat z. B. das Bakwiri molivaDie Gebäude der deutschen Pflanzung Molive (=Moliva, Kp.) liegen [?] an solch überschwemmungsreicher Stelle. So heißt auch ein Dorf am Wuri Muliba.
für einen „Ort, der oft unter Wasser steht“, wo Bäche oder Flüsse bei schweren Niederschlägen über die Ufer treten und wo es deshalb nicht ganz geheuer ist. Wie das Wasser aus unterirdischen Seen kommend durch Quellen ans Tageslicht tritt, sich in fließenden Gewässern sammelt, um zuletzt ins Meer zu münden, ist auf S. 12 beschrieben. Es ist aber auch das Wasser mit magischen Kräften geladen, besonders an gefährlichen und tiefen Stellen; hier hausen die mengu, sing. djengu „Wassergeister“, vgl. S. 117f., denen Opfer zu bringen sind. – Wasser ist das „ kühlen (loko) und erregen (onya) kühlende“ Element und zwar auch im magischen Sinne. Wird etwa über ein mit magischer Macht geladenes Mittel Wasser gegossen oder es wird verregnet, so wird es <beruhigt>, d.h. ihm wird durch die Kühle seine magische Kraft genommen. Darum muß man zusehen, daß Töpfe auf Feuerstellen, unter denen ein solches Macht, -mittel, -erlebnis Machtmittel vergraben ist, nicht stark überkochen. Andererseits schüttet man über eine fremde Feuerstelle, auf der man gelegentlich kocht, Wasser, bevor man das Feuer anzündet. Denn so wird die unbändige Macht, die unter den Herd gebannt ist, geschwächt, so daß sie nicht schädlich auf die Speise wirken kann. Auch bei anderen Bräuchen werden gefürchtete Fetisch, -ismus Fetische mit Wasser begossen, um sie zu <kühlen>. Mittel, die außer Gebrauch gekommen sind, die man aber nicht zu vernichten wagt, bleiben im Regen liegen; will man sie ganz beseitigen, so wirft man sie in den Fluß. Solche aber, die in Gebrauch sind, stehen unter einem besonderen Schutzdach, um sie vor <Abkühlung>, d. h. Entkräftung, zu bewahren. Damit hängt wohl auch die bei manchen Fetischen zu beobachtende Tabu-Regel zusammen: Man darf dort, wo sie stehen, nachts kein Wasser in den Hof schütten. – Wird ein magischer Gefahrenzustand, vgl. S. 97, durch Rite und Kult beendet, so gehört dazu auch das Bad möglichst in fließendem Wasser, das das seither dem Sühnenden anhaftende Böse wegführt.
Kommt man auf Märschen an ein großes Wasser, und man will dort rasten, so wird allgemein die eigentümliche Regel beachtet, die nicht ein wirkliches Tabu ist: Bevor man an dem Übergang seine Last niederstellt, durchschreitet man den Bach oder Fluß, stellt dann am jenseitigen Ufer ab, rastet, badet, macht Feuer und ißt. Der Grund dieser Regel mag sein, daß man das Wasser überschritten haben will, was nachher auch immer noch eintrifft. Manchmal schwellen, besonders in der Tornadozeit, Wasser rasch an und machen die Furt für Stunden oder Tage unpassierbar, wenn am Oberlauf ein heftiger Regen niedergegangen ist. Hat man das Wasser aber hinter sich, so ist man von solch hindernden Zufällen unabhängig Wasser . kühlen (loko) und erregen (onya)
{15} „Große Fluß >Flüsse“ haben den gleichen Namen wie das „ Meer Meer“ mundja oder sonstwo mwandja 3. Man ist von der Größe und Gewalt des großen Wassers hingenommen, fürchtet es im allgemeinen mit gutem Grund, selbst die wasserkundigen Anwohner haben das Sprichwörter Sprichwort: Das Meer ist nicht des Menschen Freund. Viele Geschichten vom Meer selbst gibt es nicht, aber von den schon erwähnten Wassergeistern. Bei den Bakundu, die nicht am Meer wohnen, fand ich ein Märchen Märchen, das von bestrafter Habgier handelt und erklären will, warum das Meerwasser salzig ist. Sein Inhalt ist kurz folgender: „Ein Armer kam in den Besitz einer Totenhand, die ihm all seine ausgesprochenen Wünsche erfüllt. Sein reicher, habgieriger Bruder entwendet sie und flieht mit ihr auf seinem großen Boot. Unterwegs merken seine Frauen, daß sie kein Salz Salz mit sich genommen haben, und klagen darob ihrem Mann die Ohren voll. Der verspricht, reichlich Salz zu beschaffen; er nimmt die Totenhand und spricht zu ihr: Schaffe Salz herbei! Und zum Staunen der Frauen füllt sich langsam, aber unaufhörlich das Boot mit Salz. Weil aber der Mann nicht weiß, wie er dieser „Salzgewinnung“ Einhalt gebieten soll [Text korrigiert, Korrektur aber nicht zu lesen] , kommen alle in Not. Das Boot füllt sich mit Salz bis an den Rand, sinkt zuletzt und alle müssen im Wasser ertrinken. Seitdem ist das Wasser des mundja „Meeres“ und der mindja „großen Flüsse“ salzig; vgl. das deutsche Märchen: Warum die See salzig ist. – Früher mag das Meerwasser an der Küste zur Salzgewinnung oder als Salzersatz gedient haben, heute nicht mehr. Man sagt, mit Meerwasser gekochte Knollenfrüchte werden nicht recht weich. Im Gebiet der Keyaka Keyaka und Banyangi gibt es einige kleine Seen mit Salzquellen, aus denen durch Verdampfung in Töpfen Salz gewonnen wird.
pfeifen (Pfeife, Flöte) Pfeifen auf dem „großen Wasser“ ist tabu, es ruft dem Sturm Sturm. – Gewisse Leute haben Macht über das Wasser, wenn sie in Verbindung mit den Wassergeistern getreten sind; solches geschieht im djengu-, vgl. S. ---, und anderen Bünden. Solche Machtgeladenen können das Meer erregen und Flüsse schwellen machen, sie können durch hoch geschwollene Flüsse gehen und für lange im Meer untertauchen, die ihnen hörigen Dämonen führen Schiffbrüche herbei.
Emune, be- „kleine Wellen“ werden meist nicht beachtet, zeigen aber oft „große Wellen“ ewudi, be- an. Werden an der Nordküste die „Meereswogen“ mukeba, mi- zum Machterlebnis, so vermutet man dahinter das Wirken der Wasserdämonen djengu Wasserdämonen, die man durch Opfer, vgl. auch Kulte und Ahnenkult Opfer beschwichtigen muß, vgl. S. ---.
Sturm- oder Wirbelwind erregt auch große Wellen; beides heißt ewungusu, be-, von wungea „blasen“ (vom Wind).
Der Gegensatz zum Wasser ist wea „das Feuer Feuer“; es ist auch eine gewaltige Kraft und wird leicht zum Machterlebnis. Doch wird es i. a. in dem ewiggrünen Wald Wald nicht zu solcher Gefahr wie im Grasland Grasland, wo in der Trockenzeit große Feldbrände zur Vorbereitung des Bodens für den Feldbau angelegt werden; und leicht wird dabei ein Dorf oder ein Mensch ein Raub der Flammen. Daher gibt es für Feldbrände allerlei Tabu-Regeln, wie auch für Hausfeuer. So darf man z. B. nicht Palmölkerne in der Hütte zu Salböl kochen, „sonst bringt man Moskitos Moskitos ins Dorf“. In Wirklichkeit würde der schwere Rauch die Plagegeister vertreiben. Dennoch ist dies Tabu eine vernünftige Schutzmaßnahme. Denn fängt der Öltopf Feuer, so steht bald die ganze Hütte in Brand, oft das ganze Dorf; weitere Herd-Tabus vgl. S. 62f.
Feuer bereitet man bis weit ins Innere heute mittels Zündhölzern. Man weiß aber noch, daß man früher mittels Feuerstein und Eisen (altes Haumesser Haumesser) Feuer geschlagen hat; den Funken ließ man in trockenes Laub oder mbwin n-di „Palmhaut“ springen und blies dann das Feuer an. Dagegen weiß man nichts mehr von der Feuerbereitung durch Quirlen und Reiben von Hölzern, es sei denn in abgelegenen Gegenden des Südens. Wahrscheinlich ist diese Art der Feuergewinnung in dem holzreichen Waldland nicht viel geübt worden. Selten gingen alle Feuer im Dorf aus, und man konnte zum Nachbarn gehen und Feuer leihen. Doch gibt es auch fürs Feuerleihen allerlei Tabu-Regeln, z. B. es muß immer in einer Topfscherbe geschehen; sodann darf man keinen Holzbrand weggeben, bevor nicht das erste Essen gekocht ist, sonst wird an diesem Tag kein Essen auf dem Herd recht gar.
„Kühlt, entkräftet“ Wasser Wasser magische Mittel, so müssen sie wie Feuer onya „hellauf lodern, hitzig, sprühend sein“, sollen sie wirken. Will einer, daß eine dem Feinde beigebrachte Wunde Wunde nicht heilen soll, so legt er die betreffende Waffe ins Feuer und macht sie glühend. Ich beobachtete {16} einen Medizinmann Medizinmann, der eine rippenfellkranke Frau zu heilen versuchte, indem er ihr neun glühende Haumesser an die schmerzende Stelle hielt. Das erzeugte zwar Brandwunden, kurierte aber die Frau doch nicht. – In diesem Stück treten auch Alkohol Alkoholika auf [die] Seite des Feuers. Darum trinkt man bei Abschlüssen von Verträgen, bei Ehe- und Friedensschlüssen und anderem Palmwein Palmwein oder in moderner Zeit Schnaps Schnaps oder Bier.
Die Rundhütten der Bakosi sind so stabil gebaut, daß bei der Hüttenweihe, vgl. S. 285f., ein besonderer Feuerzauber zu machen ist, um den Abzug des Rauches aus der Hütte zu sichern. Der Hausherr läuft dabei mit einem brennenden Scheit um das Haus, hält das Holz an den Dachrand und singt eine Strophe, daß das Haus nicht rauchdicht sein möge und der lästige Rauch abziehen könne. Nach mehreren Umkreisungen wirft er das klosende Scheit in den Busch = ungepflegter Wald Busch. Ist dies etwa ein Feueropfer an die Geister?
Denn dem Kameruner ist es abgemachte Sache, daß das Feuer von den „Schatten“ aus dem Hades stammt. Und zwar soll es – einigen abenteuerlichen Märchen zufolge – der Hund Hund, des Jägers Genosse, aus dem Reiche der Schatten geholt und in die Siedlung gebracht haben. Dabei habe der Hund aber auf die Verwünschung der Schatten hin die verständliche Sprache verloren und könne jetzt nur noch bellen: Nghuang, nghuang! – Nach der auf S. 31f. mitgeteilten Tradition haben die Menschen die Kunst des Feueranzündens von Gott gestohlen.
In dem immerfeuchten Urwald ist häufig phosphoreszierend phosphoreszierendes Holz anzutreffen: Östlich des Mongo heißt es we’a bedimo „Feuer der Schattengeister“, westlich davon “Feuer der Ratten“. Feuer
Von den Stein Steinen, vgl. auch S. 50f., glaubt man, daß sie aus dem Boden „wachsen“, denn man beachtet nicht, daß der Regen den Boden wegspült und die Steine freilegt. Von großen Monolithen und ganzen Gebirgsstöcken glaubt man, die Ahnen oder Dämonen hätten sie aufgebaut, vgl. S. 172. Manche Verschlingemythen, vgl. auch Oger Verschlingemärchen enden so: Der Held habe nach Erledigung des Ungeheuers die Menschen befreit durch Aufschneiden von dessen Bauch und Gliedmaßen. Dann hätten sie – entgegen der Anweisung des Ungeheuers – aus Fleischgier die einzelnen Stücke des Riesenleibes gekocht. Da seien sie so hart geworden, daß sie nicht zu genießen waren; man ließ sie liegen, und das sind nun die heutigen Felsen und Gebirge. – Große Steine hält man für beseelt oder belebt und manche, wie auch Berge, hält man für den Sitz von Geister Geistern, z. B. unterhalb des Dorfes Mbule (Bakosi) liegt nahe eines Bachüberganges ein mächtiger Steinquader. Darin soll eine alte Frau wesen, welche von Gott erschaffene Kindlein vorübergehenden Frauen in den Leib „spritzt“, so daß sie schwanger werden. Vgl. unter anderem auch das über den Berg Kongwe auf S. 51 Gesagte. Die Felsen und Steine im Meere und unter Kapsee gelten als Aufenthalt der mengu, vgl. S. 117f.
In Steinen investieren Hexen und böse Schattengeister gerne schädigende Kraft, damit sie auf den übergehe und ihn zugrunde richte, der sich nachher ohne Beachtung von Tabu-Regeln daraufsetzt, vgl. S. 50 f.
Kristalle Kristalle und Spatsteine sind sehr geschätzt; man glaubt, daß eine besondere Kraft, vgl. auch Macht Kraft in ihnen wohnt. Der helle, vgl. sanga auf S. 8, Schein, in dem sie glänzen, deutet auf offenbarende Kraft, und so darf es nicht wunder nehmen, wenn die Bergkristalle das stärkste Machtmittel im Schüttel- oder Körbchenorakel Schüttelorakel sind, vgl. S. 161. Sie sind darum sehr gesucht. Kleine Kristalle, beschmiert mit Rotholz Rotholzfarbe, oft auch mit Opferblut, tragen Machterfüllte in ihrer Perle, Glas- Perlenkette um den Hals oder neuerdings in ihrer Schultertasche; sie machen die Augen hell, um in die über- , unsinnliche Welt unsinnliche Welt zu schauen, vgl. S. 138.
Weiße Kieselsteine [und] Quarzstückchen gelten als machthaltig; findet man sie im Bachbett, so hält man sie für Schlangen, vgl. S. 86f., und [sie] sind bei Männern beliebt; den Oraklern machen sie Mitteilungen. Hat einer solches Steinchen bei seinem Beruf irgendwo liegen lassen, so findet es sich wieder von selbst in des Zaubermächtigen Haus ein. Findet man sie auf dem Acker, so sind es < Kind, vgl. auch Eltern und Kind Kinder>, und Frauen sammeln sie und legen sie in ihr Bett, wenn sie in Hoffnung kommen wollen.
Weiter stehen in hoher Schätzung eiförmige Geröllsteine und Basaltkegel. Erstere gelten als Sitz des Ahnengeistes und werden in manche Gegenden <Schlangen> genannt, vgl. S. 88ff., 226. Jede Familie hat einen; in manchen Gegenden gibt man dem sterbenden Sippenvorsteher einen solchen Stein; er bespuckhaucht ( poma poma) ihn und gibt ihn seinem Nachfolger mit der Bestimmung, daß nach seinem Abscheiden er und seine Kraft in diesem Stein den Nachkommen nahe sein wolle. Und ist dann der Alte im Sterben, so klopft ihm sein Nachfolger diesen Stein an den Schädel Schädel, so daß des Sterbenden Macht in dem Stein investiert werde. Solche Steine sind natürlich sehr verehrt, gelegentlich wird ihnen geopfert, denn sie garantieren ja das Wohl der Sippe. – Kleine faustgroße Geröllsteine benützt man, um mit ihnen auf dem schalenförmig ausgehöhlten dale la nsang „Reibestein“ Pfeffer Pfeffer, Ingwer, Hülsenfrüchte, Mais, Gemüse u. ä. zu zerreiben. Ist mudiki „der Ahnengeiststein“ nicht zur Hand, so benützt man jenen Geröllstein als solchen und klopft damit auf den Boden (Anruf der Ahnen), wenn man etwa sein Kind verwünschen verwünscht oder die Ahnen als Zeugen anrufen oder sonst mit der unsinnlichen Welt in Verbindung {17} treten möchte. Kleinere Steine als Träger des Unheils wirft man bei Sühnehandlungen hinter sich, nachdem man sie sich am Körper gestrichen hat. – Die Basaltkegel, die man häufig in Kulthütten vor dem Hauptpfosten stehen sieht, sind wohl ursprünglich Phallussteine und für den Fruchtbarkeitskult Fruchtbarkeitskult wichtig, vgl. S. 172 und ---. Sie sind meist schwarz-weiß-rot bestrichen und umwickelt mit einer Kette oder starken Liane Liane als Zeichen (Omen) Zeichen, daß die darin waltende magische Macht des Dorfes Gewalt habe zu binden; zugleich zeugen diese „Fesseln“ aber auch für die Kraft der Kultleute des Ortes, denn sie halten die in dem Kegel wesende Macht zurück, so daß sie nicht unheilvoll im Dorf wütet. Als Zeichen der Gewalt über Leben und Tod stecken um den Phallusstein alte Haumesser Haumesser im Boden, und um ihn liegen allerlei Machtmittel, um seine Kraft zu erhöhen. Wenn eine solche Kulthütte zerfallen ist, steht doch noch der Pfosten mit dem Stein davor, und ist auch der Pfosten verrottet, so bleibt noch der Stein. So steht z. B. beim Dörfchen Mwetan-Mwaku in der Ninong-Landschaft ein solcher Stein aus alter Zeit, verehrt von den umwohnenden Stämmen. Man sagt, der Schweinestall des Stammvaters Asume habe darauf gestanden, in Wirklichkeit ist es ein solch alter Phallusstein. Hinter solchen Kulthütten liegt oft, z. B. im Balue-Gebiet, ein länglicher Basaltstein quer über die Dorfstraße. Für Frauen, die noch auf Kinder hoffen, ist es tabu, darüber zu schreiten. In manchen Landschaften (Bakundu, Balue, Bakosi, Balong, Bafo, Bakwiri u. a.) stecken bei beiden Dorfausgängen quer über die Straße längliche Steine, der größte in der Mitte, kleinere zu beiden Seiten, im Boden; es sind madale ma mbando „Beruhigungssteine“, die kameruner Altäre, vgl. auf S. 93b – Gewisse Steine, vgl. ndjolandi auf S. 10, werden von Medizinmännern zerrieben und ihren Mitteln zur Stärkung zugefügt. Stein
Die Erde Erde (Himmelskörper) ist als Wohnsitz der Lebendigen eine wichtige Sache, vgl. S. 2; der Boden als Eigentum Eigentum des Stammes und der Sippe ist ekombo „Landschaft“; das ist das von den Vorfahren ererbte oder mit ihrer Hilfe erworbene Land. Darum sind die auf ihm Wohnenden eine gewisse Einheit mit diesem Boden. Wer einen öffentlichen Frevel begeht, versündigt sich gegen ekombo, d. h. gegen den Boden und die darauf Wohnenden und hat sich deshalb vor deren und der Ahnen Vertreter zu verantworten. Und wenn ihn die Ahnen selbst seinen Frevel entgelten lassen, kann solches Unheil nur durch Vermittlung des genannten Vertreters abgetan werden. Mit minyangadu 4 ist die Erde als Stoff, als Erdboden bezeichnet, als „ Grund und Boden Grund und Boden“, auch als das in Gebrauch genommene Stück Land des Einzelnen, das Ackerfeld ohne Pflanzen, während monda, my- „den bepflanzten Acker, Pflanzung, Farm“ und manda 6 „Hofreite (Haus, Hof und dazugehöriges Land)“ meint. – Weil der Boden (ekombo und minyangadu) Ahnenbesitz ist, fällt alles, was aus Menschenhand darauf fällt, den Ahnen zu, besonders Nahrungsmittel. Einen zu Boden gefallenen Brocken Essen hebt man nicht auf. Besonders ist das aber der Fall auf dem dibala dibala „Ahnenkultplatz“, vgl. S. ---. Ist dort etwas Größeres gefallen, so muß man wenigsten einen Teil davon dort lassen ( pars pro toto pars pro toto), etwa von einen Bananenbündel einige Finger; eine dort zu Fall gekommene Person muß gelöst werden durch eine Ziege Ziege, die man dem zuständigen Dorfältesten, als Vertreter der dortigen Ahnen, zu leisten hat. Geschieht das nicht, so tritt Unglück ein, oft erst lange Jahre danach; Frauen haben dann etwa Schwierigkeiten bei Geburten.
In unserem Gebiet ist von Natur der ganze Erdboden bewachsen mit Wald Wald. Er bildet gewissermaßen mit dem Boden eine Einheit. Im oder unter dem Boden ist mundi ma bedimo „Schattensiedlung, Hades Hades“, und der Wald ist der Manifestationsplatz der „Schatten“. Hier begegnet sich unsere Sinnenwelt und die unsinnliche Welt. Darum sind auch die Bäume und Kräuter des Waldes mana-gefüllt und dienen zur Bereitung magischer Mittel; das Wild des Waldes sind „die Haustiere der Schatten“; die wilden Doppelgänger mancher Kulturpflanzen werden den Ahnengeistern zugeeignet; so gibt es „Schattenbohnen, -erdnüsse, -yams u. a.“; phosphoreszierend phosphoreszierendes Holz ist „Schattenfeuer“, die Termitenbau Termitenbauten „Herdsteine der Schatten“ u. ä.
Diese Termitenbauten glaubt man entstanden aus den in der Schattenwelt zu Staub zerstoßenen bösen Menschen; diese Bauten spielen in der magischen Vorstellung eine Rolle; aus der Erde dieser Bauten bereitet man einen guten Hausbewurf; wegen Erdrutschen vgl. S. 93.
{18} An besonderen Erdarten werden unterschieden: Pembe 9 „weiße Erde“; sie wird an manchen Stellen gegraben und steht in besonderem Ansehen. Mit ihr, der Geisterfarbe, bestreicht man die, welche in besonderer Weise in Gemeinschaft mit der unsinnlichen Welt getreten [sind], so die Initianten der Kultbünde, in Südkamerun auch die Witwen, vgl. auch Trauer Witwen während der Trauerzeit. Es ist auch die Farbe der Reinheit, dem Nichtbehaftetsein mit widrigen Zuständen. Bei den Bakwiri und anderen Stämmen streicht der Richter einem als unschuldig Befundenen oder Freigesprochenen solche weiße Erde oder, in deren Ermangelung, helle Asche an die Schläfe – ein schönes Bild der Unschuld, auch für den nach dem Neuen Testament „Gerechtfertigten“. Als Arznei gegen Herzklopfen wird weiße Erde gebraucht und heißt dann dun’, pl. ma-.
Wea, „der Ton, Töpfer Ton“ wird fast nur von Frauen bearbeitet, entsprechend der Regel der Arbeitsteilung Arbeitsteilung. Beim Holen des Tons und erst recht beim Brennen der Gefäße sind allerlei Tabu-Regeln zu beachten, um das Töpfern gelingen zu lassen, vgl. S. 55.
Sand Sand, mukoko 3 gehört zwar zur animistisch belebten Wortklasse, spielt aber im magischen Leben keine besondere Rolle. Wenn die Küstenbewohner elielie elielie „Fundorakel“, vgl. S. ---, auf dem Sand des Meeresstrandes geübt haben, so wohl nur, damit das Medium auf weichen Boden zu fallen kam und sich nicht verletzte; vgl. auch bei Hausweihe S. --- und Ahnenkultplatz S. ---.
Minyngadu ma mole „rote Erde“ ist Lehm Lehm und dient, auch wenn er von Sand durchsetzt ist, zum Hausbewurf, wo diese Bauart heimisch ist. Bei manchen Angelegenheiten schmierte man sich Lehm aus magischen Gründen an bestimmte Körperstellen, vornehmlich Bauch und Rükken. – Aus lehmartiger Erde wird ein Brei mutama, mi- angerührt und als medizinisches Mittel gegessen.
Schlamm am Meeres- oder Flußufer, besonders an den Anlegestellen ist dibo, dagegen in Sumpfstellen im Inland ntam, in der 3. Klasse, weil man in ntam versinken kann; solche Plätze sind deshalb gemieden. Erde
An Metall Metallen ist im Waldland wohl nur eyei „das Eisen Eisen“, vgl. auch S. 63, seit alters bekannt, während im Grasland Grasland, besonders in der Bamumlandschaft, auch Bronze im Rotguß heimisch ist. Von Eisengewinnung weiß man im Waldlande, wenn je solche geübt worden ist, heute nichts mehr. Dagegen sind in Südkamerun (Mpamgbe) und im Grasland (Bafumbum und Oku) noch heute primitive „Hochöfen“ im Gang. Raseneisensteine, die auch im Waldlande gefunden werden, heißt man dort lobi la beyei „Mist, Kot des Eisens“Vgl. Jaunde: abi ziyang (wörtl.: „Rot des Blitzes“) Glimmer
, worin sich wohl die Erinnerung an frühere Eisengewinnung widerspiegelt. Schmiede gab es früher überall; sie verarbeiteten das Eisen zu Gebrauchsgegenständen, Werkzeugen, Kultgegenständen, Waffen u. a. Für Waffen sagt man beyei „Eisen“ im Plural, denn die primitivste Waffe außer Stein und Holz war wohl ein Stück Eisen. Weil Eisen, besonders als mukoko „Eisenbarren, -stange“, und Eisenwaren billig eingeführt wurden, ging das eingeborene Eisenhandwerk immer mehr zurück und ist an der Küste völlig verschwunden. – Als eine Art Orakel wird einem Angeklagten ein Stück glühendes Eisen, etwa ein Beil Beil oder eine Hacke, auf die Hände gelegt. Trägt er es ein Stück weit ohne Brandblasen zu bekommen, so ist seine Unschuld erwiesen, vgl. S. 166. – Zu Blech verarbeitetes Eisen und Zink ist ebenye, in manchen Gegenden auch ekwem, was im Duala „Blechkoffer“ bedeutet. Die übrigen Metalle: enunu 7 „Kupfer“, musomba „Messing“, gol „Gold“, silba „Silber und Weißmetall“ sind von Europäern eingeführt; die beiden ersten wohl schon seit Jahrhunderten, die beiden letzteren hauptsächlich als Geld in moderner Zeit, wie schon ihre Namen zeigen. Kupfer und Messing spielten und spielen noch eine Rolle als Arm- und Beinringe, die z. T. nur harmloser Schmuck Schmuck sind, andere aber haben magische Bedeutung besonders im Fruchtbarkeitskult, vgl. S. ---. Gold ist mit der deutschen Herrschaft im Lande verschwunden.
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Wähnt man bei den Bakosi, daß die Saat, -fest, säen, Samen Saatzeit nahe gekommen (Anzeichen vgl. S. 8, anderes Zeichen: Der ebongo a ngoso „Papageienbaum“, unser „Tulpenbaum“, eine Mahagoniart, Sapeli, blüht), so gehen auf Geheiß des Ortsvorstehers einige alte Frauen auf den Ahnenkultplatz dibala dibala, auf Bakosi ndie, und legen einige Hülsenfrüchte: Bohnen, Erbsen, Erdnüsse und Mais in den Boden. Sproßt dieser Same Unterscheide mbolako 9 „Same, Pflanze“ und mbotal [?] „Same, Sproß, Steckling“. Dieser ist Same, der geerntet wird, was die Pflanze an Frucht oder Schößlingen zur Fortpflanzung hervorbringt; jener der Same zum Säen und was aus der Saat als Pflanze entstand [?].
nach ein paar Tagen, so ist’s ein Zeichen, daß die „Schatten“ dem Saatbeginn zustimmen und ihren Segen geben wollen. Nun wird der Tag für den Fruchtbarkeitskult Fruchtbarkeitskult auf dem „Ahnenspeiseplatz“ festgesetzt und die Aussaat vorbereitet. – Die Ahnen in der Unterwelt stehen aber nicht nur mit den Kulturpflanzen in Verbindung, sondern erst recht mit den wildwachsenden Waldpflanzen, vgl. S. 17. Der Wald Wald ist ja des Kameruners große Drogerie, das Arsenal der mana mana-Mittel. Da ist vor allen der ndjou a bwele, wörtlich „Elefant von einem Baum Baum“, d. h. ein großer, gewaltiger Baum, der durch seine Mächtigkeit den Primitiven beeindruckt, auch ndjúm' bwele „Amulettbaum“ genannt. Als bwele ba bobe bobe „böser Baum“ ist er von besombe ba bato „Leuten, die noch in der Manneskraft stehen“ zu meiden. Nur balondedi „magisch Gefüllte, Vollmenschen“ dürfen sich ihm nahen, um seine als ndjum „ Amulett Amulett“ geschätzte Rinde Rinde zu holen. Sie vermittelt die Fähigkeit ekong, vgl. S. 86ff., zu werden, und nur ekong-Besitzer können diese Rinde holen. – Und auch sie müssen sich einem religiösen Akt unterziehen. Denn dieser Baum wird behandelt wie ein großes Lebewesen. Tötet nämlich einer einen Menschen oder [ein] großes Tier ( Elefant Elefant, Flußpferd Flußpferd, Wal Wal, Leopard Leopard u. ä.), so geht von diesem Wesen eine schädigende Kraft auf ihn über, mbaki mbaki „Anhängsel“, d. h. eine vernichtende Fluch Fluch-, Bannkraft, an dem der Mord, Mörder Mörder zugrunde geht und die sogar solche, die dem Beladenen nahe kommen, schädigt, wenn der Frevel nicht gesühnt wird. Ähnlich bei einem solchen Baum. Wer [sich] ihm naht, um seine Rinde zu holen, bringt zuvor ein Sühne- bzw. Entschuldigungsopfer. Zunächst beschwört er die Kraft des Baumes, indem er zerkaute Ingwerkörner an den Baum spuckt, vgl. poma auf S. 136. Dabei spricht er ein Gebet, etwa des Inhalts: ---
Dann tötet er das mitgebrachte schwarze Huhn und läßt das Blut Blut auf den Wurzelstock des Baumes spritzen. Ist seine Freveltat so schon im Voraus gesühnt, so stößt er seinen Speer Speer in des Baumes Rinde, er „tötet“ den Baum, und kann nun ein Stück Rinde abschälen. Diese Rinde wird dann in Stücke gebrochen und als Amulett verkauft. Schwächlichen Kindern hängt man sie an einem Faden um den Hals, Männer tragen sie als „starkes“ Mittel in ihrer Tasche. Sieht sich ein solcher einer Gefahr gegenüber, naht er sich etwa z. B. einem fremden Dorf, von dem er nicht weiß, ob ihm darin nicht Schwierigkeiten begegnen, so spuckt er etwas zerkauten Ingwer auf das Rindenstück, bringt diesem Amulett also ein Opfer, und geht dann gestärkt der Gefahr entgegen. Hat der Mann mit der Frau zu tun, so muß er seine Tasche mit dem Rindenstück weglegen, um sich selbst und die Frau nicht in Gefahr zu bringen. Zerrieben trinkt man die Rinde auch gegen allerlei Bauchweh. – Im Grasland und in Südkamerun steht besonders auch die Euphorbie Euphorbie in hohem Ansehen, nicht nur als offizielle Pflanze, sondern gleichsam als Geistwesen. Wie manche Tiere und Vögel kann eine solche Euphorbie angeredet werden. Hat einer Unrecht erfahren und findet die gesuchte Hilfe nicht bei Menschen, so kann er vor die Euphorbie in seinem Hofe treten und sprechen: Dir will ich meine Not klagen! Und dann erzählt er die Geschichte seines erfahrenen Unrechts und seiner Verlassenheit. Der so Verklagte mag, wenn er von dem eigentümlichen Gespräche hört, in großen Zorn geraten, denn von dieser Anklage fürchtet er Unglück, Krankheit oder andere Gefahr. So ist diese Pflanze belebt, machthaltig gedacht, wie der vorhin beschriebene Baum. Die Duala nennen die Euphorbie ndjou a Basa „Großamulett aus der Basalandschaft“, die Bankon sa Long „Kraut aus dem Balongland“. Überall ist ihr giftiger Milchsaft gefürchtet, in kleinster Dosis genossen, dient er zwar als Abführmittel, es braucht aber auch nicht viel, um den Tod herbeizuführen.
Nicht alle Bäume, deren Rinde und Saft zu magischen Mitteln gebraucht werden,
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[Text auf Rückseite von S. 19: Musisi, Pflanze, deren Saft zum Schwarzfärben dient, mupo, Baum, dessen Saft gg. Syphilis verwendet wird. [?] ]sind so durch besonderen Kult geschützt. Aber alle Waldbäume gehören der bo-mi- bzw. bo-ma-Klasse an, die damit die Klasse für [die] Bezeichnung von mana-Trägern wird. In diese Klasse gehört auch bwanga bwanga, my- „das magische Macht, -mittel, -erlebnis Machtmittel, die Medizin, Machtmittel Medizin“; in den meisten anderen Sprachen heißt aber das „Machtmittel“ bwel, in Bakwiri gbe, Jaunde ele, im Duala eine besondere Art von Medizintrank, besonders zum Schwur und Bundesschluß verwendet, male male, vgl. S. 151, alle diese Wörter sind, wie auch das Duala bwele „Baum“ vom Bantu -ti „Baum“ abzuleiten. – Aus Baumholz werden auch die Machtmittel, soweit es Figuren und Stöcke sind, geschnitzt. – Bäume, erwachsen aus Pfosten, unter denen man Dorfmedizinen vergraben hatte, waren meist mit Geweihfarnen, Orchideen und ähnlichen Epiphyten bewachsen, wie heute noch die zum mfam, vgl. S. ---, gehörigen Bäume. Durch diese Lebensgemeinschaft bekommen dann auch solche kleineren Pflanzen das Ansehen von magischen Kräuter Kräutern.
Auch eine gute Anzahl anderer bewudu, sing. ewudu „Kräuter, Gräser“ dient als Drogen, vgl. auch Medizin Drogen und magische Mittel; jeder Landesteil, jeder Kult, -bund, vgl. auch Geheimbünde Kultbund hat sein besonderes und angesehenes Mittel, z. B. fehlt bei keinem Machtmittel der Bakwiri die herzblättrige Krautpflanze liwokowoko Kp. Medizinkraut mit herzförmigen behaarten Blättern liwokowoko. Die Geheimbünde brauchen ihre spezielle Machtmittelpflanze als Abzeichen, wie etwa der Staatsbeamte bei uns auf beschlagnahmte Gegenstände oder Äcker das Gerichtssiegel setzt. – ndjou Ndjou „das Machtmittel zum Schutz durch Machtmittel, Medizin Schutz von Haus, Ackerfrucht, Fruchtbaum“ ist meist ein aus dem Pflanzenreich entnommener Schmarotzer; besonders gelten auch Liliazeen als besondere mana mana-Träger.
Es ist erstaunlich, für wieviele Pflanzen nicht nur Namen vorhanden sind, sondern auch wie diese zumeist einer großen Menge von Leuten bekannt sind. Am meisten kennen sich natürlich die Medizinmänner, Drogisten von Beruf, in der Pflanzenwelt aus; jeder sucht sich selbst die benötigten Pflanzen draußen im Busch = ungepflegter Wald Busch. Freilich dürfen wir bei diesen Drogisten nicht ein systematisches botanisches oder pharmazeutisches Studium voraussetzen. Die Pflanzen sind bekannt nach ihrem äußeren Aussehen und ihrer Verwendbarkeit in der Drogerie oder nach ihrem Geruch Geruch, nicht nach ihrem anatomischen Aufbau. Immerhin hat man nicht nur Bezeichnungen für die einzelne Art, wie es oft von primitiven Stämmen behauptet wird, sondern auch Gattungsnamen, wie z. B. die genannten bwele „Baum“ und ewudu „Gras, Krautpflanze“, womit viele Speziesnamen zusammengefaßt sind. Aber auch bei ihnen unterscheidet man wieder, z. B. den Nutzholzbaum mukonya ma mundi „Festland-mukonya“ Sarcocephalus sambucinus oder Terminalia superba mit rötlichem Holz und mukonya ma damba „Sumpf-mukonya“, die Mytragyna stipulosa mit weißlichem Holz. Hier unterscheidet also der Standort, wobei die Pflanze nicht die gleiche Spezies sein muß. Der zum Kanuschnitzen bevorzugte mwenge, my- „ Rotholz Rotholzbaum“ Pterocarpus erinaceus oder santalinoides läßt unterscheiden mwenge m’ esumbe „Sumpfrotholzbaum“ mit leichtem Holz, mwenge ma momba „der der Cordia irongii ähnliche Rotholzbaum“ mit leichtem Holz und daher zum Kanubau geeignet, ngandjo a mwenge, ein Rotholzbaum mit leichtem hellem und ndjib a mwenge einer mit schwerem dunklem Holz, während siko a mwenge ein Rotholz schwerer als Wasser ist; ein noch nicht ausgewachsener Rotholzbaum ist esengeseng’ a mwenge. – Manche Spezies zerfällt in Unterspezies durch ihren verschiedenen Wuchs, z. B. moso mundene und moso musadi „großes und kleines moso“, ein weißblütiges Kräutchen, dessen Absud Kindern gegen Durchfall eingegeben wird und dessen Blätter die Frauen um das Barombigebirge herum ihren zu Heirat oder Arbeit aus dem Hause scheidenden Kindern auf der Brust zerreiben. Der Waldstrauch mudinge, die Glyphaea grewioides, ist kleiner als mudinge mundene (große mundinge, die Grewia coriacea). – Diese Beispiele mögen genügen; sie zeigen, daß der Kameruner nicht nur ein guter Beobachter ist, sondern auch die Fähigkeit hat, zu gruppieren und klassifizieren, wenn auch auf eigene Weise. Er mag unter den gleichen Namen Formen zusammenbringen, die oft botanisch recht verschieden sind nach unseren Begriffen. So fassen sie mit sendje „ Farn Farn“ alle nicht genießbaren Farne zusammen, ob sie nun auf Bäumen oder auf der Erde wuchsen, Riesen- oder Zwergfarne sind; nur die eßbaren sind mit mbongi, also durch besonderen Namen von ihnen geschieden. Wiederum bezeichnen die Bakosi mit ndele „ Nachtschatten Nachtschattengewächs“ ein stacheliges Kraut mit gelben, tomatenähnlichen, genießbaren Früchten, ndel’ a ngwe „Kultbundnachtschatten“ ist eine wilde Art, deren gelbe Früchte nicht genossen, aber als Abführ- und magisches Mittel beim ngwe (Ko.), sonstwo ngua, Kultbund der Kosi und Nachbarn ngwe-Kult
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[eingeklebter Zettel mit nichtlesbaren handschriftlichen Notizen, größtenteils in Steno-Schrift, nicht lesbar]gebraucht werden, ndel’ e nsyog „Elefantennachtschatten“ ist ein stacheliger Busch, dessen schlehengroße, grüne Früchtchen in Dolden stehen und von Vögeln gefressen werden, die so das üble Unkraut weithin verpflanzen. Hier zeigt sich, wie sowohl die äußerlichen Merkmale wie der Gebrauch zur Bildung des Namens beitragen. Baum
Weicht der Kameruner bei seinem Einteilen von unserem wissenschaftlichen Klassifizierungsprinzip ab, so wolle man daran denken, daß der gemeine Mann bei uns und erst recht der vor 3[00] – 400 Jahren die Pflanzen auch gruppiert und gruppierte nach der äußeren Erscheinungsform und nach dem möglichen Gebrauch. Auf die Zahl der allgemein bekannten Pflanzen gesehen hält der Kameruner jedenfalls den Vergleich mit dem ungeschulten Europäer aus.
Es kann hier nicht die Absicht sein, alle die Mehrzahl der [den] Eingeborenen bekannten Pflanzen oder im folgenden Abschnitt die der Tiere aufzuzählen. Es soll eine kleine Liste der wichtigsten, die uns in dem Abschnitt über die Machtmittel, vgl. S. ---, beschäftigen, gegeben werden. Denn haben die Kameruner ihre überaus reiche Pflanzenwelt genau beobachtet und benannt (man könnte hier von einer rudimentären Wissenschaft Wissenschaft reden), dann aus zwei Gründen: Sie liefert dem Menschen Nahrungsmittel und Drogen. Besonders die genauere Kenntnis der letzteren ist seit Jahrhunderten, vielleicht Jahrtausenden überliefert, und sie enthüllt die gute Beobachtungsgabe der Kameruner Flora, Pflanzenreich . {22}
Noch mehr als in der Pflanzenwelt tritt bei Betrachtung der Tierwelt die Fähigkeit des Kameruners zu klassifizieren hervor. Das zeigen schon die Namen, die eine große Gruppe bezeichnen, z. B. nyama 9 „Säugetier“, erst abgeleitet „das Fleisch Fleisch“ und zwar nur das der SäugetiereEin Tier besteht aus ewesé, be- „Knochen“, muson, mi- „Muskeln“, mwea, my- „Eingeweide, Gedärme“; Nieren, Magen, Leber, Lungen werden oft dazu genommen, oft sind sie in der Brust enthalten, wenn verteilt wird; die Leber geht freilich meist besonders, denn sie ist ein Ehrenstück. Will man von „Fleisch“ im Gegensatz zu „Knochen, Haut, Gedärme“ u. ä. reden, so sagt man muson, mi- „Muskelfleisch“. Bei Huhn, Fisch, Schlange u. ä. ißt man nicht nyama „Fleisch, Säugetier“, sondern eben „Huhn, Fisch, Schlange“ u. ä. Der Körper ist außen mit eyobo, be- „Haut, Fell“ bedeckt, womit auch das „Leibliche“ im Gegensatz zum „Seelischen, Geistigen“ bezeichnet ist; in der religiösen Sprache steht es für sarx, während nyolo, ma- den körperlich-geistigen Organismus des soma bezeichnet. – Die Namen nyamabwaba „langes Tier, Schlange“ und nyamalóbà „Himmelstier; eine Blindschleichenart“, nyamandjou „Elefantenfleisch, ein Waldbaum“, nyamambodi „Ziegenfleisch, ein Gewürzkraut“ u. a. zeigen jedoch, daß nyama hie und da auch im weiteren Sinne gebraucht werden kann. 2
Tun wir einen kurzen Blick in die Tierwelt, so sehen wir, daß fast alle Tiergattungen vertreten sind. Wir können freilich nicht alle benamten Tiere aufführen und unser wissenschaftliches System der Einteilung ist dem Kameruner natürlich fremd.
1) Die Weichtiere haben keinen Gattungsnamen; die wichtigsten sind: Ekongkong, be- jede Art „Erdwürmer“ und mulombi, mi- „Eingeweidewurm“, wörtl. „der Schlanke“, kleine und große, eine Plage, der viele, besonders Kinder erliegen; man meint freilich auch, jeder Mensch müsse Würmer haben, nur das Übermaß sei schädlich; mulondodi, mi-, wahrscheinlich von londa „voll, gefüllt werden“, ist anschaulicher Name für „Blutegel“. Der kleine Wurm der Filaria Filaria loa, genannt ilodi, lo- tritt im Auge des Menschen in Erscheinung, und geschickte Eingeborene holen ihn dort mit dem Dorn eines Palmzweiges heraus. Muwu, mi- ist die Made, Wurm von Fliegen und ähnlichen Insekten. – An Pflanzentierchen sind den Anwohnern des Meeres bekannt ekabuma, be- „Qualle“ und etutma, be- „Tintenfisch“. An Muscheltieren fängt man ekango, be- „Bohrmuschel“, Austern in ihren esuna, be- „Muscheln“ und --- (Bobe) „Seepokke“. Achatina-Schnecken ko 9 werden von manchen Stämmen gern gegessen, ihre großen Gehäuse sind Spielzeug und Behang der mengu-Darsteller, vgl. S. ---, die größten dienten früher auch als Pulver- und Schnupftabakbehälter. Häuschen kleinerer Wasserschnecken werden zu magischer Medizin zerrieben. Mbamba „die Kaurimuschel Cypraea“ wurde früher in großen Mengen eingeführt, denn sie war in mancher Hinsicht beliebt, vor allem war sie Schmuck Schmuck und Machtmittel für den Fruchtbarkeitskult Fruchtbarkeitskult, vgl. den Kopfkranz der Häuptlingsfrauen im Grasland. Stellt sie die Attribute des Mann und Frau, männlich und weiblich Weiblichen, so die Oliva [?] die des Männlichen dar. Mbamba wird bei Spiel Spiel und Orakel Orakel als Würfel benützt und galt vor Einführung des europäischen Geldes überall als Scheidemünze.
2) Unter den Gliederfüßern sind bekannt an Krebsen: Musa, mi- „der gemeine Krebs“, musombe, mi- eine andere Art, dingoso, ma- „Languste, Garnele“, mobe-ngomo „der die Fell Trommel, Fell-, Schlitz- trommel schlägt“, eine Art mit großen Kneifern, kodi 9 „der Einsiedlerkrebs“, ntepe ma musa „Krebs mit weichem Panzer“, mbeatoe 9, eine Art, die alle drei Jahre in großer Menge im Dualabecken auftritt und die über das portugiesische cameraes Kamerun den Namen gab, ewolowoso „großer männlicher Krebs“, ngalatanda „Taschenkrebs“; auch die Krabben sind sehr zahlreich: Dibanga „Zwerggarnele“, die an der Küste in Massen gefangen und getrocknet verkauft wird. Muyeye, ba- (merkwürdigerweise in der Personenklasse) wörtl. „Winker“, eine Krabbenart in den Krieks [Anglizismus von „creek“] ; dingombo, ma- „große Winkerkrabbe“, dikako die „ Krabbe Krabbe Gecarcinus“, ntepe ma dikako „Krabbe mit weichem Rücken“, eyum (a dingombo) „Riesenwinkerkrabbe“. Krabbenschere Krabbenscheren sind als Pfeifen bei Anrufen der Ahnen und Gottes in Gebrauch vgl. S. ---. „Asseln“ sind --- a bedimo „Ahnen ---“, denn sie sind an dunklen und feuchten Orten am Boden und gelten als Omen Omen. – Von Spinnentieren seien genannt: Dibobe, ma- „ Spinne, vgl. auch Vogelspinne Spinne“, die auch den Namen für das Himmelsgewölbe abgegeben hat, vgl. S. 2f.; mukal’ a dibobe „Kreuzspinne“, die Vogelspinne heißt dibobe la ngambi „Orakelspinne“, weil sie ein besonders im Süden und im Grasland angesehenes Orakel ist, vgl. S. 158f. Yolo, lolo „Skorpion“ ist wegen seines Stiches gefürchtet, ob es nun der große ya mundo „Schwarze“ oder der kleinere i mole „der rötliche“ ist.
{23} Die „Zecke“ Ornithodorus moubata heißt diwowa, ma- „das (Blut-)saugende“ und ist für Vieh, besonders Hunde, eine Plage; kusu „die Elefantenlaus“ wird mit dem Zurückgehen des Dickhäuters auch seltener. – Die Tausendfüßler sind immer unterwegs, sie haben den Gattungsnamen ngokolo und sind im Sprichwörter Sprichwort Bild für Zeitigkeit und Stetigkeit der Arbeit. Der rote Tausendfuß >Tausendfuß munyangadi ma ngokolo „Kindbetttausendfuß“, verdankt seinen Namen seiner roten Farbe Farbe, denn die jungen Mütter werden mit Rotholzfarbe eingerieben; der runde lange Tausendfuß, Duala: Ngokolo a mbena „Unheilstausendfuß“ und Bakwiri: Mwea ma ngole „Darmtausendfuß“ ist ein Fluch- und Unheilszeichen, vgl. S. 57ff. Ewolo „der Ringwurm“ gab den Namen für „Brot“ ab, weil dieses zuerst als runder, oben gelochter Schiffszwieback eingeführt wurde, der den Ringwurmnarben auf der Haut so ähnlich sah. – Mit dem Speziesnamen etanda, be- „Insekt, Käfer Käfer“ wird diese artenreiche Tierklasse zusammengefaßt. Allgemein bekannt an Zweiflüglern sind ngingi 9 „Stubenfliegen“arten, ebo, be- „Bremse“, sowohl Glossina palpalis als auch Glossina morsitans, eine größere Art ist epongo, be- „Elefantenbremse“, mudiki, mi- ist eine „Stechmücken“art im Walde; yungu, l- sind die zahlreichen Moskitos Moskitos, darunter die Anopheles-Mücke, die Überträgerin der Malaria, vgl. das Tabu auf S. 15. Wenn sie sich nachts auf Fischereiplätzen in Mengen einstellen, so ist das ein Omen, daß mengu „Wassergeister“ unterwegs sind, und dem Leoparden gehen sie voraus, so daß der Jäger merkt, daß sich der mombale mombale „Hauptkerl“ einstellt. – Die „Mangrovenfliege“ isuna, lo, die Chrysops dimidiatus, gilt als Überträgerin der Filaria Filaria loa; sie wird stets verfolgt, denn sie saugt so stark das Blut an, daß der Stich weiterblutet, vgl. ilodi auf v. S. Ipisi, lo- „Sandfliege“ treibt bald nach Anfang und kurz vor Untergang der Sonne ihr quälendes Unwesen. Ein Neuling im Lande ist esaso, be- „der Sandfloh“ Pulex sarcopsylla oder penetrans, der erst 1872 mit der Brigg Thomas Mitchell aus Brasilien nach Westafrika gekommen sein soll und von dort aus eine Plage des ganzen tropischen Afrikas geworden ist; besonders sind Schwein Schweine und Hunde seine Gasttiere. Als primitives Gegenmittel wird Wasser Wasser in die Wohnungen gespritzt; gebohnerte Böden meidet er wie sein Namensvetter, der Floh, der in Kamerun nicht heimisch ist.
Die Hautflügler sind vertreten durch ndombi „die Biene“, die überall wild vorkommt, besonders im Gebirge unter Felsen, aber auch in hohlen Bäumen des Waldes. Bienen Bienen sind Boten (Omen) für kommende Gäste und ist einem der so angemeldete Besuch nicht genehm, so schlägt man den Boten tot. Man stellt den honiggefüllten Waben nach, verschmäht aber auch die Brutwaben nicht. In manchen Gegenden sucht man auch Schwärme einzufangen, indem man längliche Töpfe, ausgehöhlte Blöcke oder Strohkörbe auf Bäume bindet. Um wilden Honig zu erhalten, brennen die Bakwiri das Gras des Kamerunberges ab und betäuben die Bienen mittels Akazienblätterrauchs. Im Landesinneren kommt eine Zwergbiene vor, die sich in Wandlöchern ansiedelt, die sie mit einem eleganten Wachstrichter als Eingang versieht. Die kleine Wespe pobongo siedelt in kopfgroßen Ballen auf Bäumen; ihr Stich ist schmerzhaft. Tongo 9 „die Schlupfwespe“ baut ihre Waben aus Lehm an geschützten Plätze und mauert als Nahrung für ihre Jungen Spinnen und anderes Getier lebend in solche Waben ein, nachdem sie ihre Eier in diese Tiere gelegt hat. Hat sich das Ei zur tongo entwickelt und ihre „Pflegemutter“ aufgezehrt, so bricht das Insekt das Gefängnis und fliegt aus. – Die Wespe dipomo, ma- baut ganze Kolonien ihrer weißen Waben unter Dächer oder in hohle Bäume. Die Maden der Hautflügler heißen miwu, vgl. S. 22, oder etom, be-; sie werden verabscheut und doch als magische Mittel benutzt.
Seleke „ Termiten Termiten“, die Feinde alles weichen Holzes, kommen in verschiedenen Arten vor; im vorderen Waldgebiet eine kleinere Art, die schöngeformte, kelchartige, bis zu 80 cm hohe Wohnungen mit Dach baut, vgl. S. 17. Größere Arten leben im hinteren Waldgebiet und Grasland, eine Art nennen die Banyangi „Dickköpfe“; ihre unregelmäßigen Bauten werden bis über 2 m hoch. Im Grasland fängt man die Schwärme einer dritten Art, von den Bali ngo genannt; sie gelten als leckere Speise.
Mit sono 9 faßt man alle Ameisen Ameisen zusammen, insonderheit alle Nicht-Wanderameisen. Zu ihnen gehören wieder verschiedene Arten, z. B. kedi, groß und rot, ekusangang, be- stickend, mutotolabi, mi- groß und schwarz, pupu {24} groß, gilt vielerorts als Omen, ngomkom, rot, die geflügelte elabinyango „die die Herrin stechende“, bonamikenge, eine heftig beißende kleine Art u. a. Einige sind Fleischfresser und zwicken daher auch Menschen, andere leben von pflanzlicher Nahrung. Am meisten gefürchtet sind die Wanderameisen sao; sie gehen, oft in langen Zügen, auf Raub aus und überfallen alles, was nach Fleisch riecht, ob tot oder lebendig. Kommen sie am Tag in eine Europäerwohnung, so sind sie oft nicht ungern gesehen, denn sie sind die rechten „Kammerjäger“ und vertilgen Kakrotschen [Kakerlaken] und andere unliebsame Dauergäste; nach einer Weile ziehen die Wanderer wieder ab. Im Märchen Märchen gelten ihre unterirdischen Gänge als Wege zum und vom Hades.
Den mancherlei, meist farbenfreudigen Schmetterlingen, Faltern und Motten schenkt man nicht viel Beachtung, vielleicht weil sie in Kamerun weniger Honig saugen, als stets an Kot und Urin Urin anzutreffen sind. Ihre Raupen heißen eyoi, be- und die in einem oft kopfgroßen Kokon siedelnden Saturnidae --- in Kp. ---, Ko. ---, Nya. gelten als Fleisch und werden vielerorts als Lekkerbissen gegessen, manche hegen sie sogar.
Von den mancherlei Arten von Käfern haben nur wenige Spezies einen besonderen Namen: etand’ a ndjou „Herkuleskäfer“, mungi ma madiba „ein Wasserkäfer“, epololo, ein Yams fressender Käfer, ehon (Ko.), ein Wasserkäfer; der große Mistkäfer --- (Ko.) spielt besonders für die Büffeljagd Büffeljagd eine Rolle. Bei Verfolgung von Büffeln ist alle Büffellosung nach solchen Käfern abzusuchen und sie sind zu töten, soll die Jagd, Jäger Jagd Erfolg haben. Mulekuleku „der Goliathkäfer“ lebt samt seiner Made ekungu an den Raphiapalmen; ekungu wird gegessen, ist aber lange nicht so beliebt wie pose, die Made des Palmbohrkäfers Rhynchophorus phoenicis. Interessant ist die elange-mbu „die die Jahre zählende“ genannte Raupe; sie steckt in einem Hautsack, mit einer Öffnung vorn und hinten. Der Hautsack ist umgeben von parallel-längsliegenden Stäbchen. Die Kameruner sagen nun, das Insekt lege jedes Jahr ein weiteres Stäbchen zu; daher der Name, der zugleich eine treffende Wiedergabe unseres „Kalenders“ ist.
Wanzenähnliche Insekten sind nina 9 „die Kopflaus“, in der Jugend inanga mit der mune ma nina „Niss“; von ihr behauptet das Sprichwörter Sprichwort: „Läuse (d. h. Schulden) in Menge verursachen kein Beißen“. Ekukulan, be- „Bettwanze“ ist nur dort eine Plage, wo man Bettstellen nach europäischer Weise zusammennagelt; beim Bett der Waldländer – wenn man deren Lager Bett nennen kann – sind sie leicht zu bekämpfen.
An Netzflüglern sind den Bakosi zwei Libellenarten bekannt, nsisag 3 und ngide 9, die von Kindern mittels Fächern niedergeschlagen und verzehrt werden. In der Niederung ist nyanga „Flußjungfer“ häufig.
G[e]radflügler: Dikele, ma- sind an der Küste „ Heuschrecken Heuschrecken“ aller Art. Wanderheuschrekken, die im Grasland in den letzten Jahren in großer Menge auftraten, heißen dort ngum. Wegen des großen Schadens werden sie von der Landesverwaltung bekämpft; sie kommen nur bis an den Rand des großen Waldes in verlorenen Schwärmen und heißen in Bakosi ngome. Sie werden in Mengen gesammelt und roh oder geschmort verzehrt, im Grasland trocknet man sie auf Vorrat in der Sonne. Dikele la lemba „Hexenheuschrecke“ ist die Gottesanbeterin Mantis Mantis religiosa. Sie gilt nur als gefürchtetes Omen, wenn sie, ein Tagesinsekt, nachts in der Hütte gesehen wird. Verwandt mit ihr ist „der fliegende Ast“, bei den Kp. --- „Zerschneider des Mais“ genannt, weil das Insekt durch Zerbeißen der jungen Maispflanze Schaden anrichtet. Einer großen Grillenart esele, be- graben die Kinder nach und verzehren das fette Insekt als Leckerbissen; daher sagt das Sprichwort „die Grille gräbt ihr eigen Grab“. Die Maulwurfsgrille heißt der muwase-nina „Läusesucher“ wegen der eigentümlichen Bewegung ihrer Vorderbeine. Eine andere Grillenart heißt ndom’ esele „Schwester der Grille“. Eine rechte Plage für Eingeborene und Europäer sind die epependju, be- „Kakrotschen“ [Kakerlaken] , die Speisen und Kleidern gleich gefährlich sind. Die Schwarzen legen scharfriechende Kräuter gegen sie aus und begrüßen einen Überfall der genannten Wanderameisen, die die platten Insekten aus Ritzen und Winkeln aufstöbern und sie bis auf die harten Deckflügel auffressen.
{25} Reptilien: Für Fische Fische ist i. a. eine Bildung des Bantu-Wortstammes ---, Du. sue, gebräuchlich, bei den Stämmen im Norden ndondi, das vielleicht dem Sudan Sudanesischen entstammt. Bei den Anwohnern des Meeres und größeren Gewässern sind eine große Menge Namen bekannt; es kann hier nur eine ganz kleine Anzahl angegeben werden:
Die „Stachelflossler“ yenda, mobe ma yenda, isese a yenda, se, wanga; nyendi der „Adlerfisch“ und seine Verwandten mboki ma nyendi, epa und wanga; ndjonga „Sägefisch“, ndom „Hai“, ein bekanntes Nagual, Nagualismus = Individualtotemismus Nagual, mwabo „Seehecht“, mu- [handschriftlicher Zusatz: ndom a matoit ?] mulonge ma ndom „Hammerhai“, njandje „Hornhecht“, ngunu „Wels“, yel’ a ngunu ein schlangenartiger Fisch, mundjondjo „Aal“, der als Schlange angesprochen wird, din, pl. min „Zitterwels“, wegen seines elektrischen Schlages gefürchtet; man schreibt ihm, wie auch dem bizarr gestalteten duba 5 „Rochen“, dessen Fleisch fettem Schweinefleisch ähnelt, die magische Kraft nia nia zu, vgl. S. ---, manche essen sie daher nicht; yoso, l- „Delphin“, ekokondo „Herzogfisch“, epongo „Kaiserfisch“, lepe „Kletterfisch“, munguma „Sterlet“, senue „Arapama“, ebodume „großer“ und duba, m- „kleiner Rochen“, moyo, my- der bei den Subu viel gefangene „Stichling“, ndondondume „Fahak“, mutondo „Thunfisch“ und die kleinen: Ekolo „Korallenfisch“, ekeke, „Geißler“, sese „Nadelfischchen“, mudime „Schlammbeißer“ u. v. a. Fische sind Meeresbewohner; darum enthält das Schüttel- oder Körbchenorakel Schüttelorakel, vgl. S. ---, auch Fischknöchlein und -knorpel.
Unter Amphibien sind am bekanntesten mbomboka „ die Kröte Kröte“, vor der man sich ekelt, denn man hält ihre Warzen für bekako „Eiterpusteln“. Die verschiedenen Froscharten faßt das Duala mit mukonge, mi- zusammen, sie gelten als Regenrufer. Bei den Stämmen, die gewisse Froscharten essen, hat man auch Namen für solche, z. B. --- „Haarfrosch“ der Bakwiri, große edzo „Ochsenfrosch“ der Jaunde (Rana Zenkeri) u. a.
An Urzeiten erinnert der Lurchfisch mbuku „Schlammspringer“; dieser Lungenfisch Periophthalmus koelreuteri lebt am schlammigen Ufer der Krieke [Anglizismus von „creek“] und wird von Kindern gesammelt und gegessen.
Der Fischfang Fischfang der Frauen befaßt sich nur mit des Wassers Kleingetier, das meist malou heißt, abgeleitet von loa „krebsen, nach Frauenart Fische fangen“ durch Ausschöpfen von Tümpeln, Wühlen im Ufer und Suchen unter Steinen und versunkenen Stämmen.
Alle Schildkröte Schildkrötenarten werden gegessen: Die als ‚kameruner Reinecke Fuchs’ in den Märchen Märchen als schlau nam’ a misomba dibua geschilderte und daher als Orakler und Richter auftretende wudu 9 „Landschildkröte“, auf dem Rücken schön gezeichnet. Ihr Panzer wird in manchen Kult, -bund, vgl. auch Geheimbünde Kultbünden als Trommel geschlagen, ihre Schenkelknöchlein gern als Mittel gegen Rheuma umgebunden. Manche Stämme fürchten die Landschildkröte sehr, wie andere das Chamäleon, da ist es tabu, sie nur zu berühren; Gebrauchsgegenstände, die mit ihr in Berührung kommen, sind dem Unheil verfallen und werden weggeworfen. Sie gilt gleich einer strafenden Gottheit, die Übeltäter dadurch züchtigt, daß sie ihm Nasenkrebs schickt, diboa la nambe, was als unheilbar gilt. Eine gelbliche Abart ist ekata, be-. eku, be- „Flußschildkröte“; ihr Name dient zur Bezeichnung eines Nagual, Nagualismus = Individualtotemismus Naguals, z. B. eku a ndjou „Nagualelefant“, vgl. S. ---; sondjo oder sondjo eku „eine kleinere“, ndiwa „eine größere Seeschildkrötenart“. Sonderlich diese beiden Arten werden wegen ihres beliebten Fleisches gejagt.
Der alte Bantuname nyoka ist in manchen Sprachen als nyoka (Ku.) oder nyo (Kp.) erhalten; im Duala ist er verloren und man sagt nyamabwaba nyamabwaba, pl. nyamamyaba „Tier der Länge, das lange Tier“ für „ Schlange Schlange“. Daneben hat aber jede einzelne Art ihren besonderen Namen, z. B. mbomo „ Riesenschlange, vgl. auch Schlange Riesenschlange“ Boa constrictor, die im Totemglauben der Stämme eine große Rolle spielt, vgl. S. 86ff. Wenn aber im Neuen Testament „Perle“ mit seng’ a mbomo „Kieselstein der Riesenschlange“, der auf dem Kopfe des Totemtieres nachts hell leuchten soll, wiedergegeben ist, so hätte die Übersetzung doch wohl besser die abergläubisch nicht belastete „Perle“ als Fremdwort in die biblische Sprache eingeführt. Das Fleisch dieses bis 6 m langen Reptils wird wie das der trägen pe 9 „Puffotter“ Batis nasecornis gegessen. Viel gefährlicher, wenn auch kleiner als diese Giftschlange ist mbamba 9 „Mamba“, die gereizt alsbald zum Angriff übergeht. Nkotí „eine gelbe Cobra“ kündigt ihren Angriff an, indem sie sich aufrichtet und ihre ‘Brillen’ aufbläht. Mutom, mi- ist die „grüne Peitschenschlange“. Von ihr sagt man, mu bi ilondi „sie verstehe sich auf Verstellung und Verführung“, sie könne nämlich ihre Stimme zu der der Tiere, sei es Frosch, Vogel oder ein anderes verstellen, um es zu betören. Die große schwarze ndjembu 9 hat am Bauch gelbe Querstreifen, die sich nach Meinung der Kameruner jährlich um einen Streifen mehren. Wasserschlangen gibt es fast überall. Schlangen kämpfen auch miteinander und geben dabei fauchende Laute von sich ähnlich dem menschlichen Schnarchen. Wird bei solchem Kampf eine Puffotter gegessen und sie kommt dem Tod nahe, so bringt ihr – so erzählt man – ihre Genossin ein Kraut als Heilmittel, das rasch hilft. Auf diese Weise habe schon mancher eine Droge gegen Schlangenbiß kennengelernt. – Schlangen auf dem Wege sind schlimmes Omen, aber auch sonst sind sie gefürchtet; man schreckt zunächst vor ihnen zurück und sucht sie dann zu töten töten. Selbst getötet werden sie noch gefürchtet, wenn ihnen nicht der Schwanz abgeschlagen ist. Denn man glaubt, sie verletze auch mit ihm. Manche Stämme essen alle Schlangen.
{26} Es sieht einem homöopathisches Mittel ähnlich, wenn Medizinleute den Kopf von Giftschlangen über dem Feuer trocknen und dann zerreiben, um das Mehl unter Trinkmittel für von Schlangen Gebissene zu mischen. Gift soll Gift heilen; aber das Schlangengift ist aus dem getrockneten Kopfe längst entwichen, vgl. S. 147.
Mit <Schlange> wird auch die magische Kraft, Lebenskraft des Stammes oder Familie bezeichnet, vgl. S. 16, 86ff. Man fürchtet, daß diese <Schlange> aus ihrem Aufenthalt ausbrechen und Unheil anrichten könne, wenn sie gestört wird. Darum wird ihr gelegentlich auch geopfert. Wer diese <Schlange> ungeschützt sieht, muß in kurzer Zeit sterben und man berichtet immer wieder von solchen, deren Tod auf das überraschende Erscheinen solcher Schlangen zurückgeführt wird. Sie begegnen nämlich auch solchen, die das Tabu nicht verletzt haben Schlange .
Früher waren ngando 9 „ Krokodil Krokodile“ (Crocodilus niloticus) häufig in den großen Flüssen zu sehen, wenn sie sich am Strande oder auf umgefallenen Stämmen sonnten, heute sind sie selten. Stromregulierungen und Schiffahrt sind ihnen lästig. Krokodile sind ein häufiges Nagual, Nagualismus = Individualtotemismus Nagual und viele Alten fürchten sich nicht vor ihnen, wenn sie ihrem Machtmittel vertrauen. Ein großes breites und wegen seiner Wildheit gefürchtetes Krokodil, ngungu oder ngungu a ngando genannt, ist zugleich mythologische Figur. Mombe „das Kurzmaulkrokodil“ Osteolämus soll einem, der Blähungen hat, im Bauch sein, vgl. dazu Nagual auf S. ---. Es lebt mit wudu „der Landschildkröte“ zusammen, „die ihm als Kissen diene“. Diese Schildkröte Schildkröte hält sich gerne in der Höhle des mombe auf und hält mit beim Mahl, das dieser eingebracht [hat].
Zu den Schlangen zählt man auch die sehr gescheuten [wohl ironisierende Verballhornung von „gescheit“] , doch harmlosen Blindschleichen: Die braune munyo-myeny „Eiersäufer“, die gelb und schwarz gemusterte, 3/4 m lange, dicke nyamaloba „das Tier aus dem Himmel“ und djoki la loba. Weil die Schleichen während der heißen Trockenzeit ihren „Winter“schlaf halten, werden sie hauptsächlich gesehen, wenn die starken Regen fallen. Daher glaubt man, diese Tiere fallen mit dem Regen Regen aus dem Himmel herunter, vgl. nyamaloba, und weil sie wegen des stumpfen Schwanzes „zwei Köpfe haben“ sollen, sind sie stark tabu und das Volk meidet sie ängstlich. Dagegen können Kultleute sie essen. Mancherorts darf nur der Häuptling Blindschleichen genießen. Ißt sie ein anderer, so gilt das als Emanzipation, die grausam gestraft wird, wenn er nicht Sühne leistet. – Man sagt von den Blindschleichen, sie könnten pongo lambi „eine Falle stellen“, indem sie ihre beiden Enden in den Boden stecken und einen Bogen bilden. Schlüpft nun ein Tier durch diesen Bogen, so drückt es die Schlange auf den Boden, bis es verendet. – Außer diesen beinlosen Eidechse Eidechsen gibt es auch solche mit Beinen. Am bekanntesten ist die bunte ngule, die Agama colonarum, die auf allen sonnigen Plätzen Fangen spielen. Das Nicken des bunten Männchens, wenn es auf erhöhten Punkten Ausschau hält, gab Anlaß zu einem sinnigen Märchen. Die dunkelbraune musondje ähnelt unserer Zauneidechse; sie hält sich viel unter Steinen verborgen. Musondje ma ngule ist ein Mittelding zwischen beiden. Das bunte ngule-Männchen und grüne Weibchen gilt u. U. als Verkörperung eines Wiedergänger Wiedergängers, vgl. S. 46, 99. In diesem Falle hat es ein ngang, Kp. nganga nganga auf dem Grabe zu schießen, um den Spuk abzustellen. – Iwedi, lo- ist die giftige Lygosoma Fernandi; der Haftzeher Haftzeher eleu, be- „der Lecker“ Hemidätylus fasciatus, verdankt seinen Namen dem Umstande, daß er die Haare von schlafenden Menschen abfressen soll. Wird man seiner habhaft, so ist er zu töten töten, vgl. die Überlieferung auf S. 33. Die Rieseneidechse ngombe 9 „Landkrokodil, Waran oder Leguan Waran“ wird wegen ihres als wohlschmekkend gepriesenen Fleisches gejagt; sie gilt als taub. Ihre Haut wird in Streifen am Handgelenk gegen Filariaschwellungen getragen; Griffe an Waffen, Kultpanieren u. a. sind oft mit Waranhaut überzogen. – Auf den Hauptpfosten der Kulthäuser, vgl. S. 17 und ---, sind oft große Eidechsen geschnitzt, Frauen haben sie mancherorts auf den Leib oder Rücken tätowieren tätowiert; sie gelten als altes Zeichen der Fruchtbarkeit Fruchtbarkeit und des Lebens, vgl. S. 33; in manchen Gegenden ist es tabu, die ngule zu töten.
Eyonguledi, be- „das Chamäleon Chamäleon“ ist geradezu gefürchtet; der Grund ist wohl in der Überlieferung auf S. 33 zu sehen. Aussehen und Art des langsamen Tierchens beschäftigt des Kameruners Phantasie. Von ihm sind am Kamerunberg mindestens --- Arten bekannt und alle sind stark tabu. Die Bakosi sagen, wenn das Chamäleon einen Menschen sieht, erhebt es neunmal den rechten Vorderfuß. Tötet es der Mensch, bevor die Zahl Zahl neun voll ist, so stirbt das Tierchen; wenn nicht, so stirbt der Mensch. Eyonguledì gehört allerorts auch zu der Speise dindo, vgl. S. ---, wo man seiner im Tieflande nicht habhaft wird, fängt [man] eine andere Eidechse auf einem Grabe zu diesem Zwecke.
Die Vögel Vögel beherrschen das Gebiet der Luft und sind durch Flug und Ruf Omina; darum werden Krallen, Schnäbel u. a. von ihnen auch im Orakel Orakel, vgl. S. ---, verwendet. Die bekanntesten Schwimmvögel sind: Elela, be- „Moschusente“, {27} die vermutlich im 17. Jahrhundert von den Portugiesen aus Südamerika eingeführt worden sind; sie hat um die Schnabelwurzel eine rote Hautwulst mbamba 9 und lebt meist auf dem Trockenen; dagegen belebt elel’ a madiba, Ko. „die Wildente, das Wasserhuhn“ die Gewässer. – Die Möwenarten sind mit sokoloko 9 zusammengefaßt, eine Nebenart heißt kambo 9 oder kambo a dibongo „Landwindmöwe“; der Albatros ist mukopa, mi-. In den Buchten des Meeres führt der wambo 9 „Pelikan“ sein beschauliches Dasein und ist den Menschen ein Bild der Gefräßigkeit, Unzucht, Habsucht, Dummheit und Nachlässigkeit.
[folgendes Märchen steht auf Rückseite des vorherigen Blattes, vermutlich soll es an diese Stelle: Märchen Märchen: Die Vögel wollten einen König haben und erkoren den dimwamwa. Der wollte aber nicht. Da bestand der Pelikan darauf König zu sein, obwohl ihn kein einziger Vogel gewählt hatte. Weil man ihn fürchtete, gab man nach, erkannte ihn an und tat ihm alle Ehre [?] an. Die Vögel trugen ihn, wohin er auch wollte. Aber wambo gab nichts auf sein Ansehen noch Aussehen [?], auch hielt er sich nicht rein. Obwohl er gut mit Nahrung versorgt wurde, ging er auch selbst auf den Fischfang, trotzdem hatte er bei seiner Unersättlichkeit nie genug. So tat er wieder, was seine Leute als schändend empfanden und sie ärgerte. Zuletzt verließen ihn seine Untertanen. Von da ab hatte er keine Gemeinschaft mehr mit den anderen Vögeln und ist stets allein auf dem Wasser.
Mwen-bolo ist ein sehr scheuer Schwimmer [?]. Sieht er von seinem Baumsitz ein Boot vorüberfahren, so schreit er „nen bolo wa, nen bolo wa“.]
Mungambongambo, mi- „der graue Fischreiher“; ngole „Fischreiher“ Ardea cinerea, nganga „Flamingo“, ekweko, be- „Ibis äthiopica“, dimwamwa, ma- „der Silberreiher“ Herodias alba, musole „Strandläufer“, edobekwekwe „die große Bachstelze“ sind Vertreter der Stelzvögel. – Der Läufer ndjokolome 9 „Strauß“ wird erst in neuerer Zeit gelegentlich von Hausa aus dem Innern an die Küste gebracht und hat doch in Duala einen alten Namen. – Hühnervögel: Wuba 9, vom Stamme kuba, „das Huhn Huhn“ ist heute durch Kreuzungen mit europäischen Hühnern allgemein etwas größer als früher. Es wird nicht seiner Eier wegen gehalten, die früher fast überall als ekelerregend beim Essen abgelehnt wurden. Das Huhn ist das Gastgeschenk und das häufigste Opfertier; mancherorts wird es auch als Ordal gebraucht, vgl. S. 164ff. Ikwale, lo- „Rebhuhn“ ist der Rufer zum Aufstehen, kang „Perlhuhn“, im Waldgebiet wild lebend, wird im Hinterlande gezüchtet, koakoba 9 „das Truthuhn“ ist trotz seines Namens im Waldland nicht häufig, wird aber jetzt durch Hinterländler an die Küste gebracht. Disoa oder soa „das Purpurhuhn“ Porphyrio hyacinthinus hält sich meist an waldfreien Stellen auf, so auch auf dem Kamerunberg und Manenguba Manenguba.
An Tauben kennt man die auf den Wegen so häufige ido, lo „Zwergtaube“, mbenga 9 „Papageientaube“ und epasekoko, be- „die Wildtaube“ Turtur semitorquatus.
Die Singvögel sind sehr zahlreich: Der zierliche mundjole, mi- „Honigsauger“ erinnert an den Kolibri; sein Ruf aus den Bananenpflanzungen vorm Ort ist Omen; sein Nachbar in den Pisanggärten ist mobe-mbaka „Klapperschläger“. Indjanga, lo- „Zwergfink“ belebt in verschiedenen Arten und Färbungen die Grasflächen in und bei den Ortschaften, ebenso sein Vetter kangi, der aber einzeln lebt; ntate-mboa 3 „Heimhüter“, ein Verwandter unseres Sperlings, ist als gutes Omen Omen gern in des Hauses Nähe gesehen. Eine kleinere Bachstelzenart ndengu lebt auf dem Lande, ihr Vetter edobewekwe, be-, vgl. o., treibt sich unruhig am Meeresufer herum. Mwen-bolo „der Kanuseher“ Theresticus hagedash steht gern auf einsamem Platz in Flußnähe und fliegt schreiend auf, wenn sich ein Boot naht, vgl. S. 57, sududu, lo- „die Grasmücke“ belebt den Ortsrand. – Esese „der Rabe“ mit weißer Brust stellt mit rauher Stimme und noch härterem Schnabel dem ordinären schwarzen oder gelb und schwarzen isoklo, lo- „Webervogel“ nach, der in der Dörfer Nähe ganze Nesterkolonien aus Palm- oder Elefantengras-Blattstreifen an die Bäume hängt und mit seinem Lärm Sinnbild für nichtstuende Schwätzer ist, und sucht seine Brut als Beute. Viel seltener ist sondje 9 „der Rothalsweber“, dessen bis zu 50 cm langen Nester aus Streifen des Raphiablattes gewoben sind. – Die Drossel itoko, lo- (Andropadus) schläft im Busch bei den Häusern, während ihre Verwandten disome und nkombe sich mehr abseits halten. Dibonga, ma-, „die Schwalbe“ kommt in mehreren Arten vor; mbokolokum 3 „der Zwergspecht“ Dendropicus gilt im Märchen als der Trommler. Esese 7 der „Rabe“ Corvus scapulatus mit weißem Kragen und Brustlatz wird wie Falke und Habicht von den meisten nicht genossen, weil er Bauchweh mache, vgl. S. 68f.
Unter den Kletterern ist ngoso 9 „ Papagei Graupapagei“ sehr bekannt; seine roten Schwanzfedern waren früher begehrt; nur gewisse Geheimbundleute durften sie im Haar tragen. Der grüne Papagei mwanga-ngoso „der dem ngoso Verpflichtete“ ist seltener. Am Kamerunberg durchschwärmen die Bäume in Gruppen eine starengroße, langschwänzige Art, Kp. ---.
Durch Farbe und Bewegung erfreuen ikokewese, lo- „der kleine Eisvogel“ Liest [?] und sein großer Bruder diwese, ma- „der Königsfischer“ Halcyon senegalensis. Der den Regen Regen rufende musidi, mi- „Sporenkuckuck“ lebt zwischen Dorf und Wald. Im Wald oder bei den Pflanzungen überraschen immer wieder muloe, mi- „der Pfefferfresser“ Bandtoko [?] und sein größerer Verwandter munga, my- „der große Nashornvogel“, auch koka 9 „der Helmvogel“ CorytheixDie Kosi rupften seine Federn aus und verteilten sie unter die Genossen, die sich zu einem Kriegszug zusammenschlossen. Eine Feder sandte man ins feindliche Dorf als Zeichen der Kriegserklärung.
und der noch stolzere kudungu 9 „großer Helmvogel, Turako, Corythäolus“, dessen schillernde Federn gemischt mit Hahnenschwanzfedern zur Verfertigung von makuba, sing. di- „Federmützen“ für die Geheimbundvorsteher dienen.
{28} Der verwegenste Raubvögel Raubvogel ist der schlanke mbela 9 „Falke“ und noch mehr seine größeren Oheime ndjo a mbela „Leopardenfalke“, mbela nindene „Aquila Spzaelus [?]“ und mbel’ a dipomo „Aquila coronatus“; doch ist im Märchen wombe 9 „der Habicht“ der geschworene Feind des Huhns. Im Gegensatz zu ihm verlacht das Märchen Märchen eyungu, be- „den Geierseeadler“, weil er sich nur von Aas und Baumfrüchten nährt. Hat er sich durch die reichlich vorhandenen Ölfrüchte verleiten lassen, Pflanzenfresser zu werden? In übelstem Ruf steht esukudu, be- „die Eule Eule, der Uhu“ und Kp. --- „der Ziegenmelker, Caprimulgus binotatus, Nachtschwalbe“; sie sind beide Nagual und darum Hexenvögel, vgl. S. 95. Ihr Geschrei des Nachts und ihr Erscheinen am Tage ist gleich verpönt. Vögel
An Säugetieren sind außer den Beuteltieren wohl alle Familien in Kamerun vertreten. Ka „das Schuppentier Schuppentier“ und sein größerer Vetter ndjou a ka „Elefantenschuppentier“, d. h. „Riesenschuppentier“, dazu dun’, pl. mun „Faulaffe“ vertreten die Zahnarme. Die Schuppen beider ká spielen im Schüttel- oder Körbchenorakel Schüttelorakel eine wichtige Rolle, vgl. S. 161ff. Die Robben nennen ndjondjo „den Seehund“ den ihren; während man von ndjona „einem Seeungeheuer mit Hörnern“ nicht recht weiß, welches Tier damit bezeichnet ist; es ist auch mythologische Figur. Den „Seekühen“ manga 9 und der größeren Abart mandjule stellte man hauptsächlich an der Mündung großer Flüsse nach, sie sind aber heute fast ausgestorben. Die Bobe auf den Räuberinseln stellen dem ndjondji „ Wal Wal“ auf offener See nach. Die unpaarzehigen wosì (von horse) „Pferde“ und esel „Esel“ sind im Waldgebiet in neuerer Zeit eingeführt, dagegen haust seit alters auf sumpfigen Plätzen des großen Waldes ngoa „das Wild Schwein schwein“, das zum ngo’ eyidi „Waldschwein“ wurde, seit die Portugiesen das schwarze und die Deutschen das weiße Hausschwein, ngoa genannt, im Lande heimisch gemacht haben; von beiden Arten gibt es Kreuzungen. Das Wildschwein ist Totem der Frauen und ein beliebtes Jagdwild der Männer. Das Schwein wird zu Opferzwecken nicht verwendet, ein Zeichen, daß es noch nicht lange im Lande bekannt ist; manche Leute lehnen auch den Genuß des Fleisches von Hausschweinen ab. – An Paarzehern lebt das nicht wiederkäuende ngubu „ Flußpferd Flußpferd“ Hippopotamus in großen Flüssen und ist bei manchen Stämmen angesehenes Totem, Totemismus Totem einzelner Bünde. – Zu den Wiederkäuern zählen die große Gruppe der Antilope Antilopen, das „Haus Vieh vieh“ der Schatten, vgl. S. ---, und daher Hauptjagdobjekt: Isedu, lo- „ Zwergantilope“, yongo, by- „das Wasserböckchen“, mbudi 9 „Schraubenantilope“ Screpsiceros, mbindí 9 „Hirschferkel“ Cephalolophus, so 9 „Rotbauchducker“ Cephalophus dorsalis, kabì 9 „Buschbock“, ngolong 9 „Schirrantilope“ Tragelaphus Knutson u. a. Die kurzbeinige Ziege Ziege mbodi 9 ist überall die Genossin des Hackbauern und im Kamerun d a s Opfertier. Mudongi, mi- „das Schaf Schaf“ ist kurzhaarig und meist braun oder weiß, vgl. seine Beziehung zum Mond auf S. 6. Beim Opfer, vgl. auch Kulte und Ahnenkult Opfer wird auch das Schaf allgemein „Ziege“ genannt. Die langhaarige Mähne des Widders diente kultischen Stöcken als Zierde und Unterscheidungszeichen. Das kleine schwarze Rind nyaka (Bakosi-Rind) muß schon früh nach Afrika gekommen sein, denn es unterscheidet sich sowohl vom Buckelrind als vom ostafrikanischen. Der Tsetse wegen hält es sich nur bei den Gebirgsstämmen. Nyati 9 „der Büffel“ ist Objekt der Großjagd. – Ndjou 9 „der Elefant Elefant“, das einzige Rüsseltier, ist im Märchen <Häuptling> der Tiere und im Sprichwörter Sprichwort „Herr des Waldes“. Den alten Kulten, besonders ngwe (Ko.), sonstwo ngua, Kultbund der Kosi und Nachbarn ngwe und tambimbe, ist er angesehenes Totem, vgl. auch seine Rolle beim Sündenfall, S. 32.
Die Namen einiger Nager sind: Pue 9 „gewöhnliche“ und Kp. --- „Spitzmaus“, beide Totem der djengu-Weiber. Ko 9 „die Erdratte Cricetomys“, ngote 9 „Eichhörnchen“ und ngomba 9 „Stachelschwein“, dessen Stacheln als Werkzeug zum Strählen und Herausmachen der Sandflöhe verwendet werden und den Namen für „Gabel“ abgegeben haben, werden gejagt. Sak’ a ngomba „Erdferkel“, ein Nager mit kurzen Borsten, hat ein äußerst schmackhaftes und zartes Fleisch. Ngomb’ a dibum „Bauchweh“ wird auf magische Wirkung eines Stachelschweins im Bauch Bauch zurückgeführt; wie könnte man sonst solche Stiche im Leibe verspüren? – Insektenfresser ist hudehude (Ko.), eine Maulwurfsart. – Flattertiere: Ngwi 9 „ Flugeichhörnchen Flugeichhörnchen“, --- „Flugdrache“, epukepuke, be- „ Fledermaus Fledermaus“, die ein Hexenzeichen ist, wenn sie sich am Tage sehen läßt, und mweme, my- „ Flughund Flughund“. Dieser „Kinderschmied“, vgl. S. 6, wird am Kamerunberg gegessen; seine Flughaut wird vom Kult, -bund, vgl. auch Geheimbünde Kultbund --- als Membran an seiner okkulten Pfeife gebraucht. – Als marderartige Raubtier Raubtiere sind ebubuog (Ko.), ein ge- {29} fährlicher „Marder“, und hiel (Ko.) „Fischotter“ bekannt; hundeartige sind mbo 9 „der Hund Hund“; er hat sich in den letzten Jahrzehnten durch europäischen Einschlag im ganzen Land verbessert, ursprünglich war er ein niederträchtiger Klepper mit herunterhängendem Schwanz und spitzen Ohren, meist dunkelgelb gefärbt. Dieser Genosse des Jägers hat das Feuer Feuer aus dem Hades geholt, vgl. S. 16, ist ein angesehenes Opfertier in gewissen Fällen; ndjombe 9 ist ein hundeartiges Tier im Wald; mbanga oder mbang’a ndjo (leopardenähnlicher mbanga) „die Tigerkatze“ Felis serval, ist ein Hühnerräuber, dagegen ist die ndjobu 9 „Zibetkatze“ Viverra vivetta, deren Schwanzdrüse Moschus absondert, Pflanzenfresser. Zu den Katzen zählen singi 9 „die Wildkatze“ Genetta servalina, die heute sing’ eyidi „Waldkatze“ heißt, seit durch die Europäer die Hauskatze eingeführt ist; diese heißt heute singi, im Norden mambela. Se ist eine kleine Wildkatze, die Manguste Herpestes gracilis, und die größte Katze des Landes ist ndjo 9, der gefürchtete „ Leopard Leopard“, Totem verschiedener Geheimbünde. Man glaubt, wer ein Leopardenschnurrhaar verschlucke, bekomme den „Leopardenhusten“ eyosos a ndjo, d. i. die Schwindsucht. Daher sind diese Schnurrhaare bei Leuten, die dunkle Geschäfte lieben, beliebt, bei anderen auch der Genuß von Leopardenfleisch verpönt, vgl. auch S. ---.
Kema 9 ist der Name für alle kleineren und mittleren Schwanzaffen, man unterscheidet aber noch andere, z. B. musao ma kema, mbondi a kema; sehr kleine Meerkatzen sind eso’ a mbaki und eso’ a matanda. Ngila ist der in tiefen Wäldern vorkommende große Menschenaffe „ Gorilla Gorilla“ und nur durch Irrtum bezeichnet man in der Literatur auch den im Waldland unbekannten „Löwen“ mit diesem Namen. Auch der Kameruner erkennt im ewake, be- „ Schimpanse Schimpansen“ eine gewisse Menschenähnlichkeit und darum lehnen viele den Genuß seines Fleisches ab; das Märchen Märchen erzählt, wie sich die Schimpansen wegen der Kunst des Feuermachens von ihrem „höheren Genossen“ Mensch getrennt haben. Sombo ist der stummelschwänzige „Hundsaffe“.
Auf S. 50 ist der Wald Wald als der Ort bezeichnet, da die sichtbare und über- , unsinnliche Welt übersinnliche Welt sich in einer fließenden Grenze berühren. Damit hängt zusammen, daß man das, was man im wilden Wald sieht, als eine irdische Erscheinungsform unsinnlicher Wesen hält. So gelten z. B. das Wild des Waldes als die Haustiere der Ahnenschaft, z. B. die Schirrantilope ist das <Schaf>, die Schraubenantilope die <Ziege>, Büffel und Rinderantilope die <Kuh>, der Tausendfuß >Tausendfuß das <Huhn> der Ahnen, vgl. S. 230, u. ä.
Vergleicht man nun die Namen von Pflanzen und Tieren vom Psychologie psychologischen Standpunkt aus, so zeigt sich, daß sich in beiden Gebieten Gattungsbegriffe vorfinden, wenn vielleicht bei der Flora, Pflanzenreich Flora auch mehr als bei der Fauna. Vielleicht ist dabei wichtig, daß sich der Tierwelt gegenüber der Gesichtswinkel der menschlichen Betrachtung öfter ändert als der Pflanzenwelt gegenüber: Der Jagd, Jäger Jäger unterscheidet die Tiere von seinem Gesichtspunkt aus; es ist wohl eine alte Regel, daß Tiere mit Krallen Frauen verboten waren, wie das Huhn, Leopard und alle Vögel und alles Raubzeug; dagegen war der Frau erlaubt, Tiere mit Klauen zu essen: Rind, Ziege, Schafe, Antilope u. ä.
Interessant ist auch festzustellen, zu welchen Nominalklassen die Bezeichnungen für die Tiere gehören. Da ist es nicht verwunderlich, wenn die meisten Namen in der 9./10., der „Tierklasse“ und in der „Personenklasse“, (1./2.), keine vorkommen. Auch das Vorkommen in der 3./4. Klasse, der für Beseeltes oder Belebtes, und in der 11./12., der für Kleines ist verständlich. Auch die in der Klasse für symmetrisch Teilbares (5./6.) Vorkommenden passen dorthin. Nicht begreiflich aber sind die zur „Sachenklasse“ (7./8.) gehörigen Namen, und darunter sind auch noch die Namen solcher machthaltigen wie: Chamäleon Chamäleon, Fledermaus Fledermaus, Eule Eule, Flughund Flughund als ebonde ebonde (Du.), vgl. S. 6!
Man suche keine wissenschaftliche Kenntnis der Tierwelt bei den Kamerunern. Sie fühlen sich dem Tiere näherstehend als wir; nicht nur in bezug auf engere Lebensgemeinschaft mit ihm („ Mensch Mensch und Huhn Huhn – eine Haustüre“; Sprichwörter Sprichwort), sondern auch der seelische Besitz läßt die Kluft nicht so tief erscheinen. Zwei Gebiete sollen das kurz andeuten:
1) Mensch und Tier haben den gleichen Besitz des mbaki mbaki, vgl. S. 19 und S. 58. Zwar gilt das nur von großen Tieren, aber eben doch von Tieren. Der Mensch kann sich Kräfte des Tieres auf magische Weise aneignen und dienstbar machen; das setzt den Glauben voraus, daß Menschenseele und Tierseele bis zu einem gewissen Grade konform sind. Der Totem, Totemismus Totemismus läßt sie glauben, daß gewisse Menschen ihre Seelen in zwei Körpern (Mensch und Tier) investieren können, also: Mensch und Tier – ein Wesen. Zauberer können fliegen wie ein Vogel, um Feinden zu entgehen. Umgekehrt geben Tiere den Menschen Omina, wirken also rationell [rational?] wie Menschen.
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[Text auf Rückseite von S. 29, fast identischer Text auf S. 34: Die Basa erzählen, daß die Menschen zunächst ohne Not und Streit beisammen und mit den Tieren in Gemeinschaft gelebt haben. Darum seien sie auch sehr alt geworden, ja hätten überhaupt nicht sterben müssen. Denn waren die Alten schwach geworden, so legte man sie unter eine Nachtschattenart und sie wurden wieder jung und frisch. So wurde es den Tieren Angst, daß sie zuletzt vor lauter Menschen keinen Platz mehr auf Erden hätten. Erst nach Übertretung göttlicher Gebote, vgl. S. 31f., seien Not und Haß und damit auch der Tod über die Menschen gekommen.]2) Der Jäger sucht die Stimme des Tieres nachzuahmen, um es zu täuschen. Man glaubt auch, daß gewisse Tiere, z. B. das Huhn Huhn, „reden“ kann, es hat dies bei den Schatten gelernt. Ebenso auch des Jägers Begleiter, der Hund Hund, der ja sogar wie ein „Vollmensch“ auch „vier Augen“ haben und also in die unsinnliche Welt sehen kann. Vögel Vögel verfolgen in Märchen Märchen den Mord, Mörder Mörder und tun seine Untat kund.
Nimmt der Kameruner diese magische Verbindung zwischen Mensch und Tier auch nicht fürs normale Leben an Im Märchen wird oft auf vorzeitliche Gemeinschaft zwischen Mensch und Tier angespielt, vgl. S. 29 bei ewake; vgl. auch mubandjise [?] tongo a timbi sobe na mo a somobele o mboko ma bato na nyama, ni ponda ke ba dia bo lati „schließlich wurde der Bachvertrockner (Krabbe dikako) gefunden und er von dem Gerichtshof der Menschen und Tiere verklagt, denn damals waren sie noch miteinander vereint.“
, so fühlt er sich doch dem Tiere nicht so fern wie das bei Kulturvölkern (trotz Affenabstammungslehre!) empfunden wird Tier, Tierwelt . Natur
Das rufen, anrufen Anrufen der „Schattenvorfahren“ im Ahnenkult brachte es mit sich, daß man Personen an den Anfang der mbia „Geschlechterfolge“ setzen mußte. Es ist aber auch klar, daß diese Linie nicht weiter zurückgeführt wurde, als man mit anderen noch gemeinsame Verwandtschaft empfand. So geht das Denken nicht auf einen allgemeinen Anfang der Menschheit zurück, sondern auf einen Vorfahren, der, wollte man annehmen, daß die Zwischenglieder der Ahnenreihe zwischen ihm und den jetzt Lebenden stimmen würde, etwa 200 Jahre zurückliegt. Überlieferungen in den einzelnen Stämmen und Geschlechterfolgen gehen nicht parallel, sondern die einen haben diese, die anderen jene; sie zerfallen in Anfangs-, Sündenfalls-, Todesursache- und Sintflut Sintflutsagen, die hier kurz folgen:
Es ist schon gesagt, daß von einer eigentlichen Schöpfung Schöpfung nirgends gesprochen wird, sondern die Anfänger der Geschlechterfolge tauchen auf einmal auf, wie man es sich vorstellt, daß ein Geist oder ein Wild oder ein Omen Omen aus der unsinnlichen Welt in der Sichtbarkeit auftaucht und nun da ist, „ohne Vater und Mutter“ und ohne Schöpfer, der natürlich vorausgesetzt ist, vgl. S. 1f.
So überliefern die Bakosi Mann und Frau, männlich und weiblich : Unser Stamm begann mit einem Menschen namens Ngoe, Stammvater der Stämme um den Manenguba NgoeNach der Meinung der einen ist Ngoe der erste Mensch überhaupt; er siedelte mit den Seinen am Manenguba, von wo die Menschen später von der auf S. 34 mitgeteilten Sintflut weggeschwemmt werden. Nach anderen ist Ngoe einer in dieser Flut Geretteten. Er und seine Frau waten nach der Flut im Wald umher, ohne voneinander zu wissen. Gelegentlich einer Jagd traf Ngoe die Frau und nahm sie als Gattin mit nach Hause.
. Der lebte in einer ganz kleinen Siedlung, die heute Mw’ Ekang heißt, in der Ninong-Landschaft. Da er keine Frau im Hause hatte, war er sehr einsam und ohne Helfer. Er selbst bestellte seinen Akker und trug die Nahrungsmittel nach Hause; er allein holte Wasser an der Schöpfstelle und sammelte Holz im Wald; er töpferte und kehrte das Haus, er kochte sein Essen, zerstieß Tropenwurzknollen und zerrieb Bohnen. Er nahm diese Arbeit und Mühe einer Frau auf sich, denn er war es nicht anders gewohnt.
Eines Tages war er wieder einmal ins Manenguba-Gebirge jagen gegangen. Er stieg den Berg hinauf und gelangte an den See namens Ebuoge. Dort sah er plötzlich eine Frau am Ufer stehen Woher sie kam, macht niemandem Kopfweh. Sie kam eben aus der unsinnlichen Welt, ob nun der See oder der Wald oder das Ried die „Pforte“ in die Sichtbarkeit für Ngoe war.
. Da wunderte er sich sehr, denn er begriff nicht, was für ein Mensch das sein solle. Und Ngoe nahte sich ihr und begann mit ihr ein Gespräch.
Das erste, das er sie fragte, war: Wer bist du denn eigentlich? Und die Frau antwortete: Ich bin ein Weib. Er forschte weiter: Wie heißt du? Antwort: Mein Name ist Sum’ Ediang. Die Frau wiederum fragte ihn nach seinem Namen und erhielt Bescheid: Ich bin Ngoe, wohne über der Bangem-Niederung drüben in Mw’ Ekang. Die Frau fragte weiter: Was bringt dich denn hierher? Er antwortete: Ich verfolgte ein Wild und so habe ich dich hier ge- {31}
[zwei handschriftliche Notizen auf Rückseite von S. 30: Ähnlich überliefern auch die Meta im Grasland. Vor langer Zeit haben sie mit den Engi und Mogomo zusammen an einem Ort Tadkon [?] gewohnt. Damals sei auch die Gottheit noch in ihrer Nähe gewesen, aber keiner konnte ihn, den Unsichtbaren, sehen. Als Streitigkeiten unter ihnen ausbrachen, haben die anwesenden [?] Stämme ihren gemeinsamen Wohnsitz verlassen und sich getrennt in anderen Landschaften angesiedelt. Die ersten Menschen sind vor allem die Erzeuger der Menschheit. Diese Frage beschäftigt die Kameruner mehr als die Erschaffung der Welt, obwohl es auch Leute gibt, die darüber auch grübeln.]troffen. Und Ngoe fragte die Sum’ Ediang: Möchtest du mich als deinen Mann? Sie antwortete: Ja, gern! Da nahm er die Frau mit sich, führte sie heim, und sie ward seine Gattin.
Da wurde denn Ngoe all der Arbeit und Mühen ledig, die den Frauen zukommen. Und beide wohnten in Mw’ Ekang in großem Frieden, sie liebten sich gegenseitig, so daß Gott ihnen seinen Segen nicht vorenthielt Daß es rechtschaffene friedliche Leute waren, betont die Überlieferung ausdrücklich und stellt damit Friedfertigkeit und Rechtschaffenheit zum Ideal im Land auf; vgl. auch S. 34f und ---.
und ihnen sieben (manche zählen noch mehr auf) Kinder schenkte: Asume, Anong, Enam, Ngel, Abog, Mbong und Mukundú.
Ich übergehe den Bericht, wie diese Patriarchen der Stämme um den Manenguba und Kupé sich zerstreuten und ihre Stammesgruppen gründeten, und fahre mit den Bakosi fort:
Eines Tages war Asume, Sohn des Ngoe auf der Jagd in der Gegend des Kupé gegangen und erlegte dort viel Wild. Die Gegend sagte ihm zu und er beschloß, sich dort für immer anzusiedeln. Nach Hause zurückgekehrt, teilte er seinem Vater sein Vorhaben mit, brach auf und baute sich an den Hängen des Kupe an Damit übergeht der Überlieferer die Tatsache, daß die heute am Kupe wohnenden Bakosi die heute bei Mbanga siedelnden --- von ihrem Sitze vertrieben.
. Dort zeugte er fünf Kinder: die Söhne Nno, Etuge, Sunendem und Mbwog-Mud und eine Tochter Etane „die Fünfte“. Von ihnen kommen die fünf Unterstämme der Bakosi: Mwa-Nno, Mw’ Etug, Mwa-Sunendem, Mbwog-Mud und Mw’ Etan, die heute am Kupe und im Mbidehin [?] siedeln. Ngoe, Stammvater der Stämme um den Manenguba
Wie hier bei den Stämmen um den Manenguba gezeigt, fangen auch in anderen Gegenden die Ursprünge plötzlich an, man weiß nicht, woher die ersten Menschen kamen; z. B. bei den Basa:
Über die Erschaffung der Welt und der ersten Menschen wissen wir nichts. Unsere ersten Vorfahren kamen aus dem fernen Osten aus dem Loche eines großen Felsens hervor (das ist wiederum nichts anderes als: Sie kamen aus der Unsinnlichkeit in unsere Sinnenwelt); es waren Motesop und ein Weib Lambo. Die hatten am Anfang noch Schwänze. Sie gebaren viele Kinder und wurden bald zu einem großen Stamm. Unter einem großen Häuptling namens Pem ndje tomb entstand Unzufriedenheit und Krieg, der Stamm trennte sich und ein großer Teil wanderte aus, dem Tiefland zu. (So berichtet von Missionar J. Stutz Stutz, Jakob Missionar (nach Bericht vom 26.7.09) 1909). Mann und Frau, männlich und weiblich
Die Duála gehen aus von einem Ort Piti, wo Mbongo ihr Stammvater war und von wo die Nachkommen wegen allerlei Streitigkeiten wegziehen, sich trennen und ihre heutigen Wohnsitze besiedeln.
Nirgends schreibt man den Vorfahren oder den „Schatten“, auch nicht dem Ngoe die Schöpfung Schöpfung zu, wenn man auch glaubt, daß sie für die Fruchtbarkeit Fruchtbarkeit unter ihren Nachkommen sorgen und so ihren Stamm erhalten, vgl. S. ---. Die Ahnen sind überall geschaffene Menschen. Man spricht aber davon, daß die „Schatten“ Veränderungen an der Erdoberfläche vornahmen. So können sie nach der Überlieferung das Wasser in den beiden Kraterseen des Manenguba Manenguba steigen lassen, vgl. S. 34, Berge ließen sie unvollendet, weil ihnen das Baumaterial ausging oder der Regen ihr Werk verdarb, vgl. S. 1.
Die Basa berichten: Der Wirker schuf das All und „begann“ auch die Menschheit. Man sagt: Er „gebar“ zwei Kinder, einen Knaben und ein Mädchen. Der Wirker pflegte seine Kinder auf das Feld zu schicken; er selbst blieb zurück und kochte für sie. Bei ihrer Rückkehr vom Acker fanden sie die Speise jeweils gar gekocht vor. Und wußten doch nicht, wie sie gekocht worden war, denn sie kannten das Feuer Feuer nicht.
Eines Tages waren sie wieder aufs Feld gegangen. Da sandte der Mann das Weib heimlich zurück, damit sie herausfinde, wie Gott die Speise koche. Das Weib versteckte sich hinter dem Haus und sah nun, wie Gott einen kleinen {32} Stein und ein Stück Eisen Eisen nahm und mit dem Eisen an den Stein schlug, wie kleine Funken aus dem Stein fuhren in getrocknete Fasern und wie Gott damit das Feuer anblies und dann kochte. Als dann die Frau aus dem Versteck heraustrat, ward Gott zornig, schalt sie und schickte sie fort aufs Feld. So hatten denn die Menschen das Feuer gleichsam gestohlen.
Damals lebten Menschen und Tier, Tierwelt Tiere in Freundschaft Freundschaft zusammen und kein Tier tat dem Menschen etwas zuleide. Aber die beiden Menschen gruben eine Fanggrube, obwohl ihnen das Gesetz gesagt war, sie sollten kein Tier töten töten. Eines Morgens war nun ein Elefant Elefant in die Grube gestürzt und sie brachten seinen Rüssel mit nach Hause, um ihn zu kochen und zu verzehren. Als der Wirker dies sah, wurde er noch zorniger als das erste Mal und sagte: Jetzt gehe ich von euch fort und wohne nicht mehr mit euch beisammen, denn ihr gehorcht mir nicht.
Er packte also all seine Habe in einen Sack zusammen, hing ihn auf den Rücken und ging meerwärts. Da kam er an das große Wasser, wo der Meeresschlamm ist. Dort blieb er stehen und schalt die Menschen mit Verwünschungen und sagte: So jetzt gehe ich von euch, ihr Menschen und alle Tiere; bleibt zurück in eurer Torheit und tötet euch gegenseitig.
Da machte er den Schlangen und Leoparden und Elefanten und anderen Tieren „böse“ Zähne, um damit die Menschen zu töten, und erregte zwischen ihnen Feindschaft. Und wie er so im Schlamm stand, sprach er noch, der Schlamm solle hart werden wie ein Stein. Und so geschah es auch.
Und dann ging der Wirker von der Erde weg; er ist aber nicht gestorben, sondern existiert bis auf den heutigen Tag. Wo er aber im Schlamm stand, da sind seine Fußstapfen in jenem Steine Auch die Jaunde berichten, daß Zamba (= Nyambe „Gottheit“) seine Fußspuren in Felsen um Ndze ndzala Berg in der Mooge-Manga-Landschaft eingedrückt haben soll, vgl. Koloniale Rundschau 1912, S. 476.
heute noch zu sehen.
In dieser Überlieferung scheint sich das Bewußtsein widerzuspiegeln, daß der Besitz des Feuers der Anfang der Kultur, vgl. auch S. 227, ist und das Kochen der Speise den Menschen vom Tiere unterscheidet. Vergleiche dazu auch das Märchen, wonach sich der Schimpanse Schimpanse von seinem Bruder Mensch getrennt habe, weil dieser sich aufs Bereiten der Nahrung mittels Feuer besser verstand als er selbst Wirker .
[das folgende Märchen zu Seite 32 gehörig, aber nicht genau zuzuordnen] Märchen
Warum sich die Tiere von den Menschen trennten.
Menschen und Tiere waren einst eine Sippe (mbia mo). Ihr Sippenvorsteher hieß Ekumakuku. Der hatte sehr viele Frauen, die ihm verschiedenerlei Kinder gebaren, teils richtige Menschen, teils Waldtiere.
Aber die Menschengruppe mochte die Tiergruppe nicht ein bißchen und eines Tages kam es zu einem großen Streit wegen des Hochmuts der Menschen. Der, welcher dabei für die Menschen als Sprecher auftrat, begann in übelster Weise auf die Tiere zu schelten und ihnen der Menschen Verachtung auszudrücken. Da trat auch eines der Tiere auf zu deren Verteidigung und sagte: Wieso seid ihr Menschen denn gegen uns so stolz; wieso seid ihr denn mehr als wir? Habt ihr zwei Füße und zwei Hände, so haben wir doch vier Füße! Als Antwort wurde ihm darauf [gesagt]: Wir übertreffen euch in so vieler Hinsicht, daß auf deine Frage im einzelnen gar nicht geantwortet werden kann. Ihr seid halt Tiere; der Bescheid möge euch genügen. Ich kann dich ruhig töten und zum abendlichen Alokasiabrei verzehren, wenn ich mag!
Der Sprecher der Tiere wollte gerade noch eine Kleinigkeit erwidern, da schlug ihm der Mensch einen Prügel auf den Kopf und tötete ihn. Darauf schlachtete er ihn schnell aus, verteilte ihn an seine Mitmenschen, die das Fleisch mit großem Vergnügen verzehrten. Als die Tiere sahen, was da geschehen war, fingen sie mit den Menschen Streit an, wurden aber überwunden und aus der Siedlung verjagt. So siedelten sich die Tiere nun im Wald an.
Eines Tages heckten nun die Tiere einen Plan aus, um ihren von den Menschen verzehrten Bruder zu rächen. Und sie wählten die ganz wilden Tiere aus, daß sie den Menschen auflauerten und ihnen Schmerzen bereiteten oder sie töteten. Diese Tiere sind: Der Gorilla Gorilla, Leopard Leopard, Büffel, Riesenschlange, vgl. auch Schlange Riesenschlange und andere Schlange Schlangen; einige davon halten sich auch im Wasser auf wie Flußpferd Flußpferd, Krokodil Krokodil, Haifisch, Sägefisch, Rochen und ähnliche. Der Mensch aber läßt sich mit keinem einzigen von diesen zu einem Spiele ein, sondern tötet jedes mit Speer Speer, Harpune, Haumesser Haumesser, Pfeil, Fanggrube, Fallen und verschiedenen anderen Jagd- und Fischereigerätschaften. Er betrügt auch andere Tiere in seinem Hause wie Schwein Schwein, Ziege Ziege, Schaf Schaf, Rind, Hund und Katze.
Eines Tages aber brach ein Leopard in das Dorf der Menschen ein, fing eine Frau, die ihm unterwegs begegnete, und eilte mit ihr in den Wald. Auf ihr Geschrei eilten die Männer dem Leoparden in den Wald nach, aber sie fanden die Frau nicht mehr. Die Tiere wollten aber die Frau nicht töten, denn sie sagten „Eine Frau stirbt nicht im Kriege“ ( Sprichwörter Sprichwort), sondern sie gaben sie dem Häuptling der Schwanzaffen. Dieser zeugte mit dieser Frau den Schimpansen und den Hundsaffen, die ja dem Menschen ähnlich sind. Tier, Tierwelt
Die Frage: „Warum der Weg zum Himmel gesperrt ist“, behandeln verschiedene Märchen, vgl. auch Note zu S. 110.
Früher hatten die Menschen eine Leiter (mancherorts ist‘s eine Liane Liane oder eine Kette) und konnten daran in den Himmel steigen und wieder zur Erde zurückkehren. Sie sollten aber zur Trockenzeit nicht in den Himmel kommen, weil dann alle Himmelsmenschen gestorben seien und nur ihre Knochen herumliegen. Einer aber hielt sich nicht an dieses Verbot und ging mitten in der Trockenzeit hinauf und er sah überall Knochen herumliegen. Da nahm er sich einen Schenkelknochen, um sich eine Flöte daraus zu machen, und stieg wieder zur Erde zurück.
Es kam die Zeit, da die ersten Regen fielen und alles belebte sich wieder, die Knochen wuchsen zu Menschen zusammen und alle konnten wieder wandern, nur einer nicht, denn er vermißte seinen Schenkelknochen. Niemand wußte, wo er geblieben [war]. Weil sie aber vermuteten, daß einer von der Erde gekommen und das Bein gestohlen hatte, nahmen sie die Leiter weg, so daß keiner mehr von der Erde in den Himmel steigen kann. Darum sagt man: Wäre jener Mann nicht gewesen, so könnten wir heute noch in den Himmel und zurück zur Erde steigen.
Ausführlich in Meinhofs Zeitschrift für Kol. Sprachen, Band ---, S. ---ff. (von Chr. Gehr).
Duala-Überlieferung: vgl. S. 124f.
Das Problem Leben-Tod ist das Problem der Kameruner. All ihr Sinnen und okkultes Unternehmen ist auf Beseitigung des Todes und auf Erhaltung des Lebens gerichtet, obwohl manche Stämme kein Wort für das Abstraktum „ Leben Leben“ haben. Man sagt dort etwa „oben bleiben“, d. h. nicht in den Hades, die Siedlung der Schatten, müssen. Im Duala ist longe „Leben“ abzuleiten von onga „gerettet werden, davonkommen“, ist also der Zustand, der durch Gerettetwerden vor Tod und Verderben erreicht wird. Viele Sprichwörter aber geben der allgemeinen Erfahrung Ausdruck: Wider den Tod ist kein Kraut gewachsen. Auf ihre Frage: wie kam nun der Tod in die Welt? suchen wir Antwort aus ihrer Überlieferung.
Wiederum die Basa erzählen: Lande war ein großer Mensch und aller anderer Vater. Eines Tages brachte er ein Wildschwein von der Treibjagd nach Hause und zerlegte es innerhalb seines Vorratszaunes, wo auch die Ackerfrüchte lagen, die seine Frau von Acker nach Hause getragen [hatte]. Lande freute sich {33} sehr, als er den schönen Vorrat an Fleisch und Knollenfrüchten betrachtete, so daß er alles um sich vergaß und nichts mehr anderes sah noch hörte. Ein Gedanke nahm ihn ganz gefangen: Wie gut wird das alles schmecken, wenn die Frau es gekocht hat! Er schwelgte schon ganz in dem Genuß.
Da ging gerade ein fremder Mann namens Om „Leben“ durch Lande’s Dorf. Von fernher war er gekommen, Lande zu besuchen, mit ihm Freundschaft zu schließen und ihm immerwährendes Leben zu versprechen. Das Mann war „das Leben“ selbst. Als er durch Lande’s Hofstatt schritt, rief er laut: Lande, Lande, komm doch, komm! Aber Lande sah und hörte nichts bei seinem Eßvorräten, die seine Sinne ganz gefangen hielten. „Leben“ erhielt darum keine Antwort, ging vorüber und verschwand am Dorfesrande im Wald, ohne sein wertvolles Geschenk zurückzulassen.
Einige Zeit verging. Lande kam aus seinem Vorratszaun, um seine Frau zu fragen, ob sie trockenes Holz zum Kochen bereitliegen habe. Da kam plötzlich ein anderer Mann durch seinen Hof, der hieß Kred „Tod“. Kaum hatte er Lande stehen sehen, da fiel er über ihn her, packte ihn und eilte mit ihm davon. Niemand hat den Lande seitdem gesehen; man sagte, er sei halt gestorben.
So kam die Menschheit um das Leben, weil Lande nur für seinen Bauch sorgen wollte. Und nun hat der Tod die Herrschaft über alle.
Eine tiefempfundene Überlieferung: Die Gier nach irdischem Genuß bringt die Menschen um das höchste Gut, das Leben, und macht sie zu Knechten des Todes.
Eine andere Überlieferung ist Gemeingut vieler Bantu-Stämme, wobei die Idee überall die gleiche ist, nur die Tier-Boten variieren. Ich gebe eine Überlieferung der Meta Meta im Bamendabezirk (Grasland):
Am Anfang, als die ersten Menschen gestorben waren, versammelten sich die Menschen einmal und es beschäftigte sie die Frage: Wird ein Mensch wieder lebendig, wenn er einmal gestorben ist, oder bleibt er im Tode? Da sie sich nicht einig werden konnten, schickten sie einen Boten zu Gott, um sich Auskunft zu erbitten. Gott rief nun die Kröte Kröte und das Chamäleon und gab ihnen seine Aufträge. Der Kröte gab er Rotholzfarbe, vgl. S. 8, und sagte ihr, sie solle damit die Wegkreuzung (Ahnenopferplatz) bestreichen als Zeichen, daß die Menschen wieder zum Leben zurückkehren, wenn sie gestorben sind. Dem Chamäleon, vgl. S. 26 und ---, gab er Holzasche (hier Zeichen der Trauer), damit es sie auf die Wegkreuzung streue als Zeichen, daß wer einmal gestorben sei, auch im Tode bleibe.
Die Kröte nahm ihre Rotholzfarbschale und machte sich in großen Sprüngen auf den Marsch zu den Menschen. Bald aber fand sie Insekten auf dem Wege und sie verweilte, las die Insekten auf und verzehrte sie. Das Chamäleon nahm sein Aschenbündel und ging bedächtig seinen Weg, indem es langsam ein Bein vor das andere setzte. Es hielt sich nirgends auf und überholte bald die Kröte. So kam es zeitig an die Wegkreuzung und bestreute sie mit Asche Asche.
Als später auch die Kröte mit ihrer Freudenbotschaft kam, da war das Todeszeichen schon auf der Wegkreuzung und die erste Botschaft sollte ja nach Gottes Bestimmung gelten. Die Menschen sagten zur Kröte: Geh nur mit deiner Botschaft; wir haben die erste Kunde schon als gültig angenommen. – Darum sterben sterben nun die Menschen und keiner kehrt mehr wieder, denn des Chamäleons Botschaft ist gültig.
Dieses Märchen zeigt deutlich: Erstens, daß der Schöpfer Schöpfer und höchste Richter Richter von den Ahnen getrennt gedacht wird; dies ist um so wichtiger, als bezüglich des Gottesnamens im Grasland gewisse Schwierigkeiten bestehen, welche man im Waldland nicht hat, vgl. Nyikob auf S. 121f.; zum anderen, daß der Mensch zwar von der Erde verschwindet, seine Schattenseele (edimo) Schattenseele aber weiter existiert; drittens, warum das Chamäleon mit seinen treuherzigen Stielaugen so stark tabu ist.
Eine dritte Überlieferung fand ich bei den Bakundu: Ngule, die farbige Eidechse Eidechse, und Eleu, der Haftzeher, vgl. S. 26, waren gegangen den Epas’ a moto „ Halbmensch Halbmenschen“ Gemeint ist hier „der Höchste [?] in der unsichtbaren Welt“, wie [?] man ihn manchmal in dieser Überlieferung auch mutudu „den Alten, Vorsteher, Mundwalt der Sippe“ nennt.
, vgl. S. 47ff., zu besuchen. Dieser sagte zu Ngule, er solle in die Siedlung gehen, wo die Menschen wohnen, dort solle er seine tägliche Nahrung haben. Ngule hatte dazu keine Lust. Da sagte Eleu zu ihm: Freund, {34} es wäre doch gut, wenn du tätest, wie Epas’ a moto Epas’ a moto will, und in die Stadt gingest. Gehst du nicht, so will ich hingehen. Und Eleu machte sich auf und ging zu den Menschen. Der Dorfvorsteher mutudu a moto saß vor seinem Haus auf der Dorfstraße. Als er Eleu kommen sah, rief er seinem Sohn, daß er das ‘schlimme Ding’ töte. Der tat nach seines Vaters Auftrag und, weil ihm dabei von dem Blute des Eleu auf die Füße tropfte, starb alsbald dieser Sohn. Der Alte sah dies und rief alle Dorfbewohner zusammen. Erschrocken schrieen sie auf: „Dieses böse Ding kam plötzlich in unsere Siedlung herein und seinetwegen ist einer der Unseren gestorben; es wird noch unser ganzes Dorf zugrunde richten“.
Später fragte Epas’ a moto den Ngule, ob denn Eleu nicht wieder zurück sei aus der Siedlung. Ngule gab Bescheid, daß die Menschen Eleu umgebracht hätten. Da sagte Epas’ a moto: Weil Blut Blut auf Erden vergossen worden ist, so sollen von jetzt an alle Menschen sterben! Auf diese Weise kam der Tod in diese Welt.
Nun wird ngule von den Kamerunern geschont, aber wo man des eleu habhaft werden kann, wird es getötet.
Die Basa erzählen, wie die Menschen zunächst ohne Not und Streit beisammen und in Gemeinschaft mit den Tieren gelebt hatten, vgl. S. 31f., und darum sehr alt wurden, ja zunächst überhaupt nicht gestorben seien. War einer alt und schwach geworden, so legte man ihn unter eine gewisse Nachtschatten Nachtschattenart hinterm Haus, so wurde er wieder jung, so daß die Tiere schon Angst bekamen, daß sie vor lauter Menschen keinen Platz mehr auf Erden hätten. Erst durch Übertretung von Gottes Gebot seien Not und Haß >Haß und damit auch der Tod unter die Menschen gekommen. Todesursache
Aus Bakosi: Unsere Väter haben uns berichtet, daß in ganz alter Zeit die Gegend um den Manenguba Manenguba sehr besiedelt war. Aber es waren das rauhe und unbarmherzige Leute. Eines Tages kam eine ganz alte Frau von dem Berg herunter. Sie war voller Eiterpusteln, ihr Haar zusammengeklebt und ihr Körper voller Schmutz, so daß man sich ekelte, sie nur anzusehen. Mit einem kleinen Korb auf der Schulter ging nun Ngote Nkang, denn so hieß die Alte, durchs ganze Dorf von Haus zu Haus und bat, daß man sie aufnehmen, reinigen und scheren scheren möge. Aber weil sie so abscheulich aussah, wies sie jedermann ab und verjagte sie mit groben Worten von seinem Hauseingang. So erging es Ngote Nkang vor allen Häusern, bis sie zuletzt am Ortsausgang zu einer kleinen Hütte kam. Darin lebte ein armer Mann mit seiner Frau und einigen Kindern. Sie nahmen Ngote Nkang freundlich auf, taten nach ihrem Begehr, scherten das schmutzige Haar ab, wuschen und pflegten sie auf jegliche Weise und gaben ihr Speise und Trank.
Gegen Abend rüstete sich Ngote Nkang zum Aufbruch. Ihre Gastfreunde gaben ihr das Geleit bis zum nächsten Kreuzweg Kreuzweg, wie es die Sitte Sitte bei einem gewünschten Gast erfordert. Am Kreuzweg blieb die fremde Frau stehen und sagte zu ihren Freunden: Ich gehe nun, ihr aber kehret nach Hause zurück. Machet eure Kinder und die Habe zurecht, denn ihr müßt noch diese Nacht auswandern. Ich, Ngote Nkang, selbst werde kommen und euch holen und zum Versteck bringen. Denn der Bergsee wird überlaufen und das Wasser Wasser wird alle Bergbewohner mit fortreißen; keiner wird davonkommen. Ihr aber sollt euer Leben und eure Kinder retten, denn ihr seid mitleidig und helft armen Leuten, wie mir; und wer Mitleid übt, erfährt auch wieder Hilfe.
In der Nacht traf alles ein, wie Ngote Nkang vorausgesagt. Sie selbst kam und rief ihren Freunden, daß sie ihr folgten. Sie führte sie hinüber jenseits der Niederung von Mwa Ngem und verbarg sie auf dem hohen Berg, der nahe bei dem Dörflein Nte hog heute noch zu sehen ist. Kaum waren sie auf dem jenseitigen Berge, da stieg das Wasser des Ebuoge-Kraters, trat über dessen Rand, lief den Berg hinunter und riß alle Menschen mit sich fort. Und alle, alle starben. Das kam daher, daß sie mit Leidenden nicht mitleidig waren.
Aber die menschliche Gesellschaft stammt von der einen Herdstelle jener Leute ab, die Ngote Nkang vom Manenguba-Gebirge errettete.
Nach einer Variation dieser Überlieferung wohnte an dem Manenguba die Urmenschheit, die Nachkommen des Ngoe, Stammvater der Stämme um den Manenguba Ngoe, vgl. S. 30. Bei der Sintflut seien dann alle weggeschwemmt worden, aber nicht alle umgekommen. Wer sich unterwegs im Busch festhalten konnte, blieb in den Wäldern hängen, siedelte sich dort an und wurde Stammvater des dortigen Völkleins.„Von Tieren und Sachen hatte jeder je zwei Stück mitgenommen, so daß er etwas besaß“, ist vielleicht dem biblischen Flutbericht nachgesprochen.
Jeder vergaß, woher er gekommen [war] und mit wem er zu einer Geschlechterfolge zusammengehörte. – Das aus dem Ebuoge-Krater übergelaufene Wasser soll sich in
{35}
[Notiz auf Rückseite von Seite 34: Parallel zum Turmbau zu Babel ist der Schwank: Wie die ... Leute einen + [vermutlich Duala-Wort] auffangen wollten.]das Tal nordwestlich von Nyandong ergossen und dort im See Bemé in der Babubuog-Landschaft gesammelt haben. Auch sonst gibt es noch Berichte von Seen, die ihre Lage verändert haben. So soll der in seinen weitesten Dimensionen 366 m Länge und 230 m Breite fassende See bei Bambulue, 10 Meilen südöstlich von Bamendea ursprünglich in Bambili, nordöstlich von Bamenda gelegen haben. Der Tradition nach habe ihn der Bambulue-Häuptling nach seiner Stadt gebracht, weil er als der Stärkere Anspruch darauf zu haben glaubte. – Es gibt aber noch eine andere Tradition, danach habe der See in Bambili drei dortigen Bürgern gehört. Der Plackereien mit dem See überdrüssig, beschlossen die Eigentümer den See nach Bambulue zu bringen. Auf den abgemachten Tag wurde aber der eine Mann krank und konnte nicht mitkommen. Die beiden anderen leiteten den See über. Als der Kranke wieder genesen war und zu den anderen kam, nahmen sie ihn nicht wieder in ihre Gesellschaft auf. Darum forderte er seinen Teil an dem See für sich und als er ihn erhalten [hatte], brachte er ihn auf die andere Seite von Bambule und baute sich dort an. – Für die Bambulue-Leute ist der See tabu; nur ihrem Häuptling ist es gestattet, in dem See zu baden.
Zwischen den beiden Seen auf dem Gebirge und dem im Tal finden sich in den Gemarkungen Nkikog, Nkag, Nyandong u. a. viele unfruchtbare, kiesige Stellen. Diese sollen nach Meinung der Leute heute noch Zeugnis davon ablegen, daß hier einmal Wasser geflossen sei und zwar bei besagtem Anlaß.
Auf dem nordöstlichen Abhang des Manenguba überliefert man: Aus den vielen Menschen, die bei der Sintflut umgekommen seien, habe sich ein Mann und seine Schwester auf den Gipfel des Nlonako retten können und von ihnen stammten nun alle Menschen der bekannten Erde. (Während der zuerst geschilderte Zufluchtsort im Nordwesten des Manenguba liegt, trennt den Nlonako im Nordosten von ihm ein breites Tal, durch das jetzt die Nordbahn führt.)
Ob jener Hilfsbereite unter den rauhen Manenguba-Leuten auch in folgender Überlieferung gemeint ist, konnte mir keiner sagen, nur vermuten alle, daß dies der nämliche sei:
In Mwandele Ngoe in der Nähe des Monolithen bei Mwaku in der Ninong-Landschaft (unterhalb des obengenannten Berges bei Nte hog) wohnte ein Mann ganz zurückgezogen, um allem Streite aus dem Weg zu gehen; es wird wohl der Stammvater Ngoe gewesen sein. Bis heute noch wird seine Friedensliebe und Nachgiebigkeit im ganzen Land gerühmt. Kommt nun einer in ein Dorf in jener Gegend und beginnt zu krakeelen, so sagt man ihm: E womtan, we mo pede ne a Mwandele Ngoe? „Meinst du denn, du seiest jetzt nach Mwandele Ngoe gekommen?“ d. h. jene alten Zeiten des guten Friedens sind vorbei, wir können uns unserer Haut wehren.
Nach einer Version war Ngoe, der Stammvater, jener hilfsbereite, in der Sintflut gerettete, noch Junggeselle. Die Alte, die ihn rettete, nahm ihn mit nach Mwangele Ngoe. Bevor die Frau dort starb, habe sie den Ngoe gesegnet und ihm gesagt: Weil du mir all das Gute getan, sollst du gesegnet sein. Du siehst zwar den Segen jetzt noch nicht, du mußt darauf warten. Auf Grund dieses Segens habe er dann später die Sum’ Ediang auf dem Manenguba gefunden und mit ihr all die Nachkommenschaft gezeugt, vgl. S. 30f.
Dieser Sintflutsage vom Manenguba ähnelt eine aus dem Grasland, wo in der Bamenda-Gegend ein Erdbeben das Verhängnis über ungute Menschen brachte Sintflut . Ngoe, Stammvater der Stämme um den Manenguba
In ganz alter Zeit mußten die Menschen nicht arbeiten und sich mühen, sondern trafen alles Lebensnotwendige in ihren Häusern; alle Arbeiten verrichteten sich selbst. Eine Frau aber war schuld daran, daß Mühsal und Arbeit auf Erden kamen; und diese Frau hieß nye Tata Ndele D. h. „Mutter des Herrn Vorfahren Ndele“, vgl. dazu obiges mwa-Ndele Ngoe „Sippensiedlung des Ndele, Sohn des Ngoe“.
. Sie hatte eine Tochter. Die wuchs heran. Da kam ein junger Mann aus einer entfernt gelegenen Siedlung und sagte der nye Tata Ndele: „Ich begehre deine Tochter als Frau.“ Und er nahm die Jungfrau und führte sie heim. Als sie nach einem Jahr einem Kind das Leben geschenkt [hatte], schickte man der Alten Botschaft. Und nye Tata Ndele begab sich auf den Weg, um ihre Tochter zu besuchen und zu pflegen. Nahe an dem Dorfeingang begrüßten sie die Leute der Sitte gemäß: „Schwiegermutter, bist du gut hergekommen?“ Und sie erwiderte: „Ja; und geht es euch auch gut?“ Die anderen antworteten: „Ja.“ Darauf ging sie in das Haus, grüßte ihre Tochter und ließ sich nieder. Und sofort gaben ihr die Hausbewohner das Verbot: „Wenn du ein Ding mit roter Öffnung Die tiefroten Wurzeln des Pterocarpus erinaceus und santalinoides werden zwischen zwei Steinen zerrieben, mit Wasser oder Salböl gemischt und als Farbe der Freude Mutter und Kind, auch Kultgegenständen angestrichen. Die Schale dafür steht gewöhnlich unter dem Bett der Wöchnerin, so auch hier.
unter der Bettstatt siehst, so sage nicht, was hat denn da solch einen roten Mund? Oder was immer du bei uns siehst, frage nicht nach seinem Namen oder nach seiner Aufgabe, wie lange du auch bei uns sein magst! {36} Fragst du doch dergleichen, so bringst du uns in große Not.“ Man gab ihr auch das andere Verbot: „Wenn du Arbeiten siehst, die sich selbst verrichten, so sprich nicht davon! Siehst du etwa Baumstämme aus dem Wald kommen, die sich vorm Hause spalten und sich unter den Herd schieben und das Essen kochen, so sage nichts. Richtest du dich danach, so kannst du es dir lange bei uns wohlsein lassen“.
Nye Tat Ndele hörte zwar die Ratschläge, achtete aber auf keinen. Gleich fragte sie: „Was ist denn da unter dem Bett, was solch roten Mund hat?“ Und ihre Tochter schalt sie, daß sie doch nicht so Unnützes fragen solle. Kurz darauf sah die Frau Nahrungsmittel aus dem Feld kommen, die richteten sich selbst zu, legten sich in Töpfe und begannen sich selbst zu kochen. Kaum sah die Alte dies, da rief sie: „Ei, schau doch da, da ist ja Speise, die sich selbst kocht!“ Das Schelten und Klagen ihrer Tochter half nichts. Die Frau sah Gras, das sich selbst jätete, und sofort fragte sie danach, so daß alle Anwesenden sehr ärgerlich wurden. Dann kam Feuerholz aus dem Wald, legte sich vor den Hauseingang, spaltete sich, las sich auf und legte sich unter den Herd aufs Feuer. „Na, na; da spaltet sich ja gar das Holz von selbst und liest sich auf!“ rief die Alte. Ähnlich war es, als sich das Rotholz Rotholz selbst zerrieb und als sich das Haus selbst reinigte; bei jedem neuen Ding fragte sie nach seinem Namen und besprach sofort dessen Handlung. Die Tochter tadelte die Mutter jedesmal, aber diese hörte nicht darauf und sagte: „Bei uns zu Hause müssen wir Menschen die Arbeiten selbst verrichten, ehe man sie genießen kann, aber hier geschieht ja alles ohne menschliches Mühen!“ Als die Dinge und Sachen solches hörten, da wollten sie auch nicht mehr für die Menschen arbeiten, sondern warteten, bis sich die Menschen um sie bemühten.
Eines Tages war nun die Tochter aus dem Haus gegangen, da fragte die Alte ihren Schwiegersohn, was denn so rot unter dem Bett hervorschimmere, und sie griff auch nach der Farbschüssel, um sie ihm zu zeigen. Er wurde aber sehr ärgerlich und gab ihr keinen Bescheid. Die Tochter kam wieder ins Haus und ihr Mann fragte sie: „Was fragt denn deine Mutter auch stets, was sie nicht soll?“ Und im Zorn warf der Mann seiner Frau die Schüssel an den Kopf. Und alle Leute verließen die Siedlung und ließen die Wöchnerin mit ihrer Mutter allein zurück. Und da niemand da war, der kochte und andere Wochenbetthilfe leistete, kamen sie in große Not.
Da wollte die Alte nicht mehr im Hause des Schwiegersohns bleiben, ja die Tochter nötigte sie fortzugehen. Sie rüstete sich zur Rückkehr in ihr Dorf. Die Tochter gab ihr für unterwegs Öl und Salz und Tabak und sagte ihr: „An der Weggabelung triffst du zwei Wasser. Du mußt nun den Weg durch das tiefe, dunkle Wasser einschlagen, gehe nicht in das klare Wasser, das ist nicht gut!“
Sie kam nach einer Weile an die Wegkreuzung und sah die beiden Wasser. Da sprach sie zu sich selbst: „Wie soll ich nun das klare Wasser meiden und durch das trübe waten? Das tue ich nicht!“ Und wider der Tochter Rat schritt sie in das klare Wasser hinein. Als sie aber auf der anderen Seite herauskam, da war ihr ganzer Körper voller Schmutz und ekelhafter Dinge. Sie ging aber trotzdem weiter auf dem Weg, der ihr abgeraten war. Sie war nicht weit gekommen, da kam ihr ein Oger, Menschenverschlinger Oger (menschenverschlingendes Ungeheuer, wie der Wolf in den deutschen Verschlingemythen, vgl. auch Oger Verschlingemärchen) mit einem Kopf entgegen. Der fragte, woher sie komme, und sie gab Bescheid. Da bettelte er etwas von dem, was sie bei sich trug, und sie teilte ihr Öl und gab ihm die eine Hälfte. Da ließ er sie weitergehen. Ein Stück des Weges weiter traf sie einen Oger mit zwei Köpfen, der bettelte sie an und sie gab ihm den Rest des Öls, und sie konnte weitergehen. Dann stieß sie auf einen Oger mit drei Köpfen, dem gab sie einen Teil des Salzes und konnte weitergehen. So ging es fort, bis sie alles, was sie besaß, weggegeben hatte. Da kam ihr zuletzt noch ein Oger mit neun Köpfen entgegen und weil sie nichts mehr in Händen hatte, da verschlang er die nye Tata Ndele mit Haut und Haar, vgl. S. 110.
Als die Frau aus dem Dorf des Schwiegersohnes weggegangen war und die Leute wieder in ihre Häuser zurückkehrten, da wollten die Sachen nicht mehr sich selbst arbeiten, sondern warteten bis die Menschen zugriffen. Da mußten nun alle Leute anfangen, sich selbst zu mühen, wenn sie etwas haben wollten. – Wäre nun diese nye Tata Ndele nicht gewesen, so
{37}
[auf Rückseite von S. 36 unten: 3 Mube ngea 1911, S. 115. Midi ma bawedi mi mala nde o mbeng’ a minanga, mi matele nde bakala, bakala be nde bedimo.]müßten sich die Menschen bis auf den heutigen Tag noch nicht abarbeiten; die Ackerfrüchte würden sich selbst säen, der Acker sich selbst bestellen, das Wild selbst sein Fleisch zu den Menschen bringen, die Töpfe sich selbst kochen, und alle, alle Arbeiten sich selbst verrichten. Darum sagt man: Der Mund der nye Tata Ndele hat den Menschen alle Mühsal eingebracht. Darum warnt heute eine Mutter ihr Kind, das zu freigiebig ist mit Worten: E’bong be nlem be lele mod a wu „Herzensgüte tötet (= bringt in Verlegenheit) leicht einen Menschen“; Bakosi- Sprichwörter Sprichwort. Mühsal
wird besonders in den Verschlingemärchen behandelt; folgende Gedanken sind meist darin benutzt:
Früher war die ganze Erde mit Menschen bevölkert. Da kam ein Ungeheuer und verschlang nach und nach alle Menschen; das gefürchtete Ungeheuer hieß Joma ndene „Großes Ding“, vgl. S. 36; 81, Note 1; 110. Nur eine Frau und ihre beiden Söhne lebten noch, und um sich zu retten, siedelten sie sich auf einem hohen Wollbaum an. Als das älteste Kind herangewachsen war, entschloß es sich, den Verschlinger zu bekämpfen. Er stieß ins Horn und als Joma ndene gekommen [war], warf ihm der Bursche ein Seil hinab, damit er den Baum besteige. Als Joma ndene sich der Krone näherte, durchhieb der Bursche das Seil und das Ungeheuer stürzte ab ohne Schaden zu nehmen. Nun ging der Bursche in den Himmel, um sich die rechten [?] Waffen zu holen. Er verbot dem jüngeren Bruder, mit dem Ungeheuer anzubändeln. Dieser aber hörte nicht auf den Bruder und wurde verschlungen. Bei seiner Rückkehr gelang es dem Burschen, das Ungeheuer zu fällen und all die verschlungenen Menschen zu befreien. – Diese stellten sich nun in zwei Reihen auf: Die Hell- und die Dunkelfarbigen. Als es donnerte, erhoben sich die Hellfarbigen in den Himmel, vgl. S. 37, die Schwarzen blieben unten auf Erden und machten den Retter zum Häuptling.
Als die Weiße Weißen ins Land kamen, glaubte man, das seien die in den Himmel gestiegenen Hellfarbigen und führte ihre Überlegenheit darauf zurück, daß sie aus dem Himmel stammen; vgl. auch S. 38 b und c.
Die Frage nach Herkunft der Menschen, die Schrecken des Todes, die Ursache der Mühsal, die Sehnsucht nach Friede Frieden und ähnliche tiefe Fragen haben sicherlich immer die Herzen des Kameruners bewegt, und in Mythe, Mythenbildung Mythen wie den vorstehend geschilderten haben sie Antworten gesucht. Entbehren sie auch nicht alle jeglicher Moral, Moralität Moral, so sind sie doch ziemlich arm daran. Aber sie sind doch eine Parallele zu den Berichten der Genesis Mosis, die auf ähnliche Fragen Antwort geben will Ursprung des Menschen . Überlieferungen
Bei den meisten Stämmen existiert ein Wort für „ Menschheit Menschheit“ nicht; man gebraucht dafür das Wort moto, pl. bato moto „Mensch“, z. B. Aba, matika masu ma biso moto ma masua nde ndjika ponda e? „Liebe Zeit, wann kommen denn mal unsere Nöte von uns Mensch(heit) zu Ende?“ – Weil ihnen zunächst die Anschauung von anderen MenschenrassenMan kennt – im Süden besser, im Norden nur durch dunkles Gerücht – auch die Pygmäen. Vielerorts sieht man zwar Schwarze in ihnen, aber solche, die über [mehr] magische Kräfte verfügen als andere Leute. So stehen sie zwischen Menschen und Waldgeistern, mit denen man nichts weiter anfangen kann. Die Jaunde und andere, die ins Pygmäengebiet eingedrungen sind, stehen in Handelsbeziehungen zu diesen kurzen Menschen. Einzelne Häuptlinge halten sich in freier [?] Weise einige Pygmäenfamilien im Wald, wie mittelalterliche Grafen bei uns ihre Hofjuden hielten. Die Jaunde nennen sie nkoe, bekoe, am Kamerunberg heißen sie ---.
fehlte, war „Mensch“ nur der Kameruner, der Dunkelhäutige. Erst als sie in den Europäern eine weitere Menschenrasse kennenlernten, mußte die Sprache Sprache unterscheiden. Der Vorgang ist im Innern noch am leichtesten zu erkennen. Im Bali ist mu „der Mensch“; als sie die Europäer dort kennenlernten, wurde unterschieden mu sisi „der dunkelfarbige Mensch“ und mu bang „der rote Mensch“. Im Kenyang ist zwar ndeg, pl. bareg für „hellhäutig, Europäer“ heimisch geworden, aber für den dunkelbraunen Afrikaner gibt es kein besonderes Wort, man sagt „der eigentliche Mensch“. An der Küste nahm man in manchen Sprachen das Wort für „Schwärze“, gebildet aus dem Wortstamm *pinda „schwarz, dunkel werden“, soe z. B. Duala: mundo 3 Es darf nicht befremden, wenn diese Menschenbezeichnung nicht der Personenklasse mu-ba angehört. Es ist ja zunächst eine Farbbezeichnung „Schwärze“ und „Fahlheit“. Dann bezeichnet es die damit umschriebene Gruppe von Menschen und erst in übertragenem Sinne bedeutet es „Glied“ dieser Gruppe.
, mindo 4, Bankon: mfín 1, bafin 2 u. a. Für Europäer stand hier zunächst das Wort munanga munanga 3 [derselbe Text wie Note darüber]
, und mbongo 9 „fahl, hellfarben“ zur Verfügung, das man auch auf die Farbe Farbe der Geister Geister, Albino Albinos und übersinnlichen Wesen angewendet hatte. Weil aber die Europäer nach Kalabar kamen, bevor sie in Kamerun bekannt wurden, übernahm man auch die Bezeichnung für diese Fremde, Fremdlinge Fremden von dort: mukala Mukala, ba- Mukala, ba- ist Personenklasse, wie andere von Verben gebildete Nomina agentia.
, vom Efik-Verb kara „klug, überlegen sein“, so daß mukala also nicht „der Weiße“ heißt, sondern der „Überlegene, der Europäer“. Dieses Wort hat sich bis ins Grasland hinauf als Bezeichnung für diese hellfarbige Rasse durchgesetzt.
Mit dem alten Namen munanga war noch nicht die Vorstellung über das Wesen und die Herkunft dieser „Fahlen“ gegeben. Ihre Schiffe tauchten am Horizont im Westen auf. Keiner wußte, daß ganz weit dahinter auch ein Land liegt. So nahm die Volkspsychologie zunächst an, daß die Fahlen aus dem Wasser stiegen und eine Art mengu „Wassergeister“ seien, vgl. S. 117f. Sie stammten aus der über- , unsinnliche Welt übersinnlichen Welt; trotz mancher gegenteiliger Beobachtungen ließ doch die Farbe keinen Zweifel zu; auch die Himmelsbewohner Himmelsbewohner, vgl. S. 38c, sind minanga „fahl“. Und so hielt man im Innern die ersten Weiße Weißen für aus der Totenwelt wiedergekehrte Schatten Als Dr. Zintgraf 1889 auf dem Marsch ins Innere war, hörte man auch in Bali von seinem Kommen und da er nur 3, 4 Tagesmärsche vor Bali noch Gefechte hatte, war Häuptling Garega im Zweifel, ob der „rote“ Führer ein Mensch oder ein Schatten sei. Da sandte ihm der Häuptling Kundschafter entgegen. Sie hatten Dr. Zintgraf Palmwein und Erdnüsse anzubieten; nehme er an und esse, so müsse es ein Mensch sein, verweigere er das Essen, so sei er aus der Totenwelt gekommen. So wurde es im Voraus festgelegt. Am folgenden Tag wurde der „Mensch“ Dr. Zintgraf mit großem Pomp in Bali aufgenommen und er ließ sich dort nieder.
. Denn wie wir Weißen uns Gespenst, vgl. Spuk, Wiedergänger Gespenster, Teufel, u. ä. als schwarz vorstellen, so der Schwarze die Wesen der unsinnlichen Welt hellfarbig, fahl. So wurden die ersten Weißen, die ins {38a} Innere vordrangen, entweder freundlich von den Alten aufgenommen oder man floh ängstlich vor ihnen. Zu der mythologischen Schätzung, die die Kameruner den Weißen angedeihen ließen, kam natürlich noch, daß sie den Primitiven in allen Stücken kulturell überlegen waren. Daher die Hochschätzung der Weißen. Und so kann man auch verstehen, daß zwei Duala-Häuptlinge sich gegenseitig mit Krieg überzogen, weil jeder den ersten Weißen, der sich auf dem dortigen Festlande niederließ, auf seinem Gebiete wohnen haben wollte. So hat Galega in Bali in Dr. Zintgraf „seinen“ Weißen haben wollen und das ist auch der Grund, warum man der Mission, Missionare, vgl. auch Christen Mission überall gerne Land gab für Stationsgründungen.
Die ersten Weißen, die die Kameruner sahen, waren Engländer und Deutsche Deutsche; rassenmäßig fand man keinen Unterschied zwischen ihnen. Als aber nach dem Weltkrieg mit den Franzosen auch viele dunkle Südländer, auch Griechen und Syrer ins Land kamen, fragten die Kameruner erstaunt: Bakala ba e? „Sind das auch Weiße?“ Dieses Erstaunen wurde aber nicht nur laut wegen der dunklen Färbung dieser Fahlen, sondern auch wegen der Art der Franzosen, die ja von Rassengrenzen nichts wissen wollten.
Ging nach und nach auch den Leuten auf, daß auch die ihnen intellektuell überlegenen Weißen Fleisch und Blut haben wie die eigentlichen Menschen, so hat doch all das Unrecht, das die Leute gelegentlich von der weißen Rasse als solcher und noch mehr von einzelnen unter ihnen erfuhren und nach ihrer Anschauung zu erfahren glaubten, doch die Vorstellung nicht ganz zu erschüttern vermocht, daß der „fahle“ munanga doch ein „überlegener“ mukala, gleichsam ein höheres Wesen sei. Damit wollten sie nicht nur das größere Wissen und Können anerkennen, sondern es drückt sich hier das Gefühl des Abstandes gegenüber der höheren Rasse aus. Nur so ist auch das früher geradezu geflügelte Wort zu verstehen: Loba a tombi te, bakala ba mapo „Nach Gott kommen gleich die Europäer“, d. h. sie stehen Gott näher als den Afrikanern.
Daß diese hohe Meinung über die Weißen immer mehr schwindet, hat nicht die christliche Lehre von der Gleichheit aller Menschen vor Gott verursacht, sondern mit der Einsicht in europäische Schwächen mußte ganz natürlich auch der Strahlenglanz ums Haupt des weißen Mannes erblassen. Wo aber der intimste Verkehr zwischen Weiß und Schwarz auch die primitivste Rassengrenze verwischt und niederreißt, treten die Europäer selbst ihre Glorie in den Dreck. Diese Grenze wurde aber seither von keiner europäischen Gruppe so peinlich beachtet wie von den Trägern der christlichen Ethik munanga . mukala
{38b} Wie die verschiedenen Menschenrassen entstanden (Bakwiri- Märchen Märchen)
Vor langer, langer Zeit lebten alle Leute der Erde beieinander, sie verrichteten die gleichen Geschäfte und sprachen die gleiche Sprache Sprache. Da schlossen sich Gruppen zusammen, um zu gemeinsamer Jagd zu gehen, denn die damaligen wilden Tier, Tierwelt Tiere waren sehr groß. War ein Tier erlegt, so teilte man das Fleisch und jeder trug seinen Teil zu seiner Hütte und verzehrte es bei einem Fest mit Frau und Kind.
Einmal waren sie auch wieder auf die Jagd gegangen und hatten ein Tier größer als ein Elefant getötet. Da gab es einen großen Tanz und Vergnügen und dann zog jeder zufrieden mit seinem Anteil zu seiner Hütte.
In dieser Landschaft lebte nun ein Mann mit seiner Frau und Tochter. Dieser Mann brachte seinen Anteil nach Hause und betrog dann Weib und Kind, Frauen sei der Genuß dieses Fleisches tabu. So konnte er sich an dem großen Brocken gütlich tun, bis er auf den letzten Bissen verzehrt war.
Eines Tages war die Frau daran, ein Huhn zu ihrem Mahl zu bereiten und sie sandte ihre Tochter weg, daß sie ein Beil bei einem der Nachbarn borge. Das Mädchen ging ins nächste Haus, fand aber kein Beil, aber sie traf einige Frauen beisammensitzen und Fleisch essen. Die luden das Mädchen [ein] mitzuhalten. Das nahm ein Stück Kochbanane Kochbanane und Fleisch, dankte und ging hinaus. Dort aß es das Bananenstück, aber das Fleisch wagte es nicht zu verzehren. Auch im zweiten Haus fand es kein Beil, nahm aber auf freundliche Einladung hin auch hier ein Stück Banane und etwas Fleisch. So kam es noch in verschiedene Häuser und überall wurde das Mädchen zum Essen eingeladen wie vorher. Dann wandte sich das Mädchen mit einer ganz schönen Portion Fleisch heimwärts.
Daheim begann die Mutter zu schelten, warum sie denn so lange ausgeblieben sei; sie wurde aber ruhig, als ihr die Tochter das viele Fleisch zeigte und ihr alles Gehörte berichtete. Da merkte die Frau, daß sie von ihrem selbstsüchtigen Mann betrogen worden war, sie verbarg alles Fleisch in ihrem liwanya „Tontopf“ und schickte die Tochter, daß sie auf allen Abfallhaufen der Nachbarn die Knochen sammle. Das tat die Tochter, und als sie die Knochen brachte, zerrieb sie die Mutter zu einem feinen Pulver.
Der Mann kam von seinem Ausgang nach Hause und schon bei seinem Eintritt in die Hütte roch er den angenehmen Duft von dem gut zubereiteten Fleisch. Er traute seiner Nase nicht recht; er stand still, schnupperte in der Luft herum und donnerte dann los: Wer hat in dieses Haus Fleisch gebracht? Die Frau brachte den Topf mit den zerriebenen Knochen und sagte, dies sei die Würze, womit sie ihre Speisen duften mache. Der Mann war dadurch zunächst beschwichtigt, doch nicht ganz zufriedengestellt.
Daher fing er eines Tages, als seine Frau ins Feld gegangen war, an, alle Ecken und Winkel des Hauses zu durchsuchen, bis er schließlich den Fleischrest in der liwanya fand. „Also hat mich meine Nase doch nicht betrogen!“ rief er erfreut aus und machte sich’s bequem, um den schmackhaften Fund zu verzehren. Das Fleisch war bald gegessen, aber seine Gier noch nicht gestillt; darum hob er die liwanya hoch, um die Tunke zu schlürfen. Da blieb aber zu seinem größten Schreck der Topf über seinem Kopfe gestülpt und trotz aller Bemühung konnte er ihn nicht mehr entfernen: Er strengte sich an, schrie, schlug den Kopf mit dem Topf an einen Pfosten und machte andere verzweifelte Anstrengungen, den Topf loszuwerden; allein alles war umsonst. Die Frau kam nach Hause, aber sie blieb taub gegen die Bitten des Mannes um Hilfe; sie ging mit ihrer Tochter auf ihre Farm und ließ den Mann in seinen Qualen sterben.
In dem dichten Wald, dahin sie gingen, lebte ein ungeheuerlich großer Menschenverschlinger namens Yoma ’ndene, vgl. S. 110; der war ganz unersättlich und lebte nur vom Verschlingen von Menschen. Damals hatte Yoma ’ndene schon fast alle Menschen, die auf Erden gewohnt, verschlungen. Nun erwartete die Frau ein Kindlein und nach Landessitte mußte sie gewisse Drogen vor der Geburt zu sich nehmen. Darum sandte sie ihre Tochter zu ihrem Bruder Ngombe-Ngombe, der jenseits des großen Waldes wohnte.
Als das Mädchen unterwegs war, begegnete ihr auf einmal ein ungeheuerlich großer Kopf, der fragte es, wohin es gehe. Es gab Bescheid, es sei unterwegs zu ihrem Onkel. Da lachte es der Kopf an und er sagte, es solle {38c} weitergehen. Bald stieß es auf zwei große Köpfe, die zusammengewachsen waren. Die fragten sie auch nach ihrem Wege und erhielten die gleiche Antwort. Verächtlich lachend ließen die beiden Köpfe das Mädchen passieren. Immer wieder kam das Mädchen zu einem anderen Geschöpf, jedes einen Kopf mehr als das vorhergehende. Da ließ es auch der mit neun Köpfen weitergehen, nachdem es seine Fragen beantwortet hatte.
Zuletzt aber nahte sich ihr Yoma ’ndene. Sein Kommen wurde durch einen heftigen Sturm angekündigt. Dann aber brüllte das Ungeheuer: Wohin willst du? Das Mädchen antwortete mit zitternder Stimme, daß es für seine Mutter Kräutermedizinen suchen wolle. Yoma ’ndene sagte, daß er es nicht verstehe; es solle näher zu ihm herankommen. Er wollte es aber auch da noch nicht verstehen können und das Mädchen mußte immer näherkommen und seine Antwort auf der Zehe, dann dem Knie, auf dem Nabel, der Brustwarze des Ungeheuers stehend wiederholen. Zuletzt mußte es auf seine Lippen treten und seine Antwort geben. Da – einen Schwapp – und hinunter ging’s in den weiten Magen.
Die Mutter wurde des Wartens müde und so sandte sie ihre Bitte um Drogen durch einen Habicht, der über ihren Kopf weg zu ihrem Bruder flog. Der Habicht richtete bald seine Botschaft aus. Ngombe-Ngombe, der ein ‘Gefüllter’ war, begriff, daß Yoma ’ndene bei der Sache seine Hand im Spiel hatte, machte sich daran, verschiedene Dolche für die Reise zu seiner Schwester zuzurichten; denn mit seinen ‘vier Augen’ sah er, was ihm bevorstand. Er schmiedete und schärfte die Dolche und brach auf, um seine Schwester zu besuchen. In der Zwischenzeit aber war diese selbst von dem Ungeheuer verschlungen worden.
Ngombe-Ngombe hatte unterwegs die gleichen Abenteuer wie seine Nichte und stieß zuletzt auch auf Yoma ’ndene; der fragte auch ihn gleich jenen, die er schon verschlungen hatte. Ngombe-Ngombe trat auf seinen Fuß, dann auf das Knie, den Leib, die Schulter und zuletzt auf des Ungeheuers Lippe und wurde von dort aus verschlungen. Kaum war aber der Mann in Yoma ’ndene’s Bauch gekommen, als dieser innerlich starke Schmerzen fühlte. Nach und nach wurden diese Schmerzen immer stärker, denn Ngombe-Ngombe hatte alle seine Dolche unter die anderen verteilt, die er im Bauch angetroffen [hatte], und jeder säbelte nun an dem Ungeheuer herum. Yoma ’ndene eilte zu seiner Frau und sagte: Gib mir ein stark[es] Klistier, denn ich habe schon viele verschlungen, aber so weh hat mir noch keiner ge[tan]! Das Klistier aber minderte die Schmerzen nicht im geringsten; im Gegenteil, sie wuchsen immer mehr und waren nicht zum Aushalten. Yoma ’ndene warf sich auf den Boden, grunzte und brüllte, bis jeder Baum und Fels erzitterte.
Er rannte an die Flüsse und Seen, um zu trinken und sich in seinem Todeskampf zu erfrischen, aber zu seiner Enttäuschung war nirgends ein Tropfen Wasser zu finden, denn Ngombe-Ngombe hatte die Schattengeister alle Bäche, Flüsse, Seen, ja das Meer austrocknen lassen. Je mehr sich Yoma ’ndene in seinen Schmerzen wand, desto emsiger schnitten die Leute in seinem Magen an der Bauchdecke herum. Zuletzt wurde er ohnmächtig und starb nach einer Weile.
Schließlich hatten die Leute durch die Bauchdecke ein Loch geschnitten und nun kamen alle heraus, die verschlungen waren: Schwarze und Weiße; alle kamen heraus aus dem großen Loch in der Verschlingers Bauch. Entsprechend ihrer Farbe Farbe stellten sich die Menschen in zwei große Haufen: die Schwarzen sammelten sich um Ngombe-Ngombe und er war ihr Oberster. Als aber ein starker Donnerschlag ertönte, wurden die Weißen weggerückt in den Himmel.
Zusatz: So die alte Fassung. Ein Lehrer, den ich das Märchen seinen Kindern erzählen hörte, ließ auch Braune und Rote aus des Ogers Bauch kommen, dann die Gleichfarbigen sich sammeln und jede Gruppe in besonderer Richtung nach ihrem Wohnsitz ziehen; und so hätte sich die Gesamtmenschheit getrennt und die verschiedenen Menschenrassen gebildet Rassen .
{38a}
Obwohl früher bei manchen Stämmen den Leiche Leichen aller Erwachsenen, bei anderen nur den Verdächtigen zwecks Eingeweideschau der Leib geöffnet wurde (doma dibum „Bauch spalten“), vgl. S. 96, war ihnen doch das Studium des menschlichen Körpers nicht nur fremd, sondern verpönt, tabu. Was man vom menschlichen Körper wußte, war wohl meist erschlossen durch Vergleich mit Tierkörpern, die ja beim schlachten Schlachten zerlegt werden; und man muß sich wundern, wieviel sie vom anatomischen Aufbau des menschlichen Körpers wissen.
Die Sprache hat Namen ungefähr für alle, oder doch alle wichtigen Körperteile, Glieder und Knochen Knochen. Die Röhrenknochen bewese ba misongo sind mit musongo „Mark, Füllsel“ gefüllt. Der fleischlose mulopo „ Kopf, vgl. auch Schädel Kopf“ heißt ekekeleke „ Schädel Schädel“. Vom ganzen menschlichen Körper ist er am meisten mana mana-haltig. Kein Wunder, daß auch die Kopfmaske das wichtigste Stück bei der Verkleidung der Dämonendarsteller der Kult, -bund, vgl. auch Geheimbünde Kultbünde ist. Der Schädel ist für {39a} Fremde, Fremdlinge Fremde tabu; die Nachkommen verehren ihn in manchen Stämmen, wo die Leichname nach einigen Monaten ausgegraben und die Schädel eingebracht werden. In anderen Gegenden vertritt ein Stein Stein die Stelle des väterlichen Schädels, vgl. S. 16. Der Schädel besteht aus mbombo 9 „Vorderkopf, Stirn“, dem Sitz des Glück, -sgut Glück, -sgut Glückes und dikodika 5 „Hinterkopf“, zwischen welchem bongo 15 „das Gehirn“ eingebettet ist. Dibobodi 5 „der Scheitel“ oder „Fontanelle“ ist die höchste Stelle des Kopfes; der Haarscheitel ist mwanda „Spaltung“. Im boso, my- 13 „ Gesicht Gesicht“ sind diso, miso „die Augen“, mit mitonga ma miso „den Augäpfeln“, mpemba 3 „Nase“ mit ndjongo „den Nasenlöchern“, matoi „Ohren“ mit dem nyango a toi „Ohrenschmalz“, und dem mudumbu 3 „Mund“ mit eyeme 7 „der Zunge“, masonga „Zähnen“, von denen man masonga ma boso „Schneide-“, masonga ma mbo „Eck-“ und bekiko „Backenzähne“ unterscheidet, dem eyasaso 7 (won ase [?]) „Gaumen“, der im mungongi „Schlund“ endet. Der bewegliche Teil des Mundes ist nyaso oder mpe „der Unterkiefer“ mit dem ewes’ a mpe „Backenknochen“, zusammengehalten vom ibodu „Kinn“. Abgeschlossen ist der Mund durch lama, ma- die „Wangen“ mit epopo, be- den „Lippen“, bepopo ba miso sind „die Lider“. Der Kopf sitzt auf den dikata, ma- „Schultern“ mittels des nyíngo „Halses, Nackens“, dessen innerer Teil der Schlund mungongi „Rachen, Luft- und Speiseröhre“ ist. Man weiß, daß die eine Röhre für die Luft, die andere für die Speise ist, weiß aber nicht, welche von ihnen vorn und welche hinten ist. Oberhalb der bwanga „Brust“ verbinden ngambo 9 „die Schlüsselbeine“ die Schultern, nach hinten mukumbu 3 „die Gegend unterhalb der Schulterblätter“. Mongo „die Wirbelsäule“ und mbandja „die Rippen“ schließen esaosao, be- „Lungen“, mulema „ Herz Herz“, musisa, mi- „Adern“, dibadi „ Leber Leber“ mit mbongi „Gallenblase“, gefüllt mit madiba ma mbongi „Galle“, ebunga „Magen“, mbabo „Milz“, esandjandja „die Blase“ und mbanga ma ndjim „Nierennüsse“ ein. Im Zwerchfell liegt die Fähigkeit, „sich zu spalten, sich spalten“, vgl. S. 44, 48. Im dibum „ Bauch Bauch“ mit dem mutodi „Nabel“ lagert mwea, my- „das Gedärme“. Nabelbrüche betrachtete man nicht als einen Schaden, sondern eine Zier und hat daher keinen besonderen Namen dafür; „Hodenbrüche“ sind mitole. Das Gedärme umfassen auch die inneren Genitalien; die äußeren sind tabu und obszön zu nennen. In manchen Stämmen setzt man Gebärmutter und Nachgeburt Nachgeburt als eines, so daß jedes Kind, vgl. auch Eltern und Kind Kind seine besondere Gebärmutter habe; das Duala unterscheidet esale 7 „Gebärmutter“, ngobi 9 „Nachgeburt“ und koki 9 „ Nabelschnur Nabelschnur“. Diso la munyudu „Auge des Hinterteils, d. h. After“ ist umgeben vom munyudu 3 „Hinterteil“ mit den makandí „Hinterbacken“. Tongo 10 „die Hüftknochen“ mit den edue, be- „Lenden“ und miwei 4 „Leistengegend“ schließen den Bauch nach unten ab. Enama, be- „Glieder“ fassen Beine und Arme zusammen. Nicht am Knöchel, wie bei uns, werden Fuß und Hand begrenzt, sondern am Ellenbogen dibongo la dia „Handbiegung“ und am Knie dibongo la mwende „Fußbiegung“. So unterscheidet man panga „Oberarm“ und dibebe „Oberschenkel“ (bei den Tieren an jedem Bein). Dia, ma „Vorderarm und Hand“, mwende „Unterschenkel und Fuß“ mit mbombongo 9 „Schienbein“, dibunga „Wade“ und tindi la mwende „Ferse“; tanga, ma- ist „Handfläche und Fußsohle“, mune, pl. mine „Zehen und Finger“ mit nyandì 10 „ Nägel Nägeln“; Hand- und Fußgelenke heißen jongea, m- „das sich Verlängernde, das sich Anfügende“, von onga „ansetzen, verlängern“.
Der ganze Körper ist von musisa, mi- „Blutadern“ durchzogen, womit aber aus anatomischer Unkenntnis auch „Sehne“ bezeichnet wird; „Nerven“ sind den Primitiven unbekannt, obwohl sie auch nervös werden können. Der Körper ist mit eyobo eyobo, be- „ Haut Haut“ überzogen, womit auch der ganze physische Mensch bezeichnet wird, vgl. S. 22; sie ist bedeckt mit nyo „ Haar Haaren“ (nyue „graues Haar“); der „Bart“ ist masedu 6, dessen eine Hälfte sedu 5, ein „Barthaar“, auch „Spitzbart“, früher oft geflochten, ndjedu „Backenbart, Mähne“; kekele „Augenbrauen“, nyo a miso „Augenhaare“, d. h. Wimpern.
Man sieht also, daß die Kameruner eine Fülle von anatomischen Bezeichnungen haben. Will man aber Genaueres über den Aufbau oder die inneren Funktionen des Körpers hören, so stößt man auf große Unkenntnis; z. B. wissen sie nichts über die Drüsen und ihre Aufgaben. Aber ist das bei uns wesentlich anders, wo anschaulicher Schulunterricht fehlt?
{39b} Über Entstehung des menschlichen Körpers im Mutterleib webt dem Kameruner ein Geheimnis, vgl. Note S. 41, denn alle Geburt, gebären Geburten stammen aus der unsichtbaren Welt, die Mehrzahl aus dem Hades Hades durch Vermittlung der Ahnen, vgl. Furchtbarkeitskult, manche aus dem Himmel, vgl. S. 123f. Die Ahnen schicken unmündig Verstorbene wieder auf die Erde zurück und lassen sie dort geboren werden. Außerdem schafft der [?] Ahnengott aber auch neue Wesen, vgl. S. 6, ähnlich wie ein Schmied (so am Kamerunberg) oder aus Lehm wie in den Bakosibergen. Die Bakosi sagen, solche vom Wirker geformte Menschenkinder sähen aus wie Eidechse Eidechsen, hätten auch ein Schwänzchen.Da es bei den Ko. strenges Tabu ist, zwei Menschen in ein Grab zu legen (womit bei ihnen wohl auch das sonstwo geübte Mitgeben von Sklaven an verstorbenen Großen verboten ist, vgl. S. ---), so schneidet man dort aus der Leiche einer Frau, die in gesegneten Umständen starb, den Fötus heraus und begräbt ihn besonders. Daher ist ihnen das Aussehen des Fötus in allen Entwicklungen bekannt.
Durch Vermittlung einer <alten Frau, die sich in einem Fels [?] oder sonst dynamistisch geladenen Platz aufhält>, wurden diese Kinder vorübergehenden Frauen in ihren Mutterleib <geschossen>, dort wachsen diese Gestältlein zum Fötus heran.
So reden die Kameruner oft von einer Art Präexistenz, vgl. auch Wiedergeborenwerden Präexistenz der Menschen, aber auch von einem periodischen Wechseln des Aufenthaltes hier auf Erden und im Jenseits. Anatomie
{40}
[eingeklebter Zettel: Es ist auch möglich, daß früher nicht der sexuelle Akt zu gewissen Zeiten dem Gefahrenzustand rief, sondern nur wo er eine ordnungsgemäße Äußerung des gemeinsamen Familienlebens war. Daher ist die Freinacht Freinacht beim Tod eines Häuptlings verständlich, wo man seine Frau nicht beschlafen darf, aber der freie Verkehr der Geschlechter allgemein ist. S. 40 unten Vgl. Billmanns Bericht aus Bafut in Relig. kundl. Beiblatt, Marburg 1936, VI. 2.]Es ist also nicht zu erwarten, daß die Vorgänge im Menschenkörper genau erkannt sind und daß sein wunderbarer Aufbau etwa gar wissenschaftlich erklärt werden könnte. Weiß man nichts von Nerven, so ist das Funktionieren dieses Systems erst recht im Dunkeln. Die Bildung des Blutes aus der Nahrung und seine Zirkulation, das Verdauungssystem, die Atmung und der Einfluß der Luft aufs Blut ist in Kamerun ursprünglich so wenig bekannt, wie es vor wenigen Jahrhunderten bei uns war.
Stattdessen haben die Kameruner ihr eigenes System – wenn man von solchem reden darf – physiologischer Ideen, die zwar vielfach auf Aberglauben beruhen und jeder wissenschaftlichen Begründung entbehren, aber doch allgemein und zuversichtlich geglaubt werden und den Hintergrund von einer Menge magischer und kultischer Handlungen bilden. Ohne Einblick in dieses System ist das Denken, Glaube Glauben, Handeln des Kameruners nicht zu verstehen. Hier sei dieses Gebiet aber nur kurz gestreift; näheres ist in meinem Aufsatz --- in --- nachzulesen.
Die verschiedenen Namen, die die Altersstufen des Menschen haben, zeigen, daß hier verschiedene Perioden beobachtet werden, jede mit ihrem besonderen Charakter. Zwischen den einzelnen Perioden sind Übergangszeiten, die als gefährlich angesehen werden, weshalb dazu besondere Mysterien Mysterien zu üben sind, die stärkste beim Übergang aus der Jugend ins reife Geschlechtsleben, -symbolik Geschlechtsleben und wenn der Tod eines Nahestehenden ins Menschenleben greift. Die einzelnen Perioden seien kurz aufgeführt:
Mwenge, mi- (vom Stamm -kengele) ma muna „ Säugling Säugling“, welche Periode mit der Entwöhnung Entwöhnung, meist im dritten Lebensjahre, endigt. Die Tage bis zum Abfallen der Nabelschnur Nabelschnur gelten als Zeit der unrein Unreinheit und Schwachheit in besonderem Sinn. Darum wird das Kind, vgl. auch Eltern und Kind Kind von keinen anderen als den Pflegern angefaßt; der Fremde, Fremdlinge Fremde und das Kind sind zu schützen. Zum Abschluß dieses Zustandes ist, meist am neunten Tage nach der Geburt, ein Fest Fest, während dem die Hütte der Mutter gereinigt wird; auch ein Zeichen, daß die Unreinheit der Wöchnerin Wöchnerin und des Kindes abgetan sind. Schon vor diesem Tage sind mancherlei Zeremonien Zeremonien zu beachten; vgl. meinen Aufsatz „Die ersten 2 Wochen im Leben eines Kosi-Kindes“ [„Das Leben eines Kosi-Kindes in den ersten zwei Wochen“] in der Zeitschrift für Eingeborenen-Sprachen, Band XX, 1929/30, S. 256–282. Das Kind wird dem Mond gezeigt, vgl. S. 5, vgl. das Legen des Säuglings aufs Dach bei den Kosi Kosi, gewisse Basa-Gruppen „taufen“, d. h. überschütten den Säugling mit Palmwein Palmwein, und ähnliche Sitten; es werden dem Kind Hanf Schnüre schnüre um Hand- und Fußgelenke, Hüfte und Hals angelegt – ein Zeichen, daß das Kind nicht mehr unbekleidet, d. h. daß es in die menschliche Gesellschaft aufgenommen ist. Bis zum Abfallen der Hanfschnüre und zur Entwöhnung wird das Kind aber nicht als ein ganz gesundes Menschenkind angesehen; es bedarf beständiger Drogen Klistier klistiere, es wird in Wasser Wasser gebadet, in dem Mittel zur Stärkung liegen, z. B. Schimpansenknochen, und man behängt es mit Amulett Amuletten (Baumrinden, Zähnen u. ä.). Nach der Entwöhnung ist dem Kind noch eine besondere Medizin, Machtmittel Medizin zu machen, damit es unbehelligt in die „ Kindheit, vgl. auch Entwicklung Kindheit“ eintreten kann.
Denn wie das Säuglingsalter ist auch das Kindesalter nicht von aller Unreinheit und Anfälligkeit frei. Symbolisch wird diese Schwäche durch die Beschneidung Beschneidung abgetan. Bei den meisten Stämmen geschieht sie beim Erwachen des Geschlechtstriebs, bei anderen aber auch nur einige Tage nach der Geburt. Es ist aber nicht nur ein körperliches Zeichen, sondern hat sowohl soziale, wie auch religiöse Bedeutung. Nun tritt der Junge (er ist nun nicht mehr muna, ba- „Kind“, sondern mpesa ma moto „schmucker Mensch, Jüngling“ im Unterschied zu ngondedi 9 „ Mädchen Mädchen, Jungfrau“) in die Reihe der geschlechtsfähigen Sippenglieder ein. Hat ein Unbeschnittener mit einer Frau Umgang, so wird das mehr als eine Spielerei und nicht als Geschlechtsakt angesehen, weshalb früher, als nach eingeborener Sitte Sitte solche Hurerei Hurerei noch hart gestraft werden konnte, die Väter die Beschneidung ihrer Söhne hinausschoben, um sie zu schützen.
Dieser Übergang vom geschlechtsunbewußten zum -bewußten Stande ist der tiefste Einschnitt im Leben des Primitiven und war durch Übungen sozi- {41} alen Charakters gezeichnet und geschützt, die wir auf S. 191ff. beschreiben. Religiös ist der Akt der Beschneidung, als damit der über- , unsinnliche Welt übersinnlichen Welt ein Opfer, vgl. auch Kulte und Ahnenkult Opfer gegeben wird: Ein Stück des Menschen wird anstelle des ganzen Menschen gegeben. Außerdem liegt der Beschneidung die Anschauung zugrunde, daß der Geschlechtsapparat (und das Geschlechtsleben nimmt ja einen großen Teil des Denkens der Leute gefangen, deren Religion vornehmlich Fruchtbarkeitskult Fruchtbarkeitskult ist) in ungutem, unreinem Zustand ist; nun wird er durch Hingabe der Vorhaut gereinigt und der Mensch in den Zustand gesetzt, daß er an dem Geheimnis der Zeugung Zeugung Anteil hat. Damit, daß einer verheiratet ist, ist er in Wirklichkeit erst moto, pl. bato moto, ba- „Mensch“ geworden und als Glied einer mbia „Geschlechterfolge“ hat er die Aufgabe, bei deren Wachsen mitzuhelfen.
Außer diesen Anschauungen über das Menschenleben und Handlungen soziale Verhältnisse sozialer Natur sind auch solche Zeitabschnitte zu beachten, da man den Menschen als in Unreinheit stehend erachtet. In diesem Stand gilt nicht nur der Mensch selbst als in Gefahr stehend, sondern dieser Gefahrenzustand Gefahrenzustand wirkt auch ansteckend auf andere und bringt sie in Gefahr. Darum hat sich ein solcher Mensch aus Rücksicht auf sein und der Seinen Wohl allerlei Riten Riten und Reinigungen, Sühnehandlungen, zu unterziehen und es ist verständlich, wie in diesem Stück die physiologischen Vorstellungen, so unsinnig und falsch sie oft sein mögen, eine große Rolle im Leben der Kameruner spielen und ihnen viel unnötige Mühe, Not und Sorgen bereiten.
Solche Zeiten der Unreinheit sind: Der Monatsfluß der Frau, die Geburt selbst, der Geschlechtsakt unter besonderen Umständen, Krankheit Krankheit, Tod, Geburt von Zwillinge Zwillingen, Mord, Mörder Mord oder das Offenbarwerden, daß sonstwie der Körper in unguten Zustand geraten ist, vgl. mbeu a nyolo auf S. 97.
Bei Besprechung der Tabu-Regeln spielen auf S. 60 die eben angedeuteten Anschauungen eine besondere Rolle. Darum seien die Unreinheitsperioden hier kurz besprochen:
Während des Monatsflusses ist das Zusammengehen von Mann und Frau streng verboten; im Grasland hat die Frau für diese Tage eine besondere Hütte. Während der Geburt, gebären Geburt soll der Mann möglichst nicht anwesend sein, außer wenn er bei schweren Fällen gerufen wird, entweder um selbst ein Geständnis seiner Schuld an den bestehenden Schwierigkeiten abzulegen oder seine Frau zu solchem zu bewegen oder um sonst zu helfen. Die Frau muß gebadet werden und muß sich vor Frauen hüten, die Geburtsschwierigkeiten oder im Anschluß an eine Geburt Krankheiten hatten, besonders wenn ihre Geburt nicht leicht vonstatten ging. Gilt dies alles schon von einer einfachen Geburt, so in besonderem Maße von Zwillingsgeburten. Sie bringen die ganze Verwandtschaft in Gefahr und ihr Zustand gilt als besonders ansteckend, eine solche Geburt erfordert darum besonders vorsichtige Behandlung; weiteres vgl. auf S. 123f. – Der Kranke ist unrein; darum darf er sich aber auch nicht waschen, muß am Feuer Feuer sitzen und, wenn es ihm ganz schlimm geht, wird er in eine besondere Hütte in den Wald gebracht (wie auch die Zwillingsmutter), um abgesondert und allem fremden Einfluß entzogen zu sein. Dort steht er in Behandlung eines Medizinmannes, der nach Abheilen der Krankheit noch eine Schlußzeremonie zu verrichten hat, vgl. dindo auf S. ---, um die ausgesprochenen Tabu-Regeln zurückzunehmen und den Kranken dem allgemeinen Leben wiederzugeben. Der Tod Tod ist, wie kaum ein ander[es] Ereignis, für die, die der Fall am nächsten angeht, verunreinigend. Alle, die mit der Leiche Leiche in Berührung kommen, haben durch besondere Riten sich zu reinigen, die Totengräber Totengräber unmittelbar nach der Beerdigung Beerdigung, Witwen, vgl. auch Trauer Witwen und andere Trauernde nach Ablauf der mehrmonatigen Trauerperiode; vgl. S. 217ff. Mord und ihm verwandte Taten schaffen dadurch einen Gefahrenzustand für den Mörder, daß das mbaki mbaki, vgl. S. 19, 58ff., vom Umgebrachten auf den Übeltäter übergeht und das dann auch anderen gefährlich wird; desgleichen auch der mbeu a nyolo „ungute Zustand des Körpers“, der bei allerlei Gelegenheiten offenbar werden kann.
Der Geschlechts Verkehr, geschlechtlicher verkehr Man glaubt nicht, daß Beischlaf allein zur Empfängnis führt. Es muß dazu ein Eingreifen aus der Welt des ndimsi kommen. Von dort kommen die Kinder in den Mutterleib. Diesen Weg stellt man sich verschieden vor, vgl. S. 16. Man sagt auch, die Ahnen legen ein <Kind> in die Rotholzfarbschüssel unterm Bett einer Frau; trägt nun die Frau diese Farbe auf ihren Körper auf, um ihn <schön zu machen>, so geht geheimnisvollerweise das Kind in sie über.
ist zwar nicht wie die vorstehend aufgeführten physiologischen Tatsachen an und für sich verunreinigend und gefahrbringend, aber unter besonderen Umständen [doch] und unterliegt dann besonderem Verbot oder Gebot. – Es ist schon gesagt, daß der Verkehr von Unbeschnittenen, auch von Mädchen vor der Ehe, obwohl sie geschätzt sind, doch anders betrachtet {42} wird als der Verkehr von Eheleuten. Wahrscheinlich ist es nicht der Geschlechtsakt als solcher, der geregelt werden soll, sondern nur soweit er das regelmäßige soziale Leben der Familie berührt. So ist der Verkehr verheirateter Leute, die regelmäßigen Verkehr haben, also onya onya „auflodernd sind“, eine Gefahr für 1) besondere Individuen in der Gemeinschaft, -smahl Gemeinschaft, z. B. für Kranke, deren Krankheit durch den Akt neu entflammt würde, wenn sie mit Leuten zusammenkämen, die „auflodernd sind“; besonders gilt dies für den kranken Ortsvorsteher oder Häuptling Häuptling, für die Wöchnerin Wöchnerin, für ihr noch „nicht festes“ Kind. So ist auch für Eltern und Kind Eltern der Verkehr verboten bis etwa zwei Jahren nach der Geburt; denn kommt die Frau wieder in Hoffnung, so sagt man: Der Vater will das lebende Kind töten töten. Man weiß, daß die Frau nicht zwei Kinder zugleich ernähren kann, das an der Brust und das unterm Herzen; in diesem Falle ist Herbeiführen des Abortus Abortus gestattet. Rekonvaleszent Rekonvaleszenten müssen nicht gehen, wo Verheiratete vorbeikommen, noch weniger dürfen sie selbst Geschlechtsverkehr vor der Schlußrite, vgl. S. ---, haben. 2) Solcher Verkehr ist allgemein verboten, wenn die ganze Gemeinschaft in Gefahr steht, z. B. wenn Krieg Krieg droht, eine Epidemie wütet, während der großen Trauerzeit (dja dibua), sonst malebo ma wusa buka babo „würde sie die Trauer überwältigen“. 3) Geschlechtsverkehr bringt Leute und ihr Werk in Gefahr, die vor besonderen Aufgaben stehen: Krieg, Jagd, Jäger Jagd etc.; z. B. der Walharpunier muß sich während der Jagdzeit nicht nur des Umgangs mit einer Frau, sondern auch jeder geschlechtlichen Erregung enthalten, vgl. S. ---, ebenso der Großwildjäger; hier geht die Vorsicht Vorsicht sogar soweit, daß den Hunden die Rassel Rasseln von einem unschuldigen Mädchen Mädchen umgebunden werden müssen. Das Wild würde Jäger und Hund Hund in Lebensgefahr bringen, wenn es nach der Regel: „Ähnliches erzeugt Ähnliches“ „auflodernd“ gemacht würde. – Diese Auffassung vom Geschlechtsakt erklärt, warum gewisse Funktionen bei Opfern, vor großen Unternehmungen u. ä. von unentwickelten Kindern oder alten Frauen, also asexuellen Personen, verrichtet werden müssen, sollen sie wirksam sein. Bei ihren Kriegszügen führten z. B. die Duala in ihrem vordersten Kanu ein Mädchen mit sich, [eine] mangon ma bila „Kriegsjungfrau“, die durch Schwingen eines Wedel Wedels und einer Weidenrassel den Feinden die Kraft nehmen sollte.
Im Grasland Grasland ist die Nacht nach dem Tod Tod eines großen Häuptling Häuptlings eine Art Freinacht Freinacht, wo sich das Volk auf dem Platz vor dem Häuptlingsgehöft sammelt und dann jede Frau für jeden Mann frei ist, während für die Eheleute Enthaltsamkeit besteht. Der Tod des Großen hat alles verunreinigt, in Gefahrenzustand gebracht, nun ist auch die Heiligkeit der Ehe Ehe zerbrochen, ihre Bande zerrissen. Nach solch großer „ Verunreinigung Verunreinigung“, auch nach der Verlegung eines Dorfes, womöglich infolge Verunreinigung durch den Tod Angesehener oder durch Feuer, Durchlaufen von Initialweihen, großer Trauer Trauer u. ä. sind besondere Reinigung, rituelle Reinigungsakte nötig, die neben Abwaschungen etc., in ritueller Form ausgeführte Geschlechtsakte enthalten können. So verunreinigt der Tod nicht nur die dem Toten gehörigen Geräte, Waffen, Wohnung, vgl. musasako auf S. ---, sondern auch seine Frauen, Eltern, ja die Eltern der Frau; und auch die Absonderung aus den Geschlechtsorganen, der Quelle ihres Lebens, durch welche die Gruppe, vgl. auch Familie, Sippe, Stamm Gruppe erhalten und gemehrt wird. Sie müssen gereinigt werden, um die Sippe wieder in ihren normalen Stand zu bringen. Darum wird diese Periode durch eine gemeinsame Reinigung, umschließend Opfer und Waschungen, aber auch Instandsetzung der magischen Kräfte der Siedlung, vgl. S. 98 pongo mundi, abgeschlossen. Dann erst ist die Siedlung wieder in Ordnung gebracht und ein neues und reines Leben wieder möglich.
Wir sehen hier, so anstößig uns mancher Brauch erscheinen mag, ein Zeichen dafür, daß die Kameruner eine ernste Auffassung vom Leben und ein Verlangen nach Reinheit haben, welche die Gründer und Pfleger christlicher Sittlichkeit Sittlichkeit im Lande mindestens kennen müssen Verkehr, geschlechtlicher . unrein
Weitere Äußerungen des kameruner Dynamismus Dynamismus sind zu beobachten bei der Leute Haltung mancherlei Absonderungen und Abfallstoffen des menschlichen Körpers gegenüber, z. B. Haar Haare und Nägel Nägel sind besonders mana mana-haltig und zu bewahren, daß sie in niemandes Hände fallen. Jeder [ver]gräbt sie unter einem Stein an besonderem Ort und nach dem Tod zieht edimo edimo „die Schattenseele (edimo) Schattenseele“ diese Seelenkräfte wieder an sich. Bei der Schutz durch Machtmittel, Medizin Schutzmedizin zur Abwendung des < Gefahrenzustand Gefahrenzustandes> mbeu a nyolo werden neben Lappen vom Kleid etc. auch Nägel und Haare des Betreffenden verwendet. – Schamhaare Schamhaare sind besonders tabu und niemand soll sie sehen; sie {43} werden beim Orakel Orakel elielie elielie verwendet, vgl. S. ---. – Wegen der Kopfhaare besteht die Befürchtung, daß die auf den Abfallhaufen geworfenen von Vögeln zum Nestbau geholt werden, wodurch dem Menschen ein Stück seiner Lebenskraft abhanden kommt und er krank wird.
Neben dem unabsichtlichem Abgeben von Speichel Speichel kennt man noch ein Spucken von besonderer Bedeutung; es ist 1) ein Zeichen der Verachtung, Ablehnung des Gegenüber; es wird damit von dem Ausspuckenden als ekelerregend bezeichnet. Besonders darf man nicht vor Großen und vor Essenden ausspucken. 2) Speichel ist eine Art Opfer, vgl. auch Kulte und Ahnenkult Opfer, ein Segen (bonam, munam), segnen Segen für Kinder; man gibt damit ein Stück seiner selbst, der eigenen Lebenskraft an den anderen hin; z. B. an die Ahnen, an die Medizin, an Angehörige; 3) es ist beides zugleich: Opfer und Mittel, den anderen zurückzuhalten, z. B. wenn Witwen abends Ingwerkerne zerkauen und sie ausspucken, um die Verstorbenen so zu zwingen, sie nachts in Ruhe zu lassen, oder wenn man die durch mengu „Wassergeister“ verrufenen Plätze bespuckt in der Meinung: „Bleib ruhig, bleib weg von mir!“ Wegen Bespuckhauchen von Steinen unterwegs vgl. S. 50f, vgl. auch S. 136, 181a.
Enyangi „ Schweiß, vgl. auch Schmutz Schweiß“ betrachtet man als eine Absonderung, vgl. busise enyangi „Schweiß treiben“ und bei tätigen Medizinmännern ist der Schweiß ein Zeichen seiner Kraft und Anstrengung. Sonst gibt es aber keine besonderen Tabu-Regeln seinethalben. Wird aber ein Mittel gemacht, das menschliche Absonderungen enthält, so wird auch unter den Armen und sonstwo Hauttalg und Reste von Schweiß zusammengeschabt und gebraucht.
Lobi „ Kot, vgl. auch Schmutz Kot“ und misandji „ Urin Urin“ ist beides, das erstere sehr stark, ekelerregend. Besonders beim ersteren sieht man bei vielen Stämmen darauf, daß er niemand Fremdem in die Hände fällt, er könnte ihn als Zaubermittel gegen den Produzenten gebrauchen. Wo aber Schwein Schweine gehalten werden, die Kot als Mastfutter verzehren, ist keine besondere Vorsicht üblich. Auch Urin kann als magisches Mittel gebraucht werden.
Haare, Nägel, Speichel, Kot, Schweiß u. a. werden als Abfallstoffe Abfallstoffe bei magischem Gebrauch auch als mbindo „Schmutz“ bezeichnet, und weil es z. B. beim esa, vgl. S. ---, oft in Wasser aufgelöst und getrunken wird, heißt in mancher Gegend solche Bekenntnisversammlung auch nyo mbindo „ Schmutz (Zubehör, Abfall) trinken, wegwerfen Schmutz trinken“!
Maya, sonstwo mit vollerem Stamm makia „ Blut Blut“, Ja. wa meki [?], ist ein besonderer Saft; daher wird auch Tierblut, früher Menschenblut, beim Opfer verwendet; vgl. auch Blutbund S. 151. Daher besteht immer auch Gefahr, daß sich jemand über einen anderen mittels dessen Blut Gewalt verschafft. Darum zerreibt jeder das Blut, das ihm von einer Wunde herabtropft, oder ein Freund besorgt das für ihn.
Sekumeye „ schlucksen schlucksen“ und esekuseku 7 „der Schluckser“ ist bei Kindern nicht auffallend, bei Kranken aber sieht man ihn als ein Zeichen an, daß der Tod naht.
Bewa mbeu „rülpsen, aufstoßen“ ist erlaubt als Zeichen, daß einer satt ist. Unnormal aber ist es, wenn einer nicht gegessen hat oder in besonderer Lage; stößt ein Kranker häufig auf, so ist es ein Zeichen, daß er verhext ist, beim Medizinmann Medizinmann, daß er voll magischer Kräfte steckt.
Te donge „gähnen“, ein Zeichen von Schlaf Schlaf oder Heißhunger Hunger , wird als natürliche Äußerung des Körpers betrachtet.
Weitere physiologische Phänomene vgl. S. 57f Physiologie . Körper
Die Kameruner haben für viele seelischen Fähigkeiten keinen besonderen Namen, sondern man nimmt den Sitz einer Eigenschaften [der menschlichen Seele] Eigenschaft in körperlichen Organen für die Eigenschaft selbst; z. B.: Mulema „ Herz Herz“ ist Sitz der Mutea ngíny'a mulema „Herzenskraft“ oder der Freundlichkeit und des Mitleid Mitleids mulema ma bwam „Herz der Güte“; Haß >Haß und finsteres Wesen mulema ma bobe bobe „böses Herz“. Die doi la mulema „Stimme des Herzens“ ist unser „ Gewissen Gewissen“; so ist einer zu etwas bereit oder lehnt es ab, weil „sein Herz es ihm so sagt“. Nyingo „Hals, Nacken“ bezeichnet auch „Eigensinn und Hartnäckigkeit“; mulopo „der Kopf, vgl. auch Schädel Kopf“ auch „das Wollen“, den „Starrsinn, Eigensinn“, zugleich heißt senga mulopo „den Kopf empfinden“ auch „Kopfweh haben“. Mulopo mu wam „der Kopf ist leicht“ bedeutet: Der Mensch ist verstandesmäßig oder magisch „hellsichtig“. Mudumbu „der Mund“ spricht für „Beredsamkeit“, aber auch „Schwätzerei und
{44}
[eingeklebter Zettel auf Rückseite von S. 43: zu S. 44 Bei gewissen Medizinmännern sind Träume die Voraussetzung ihrer Auskünfte und Praxis. Dagegen liebt man im Allgemeinen Träume nicht, besonders keine Schreckträume, weil man sie für Erleben der Belästigung durch Hexen hält. Man muß sich gegen solchen finsteren Eingriff wehren. Gewöhnliche Träume spielen im Leben keine Rolle, aber mulopo [?] mundene hält, was die animistische Lehre vom Träumen behauptet.]Streitsucht“; diso „das Auge Auge“ ist bei Jäger oder Soldat „scharfsichtig“, bei anderen aber auch „hellsichtig“ im Sinne vom zweiten Gesicht, zweites Gesicht: Miso manei, „vier Augen“ haben; diso l’ ekon’ „Auge des Neids“ meint den „bösen böser Blick Blick“. Dia „die Hand“ ist der Sitz für allerlei Tätigkeiten, dia di wam „leichte Hand“ bedeutet „Geschicklichkeit“ und einer dia di nam’ „gesegneten Hand“ gelingt alles. Im dibum „ Bauch Bauch“ hat man seine <Geheimnisse>, gelegentlich auch seine <Weisheit>, aber auch die < Furcht Furcht>, wenn mulema mu kwedi mo o dibum „ihm das Herz in den Bauch gefallen ist“. Senga dibum „den Bauch verspüren“ heißt „Bauchschmerzen haben“. Im Gesicht Gesicht und besonders auf der mbombo „Stirn“ ist einem das „ Geschick Geschick“ geschrieben; entweder bo sangi „es ist rein“, dann gelingt ihm alles, oder bo si sangi „es ist nicht rein“, dann hat er in allem Mißerfolg. Hier sind also die Eigenschaft und ihr Sitz so sehr identifiziert, daß für beides ein Wort genügt. – Daneben gibt es auch eine ganze Reihe von Bezeichnungen für Seelenkräfte abgesehen von ihrem Sitze: Ndolo „ Liebe Liebe“, dipita “Hoffnung“, kumba „Frechheit“, dipama „Trotz“, ndedi „Mitleid“, muyao „Freundlichkeit“, koko „Eigensinn“, pidi „Eifersucht“, malinga „Zorn“, welilisane „Geduld“, sengane „Gehorsam“, dibie „Wissen“, django „Klugheit“, mwano „Fähigkeit zu Planen“, misomba „ List List“, bongo „Furcht“, munyenge „Freude“, bosinga „ Haß >Haß“, eyango „Streitsucht“ und manche andere.
Neben der Vorstellung vom Sitz gewisser Seelenkräfte im Körper bzw. Körperteilen, haben die Kameruner auch die Vorstellung der Seele, vgl. auch Lebens- und Schattenseele Seele; diese wird uns auf S. 76 ff. unter Animismus noch weiter beschäftigen, doch seien die kameruner Vorstellungen in diesem Stücke kurz umrissen. Wir betrachten die Ausdrücke, die die Duala gebrauchen. Für das menschliche Lebensprinzip gibt es den Namen mudi; das Atmen und den Atem Atem nennen sie wei, soweit es im Menschen keucht, was aber als Hauch sichtbar wird ist mudi, vgl. S. 9. Da auch in den anderen Kamerunsprachen scharf zwischen „Hauch, Dampf Dampf“ und der „Lebensseele“ geschieden wird, kann man annehmen, daß das auch früher so geschah. Wie mudi, die Lebensseele, im Sterben den Körper verläßt, weiß man nicht. Man sucht sie aus gutem Grund auch nicht zurückzuhalten, denn bringt das ein magisch Gefüllter Gefüllter mit seinen Mitteln nicht zuwege, wie ein ewol’ a moto „leerer Mensch“ mit seinen mechanischen?
Ist diese Lebensseele mudi, in anderen Sprachen elinge oder edengedeng im Körper, so ist er in normalen, in gutem Zustand. Sie kann aber den Körper auch verlassen und zwar auf dreifache Weise: Trennung von Leib und Seele
1) Unwillkürlich: In gewissen Träumen, vielleicht bei allen, soll die Lebensseele aus dem Körper ausgehen, ohne daß der Träumende zunächst sich dessen bewußt wird. Man erfährt das nur, wenn einem der Traum Traum bewußt wird. Hat man aber Alpdrücken oder einen anderen Schrecktraum, der sich in eigenem Gedinge abspielt, so ist eine Hexe, -rei Hexe gekommen, um zu quälen, vgl. S. 78f.
2) Absichtlich: Wer die nötigen Macht, -mittel, -erlebnis Machtmittel besitzt, mulondedi mulondedi „Vollmensch“ ist, kann seine Körperhülle verlassen, um seine Absichten auszuführen. Es ist da vielerlei möglich: Wer ein Nagual, Nagualismus = Individualtotemismus Nagual oder Totem, Totemismus Totem besitzt, geht in dieses ein und deponiert in ihm seine Lebensseele; wer ekong- Medizin, Machtmittel Medizin besitzt, kann in die unsichtbare Welt gehen, in Himmel oder Hades, um dort Reichtum Reichtum zu holen, vgl. S. ---, oder in eine ekong-Versammlung. Wer die Fähigkeit hat, sich zu „ spalten, sich spalten“ (anda mwanda, vgl. S. 39, 48, 260) kann seinen Feinden entgehen. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Z. B. in Gefahr auf der Jagd oder im Krieg Krieg sagt er seinen Spruch und gebraucht sein Mittel und sofort hebt er sich wie ein Vogel in die Luft und begibt sich in Sicherheit; und hängen sich seine Genossen „an seine Rockschöße“, so fahren auch sie mit ihm durch die Lüfte. Andere können sich vor Feinden unsichtbar machen unsichtbar machen, als hätten sie eine Tarnkappe. Als die Regierungstruppen die Überfälle der Ngolo Ngolo züchtigten, wollten ihnen die Balue zu Hilfe kommen. Aber die fanden – so wird erzählt – den Anschluß nicht und stießen auf Regierungstruppen. Aus dieser schwierigen Lage aber kamen sie durch die Hilfe ihres Medizinmannes. Der stellte sie alle in eine Reihe, neben den Pfad, den die Truppen entlangkamen, und machte sie unsichtbar, so daß sie nicht gesehen wurden, obwohl sie die marschierende Truppe sahen. Mit ndjengulan „das sich Verfehlen“, von sengulane „sich verfehlen“, ausgerüstet, geht man einem Sucher aus dem Weg. Man kann immer gerade noch entschlüpfen, bevor der Sucher eintrifft, so daß die Zurückbleibenden dem Frager antworten müssen: Er war eben noch hier, gerade jetzt ist er weggegangen!
{45} 3) Gezwungenermaßen: Wenn die Lebensseele nicht genügend gesichert ist, kann ein übelwollender Mensch einem die „Seele“ rauben, vgl. lemba S. 89. Bei Versehen oder Vergehen kann einem die Lebensseele auch abhanden kommen durch „Schatten“ oder andere Geistmächte. Durch ngad’ a ngad’ a mudumbu mudumbu- Zauber, vgl. auch Magie Zauber, vgl. S. ---, kann man einem aus der Ferne an seiner Lebensseele Schaden zufügen. Der Eintritt des mbeu a nyolo „ Gefahrenzustand Gefahrenzustand für den Körper“ wird offenbar dadurch, daß Krankheit Krankheit eintritt oder ihm ein edim’ „schlimmes Omen Omen“ anzeigt, vgl. S. ---, oder daß dies ein Orakel offenbart. Solche Trennung von Lebensseele und Körper ist immer eine gefährliche Sache. Denn kann die Lebensseele nicht mehr in den Körper zurück, so geht der „Gefahrenzustand“ in den Tod über. Die Seele kann auch bei 1) und 2) eventuell den Rückweg in den Körper nicht mehr finden; sei es, daß der Mensch einen Fehler gemacht, eine Tabu-Regel nicht beachtet hat, sei es, daß eine überlegene Macht die Lebensseele abgefangen hat. Nur wenn es einem mit magischen Kräften „Gefüllten“ gelingt, die drohende Gefahr durch Rückführen der Seele in den Körper abzuwenden, bleibt der Mensch am Leben. Andernfalls stirbt er und Orakel Orakel und Obduktion Obduktion stellen die Todesursache Todesursache fest: Durch eigene oder fremde Hexenkraft zugrunde gegangen.
Zwischen der Lebensseele eines Menschen und seinem Schatten gibt es gewisse Verbindungen; schon daß manche Stämme für beides das gleiche Wort haben, z. B. das edengedeng der Bakosi, bei vielen anderen ist edi Schattenbild (edingedinge) ngedinge „Schattenbild“ nur die Verdopplung des Stammes von elinge „Lebensseele“. Wer keine Lebensseele mehr hat, wirft keinen Schatten mehr, ist allgemeiner Glaube, obwohl doch der Augenschein dagegen spricht. Man kann zwar in den Schatten eines anderen, auch eines Höheren treten, aber wer in der Absicht und Macht, ihm zu schaden, dies tut, ist seiner Lebensseele gefährlich. Der Magier kann in den Ölspiegel seines Topfes die Lebensseele eines Menschen zitieren und sie dort erstechen. Sie wird dann krank und der Mensch kommt in Gefahr und stirbt. Damit hängt auch die Furcht vieler zusammen, sich photographieren zu lassen; man nennt auch die Bilder „Schatten“ und glaubt eine gewisse Beziehung zwischen der Lebensseele und diesem Bild. Durch das Photographieren – so glauben manche – könne man einem die Lebensseele rauben, wie es die ekong-Leute machen, um solche Seelen für sich arbeiten zu lassen. Auch könne man in ihren Bildern die Toten wieder auf diese Welt bringen.
Im Kampf, magischer -, vgl. auch ekumti Kampfe gegen die Schädlinge der Lebensseele mulemba, ba- „ Hexe, -rei Hexe, Neiding“ kommt es darauf an, einen ngang, Kp. nganga nganga „Wissenden“ und bwanga bwanga „Mittel“ zu finden, die stärker sind als die schädigenden Unholde, andernfalls endet der Kampf im Erliegen, „so Gott nicht hilft“. Wacht einer aus Ohnmacht oder Scheintod auf oder tritt bei schwerer Krankheit Besserung ein, so heißt es: Hat nicht der nganga die mudi, andernorts elinge, zurückgebracht?
Solange diese Lebensseele im mana mana-haltigen Körper ist, heißt sie mudi 3, in der Lebensstoff-Klasse; fährt sie aber aus und ist nicht mehr mit dem mana des Körpers erfüllt, so wird der gleiche Wortstamm in der (7.) Sachenklasse zu edi, be-. Als solche geht sie um und wenn einem, der allein oder nachts draußen ist, ein Schreck oder plötzliches Angstgefühl, oft mit Schweißausbruch verbunden, überfällt, so sagt er, er sei einer edi begegnet. Man spricht auch von dem edi eines Vaters oder Großvaters im Kind, wenn man bei ihm schlechte Charakterzüge der Alten wiedererkennt, vgl. S. ---.
Die letzte und endgültige Trennung der Lebensseele vom Leib findet im Tod statt; wie sie vor sich geht und wohin der mudi dann abscheidet, weiß man nicht. Wenn aber eine solche Trennung im Tod nicht stattfindet, also die Lebensseele beim Leichnam bleibt, so wird dieser zum Wiedergänger Wiedergänger, welche Fähigkeit man besonders den magisch Gefüllten und den Hexen zuschreibt; weiteres vgl. S. --- Trennung von Leib und Seele . Seele, vgl. auch Lebens- und Schattenseele
Während nun im Tod die Lebensseele verschwindet und vergeht oder schon vor dem Tod verschwunden und vergangen ist, löst sich die < Schattenseele (edimo) Schattenseele> vom Körper, der nun als Leiche Leiche zurückbleibt und der Verwesung anheimfällt. Solange diese Schattenseele mit dem mana-haltigen Körper verbunden {46} gedacht ist, so, wenn man vom Verstorbenen als Ganzem redet, heißt es mudimo 3, mi-, also „der Verstorbene“, englisch <the late...>. Dagegen eingegangen in den Hades, also ohne Menschen-mana wird die „Schattenseele“ zu edimo, be- in der Sachenklasse. Wie edi = mudi minus animistischer Lebenskraft ist, [so ist] edimo = mudimo minus der gleichen Kraft. Der Glaube an das Weiterleben der Menschen als „Schatten“ ist in Kamerun durchaus allgemein und ist die Grundlage des Ahnenkults, des Hauptzweigs der kameruner Religion, vgl. S. ---ff.
So geläufig den Kamerunern der Gedanke der alten Griechen vom Weiterleben als Schatten ist, so neu ist ihnen die Botschaft des Evangelium Evangeliums von der Auferstehung Auferstehung des Leibes. Denn sie sehen, wie die Tiere sterben sterben und verwesen, so auch der Menschenleib. Darum hat man auch für „auferstehen“ kein rechtes Wort. Beim Begräbnis, vgl. S. 218, werden wir sehen, wie für den Toten und seine Habe das pimba pimba „ wegwerfen Wegwerfen“ das Versetzen in die andere Welt bedeutet. Dieses Verb versehen mit der Inversiv-Endung -wa wird mit Umlaut (i zu u) zu pumbwa und besagt das Gegenteil vom vorigen, also „wiederkehren“. Zunächst oft, aber nicht immer, in wiedergängerischem Sinne, vgl. S. 90. Aber sobald dieses Verb zu Gott als Subjekt oder Ursächer in Beziehung tritt, bekommt es einen anderen Sinn: Auferstehen. Und welch schönen Sinn: Gott, die Quelle des Lebens, vgl. S. 1, des Lichts, des Guten macht den Toten wieder lebendig, ruft ihn zu neuem Leben, er macht ihn pumbwa „auferstehen“, a mapumbwele mo „er bringt den Weggeworfenen wieder, weckt ihn auf; er (nicht schädigende Mächte) macht ihn auferstehen“. Und darum kann ein solcher auch auferstehen, nicht um die früheren Mitmenschen zu quälen, sondern seinem Schöpfer und „Wiederbringer“ „zu dienen in ewiger Unschuld und Seligkeit“. Verbunden mit dem lebendigen Gott ist den Kamerunern das, was zuvor unvorstellbar schien, Evangelium Evangelium.
Alles das zeigt, daß der primitive Kameruner den Menschen als ein Doppelwesen betrachtet: Der Mensch ist Teilhaber an der Sinnenwelt und der über- , unsinnliche Welt unsinnlichen Welt. Sein nyolo „Körper, Organismus“ besteht aus eyobo eyobo „ Haut Haut, dem sinnlich wahrnehmbaren Teil des Menschen“ und mudi „der Lebensseele“. Nach dem Tode wird er zu mbimba 3 „Leichnam“, aus dem edimo, be- „die Schattenseele (edimo) Schattenseele entweicht“. – Ist nun die Vorstellung der Kameruner so wesentlich anders als die der Völker der alten Welt? Tod
[nicht zuzuordnende Bleistiftnotiz am Ende der Seite: abgeleitet von dima]{47a}
[eingelegter handschriftlicher Zettel: Zu S. 47aff.: Zu den schwierigsten psychologischen Problemen gehört die Beobachtung, wie Leute, die ein Tabu übertreten haben, daran sterben, sei es, daß sie plötzlich Krämpfe mit Erstickungserscheinungen bekommen und rasch zugrundegehen oder daß sie langsam dahinsiechen und sterben ohne sichtbare Todesursache. Ihr Gefühl wird psychisch so stark beeindruckt, daß ihre körperlichen Funktionen aus den gesunden Bahnen gerissen werden und zum Tode führen; vgl. auch S. 69. Darum glaubt auch der Primitive, daß der überlegene Magier und seine Fetische Kräfte haben, die krankmachen, ja töten können. Umgekehrt aber können sie auch gesund machen, wenn ihre Voraussetzungen erfüllt werden. Daß die schädigende oder heilende Wirkung sehr oft ausbleibt, hindert den Glauben an die Magie in Kamerun sowenig wie in Europa, schon darum, weil die positiven Wirkungen ins Land hinausgeschrien, die erfolglosen Bemühungen aber verschwiegen werden. Bei Krankheitsfällen, schwerer Geburt u. ä., da man solche magische Ursache vermutet, wird der Leidende auf eine ganze kasuistische Liste von möglichen Ursachen abgefragt. Oft werden die Umstände als Ursachen bekannt, die den Europäer in Staunen setzen, wieso das als Ursache gelten soll. Umgekehrt ist er aber auch erstaunt bei Fällen der Besserung, wenn solche Ursache beseitigt ist bzw. der Gegenzauber wirkt. Wenn vieles, was die Alten als unumstößliche Tatsachen aus alter Zeit berichten, heute nicht mehr im Land angetroffen bzw. erfahren wird, [so] beruht [das] auf der Tatsache, daß das Evangelium vom lebendigen Gott heilend wirkt und die Mächte der Finsternis von seinem Lichte überwunden werden.]Nach Levy-Brühl sollen primitiver primitive Mentalität Mentalität logische Kategorien fremd sein; dem prälogischen Zustand sei typisch der Besitz verschiedener Bezeichnungen für die verschiedenen Möglichkeiten einer einheitlichen Vorstellung, für welche die Europäer einen allgemeinen Ausdruck zur Umschreibung für genügend erachten. Das zeigt sich ja auch in den kameruner Sprachen, z. B. unser „brechen“ zerlegt das Duala in bua „entzweibrechen, abbrechen“ und bwa „zerbrechen, zersplittern“; das Duala ala „(zielhaft) gehen von einem Orte weg oder an einen Ort hin“, dangwa „(ziellos) gehen, marschieren, wandern“, yenga „(zwecklos) gehen, spazierengehen“, yombo „umgehen, herumgehen, Umweg machen“ ist zusammengefaßt in unserem „gehen“. So sehr diese Beispiele vermehrt werden können, zeigen doch alle, daß auch wir, sobald wir das „Brechen“ oder „Gehen“ richtig benamsen wollen, auch entweder zu Synonymen greifen oder unsere einfachen Zeitwörter mit beschreibenden Vorsilben oder die Objekte mit Präpositionen versehen müssen. – Der Primitive drücke seine Ideen von Dingen und Handlungen in genau der Gestalt aus, wie sie sich seinem Auge oder Ohr darstellen; er wolle nicht den Eindruck beschreiben, welchen das Subjekt erhält, sondern Gestalt, Umriß, Stellung, Bewegung Bewegung, Art der Handlung von Wesen und Gegenständen, kurz: alles was wahrgenommen und begriffen werden kann; wir suchten klar und deutlich unseren Eindruck auszusprechen, der Primitive beschreibe; wir suchten zu klassifizieren, er individualisiere. Nun, wer z. B. das Klassensystem der Hauptwörter in den kameruner Bantusprachen betrachtet, muß den Eindruck gewinnen, daß diese Leute auch zu klassifizieren verstehen; und ihr Beschreiben wächst aus ihrer Fähigkeit darzustellen, in welchem Punkte sie den Nordländern überlegen zu sein scheinen. – Je mehr sich die Mentalität einer bestimmten Gruppe dem Prälogischen nähere, desto mehr überwiegen die bildhaften Vorstellungen. Dess[en] sei die Sprache Zeuge, die fast aller allgemeinen Bezeichnungen für Allgemeinideen entbehre, aber einen Überfluß an speziellen Ausdrücken habe, die Personen und Dinge bezeichnen, von denen sich ein klares und deutliches Bild in der Seele spiegele, sobald sie erwähnt werden. Nun stellt man uns aber zugleich auch die griechische Literatur darum als Vorbild hin, weil sie gerade so ausgezeichnet bildhaft darstelle, so daß man die Handlung geradezu sieht. Etwas Ähnliches ist in den kameruner Sprachen zu beobachten: Die Sprecher lassen das Objekt vor dem Hörer erscheinen und wollen nicht in erster Linie ihren subjektiven Eindruck wiedergeben. Dazu enthalten die kameruner Sprachen, sonderlich das Duala und seine Nachbarn eine ganze Reihe Allgemeinbezeichnungen wie: Baum, Säugetier, Vogel, Fisch, Mensch, Haus u. a., dazu haben sie die Fähigkeit, leicht Abstrakta zu bilden, so daß wenn die Schlußfolgerungen Levy-Brühl's stimmen, die kameruner Stämme bei weitem nicht auf der ganz primitiv prälogischen Stufe stehen.
Diese sprachlichen Eigentümlichkeiten entsprächen der Mentalität der Primitiven. Ihre bildhafte Sprache Sprache sei eine Art Beschreibung, die zwar eine beschränkte Verallgemeinerung und beginnende Abstraktion aufweise, aber auch eine auffallende Entwicklung Entwicklung des Gedächtnisses, woraus wieder ein Reichtum an Formen und Wörtern erwachse. Dagegen werde da, wo das logische Denken Denken die Oberhand gewonnen [hat], der gemeinsame Schatz erworbener Kenntnisse bewahrt und überliefert mittels Vorstellungen. Indem eine Generation der folgenden ihre Kenntnisse übermittele, suche sie diese Vorstellungen zu analysieren und auszustreichen, was nur möglich sei, wenn die Generationen die Hilfsmittel abstrakten Überlegens und Begründens erkennen und gebrauchen. Dagegen sei bei den Primitiven dieser Vorgang ganz oder fast gänzlich in der Sprache selbst vollzogen. Der vorhandene Schatz müsse unfehlbar übermittelt werden, weil Kinder suchen, die Sprache ihrer Eltern und Kind Eltern ohne ausdrücklichen Unterricht nachzuahmen, ohne den Intellekt zu gebrauchen, sondern nur durchs Gedächtnis. Darum sei auch die primitive Mentalität so wenig dem Fortschritt Fortschritt geneigt. Würden sich daher das Milieu und die Einrichtungen einer sozialen Gruppe, vgl. auch Familie, Sippe, Stamm Gruppe und ihre allgemeine Mentalität nicht ändern, so würde ihr Besitz an bildhaften Vorstellungen unverändert von Geschlecht zu Geschlecht übermittelt. Ändere er sich aber, so inbefolg der Veränderungen seiner Voraussetzungen, und zwar verarme er gewöhnlich. So sei Fortschritt in anschaulichem und abstraktem Denken begleitet von einer Verminderung des beschreibenden Materials, das die mehr konkreten Gedanken auszudrücken half. Daher träten bei einem primitiven {47b} Stamm zwei Phänomena hervor: 1. Eine Überdifferenzierung von Bedeutungsunterschieden auf Kosten der Verallgemeinerung; 2. Ein späterer Fortschritt, der sich durch eine bestimmte Arbeit des Verstandes anzeigt und sich bewegt auf Linien der logischen Klassifikation, die durch abstraktes Denken angeregt ist. – Zu diesem letzten Abschnitt ist wiederum von Kamerun her zu sagen: Die Leute erhalten ihre Ausbildung nicht nur durch Nachahmen der Alten. Es bestand ja bereits vor Ankunft der Weißen eine gewisse Schulung in den Initiationsriten und -schulen, vgl. S. 192, 206. Aber mir scheint, gerade durch diese Schulung in magischen und mystischen Vorstellungen seien die Leute vom logischen Denken abgehalten worden.Die zu sakralen Vorgängen führende Gedankenwelt der Primitiven „liegt in der Andersartigkeit der geistigen Veranlagung dieser Völker, in dem, was oft <das primitive Denken> genannt wird. Die Versuche, die das Denken als ein von dem unseren wesentlich verschiedenes hinstellen, erscheinen wenig einleuchtend; denn die so stark empfundene Andersartigkeit liegt nicht im Denken, sondern in der Weltanschauung der <Primitiven>. 3
Bei allen Einwänden, die gegen die Sätze Levy-Brühl's von Kamerun her zu machen sind, muß zugegeben werden, daß das rationalisierende Denken bei diesen Leuten zurücktritt gegenüber dem praktischen Denken; ihrer Fähigkeit der Darstellung geht ein Mangel an Tiefe parallel. Das zeigt sich auch in dem, was Gottesvorstellung zu nennen ist. Sie sehen viele Einzelheiten und beschreiben und gestalten sie, aber kommen nur schlecht zu rechter Zusammenfassung. Daher bleibt man an Machtmitteln, Seelen-, Geister Geistern-, Hexen- und ähnlichen Vorstellungen haften und stößt nur selten vor zur großen allgemeinen Macht: Gott. Der ihnen eigene monotheistische Gottesgedanke zersplittert ihnen, indem sie gelegentlich allerlei Dingen, Wesen, Geistern u. a. göttliche Eigenschaften zuschreiben und den Menschen selbst im Hexenglauben vergotte Denken n. primitive Mentalität
Der heutige Europäer trennt im Allgemeinen scharf zwischen sinnlicher und über- , unsinnliche Welt übersinnlicher Welt und teilt sie in ein Diesseits und Jenseits. Auf S. 47a ist gezeigt, daß das Denken der Kameruner nicht so sehr dualistisch ist; ihm sind sichtbare und unsichtbare Welt nur zwei Seiten der gleichen Sache und die Verhältnisse auf beiden Seiten wirken mannigfaltig aufeinander ein. Den gewöhnlichen Menschen ist zwar im Allgemeinen der Sinn für solche Wechselwirkung tot, doch tritt sie ab und zu auch ihm ins Erleben. Aber wer sich esoterisches Wissen angeeignet [hat], ist Bürger beider Bezirke. Unser wissenschaftliches Denken wird dem Kameruner ersetzt durch sein magisches Denken und Erleben. Weil er in einer anderen Welt als wir lebt, darum ist sein Denken anderer Art und wäre es auch, wenn die oben gekennzeichneten Merkmale primitiven Wesens geändert wären. Denn der Kulturmensch sucht die Welt zu betrachten, indem er sie Stück für Stück vornimmt und in ihrem Zusammenhang von Ursache und Wirkung vergleicht. Zwar sucht auch der Primitive die Ursache von Geschehnissen zu ergründen und immer wieder stößt er in seinem magischen Denken auf okkulte Mächte als Ursächer, die aus der unsichtbaren Welt in die unsere hereinwirken und doch nicht zu berechnen sind. Das setzt ihn in eine beständige Spannung, die er auf magischem Wege zu lösen sucht. Als Grundlage solch primitiven Denkens halten wir folgende Regeln kurz fest, die später ausführlicher zu behandeln sind, vgl. S. 130ff. Diese Sätze sind allgemein anerkannt, wenn auch kein Eingeborener sie klar ausspricht und niemand dahinter kommt, wann und wie sie entstanden sind.
1. Der Teil eines Ganzen wirkt auf das Ganze (Sympa[the]thische Magie, vgl. auch Kunst Magie). In der Natur Natur sieht man Zusammenfassungen, deren einzelne Teile so zusammengesetzt sind, daß einer auf den anderen einwirken kann und oft muß. Eine Sippe ist ein solcher Komplex; ein Sippenglied kann die ganze Sippe in Verlegenheit bringen: Songa diwo di malouse bonamasonga „Ein Zahn bringt die ganze Zahnsippe in Verruf“. So kann auch ein Teil des Körpers für den ganzen Körper gelten: O madipa te mulopo, masonga ma si mataka e? „Wenn du den Kopf, vgl. auch Schädel Kopf schlägst, leiden dann die Zähne nicht?“ Wenn deshalb von der Opferziege dem Toten nur ein fingergroßes Stückchen mit ins Grab, Gräberkult Grab gegeben wird oder vom Huhn Huhn nur einige Feder Federn ausgerupft und auf das Grab gesteckt werden, so ist das kein Betrug an Ahnen; die Opfergabe wirkt ja magisch und da gilt pars pro toto pars pro toto.
Freilich können bei einem zusammengesetzten Ganzen der eine oder andere Teil wichtiger sein als andere. Der Vorsteher einer Sippe oder die Hauptfrau auf polygynischem Hof sind mit ihrer Sippe inniger verbunden als weniger wichtige Glieder; sie gelten deshalb in mancher Hinsicht mehr als die anderen und sie selbst wirken oder durch sie kann man wirken zum Guten oder Schlimmen der Gruppe, wie man auch am menschlichen Körper die edleren mehr als die gewöhnlichen Teile in acht nehmen muß: Mwende mu si mabwa mbindo {47c} bongo „Der Fuß scheut den Schmutz nicht“. Denn wie das für die Gruppe gilt, so auch beim Individuum. Vor einem Machterlebnis ist besonders das Gesicht Gesicht zu schützen, vgl. S. 52, 70f.; wo sonst jegliche Kleidung Kleidung mangelt, werden doch die edlen Geschlechtsteile bedeckt, besonders im Stande gefahrvoller Unreinheit. Andererseits: Wer ein Stück von mir besitzt ( Haar Haar, Nägel Nägel, Kot, vgl. auch Schmutz Kot, Körperwärme, Kleidung u. ä.), hat Gewalt über mich, vgl. S. 133.
Dieses Gesetz hängt zusammen mit der komplexen Denkweise der Leute, die in manchen Punkten zu beobachten ist. Dazu gehört, daß man bei einer Vielheit zunächst nicht das Einzelne schaut, sondern die Gruppe, die ganze Art, davon das Einzelne nur ein Teil ist. So hat man z. B. drei Hauptnamen für verschiedene Ameisenarten: Sono „die Nichtbeißende“, sao „die Wanderameisen“, seleke „ Termiten Termiten“. Will man von einer einzelnen Ameise reden, so wird sie als „Auge“ bezeichnet; so spricht man auch von diso la mbasi „Maiskorn“, wörtl. „Maisauge“, diso la ndongo „Pfefferschötchen“, diso la wondi „einzelne Bohne“ u. ä. Ganzes und Teil gehören eben zusammen, so daß auch das Einzelne aufs Ganze wirken kann. Fängt man von der feindlichen Gruppe einen weg, so hat mit damit auch magische Gewalt über die ganze Gruppe; vgl. auch Stellvertretung S. 157ff.; das Huhn trinkt Ordal vgl. S. 165.
Umgekehrt schließt man aber auch Gruppen, die gemeinsame Merkmale haben, zusammen, z. B. bona bona-lonon „die Vogelsippe“, in der alle Vogelarten eingeschlossen sind, ebenso bona-nyama „die Gruppe oder Klasse der Säugetiere“, bona-bato „die Menschheit Menschheit“ u. ä. Man sucht also von der Klasse oder Gattung aus zu einem höheren Zusammenschluß zu kommen. So sind ja auch die vielen Ortsnamen auf bona- oder bei den Bakosi und Nachbarn mwa- aufzufassen, etwa Bonangando oder Mw’ ebag „die Gesamtheit der Leute, die Ähnlichkeit mit dem Ngando oder Ebag haben“. Einzelne Leute aus solchem Zusammenschluß müssen dann mit „Mensch aus“ bezeichnet werden, z. B. mod’ e Mwa-ndjeken „einer aus der Sippe oder Siedlung des Ndjeken“ oder mot’ a Bona-bile „einer aus Bonabile“.
Freilich fehlt bei mancher Gruppe, die wir als verwandt auffassen und auch so bezeichnen, die höhere Zusammenfassung; man kennt nicht „ Palme Palmen“, sondern lende „Ölpalme“, tutu „Raphiapalme“, diwo „Weinpalme“, mbanga „Kokospalme“, siosio „wilde Dattelpalme“, mulongo „Rotanpalme“ u. a.
Die Waldländer sind im Streben nach solchem Zusammenschluß den Grasländern über, obwohl diese wieder einen stärkeren politischen Zusammenschluß gefunden haben als die „demokratischen“ Waldländer. Beide Gruppen haben z. B. Dämonenbünde und jeder hat seinen besonderen Namen, der natürlich überall auch für den Dämonendarsteller gilt. Im vorderen Gebiet existiert aber für die Darsteller noch der Sammelname ekale, vgl. auch Dämonen und Kultbund ekale, bei den Duala und Nachbarn auch das allgemeine isango „ Geheimbund, -kult, vgl. auch Wassergeister, Kultsprache Geheimbund“, welch beide Gruppennamen im Grasland fehlen, vgl. S. 269ff.
Auch das Wort Wort, vgl. S. 52f., 66f. 134ff., 135, ist ein Stück vom Menschen und ein Wunsch, ausdrücklich in besonderer Absicht ( Segen (bonam, munam), segnen Segen oder Fluch Fluch) ausgesprochen, erzeugt den begehrten Erfolg. Eyal’ a mutudu e si mako wase ( Sprichwörter Sprichwort) „Das Wort eines Alten (Mundwalt) fällt nicht auf den Boden“, sondern wird in der patriarchalen Sippe geachtet; denn in ihm steckt ein Stück des Alten. Gilt das schon vom gewöhnlichen Wort, dann um so mehr, wenn es in hergebrachtem Ritual und überlieferten Form als Beschwörung Beschwörung zu Nutz oder Schaden ausgesprochen wird.
2. Gleiches (oder Ähnliches) wirkt auf Gleiches (oder Ähnliches) und bewirkt Gleiches (oder Ähnliches) (Nachahmende Magie). Die Gruppe, vgl. auch Familie, Sippe, Stamm Gruppe ist ein Ganzes und innerhalb derselben wirken die einzelnen Glieder aufeinander ein und hängen voneinander ab, z. B. Sippe, Siedlung, vgl. auch Gruppe Siedlung, Stamm, die Europäer u. a., und so in der ganzen Natur. Zwischen ihren einzelnen Gliedern oder Naturelementen muß eine Ähnlichkeit Ähnlichkeit bestehen, und sie müssen nur miteinander in Beziehung gebracht werden, so beeinflussen sie sich auch. Leicht finden Kameruner solche Ähnlichkeiten in sich fremden und gegensätzlichen Objekten oder Erscheinungen, wo für uns vielleicht nicht die geringste Verwandtschaft oder Ähnlichkeit besteht, und sofort erkennen sie eine ursächliche Beziehung zwischen ihnen. Darauf beruht obiger Hauptsatz magischen Denken Denkens und bildet wohl das Haupthindernis des „logischen“ Denkens in unserem Sinne. Denn wo man im Zauber, vgl. auch Magie Zauber die Ursache von Um- und Zuständen sieht, muß man keinen weiteren Kausalzusammenhang suchen. In mancher-
{47d}
[Zwei eingeklebte Zettel auf Rückseite von S. 47c; nichtzuzuordnende handschriftliche Notizen, sehr schwer zu lesen: Erster oberer Zettel: 3. Ein mit Nachdruck ausgesprochenes Wort, Wunsch muß den erwünschten Erfolg haben. In der hierarchisch gebauten Gruppe ist der Führer gewöhnt zu befehlen und daß ihm seine Folgschaft gehorcht. So legt man seinem Wort größtes Gewicht bei „eyal’a mutudu e si mako“ und man erwartet auch im Unsinnlichen die gleiche Erfüllung seines Willens. – So kann man sich denken, wie der Glaube an Wortzauber, Verwünschung etc. entstanden ist. Die Formen solcher verbalen Magie sind zahlreich; vgl. S. 137b etc. Zweiter unterer Zettel: Animismus: Das Objekt hat Persönlichkeit, Willen, Seele und Geist Animatismus: Persönlichkeit und Willen, aber nicht ein besonders getrennter Geist Dynamismus: Die natürlichen Gegenständen innewohnende Kraft ist nicht klar personifiziert, sondern Europäern eine mehr oder weniger unabhängige Energie oder Eigenschaft Daneben ist aber zu beachten, daß die Eingeborenen unterscheiden zwischen Vorstellungen und Praktiken, die individuelles persönliches Gepräge tragen und anderen, in denen sich der Gruppe gemeinsame Überzeugungen äußern. Diese letzteren sind natürlich wichtiger als die von Einzelnen. Sie interessieren uns hier allein.]lei Weise werden wir dieses „Gesetz“ beobachten können; z. B.
Form beeinflußt Form: Frauen, die in Hoffnung kommen sollen, legt man beim Fruchtbarkeitskult Fruchtbarkeitskult auf dem Ahnenkultplatz einen mit Rotholz Rotholzfarbe bestrichenen Bananenfinger auf die Unterarme; die Frau trägt ihn singend: Ich habe ein Kind bekommen! nach Hause und legt ihn zu sich aufs Bett. Damit hat sie ein Kind bekommen und jedermann erwartet, daß sie nun in Hoffnung kommt; vgl. S. ---.
Farbe Farbe beeinflußt Farbe: Bei einem Sühnefest, wie z. B. beim Lela-Fest der Bali wird ein weißes Huhn oder Schaf Schaf geopfert: die Gottheit ist günstig zu stimmen, vgl. sanga auf S. 73. Beim Kriegsopfer, wo Kräfte gegen den Feind erregt werden sollen, greift man zu einem schwarzen Bock als Opfer, u. ä.; vgl. auf Seite 8f. „Farben“.
Gemachte Bewegung Bewegung beeinflußt gewollte Bewegung: Der Regenvertreiber verjagt die drohenden Wolken Wolken, indem er vor sich ein magisches Bündel an einem Stab, Stock Stab schwingt. Vor dem anrückenden Feind schwenkt man ein Machtmittel, um die Krieger ins Wanken zu bringen und ihre Kugeln zu vertreiben.
Geisteshaltung bewirkt eine ähnliche Geisteshaltung: Das ruhige Verhalten der Frau des Fischers oder Jagd, Jäger Jägers wirkt beruhigend auf das Wild und schließt Gefahren aus; ist daheim Streit und Unrast im Hause, so kommt der Mann draußen in Gefahr. Die geschlechtliche Enthaltsamkeit der Ton, Töpfer Töpferin beruhigt das Feuer Feuer und bewahrt die Töpfe beim Brennen vorm Zerspringen. Ein sonnenbeschienenes Blatt zum Geschoß in den Gewehrlauf gesteckt, macht die Kugel licht, so daß sie das Ziel nicht verfehlt.
Solche Geisteshaltung schreibt man also auch Materialien oder Pflanzen zu. Danach unterscheidet man männliche, d. h. scharfwirkende Medizinen und Mann und Frau, männlich und weiblich weibliche, d. h. milde. Am fünften Tage nach der Geburt Klistier klistiert man den männlichen Bakosi- Säugling Säugling mit einem Absud von Brennesseln, denn er soll harsch, stark und kampfbereit werden, das Mädchen aber mit Balsaminensaft, daß es mild, gehorsam und untertänig werde; vgl. S. 128.
Diese Beispiele sind leicht zu vermehren und auch im ganzen Buch verstreut. Magie, vgl. auch Kunst
Noch ein anderes sei vorweggenommen: Auch beim Kameruner geht das Empfinden und Fühlen dem Denken voraus und beeinflußt es. Wir werden in dem Abschnitt über die religiösen Vorstellungen, vgl. S. 47ff., praktische Beispiele genug finden, um diesem Fühlen und Empfinden näher zu kommen. Hier halten wir nur das Grundsätzliche fest:
In seiner Naturphilosophie ist der Kameruner der Ansicht, daß alles Sein und Geschehen auf Kräfte zurückzuführen ist, die das All und seine Bestandteile, die einen mehr, die anderen weniger beleben und durchwalten, ja daß Stofflichkeit vielfach nur eine Erscheinungsform wirksamer Kräfte aus der übersinnlichen Welt ist. Darum hat er auch keine eigentlichen Schöpfung Schöpfungs Mythe, Mythenbildung mythen: Das was plötzlich in der sichtbaren Welt auftritt, kommt eben aus jener Welt des ndimsi. So wittert er auch hinter jedem Ungewöhnlichen, Außerordentlichen ein Offenbarwerden solcher Macht. Wir reden desweiteren davon bei Dynamismus auf S. 49ff.
Natur Natur und Naturkräfte können aber auch beseelt sein und nach solcher Beseelung schreibt man dem Objekt nicht nur Persönlichkeit und Wille Willen zu, sondern auch Seele, vgl. auch Lebens- und Schattenseele Seele und Geist. Wenn z. B. der Regenbogen Regenbogen als das Nagual, Nagualismus = Individualtotemismus Nagual oder Totem, Totemismus Totem eines Magiers angesehen wird, vgl. S. 88f. und die Schlange Schlange als das Totem eines Stammes gilt, vgl. S. 86ff., so lebt in ihnen – meist nur zeitweise – die Seele des Mannes oder der Vorfahren. Der ekale, vgl. auch Dämonen und Kultbund ekale „Dämonendarsteller eines Kultbundes“ ist besessen vom Dämon, ist nicht nur Mensch, er ist der Dämon, der Mensch ist nur der Leib, die Hülle, darin der Dämon deponiert ist. So sind umgekehrt die Hexentiere, vgl. S. 82 –93b, das „Kleid“ für Menschenseelen. Im edidi und edim, vgl. S. 56ff. kommen oft solche Seelenwesen zur Offenbarung. So ist auch das „Zubehör“, die Wachstumsstoffe Wachstums- und Abfallstoffe Abfallstoffe wie Haare, Kot u. a. beseelt. Diese Vorstellung heißt Animismus Animismus von anima „Seele, Geist“, vgl. S. 76ff. Von ihr ist nicht immer klar zu scheiden die verwandte Vorstellung, wonach Objekte zwar nicht als Geister oder Seelen existieren oder damit erfüllt sind, aber doch mit Persönlichkeit und Willen, dazu zählen neben anderen magischen Mitteln besonders das Orakel Orakel, aber auch das Meer, große Brände, Reichtum Reichtum, der Totenschädel und sehr vieles andere. Gewisse sprachliche {47e} Eigentümlichkeiten setzen diese Denkart voraus. So gibt man „der Reiche“ wieder mit mbwang ma moto „Reichtum nämlich ein Mensch“, als ob in dem mbwang schon etwas von einer Person stecke; solche Gelegenheit sind der Europäer Skandalon, sie sind immer versucht zu sagen: mot’ a mbwang „ein Mensch des Reichtums“, eine Konstruktion, die für sehr viele Nomen üblich ist, wie mot’ a bila, mot’ a django „Mensch des Krieg Krieges, der Jagd, Jäger Jagd“ für „Krieger und Jäger“. Man nennt diese Vorstellung Animatismus Animatismus, vgl. S. 75, weil man die Objekte für animatus „belebt“ (nicht „beseelt“) hält; z. B. wenn mudi „die Lebensseele“ aus einem Menschen gegangen ist, ist er nicht mehr ein Wesen im Sinne des Animismus, er ist auch ohne Lebensseele zunächst noch Persönlichkeit und Wille Wille; er lebt noch. Ist er aber patea „abgerissen“, d. h. das Leben in ihm ist ausgelöscht im Tode, so hört er auch auf ein Wesen im Sinne des Animatismus Animatismus zu sein; der Leichnam gehört in das Gebiet des Dynamismus.
Freilich kann man in der schriftlichen Darstellung nicht alles und jedes so genau abgrenzen; manche Vorstellung und [mancher] Gebrauch gehört etwa zwei verschiedenen Gebieten an oder liegt zwischen ihnen. So kann man etwa die auf Seite 19f. und S. 58f. behandelte mbaki-Vorstellung sowohl dem Dynamismus Dynamismus (als Macht, -mittel, -erlebnis Machterlebnis) wie auch dem Animismus zuschreibe Weltbild, -anschauung, sinnliche und unsinnliche vgl. auch ndimsi n Psychologie . Philosophie Kausalzusammenhang {47f}
Nachdem wir uns vorstehend vergegenwärtigten das Denken der Kameruner über die sinnlich wahrnehmbare Natur und Welt, gehen wir über zur Besprechung der Vorstellungen über geheime Kräfte, Gewalten und Wesen, die in unserer Sinnenwelt und der über- , unsinnliche Welt unsinnlichen Welt und zwischen beiden wirken und die abgesehen von einzelnen Sonderheiten von der Gesamtheit geteilt werden.
Unsere Ansicht über die Welt ist die, daß alles Geschehen in ihr in strengem Kausalzusammenhang steht, d. h. daß alles Geschehen herauswächst aus Ursachen, die dies Geschehen zeitigen müssen: Jede Ursache hat ihre Wirkung, jede Folge entspricht einer Voraussetzung. So ist alles Geschehen geordnet. Dieser Verlauf könnte graphisch dargestellt werden durch aus lauter Pfeilen bestehenden auf- und absteigenden Linien, die bald vor-, bald rückwärts zielen; manche Linie nur kurz, manche sich lang hinziehend, viele endigend in einem Punkt, andere von einem Punkte ausgehend; denn so stellt sich uns das wechselvolle Spiel des normalen Lebens dar.
Der Kameruner aber sieht das Normale in unserer Sinnenwelt als eine gerade Linie, die geordnet ist, wo es keine Überraschungen gibt. Dem Kosmos der Griechen entspricht in Kamerun mundi „die geordnete Siedlung, vgl. auch Gruppe Siedlung“, vgl. S. 2. Ihr Zustand bezeichnet lokomea lokomea „Beruhigung, Kühle“. Erst wenn von außen her auf diesen Zustand eingewirkt wird, wird mundi erregt, onya onya „sie flammt auf, wird ungebärdig, unberechenbar“ und es entsteht mpungu „Aufruhr, Unordnung Unordnung“. Mpungu erst bringt des Kameruner Seele in Erregung und läßt den zuvor gedankenlos Dahinlebenden erschrocken aufhorchen, er hat ein Macht, -mittel, -erlebnis Machterlebnis (Dynamismus) und muß auf Mittel zur Abwehr, d. h. auf mupongoko „Wiederherstellung des normalen Verlaufs“ sinnen, er muß sich zur Magie wenden. Es gibt nun Personen, Objekte, Ereignisse, Zustände, von denen leicht solcher mpungu ausgeht; sie sind daher mit besonderer Vorsicht Vorsicht zu behandeln, zu welcher Vorsicht bestimmte Regeln, Verhaltensmaßregeln, Enthaltungsvorschriften anleiten (Tabu, vgl. S. 60ff).
Woher resultiert nun der Unterbruch des Normalen?
„Alles was geschieht, ereignet sich selten, ohne daß man nicht die Kräfte der unsichtbaren Welt dabei als Ursache wähnt. Die Todesfurcht läßt die Leute glauben, daß, an welcherlei Ursache auch einer gestorben ist, doch auch geheime Künste der ndimsi ndimsi „unsichtbaren Welt“ dabei mitwirkten. Oder wenn einer Erfolg in seiner Arbeit hat, so floß ihm aus geheimer Quelle magische Kraft zu, ebenso wenn Verlust oder mbeu a mbeu a nyolo nyolo ‘Gefahrenzustand’ eintritt.“ (Preisarbeit), vgl. dazu besonders S. 86ff.
Aus der unsichtbaren Welt wirken auf unsere Sinnenwelt Kräfte, Mächte, Geister Geister, Dämonen Dämonen ein, deren Wirken oft durch Menschen vermittelt ist. Diese unsichtbare Welt, ndimsi, ist nun nicht, wie es sich der dualistisch Denkende vorstellen mag, ein ganz anderer Bereich: Das primitive Gemüt stellt sie sich als die andere (unsichtbare) Hälfte zur sichtbaren Hälfte der Welt vor, als eine Parallele zu der normalen Linie unseres Weltgeschehens; von dieser Parallele wirken die mystischen Mächte auf die Sinnenwelt ein.
Deutlich wird uns diese geteilte Einheit an der Vorstellung vom Epas’ a moto Unterscheide davon esungu a moto „kurzer Mensch“, wörtlich: quergespaltener Mensch, worunter man auch Kobolde, Waldgeister u. ä. versteht.
„dem längsgeteilten Menschen“, die im ganzen Bantugebiet anzutreffen ist. Von ihm erzählen die am Kamerunberge siedelnden Bakwiri: Der Epas’ a moto Epas’ a moto west oben auf dem Berge. Wer „vier Augen“ hat, d. h. wer in die unsinnliche Welt blicken kann, sieht gelegentlich seine eine Hälfte. Alle sonst paarweise vorhandenen Körperteile sind bei ihm nur einmal vorhanden: Auge, Wange, nur ein Nasenloch, Arm, Hand, Bein u. a.; die andere Hälfte ist Stein und mit dem Berge verwachsen. Dennoch kann er sich nachts bewegen, seinen Zuckerrohracker pflanzen, Frevler strafen u. a. – Dieser „ Halbmensch Halbmensch“ ist also in Wirklichkeit ein ganzer Mensch, nur spiegelt sich in ihm mundi ma wase „die gegenwärtige Welt“, unsere „Sinnenwelt“ und mundi ma ndimsi „die heimliche Welt“ der Unsichtbarkeit. So ist das Weltbild, -anschauung, sinnliche und unsinnliche vgl. auch ndimsi Weltbild des Kameruners einheitlich-doppelseitig; Diesseits und Jenseits ist eine gespaltene Einheit. Darum können die verschiedenen mystischen Mächte und Geistwesen leicht in unsere Welt hereinwirken und magisch geladene Menschen in das Gebiet der übersinnlichen Welt eingreifen.
Dieses Wechselspiel möge Folgendes veranschaulichen: Da besteht eine Siedlung. Bevor sie gegründet wurde, hatte man von einem nganga „Wissenden“, vgl. S. 54, magische Mittel aufstellen lassen zu dem Zweck, den Platz auszuproben, ob es ungefährlich ist, dort zu siedeln, und sich eventuell zeigende widrige Mächte niederzuringen oder zu vertreiben. Als sich nach Monaten des Wartens nichts Störendes zeigte, der Platz also im Zustand {48} der lokomea „Kühle, Beruhigung“ war, wurde mit dem Anbau begonnen und dabei nicht vergessen, allerlei Sicherungen anzubringen, besonders die madale ma mbando Mbando von banda „beschweren, niederdrücken“, z. B. Baumrinde beim Trocknen, ein Netz im Wasser, unterdrücken von Menschen; übertragen: Mittels Zaubermedizinen ungute okkulte Kräfte drunten halten.
„ Stein Steine des Niederdrückens (nämlich schädigender Mächte)“ zu setzen und sie immer wieder durch Riten Riten und Mittel zu stärken, vgl. S. 93b. Die Siedlung hat Zuzug, das Feld ist fruchtbar, Kinder und Haustiere mehren sich, der Wildbestand ist der Jagd günstig. Es geht alles wunschgemäß, die Siedlung ist in Ordnung und ruhig fließt das Leben ihrer Bewohner dahin. – Nach Jahren ändert sich die Lage: Das Wild ist abgeschossen oder vergrämt, die Äcker sind arm geworden, Krankheit mindern Menschen und Vieh Vieh, der Zuzug Fremde, Fremdlinge Fremder hat aufgehört; die Armut erzeugt Unzufriedenheit unter den Bewohnern. Das hat zwar alles natürliche Gründe; an sie denkt aber der Primitive nicht, sondern erlebt in diesen Übeln die Offenbarung widriger geheimer Mächte, gegen die die magischen Abwehrmittel der Siedlung nicht mehr aufkommen. Diese Mächte ließen den Ort pungwa „in Unordnung Unordnung geraten“ oder nyama „verderben“. Der besiedelte Boden ist onya onya „erregt“ wie loderndes Feuer Feuer, er zeigt seine unheimliche Macht, die sich in Not, Unglücksfällen und Streit offenbart. Das Machterlebnis ist da. – Es kann Fälle geben, wo solches Machterlebnis so stark ist, daß es zur Umsiedlung drängt oder sich die Einwohnerschaft zerstreut und die Siedlung sich auflöst. Solches Erleben hat das früher so häufige Wandern der Stämme und Sippen veranlaßt. – Man kann aber auch versuchen, die Siedlung wieder pongo „in Ordnung zu bringen“ oder loko loko „zu beruhigen“, indem man die guten Abwehrkräfte mehrt, neue magische Sicherungen anbringt, nachdem man die mystischen Hintergründe des Erlebens beseitigt hat. Dies geschieht, indem das Verhältnis der Bewohner untereinander durch Beichte Beichte, Aussprache und Wiedergutmachung neu geregelt, das Verhältnis zu den Ahnen in Ordnung gebracht wird durch Bekenntnis vorliegender Schuld (und Sühne) Schuld und Bitte und Opfer, vgl. S. 181a; innerhalb des Dorfes sind die balemba „Nei-dinge, Hexe, -rei Hexen“ bloßstellen bloßzustellen und zu bekämpfen und die batudu „Sippenvorsteher“ als Träger der Gruppen durch magische Handlung und Mittel zu stärken. Erst wenn dann das Orakel gezeigt hat, daß alles in Ordnung gekommen, können die Vorsteher der Siedlung durchs Dorf ziehen und singen singen:
„Wir haben die Siedlung neu geordnet!
nun wird die Meerspitzmaus den Mais nicht mehr stehlen,
nun werden die Webervögel den Mais nicht mehr stehlen“ Dieser Gesang, der so häufig auf dem Rückweg von der ndie „Ahnenkultplatz“ laut wurde, heißt wörtlich: 4
Damit darf nun jedermann wieder auf ruhiges Gedeihen hoffen; das widrige Machterleben ist zu Ende gekommen, seine Ursachen sind beseitigt lokomea .
Woher aber stammen nun die guten Abwehrkräfte? Aus der gleichen Welt der ndimsi, wie die schädigenden. Wer sich durch esoterisches Wissen und magische Übungen in den Kult, -bund, vgl. auch Geheimbünde Kultbünden (losango) und durch private Einführung, vgl. auch Initiation Einführung mit übersinnlicher Macht hat „füllen“ lassen, kann die gleichen Kräfte zum Heil seiner Gruppe anwenden, wie sie der Neiding oder finstere Gewalten zu deren Unheil gebrauchen. Wer über solche Kräfte verfügt, ist ein mulondedi „ Gefüllter Gefüllter“, von londa „voll, gefüllt werden“. Damit ist aber nicht gesagt, auf welcher Seite des Freund-Feindverhältnisses er steht; es kommt ganz auf seine Haltung zu seiner Gruppe an und dementsprechend auf die Art des Gebrauchs seiner Macht; er kann sie als weiße oder als schwarze Kunst, weiße und schwarze Kunst verwenden, Helfer oder Neidingshexe sein, vgl. S. 94ff. Wessen Kunst sich nicht nur auf einzelne Gebiete der Magie beschränkt, ist ein mulondedi nundene „ein großer Erfüllter, großer Vollmensch“, wer sich aber in allen Bezirken der geheimen Kunst auskennt, ist mome, pl. myome „ein Mannheitsbewußter, einer der in Wirklichkeit ein Mann, ein Kerl ist“. Ein solcher wirkt mittels seines Könnens und seiner Mittel in allen Gebieten der sichtbaren und unsichtbaren Schöpfung, ihm ist nichts verborgen und nichts unmöglich; die Kräfte der Dunkelheit, der unsichtbaren Welt des ndimsi samt des Hades sind ihm zum Gebrauch in der Sichtbarkeit zu Gebote. Diese Übermenschen werden auch bezeichnet mit ngang a moto, pl. ngang a bato „einer, der Erkenntnis hat, der sich in allem auskennt“. Ein solcher hat die höchste Stufe der Menschen erreicht im Gegensatz zum ewol’ a moto „leeren, hohlen Menschen“; er ist kraft seines Wissens und Könnens Magier und kann Heiland der Seinen sein, aber auch, wenn er will, kann er als Hexe andere „essen“. Er hat durch esoterische Weihen eine höhere Stufe des Lebens erreicht; für alle Gebiete des kulturellen Lebens der Eingeborenen ist er der Weise und Mächtige. Seine Zeit ist hauptsächlich des Nachts; da kann er sich „ spalten, sich spalten“, so daß, während der Körper schläft, die Lebensseele wandert. Doch scheut er auch den Tag nicht, sucht aber die {49} Heimlichkeit. „In alter Zeit mußte jeder Stamm derartige Leute haben; nur so war er imstande, Kämpfe gegen andere Stämme erfolgreich zu führen. Solche Leute griffen zwar nicht mit äußeren Waffen in den Kampf, magischer -, vgl. auch ekumti Kampf ein, sie rüsteten auch nicht nur die Krieger mit den magischen Mitteln aus und schufen so die Vorbedingungen des Sieges; das Wichtigste war, daß sie das magische Arsenal der Feinde zunichte machten, indem sie die balondedi und ngang a bato der Gegner und deren magischen Hilfsmittel ihrer Macht beraubten.“ (Preisarbeit) Solches unsichtbares Ringen der balondedi gegeneinander in der Welt der ndimsi „Unsichtbarkeit“, das Entkräftigen ihrer magischen Mittel und Schätze heißt ekumti ekumti „Kampf der Magier“. Ekumti ist aber nicht nur in kriegerischem Kampf zweier Gruppen nötig, jeder Medizinmann Medizinmann, der sich um die entwichene oder gestohlene Lebensseele eines Menschen bemüht, der einen Kranken behandelt, der die Initiation, Einführung in Kulte Initiation der Jugend leitet, muß neben seinen sichtbaren Manipulationen noch den magischen Kampf ekumti gegen widrige Hexen, Schattengeister, feindliche balondedi u. ä. kämpfen. Solche bewendji ba ndimsi „Kämpfe in der unsichtbaren magischen Welt“ finden statt in der Luft, im Wasser, auf dem Land, im Hades und werden dem Menschen oft als „Macht“ offenbar im Sturm Sturm, der das Meer erregt, die Luft durchtobt, Bäume knickt, Häuser umwirft, Dächer wegträgt oder Erdrutsche an Berghängen verursacht. Hier erlebt der Kameruner die „Macht“, wie auch unsere Vorfahren meinten, in solchem Sturm tobe sich das „wilde Heer“ aus. Der Hintergrund solchen mudi „Sturmes“, der physischen Natur ist ekumti „der magische Kampf“ in der Welt der ndimsi, vgl. auch S. 93a.
Doch sehen wir uns die Vorstellungen im einzelnen näher an:
Der Kameruner glaubt in den sichtbaren Dingen, Lebewesen, Naturgegenständen und -ereignissen eine unsichtbare Macht latent ruhend; in dem einen Ding oder Ort mehr, im anderen weniger, je nachdem [wie] der Eindruck ist, den man erhält. Von wem letzten Endes diese Macht ausgeht: Kräften und Geistern in der unsichtbaren Welt, Vorfahren oder nichtmenschlichen Naturgeister Naturgeistern ist gleich, der Kameruner forscht i. a. nicht nach den sekundären Ursachen der Erscheinungen, weil er ja im Übersinnlichen seine primäre Ursache glaubt; beeindruckt durch eine numinose Gewalt, die ein Objekt oder Ereignis auf ihn ausübt, vermutet der Kameruner im Objekt die Macht wirken und in der Erregung seiner Psyche wird ihm das Numen Numen bewußt. Solches Machterlebnis hat das Individuum Individuum; es kann auch sein eigenes Individualerlebnis bleiben; es kann aber auch das Erlebnis des Einzelnen der ganzen Gruppe zur Machtoffenbarung werden, wie auch viele Einzelne das gleiche Erlebnis haben mögen. So entsteht eine universelle, sich von Geschlecht zu Geschlecht vererbende Idee von einer übernatürlichen Kraft, die sich in natürlichen Objekten zeigt. Die Kraft hat nicht persönliche Züge wie Geister oder Dämonen, ist aber auch nicht ruhende Materie, sondern einem feinen Fluidum, elektrischer Ladung vergleichbar; sie kann vorhanden sein, sich zeigen oder ruhen, sie kann auch verloren gehen.
Wer in Berührung mit solch geladenen Objekten kommt, wird von der ihnen innewohnenden Macht alea „erfaßt, ergriffen“ und, wenn nicht Gegenkräfte mobil gemacht werden, von ihr ins Verderben gezogen. Weil aber einer mit seiner Gruppe zu organischer Einheit verbunden ist, hat solch persönliches Machterlebnis auch Einfluß auf die Gruppe, so daß was der Einzelne tut oder erleidet, imstande ist, solche geistigen Kräfte zum Vor- oder Nachteil der Gruppe zu beeinflussen.
Die Religionswissenschaft bezeichnet mit einem Ausdruck der melanesischen Sprache der Maori diese „Macht“ als mana mana, in Kamerun entspricht ihm nginya „Kraft, Macht, Wirksamkeit und Wirkung“. Allein dieser Ausdruck bezeichnet nicht nur ein solches Machterlebnis, nginya nginya ist allgemeinerer Natur. Man spricht meist nicht von der sich offenbarenden Kraft, sondern hat für jedes Erlebnis einen besonderen Namen.
Zwei Ereignisse in Nyasoso mögen das Machterlebnis veranschaulichen und zeigen, wie der Kameruner nicht nach der sekundären Ursache sucht, er findet die gewünschte Ursache in übersinnlicher Machtoffenbarung:
189- durchreiste der deutsche Forscher Dr. Esch die Bakosilandschaft; auf einem Hügel am Rande Nyasosos hatte er sein Lager, wohin er sich nach einem Vorstoß in das drei Stunden entfernte Ngombo zurückziehen mußte.
{50} Seine Verfolger lagerten im Dorfteil Mwakole am Fuß des Hügels unter einem großen Baum, entschlossen des Weißen habhaft zu werden. Da ließ Dr. Esch seine Askari eine Salve über das Dorf hin abgeben, um Eindruck zu machen. Allein die Lagernden hatten schon Gewehre knallen hören und glaubten sich durch ihre Machtmittel gegen die Kugeln gesichert; und doch hatten sie ihr Machterlebnis. Getroffen von einer der Kugeln brach ein großer dürrer Ast von dem Baum und rauschte herunter auf Ngombo’s Helden. Das Machterlebnis war da; erschrokken stoben die Krieger auseinander und zogen heimwärts; das Numen hatte sich ihnen in einem Omen gezeigt. Seitdem heißt jener Hügel ekon’ e lokita „Doktorberg“ und die Nyasoso-Leute sagten mir 40 Jahre nach jenem Ereignis, daß sich den Ngombo-Leuten die „Macht“ geoffenbart habe, nicht aus den Gewehren, sondern aus dem Baum.
Einige Jahre zuvor war der verstorbene Missionar Fr. Autenrieth als erster Weißer nach Bakosi gekommen und von dem Häuptling Nnoko in Nyasoso sehr freundlich aufgenommen worden. Als Autenrieth nach einigen Tagen mit dem Versprechen wiederzukommen, abgezogen [war], war man stolz und froh, daß man den Weißen zum Freund gewonnen. Aber nicht lange danach war der Häuptling Nnoko nach kurzer Krankheit gestorben, und der Todesfall wurde mit des Weißen Besuch in Verbindung gebracht: Er hatte den Nnoko „gegessen“, d. h. sich seiner Lebensseele bemächtigt, was den Tod zur Folge hatte, vgl. S. 87. Im Tod des Häuptlings erlebten die Nyasoso-Leute des Weißen „Macht“. Die Folge war, daß sie dem Missionar bei seiner Wiederkehr nach einem Jahr den Eintritt in ihr Land verwehren wollten. Drei Stunden weit war ihre bewaffnete Macht ihm entgegengezogen. Weil er sich aber von ihren Gewehren, Speer Speeren, Haumesser Haumessern und Prügeln nicht beeindrucken ließ, weitermarschierte, nach Nyasoso kam, sich eine Hütte zum Nächtigen anweisen ließ, ihr kultisches Tanzen und schamanisches Lärmen um seine Hütte die ganze Nacht hindurch keinen Eindruck auf ihn zu machen schien, hatten sie ein weiteres Machterlebnis: Es war ihm nicht beizukommen; und darum taten sie ihm nichts, sondern traten ihm sogar nach einigen Tagen einen Platz zur Niederlassung ab.
Sie findet sich überall, denn es gibt nichts, aus dem den Kameruner nicht das Numen Numen numen tremendum ansprechen könnte. Es ist klar, daß der Mensch an gewissen Orten oder bei Gelegenheiten dieses Erlebnis der Macht stärker und häufiger hat als an anderen, z. B. im wilden Wald Wald, auf dem Wasser Wasser, an Gräbern stärker als an gewohnten Plätzen. Nur mundi „die Siedlung, vgl. auch Gruppe Siedlung“ ist bekannter und gesicherter Ort, sonstwo ist man zunächst ungesichert, da wohnt das Grauen [?]. Dort begegnen sich sichtbare und unsichtbare Welt, dort ist die fließende Grenze zwischen Mensch und Tier, Tierwelt Tier (Nagual- und Totemglauben, vgl. S. 82, 93), Mensch und <Schatten>, Jagdwild und Schattentieren, vgl. S. 29. Missionar Oberlerchner berichtet, wie ein Baum Baum bei Bamenka in der Bandop-Landschaft vom Sturm umgedrückt so dagelegen hatte, daß man den Stamm zu einer Ölkelter ausgehölt und seine Äste als Brennholz weggetragen hatte. Nach einem heftigen Regen aber richtete sich der totgeglaubte Baum wieder über 45 Grad auf, denn er hatte wieder Wurzeln geschlagen und die Krone grünte. Da wurde der Baum plötzlich ein Gegenstand der Verehrung, er wurde eingezäunt und ihm wurde geopfert. Der natürliche Vorgang des Wiederanwachsens, der um so tiefer wirkte, als der Baum schon in Gebrauch genommen war, war zu einer Offenbarung übersinnlicher Macht in dem Baum geworden. – Das [ist] nur ein spezieller Fall; aber in allen Bäumen webt und west etwas von dieser Macht. Und zusammen bilden die Bäume den Wald, wo der Waldbewohner seine Schrecken und Überraschungen erlebt wie Schiffer und Fischer auf dem Wasser. Der Medizinmann benützt Säfte vieler Bäume als Drogen, vgl. auch Medizin Drogen; was liegt dann näher, als daß er Rindenstücke als Machtmittel und Amulett Amulette benützt. Darum sind auch alle Bäume in der bo-mi-Klasse der Klassen der Substantive Substantive, der Klasse der Machtmittel. Der Wald ist dem Kameruner die große Drogerie, daraus er Mittel entnimmt, um den Lebenskampf bestehen zu können. Der Wald gilt aber auch als Übergang aus der Sinnenwelt in die unsinnliche Welt; des Waldes Wild sind die „Haustiere“ der Geister und das kleine Getier des Waldes kommt aus der Unterwelt, die meisten Begegnungen mit Geistern hat man im Wald und viele andere Umstände erhärten des Kameruners Ansicht, daß der Wald machtgeladen ist.
Ebenso ist der Stein Stein mit solcher Macht geladen, vielleicht weil er so hart ist, daß er den Werkzeugen der Primitiven Widerstand leistet; wem nicht beizukommen ist, den muß man verehren, fürchten. Wer sich auf der Wanderung (Reise) Wanderung auf einen Stein setzt, bespuckhaucht, vgl. S. 136, ihn zuvor, um schädliche Kräfte zu bannen, die zuvor auf ihm ruhende ungute Menschen oder Gei- {51} ster darauf zurückgelassen haben. – Wenn jemand, besonders ein Kind, vgl. auch Eltern und Kind Kind, einen Stein auf den Kopf nimmt, ohne daß es zuvor darauf gespuckt hat, so wächst es nicht mehr, denn in den Stein gebanntes Unheil, vgl. mbeu a nyolo auf S. 97, könnte auf es übergehen. – Steine gelten als Sitz der magischen Kräfte der Sippe und des Stammes. Besonders sind das Steine, die eigens zu diesem Zwecke gesetzt sind und eine Art Opfersteine darstellen, vgl. S. 16, 93b. Wo solche Ahnensteine liegen, bei den Bakosi nyo (Ko.) nyo „ Schlange Schlange“ genannt, ist der Gruppe Gedeihen, Fruchtbarkeit Fruchtbarkeit und Fortbestand garantiert; vgl. the golden Stool der Asanteer oder auch die Aufgabe des Bergkristalls im Schüttel- oder Körbchenorakel Schüttelorakel auf S. 161; oder das auf S. 10 zu ndjolandi, auf S. 17 zu den Phallussteinen Gesagte. Mit dem mudiki-Steine klopft man bei einer verwünschen Verwünschung den Ahnengeistern unterm Boden, vgl. S. ---, und bannt in kleine Steine bei einer Sühnefeier das Unrecht und wirft es mit ihnen nach hinten von sich. Steine und Felsen spielen auch überall dort eine Rolle, wo man im Meere, Flußstrudeln, Wasserfällen mengu „ Wasserdämonen djengu Wasserdämonen“ vermutet, die in diesen Steinen siedeln und mit den Steinen sich im Wasser bewegen können, vgl. S. 117ff. Aber nicht nur sind die gefährlichen Stellen im und am Wasser verrufene Orte verrufen, es gibt allerorts auch solche auf dem Land, wo etwa ein Bergrutsch stattgefunden [hat] oder wo an feuchten, sonnigen Plätzen sich gerne Kriechtiere aufhalten, vgl. ngokume der Bakosi, vgl. S. 92f, wo mit Bergen etwas Auffallendes verbunden ist, das sich dann vielfach die Geheimbünde als Sitz ihres Dämon auserküren. Stein
Statt vieler sei da nur einer genannt: In dem zerklüfteten Barombi- (fälschlich Rumpi-) Gebirge steht in der Balue-Landschaft zwischen Dikume und Itoki der Kongwe Kongwe, vgl. S. 90, ein Berg, der sich etwa um 200 m von seiner Umgebung abhebt. Von vielen Plätzen des Gebirges ist sein brauner, baumloser Kegel zu sehen. Alle Kundu Kundu-stämme der Landschaft: Bakundu, Mbonge, Baloe, Ngolo Ngolo Batanga, Bayi, Ekombi verehren den Berg und selbst entfernter wohnende Stämme haben eine hohe Meinung von ihm, obwohl sie oft kaum seinen Namen kennen. Man hält den Berg für besonders machtgeladen und den Geheimbund, -kult, vgl. auch Wassergeister, Kultsprache Geheimbund dio für den Besitzer dieser Macht. Man verbindet diese Macht mit den abgeschiedenen Mitgliedern dieses Kultbundes und glaubt, wenn die dio- Trommel, Fell-, Schlitz- Trommel in einem Dorf der Umgegend geschlagen werde, so treten auch jene Geister Geister zum Tanz Tanze an, und wer über die nötigen Kräfte verfügt, höre den Lärm ihres Tanzes neben dem Gesang im Dorf.
Ihob, ihob, ihob, dio of Kongwe oeka?
Yohohoho,yohohoho, yohohoho, o Konwe o! Oeka dio!
„Horch, horch, horch; hörst du die dio- Dämonen Dämonen auf dem Kongwe?
Hallo, hallo, hallo, ja, auf dem Kongwe, da hörst du die dio-Dämonen!“
In diese Geistergemeinschaft im Kongwe werden nur die Angesehenen der Stämme zugelassen, die die Riten Riten und Weihen des dio-Bundes durchlaufen haben; alle anderen scheiden an einen armseligen Ort ab. – Der machtgeladene Berg ist natürlich für alle Nichteingeweihten, besonders für die Frauen tabu und immer wieder werden furchterregende Geschichten von ihm erzählt, wie solche, die sich ihm nahten, von Geistern verjagt wurden, wie der oder jener im Dickicht unterhalb des Berges gefangengehalten wurde, wie Jäger, die sich dem Berg nahten, plötzlich von Nebel umfangen den Rückweg nicht finden konnten; das Kleingetier im Fluß dort sei „trocken“, so daß dort nicht gekrebst werden könne. Und passiert einem, der sich in die Richtung auf den Berg zu begeben [hat], etwas, trifft ihn gar unterwegs ein Schlaganfall, dann enthüllt das Orakel ganz gewiß, daß die dio-Dämonen ihre Hand im Spiel hatten. – Vgl. dazu die auf S. --- geschilderte Parallele von Kupe und Abi de Nkasi, Manenguba-Seen S. 191ff.
Aber auch Lebewesen und Teile von ihnen hält man für machtgeladen, gefährliche für immer und andere nur unter gewissen Umständen. Es wundert nicht, wenn einer beim Begegnen mit einem großen wilden Tier, Tierwelt Tier erschrickt und ein Machterlebnis hat; diese Tiere gelten dann vielfach auch als Totem, Totemismus Totem oder Nagual, Nagualismus = Individualtotemismus Nagual, vgl. S. 82ff, 86ff. Aber auch andere Tiere hält man nicht für ganz harmlos, mag man sie nun als dem Mensch nahestehend oder ihm in gewissen Stücken überlegen ansehen, sie gelten als außerordentlich. Am Tier bewundert der Primitive Kunst und Gewandtheit, List List, Kraft und Schnelligkeit. So malt er sie im Märchen Märchen: Die Schildkröte Schildkröte ist Orakler und Richter, der große Betrüger, die Zwergantilope Zwerg Antilope antilope der in allen Lagen überwindende Held, der Reinecke Fuchs, der Elefant Elefant der Herrscher im Reiche des Waldes, der Leopard Leopard der Tollpatsch, das Chamäleon Chamäleon das Aschenbrödel, verachtet und gefürchtet, der Bringer des Todes. Andere sind verdächtig wegen des Ortes ihres Aufenthaltes. Die Waldtiere, die ja so geheimnisvoll aus der Verborgenheit auftauchen und wieder dahin entschwinden, die Kriechtiere, die am und unter dem Boden leben, sind mächtig, denn sie stehen mit der unsichtbaren Welt in Verbindung. – Wie könnten sich die Vögel Vögel in die Luft erheben, wären sie nicht machthaltig. {52} Und da ja immer das Außergewöhnliche zu besonderem Erlebnis wird, gelten sonderlich solche Wesen für machthaltig, die von der Regel abweichen. Eule Eulen und Ziegenmelker gelten allerorts für hexenbesessen, denn die anderen Vögel sind ja nur am Tag zu sehen und zu hören. Wenn aber ein Tagtier bei Nacht Nacht erscheint oder ein Nachttier am Tag, so erlebt man in ihm eine besondere Macht, z. B. Fledermaus, gewisse Ratte Ratten, Eule, Schlange auf dem Wege bei Tag, oder der große Tausendfuß >Tausendfuß, die Gottesanbeterin bei Nacht. Ebenso werden Tiere gefürchtet, die etwas Ungewöhnliches an sich tragen: Wenn ein Exemplar einer dunkelfarbigen Art hellere Farbe Farbe trägt oder umgekehrt; oder in Ngusi, Bakosi-Landschaft, erlebte ich ein Schaf mit fünf Beinen, das nicht geschlachtet wurde. So liegt es auch nahe, daß Verrückte oder Leute, die sonst etwas Eigenes an sich haben, als machtgeladen, oft als Hexen verschrien werden.
Glaubt man, daß gewisse Tiere in besonderer Weise mit der Welt der ndimsi „Unsichtbarkeit“ in Verbindung stehen, so werden sie oder Teile von ihnen auch als Machtmittel benützt, vgl. die Vogelspinne auf S. 158 oder die Bestandteile des Schüttelorakels S. 161. Tier, Tierwelt
Macht wohnt aber vor allem auch im Menschen, im lebenden sowohl als auch im toten und seinen Teilen, wenn auch nicht in allen gleichmäßig. Auf S. 2f. ist bereits von solchen machtgeladenen Menschen berichtet. Sie sind <mächtig> nicht aus physischer oder psychischer Überlegenheit, sondern weil sie mit Macht geladen sind: Kultbundmitglieder, Häuptling Häuptlinge, Medizinmänner, Orakler, Jagd, Jäger Jäger, Fischer Fischer, Krieger; als solcher wird man nicht geboren, sondern wird mit der Kraft <gefüllt>; ngang, Kp. nganga nganga „der über esoterisches Wissen und magische Kräfte Verfügende“, kann andere mit solcher Macht laden.
Mit der Geschlechtsreife werden Menschen besonders machtgeladen. Darum finden bei ihrem Eintritt auch die Initiationsriten statt, vgl. S. 192 – 207, und gewisse Handlungen, bei denen die unsichtbaren Mächte nicht erregt werden dürfen, können nur von unentwickelten Kindern oder sterilen Frauen verrichtet werden, vgl. S. ---.
Macht wird aber auch erzeugt und erworben durch Gebet Gebet, Opfer, vgl. auch Kulte und Ahnenkult Opfer und andere kultische Handlungen und magische Mittel. Daher die Jugendweihe und Schulung dafür, die Mysterienkurse und Kult, -bund, vgl. auch Geheimbünde Kulte der Geheimbünde, das Einführen der <Wissenden> in ihren Beruf als Orakler und Medizinmänner u. ä., die Übungen zum Herbeiführen von Halluzinationen ( elielie elielie etc., vgl. S. 234ff.), Ausrüsten von Häuptlingen, Kriegern, Jägern u. ä. zu ihrem Beruf.
Ein Machterlebnis wird aber auch verhindert, z. B. dadurch, daß man nicht dahinsieht oder sich dort aufhält, wo eine solche Offenbarung der Macht zu erwarten ist, vgl. auch Tabu S. 70ff.
Das Machterleben kann auch periodisch wechseln, wie z. B. die monatliche Regel der Frau; so ist ja auch die Zwillingsgeburt ein besonders gefährliches Machterlebnis; ebenso sind es die Initialweihen, die Trauerzeit mit dem vorangehenden Todeserlebnis. In dieser Zeit brauchen die Gefährdeten eine besondere Behandlung, auch um die Gruppe vor der geoffenbarten Macht zu schützen und die Befallenen aus dem Gefahrenzustand zu befreien.
Ist ein Körper mit Macht geladen, so muß man ihn auch besonders pflegen: Salben, Bestreichen mit Rotholz Rotholzfarbe, Waschen mit Drogen u. ä. ist in erster Linie nicht Hautpflege, sondern nötig zur Erhaltung und Mehrung der Macht. Ähnliches bezwecken Amulette und mancher „ Schmuck Schmuck“, getragen in allerlei Gestalt und an den verschiedenen Körperstellen; auch Impfung im Genick, auf dem Handrücken und anderswo, Klistier Klistiere, Beschneidung Beschneidung, Zahnverstümmelung Zahnverstümmelung u. a. sollen Macht mehren und erhalten.
Soweit die Bezeichnungen für Körperteil Körperteile nicht zur di-ma-Klasse (Namen für paarweise Vorhandenes oder symmetrisch Teilbares) oder als Medium einer besonderen Kraft (z. B. Lungen, Magen, Penis, Scheide u. a.) zur e-be- (Sachen-)Klasse zählen, gehören sie der mu-mi-Klasse (Bezeichnungen für Kraftträger) an, z. B. Kopf, vgl. auch Schädel Kopf, Rumpf, Rückgrat, Lenden, Fuß, Finger, Herz Herz, Muskel, Schlund, Gedärme, Vorhaut, Hintern, Nabel, Nase, Unterkiefer, Mund, Schnabel, Ader, Schwanz, Runzel u. a., aber auch Abfallstoffe Abfallstoffe wie Urin Urin, Halsschleim, Tränen, Hauch, Darmgase Darmgase. Zu dieser Nominalklasse der Kraftträger gehören auch viele Krankheit Krankheiten: Aussatz Aussatz, Bruch, Bauchgrimmen, roter Hund, Fußgeschwüre, Nasenbluten, Schürfung, Würmer, Starrkrampf, Haut jucken jucken u. a.; ebenso Bezeichnungen für Erregungszustände: Zittern, Aufregung, Raffgier, Quälerei, Habgier, Wildheit, Schrecken, Hast, Ungeduld usf.
Auch in Kamerun ist Blut Blut geschätzt und gefürchtet, daher seine Verwendung zum Opfer, und früher war es nicht nur Tierblut wie heute. Man muß sein Blut schützen; wer einem anderen eine Wunde Wunde beibringt, muß gestraft werden oder muß Sühne leisten; eifrig beseitigt man das Blut, das aus einer Wunde tropft, damit es niemand zu magischen Zwecken verwendet; wegen des Blutbundes vgl. auch S. 151. – Auch die Wachstumsstoffe Wachstumsprodukte spielen eine besondere Rolle: Nägel Nägel, Haar Haare, besonders Schamhaare Schamhaare werden auf allerlei Weise verwendet, vgl. S. 234. Zahn Zähne werden als Amulett Amulette und Talisman Talismane getragen. Früher hob man in den Kulthäusern außer den Schädeln auch die Zähne der für den Kult Erschlagenen auf; sie waren in ein Brett geschlagen und wurden bei kultischen Tänzen gezeigt. Auch die Zahnverstümmelung, vgl. S. 196, hängt mit dem Geladensein der Zähne zusammen.
Die Abfallstoffe oder Ausscheidungsprodukte sind machtgeladen. Der Speichel Speichel gehört zum Spuckhauchopfer, vgl. S. 136, und dient dem Segen (bonam, munam), segnen Segen und der Abwehr, auch zur Stärkung von Heilmitteln. Weniger wichtig ist der Schweiß, vgl. auch Schmutz Schweiß als Mittel, zeigt aber beim Schamane Schamanen doch, daß seine Tätigkeit voller Kraft ist; und der von Schweiß und Fett gebildete Hauttalg wird zusammen mit Haaren, Nägeln u. a. zur Bereitung von Amuletten verwendet, vgl. S. 146, 150 u. a.
Auch das Wort Wort, in besonderer Absicht gesprochen, vgl. Fluch und Segen auf S. 134, ist machtgeladen und hat seine unaufhaltsame, von der Gottheit weithin unabhängige Wirkung. Hier ist auch das Sprach-Tabu der Initiierten, vgl. S. ---, und das Verpöntsein mancher Wörter zu beachten.
{53} Mit schamanischen Gesängen vergrößert der Medizinmann Medizinmann die Kraft seiner Mittel. Aber auch Sprüche und Lieder können machthaltig wirken, z. B. solche, die zu Opfern gesungen werden, etwa das in Bakwiri:
„Ziegenkind, stirb, damit das Menschenkind lebe!“ Vgl. S. 188, das dort bei keinem Opfer für Kranke fehlt.
Freilich sind Segensworte und ihr Gegenteil, die Flüche und ihre Aufhebung von einer symbolischen Handlung begleitet; diese wollen aber nicht das Wort verdrängen oder abschwächen, sondern erst recht wirkungskräftig machen; beiden, Wort und Handlung, wohnt Macht inne.
Aber auch der tote Mensch, und nicht nur einzelne, vgl. mbimba 3 „die Leiche Leiche“, ist machthaltig. Daher hütet man sich besonders, einen fremden Leichnam anzugreifen; wer einen Leichnam berührt ( Totengräber Totengräber, Witwen), hat sich besonderer Reinigung, rituelle Reinigung zu unterziehen, vgl. S. 217ff. Von fremden Leichnamen hält man sich besonders fern und distanziert sich von ihnen; so etwa, daß die ganze Dorfschaft an einem fremden Leichnam vorbeigeht, jeder ein bestimmtes Baumblatt auf ihn legt; vgl. S. 71.
Wie besonders von Gemordeten noch eine besondere Macht ausgeht, ist auf S. 58ff., mbaki, gezeigt. – Der Leichnam „lebt“ gewissermaßen weiter, nicht etwa nur der der Wiedergänger, sondern auch andere, vgl. besonders die Ahnenopfer auf S. 227ff. Denn weil man die Toten noch für „mächtig“, in gewissem Sinne für „lebend“ hält, gibt man dem Leichnam auch „Opfer“ mit, wodurch man seine Macht noch erhöhen will. Mit Großen des Stammes begrub man früher Sklave, Sklaverei Sklaven oder Vieh Vieh, vgl. S. 215. Wenn statt des als Opfer gegebenen Stückes Vieh heute nur oft ein fingergroßes Stückchen Fleisch ins Grab, Gräberkult Grab gelegt wird oder andernorts nur die Hühnerfedern aufs Grab gesteckt werden, so erinnere man sich an die magische Wirkung des pars pro toto pars pro toto, vgl. S. 187. Man läßt ja am Grab des Sippenvaters eine Röhre offen, die vom Munde der Leiche an die Oberfläche führt und in die von Zeit zu Zeit das Trankopfer geschüttet wird, vgl. S. 171. Viele Beerdigung Beerdigungssitten haben im Machtglauben ihren Grund. Was soll es etwa bedeuten, wenn die Leichen der Bameta-Häuptlinge mit Lianen umwickelt werden und ihnen ein Topf über den Kopf gestülpt wird? Man will sich vor ihrer Macht schützen, wie man es auch bei anderen „Geladenen“ tut. Denn von den Toten gehen noch magische Kräfte aus, die sich förderlich oder schädigend für die Hinterbliebene Hinterbliebenen auswirken können. Daher auch die Beerdigung in der Hütte oder möglichst weit weg von jeder Behausung im Busch = ungepflegter Wald Busch, vgl. S. ---.
Außerdem sucht man auf magischem Wege sich auch der Kräfte Getöteter zu allerlei Zwekken zu bedienen.
„Wie andere Kamerunstämme gebrauchten auch unsere Väter mot’ a benama ‘einen leibhaftigen Menschen’ als yom’ a bwanga ‘Machtmittelsache’. Es wird berichtet, daß, als Häuptling Bell 1885 die Deutsche Deutschen aufgenommen hatte, ein Teil der Duala-Dorfschaften nicht einwilligten und sich verbanden, um einen Aufstand zu erregen und den Häuptling Bell samt den Deutschen zu bekriegen. Zu ihrer Verschwörung fingen sie eine alte Sklavin, banden sie fest an einen langen Prügel, so daß sie sich nicht mehr bewegen konnte, und verbrannten sie vollständig. Ihre Asche Asche wurde dann unter die Dorfschaften verteilt, die sich zu dem Aufstande verschworen hatten. – So auch, wenn in alter Zeit bei dem Tode eines angesehenen Mannes seine Angehörige und Anhänger einige Leute, etwa Sklaven, töteten und sie ins Grab legten zusammen mit der Leiche des angesehenen Mannes.“ (Aus der Preisarbeit des --- über den Duala-Stamm.)
Die Asche solcher bei einem Bundesschluß verbrannter Menschen wurde in Bündeln in den Kulthäusern aufbewahrt und verpflichtete die Verschworenen zum Zusammenhalten und Erfüllung der Verschwörung, weiteres vgl. S. 137a.
Die Knochen Knochen sind der beständigste Teil des menschlichen Körpers, darum hält man sie auch für sehr machthaltig, besonders den Schädel Schädel und die Zahn Zähne. Darum trieb man mit den Schädeln großer Männer, Häuptling Häuptlinge u. ä. einen besonderen Kult, vgl. S. 225f., und in manchen Gegenden wurden noch Menschen gejagt, auch wo man nicht auf den Genuß von Menschenfleisch aus Fleischhunger angewiesen war. Man wollte nur ihrer Schädel habhaft werden,
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[handschriftliche Notiz auf Rückseite von S. 53: Vgl. die mbamba Kerne des bokombole-Baumes zum Massieren.]die bei Totenfeiern gezeigt wurden. Solchen Schädeljagden lag ein besonderer Kultbund ob, der epanga epanga, vgl. S. 208.
Natürlich stehen die Knochen auffallender Menschen in besonderem Rufe, z. B. die der Albino Albinos sind von Medizinmännern sehr gesucht; sie werden geschalt und das Mehl in Trinkmedizinen aufgelöst.
Die Macht der Toten ist aber nicht nur begehrt als Hilfsmittel, man sucht sich ihrer auch zu erwehren. Denn der Tote erweckt maladi „Grauen“, was sich auch auf Grab und Friedhof überträgt; solche Plätze werden gemieden, wie ja die Menge der Totengebräuche auf den Glauben an die Macht im Toten zurückgeführt werden, z. B. die Lage der Leiche ist besonders zu beachten, sie darf etwa nicht in die aufgehende Sonne Sonne sehen, sonst wird der Verstorbene zum Wiedergehen, vgl. S. 99, angeregt; mancherorts ist noch in Erinnerung, daß die Toten nicht beerdigt, sondern in den Fluß geworfen wurden. Gefährliche Menschen sind auch besonders zu beerdigen, vgl. bei Obduktion auf S. 96. Man steckt ihnen den Kopf in einen Topf, bedeckt sie mit Dornen, schneidet ihnen zwischen Fingern und Zehen durch, legt sie auf das Gesicht Gesicht. Wiedergänger Wiedergänger werden ausgegraben und verbrannt.
Der über esoterisches Wissen verfügende ngang, Kp. nganga nganga „ Medizinmann Medizinmann“ kann natürlich solche mit Macht geladenen Naturobjekte gebrauchen, um sie zu besonderen Mitteln zu verarbeiten. In diesen künstlich hergestellten Gegenständen ist dann auch etwas von der Macht der „Geladenen“ konzipiert. Das zeigt sich schon darin, daß diese Mittel auch tabu sind, ohne daß sie in besonderer Weise ihre Macht durch ein besonderes Erlebnis manifestieren, während man bei den meisten der genannten Naturobjekte erst durch das Machterlebnis erschrickt. Diese hergestellten Machtmittel haben den allgemeinen Namen bwanga bwanga, 13, my- „Machtmittel“. Dies[es] Wort ist gleichen Stammes mit dem schon genannten nganga: -ganga. Danach wäre ngang (Du.) oder nganga (Kp. und andere) „Arzt, Schamane Schamane, Medizinmann, Wissender, der magischer Mittel Mächtige“ und bwanga, my- „magisches Machtmittel“, vgl. S. 152.
Dieser magischer Mittel ist Legion, sie lassen sich aber in besondere Gruppen teilen:
Talisman Talismane und einfache Amulett Amulette zum Anhängen an den Körper sind ndjum; sie heißen gemeinhin auch bema be matate nyolo „Gegenstände, die den Körper bewachen“; vielfach sind es Dinge aus einem Stück, wie Zähne, ein Stück Baumrinde, oder auch einfach zusammengefügt wie „ Abfallstoffe Abfallstoffe“ in einem Säckchen, oder eine Kaurimuschel gefüllt mit Blutgerinnsel oder anderem.
ndjou Ndjou 6 ist ein etwas größeres Anhängsel, Amulett und dient zum Schutz durch Machtmittel, Medizin Schutz der Habe, von Haus, Acker, Feldfrucht, Baum u. ä. Hierzu gehören auch gewisse Insignien der Kultbünde, etwa Stöcke, Wedel Wedel; teils sind es einfache Naturgegenstände, teils künstlich angefertigte Objekte: Geschnitzte Figuren oder Sträuße von Drogen, vgl. auch S. 20.
Wo die Geheimbund, -kult, vgl. auch Wassergeister, Kultsprache Geheimkulte als Bünde nicht große Bedeutung hatten, mußte jedes Gehöft für seinen eigenen Schutz selbst sorgen. Da finden sich denn in oder bei den Gehöften allerlei größere Mittel zum Schutz der Hofstatt und ihrer Insassen und deren Fruchtbarkeit; vgl. z. B. die auf S. --- aufgeführten Fetisch, -ismus Fetische der Bakwiri. – Hierher sind auch zu zählen die Felle der im Grasland erlegten Leoparden. Sie sind dem Häuptling abzugeben, der sie gebrauchen oder verkaufen oder verschenken kann. Besonders tabu ist aber das Leopardenfell, das der Häuptling Häuptling über seinen Häuptlingsstuhl breitet, wenn er darauf sitzt. Dies ist unveräußerlich, wie auch kein anderer auf diesem Fell oder auf dem meist schön gearbeiteten Häuptlingsschemel sitzen darf. Ebenso sind die schön gearbeiteten und meist schweren, aus einem Stück gearbeiteten Bettstellen der Häuptlinge unveräußerlich. Der Bafut-Häuptling hat dem Bett Bett seines verstorbenen Vaters im neuen, nach europäischem Stile gebauten Haus ein besonderes, sonst nicht gebrauchtes Zimmer gewidmet. Solche Betten, wie auch die Schemel, werden immer wieder gesalbt, mit Rotholz Rotholzfarbe bestrichen, gelegentlich auch mit Blut besprengt, wie man es mit einem Phallussteine tut oder gar mit einem lebenden Menschen. – Zu dieser Gruppe gehören auch die Mittel, die man bei den verschiedenen Systemen des Orakel Orakels gebraucht. Ihnen allen wohnt eine besondere Macht inne. Näheres dazu vgl. auf S. ---. Als Ganzes gehört manches Orakel-
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[eingeklebter Zettel, nicht zuzuordnen: Fußnote zu S. 55a: 1) ndjimbidi, Kp. --- „Schnitzerei, etwas Geschnitztes“, besonders Figuren, aber auch Pfostenkapitäle u. a., erst in übertragenem Sinne ‘Götze’, aber im Sinne des Dynamismus ‚geladener Gegenstand‘, nicht eigentlich ‘Fetisch’.]geräte zu den Fetischen, denn ihm wird auch geopfert.
Großfetische sind eine ganze Kombination von verschiedenen Mitteln, die mittels magischer Handlungen, unter Bekenntnissen und Reinigungen in Gehöften und Dörfern aufgestellt werden und oft auf Jahre hinaus für die Zugehörigen das bedeuten, was wir gemeinhin mit „Götzen“ bezeichnen. Vgl. dazu ndjom, mfam, epume epume u. a. auf S. ---.
{55b} Wie aber auch harmlos anmutende Objekte mit Vorsicht Vorsicht zu behandeln sind, weil eine gewisse Macht in ihnen ruht, sei am Herd Herd gezeigt:
Der kameruner Herd besteht aus drei länglichen Steinen, die in den Boden eingelassen sind und auf denen der Kochtopf steht. Inmitten der drei Steine brennt das Feuer, das durch Zuschieben von Scheiten und Prügeln zwischen den einzelnen Steinen gespeist wird. Die Steine sind von der Hausfrau gesetzt und geweiht, vgl. S. 62f., doch ohne besondere Kraftmittel. Diese fügt meist der Mann hinzu. Hat der Mann die Steine entfernt und damit das Eheverhältnis gelöst, so ist – falls dieser Streit wieder in Ordnung kommen soll – ein Gemeinschaft, -smahl Gemeinschaftsmahl zwischen den beiden Sippen zu halten. Und zwar muß dies auf einem neuen Herd gekocht sein, den die Frau gesetzt hat, der Mann aber muß das zu schlachtende Sühnetier stiften.
Der Herd ist gewissermaßen das Zentrum der Familie, vgl. auch Gruppe Familie; darum vergräbt man dort auch gern Mittel, die die Familie schädigen soll. So vergräbt dort z. B. ein Feind des Ehepaares den Zauber ewole ewole „das Schwächende“, vgl. S. 131, oder sonst ein ungutes Mittel, um die Ehe Ehe des Paares zu stören. Umgekehrt vergräbt dort der Ehemann das gleiche Mittel, wenn seine Frau durchgebrannt ist. Das Mittel soll dann die ungute Brunst in ihr schwächen, so daß sie ohne Ruhe umherschweifen muß und nirgends seßhaft werden kann, bis sie wieder in ihr Eheverhältnis zurückkehrt und dort bleibt. – Führt man einen Todesfall in der Familie auf Hexe, -rei Hexerei zurück, so gräbt man einen Topf (Medizin) Topf epume- Medizin, Machtmittel Medizin, vgl. S. 146, unter die Steine, muß sich dann aber hüten, Wasser Wasser in die Nähe zu schütten, weil dann das Mittel „kühl“ wird, vgl. S. 14. Dann darf man aber auch an die, welche man als Ursächer des Todesfalles vermutet, aus der Feuerstelle keinen Brand entlehnen, denn auch das würde das Mittel wirkungslos machen. Mit dem Vergraben des epume soll die Lebensseele dessen, der den Menschen „gegessen“ hat, vertrocknen (Ko. edenedeng e kindat „die Lebensseele trocknet aus“).
So steht der Herd in besonderem Ansehen: Zur Beteuerung der Wahrheit seiner Aussage tupft der Mukwiri mit seinem Zeigefinger auf die drei Herdsteine, leckt den Finger ab und spricht dabei Na lio na lea moleli! „Beim Herd, von dem ich zu essen pflege!“ Schwört er falsch – so glaubt man –, dann wird ihm die auf dem Herd gekochte Speise zum Unheil ausschlagen. Er kann zwar den Herd nach dem Schwur ändern, aber das macht seinen falschen Schwur offenbar. – Bei den Bakosi nimmt einer eine Hand voll Asche Asche, wenn er schlecht geträumt hat oder ihm sonst ein Unheil droht, berührt damit die drei Herdsteine, fährt sich dann mit der Hand um den Kopf herum und bläst darauf die Asche von der Hand weg mit den Worten: Nheb etok „Ich habe das Unheil weggeblasen“. – Hat ein Nkosi ein Huhn Huhn gekauft, so nimmt er es, bevor es freien Auslauf bekommt, an seinen Herd, reißt ihm eine Schwungfeder aus, sengt sie am Feuer an und läßt dann das Huhn „mit dem Schnabel und dem Hintern daran riechen“. Darauf klopft er das Huhn an die drei Steine und läßt es laufen; denn nun weiß es seine Heimstatt und wird sich nicht mehr verlaufen.
Bei den Bakwiri läßt die junge Mutter, vgl. auch Eltern Mutter ihre ersten Milchtropfen auf ihre Herdsteine fallen, denn so werden „ihre Brüste Brüste gereinigt“. Man betrachtet nämlich die erste Muttermilch als mit „ unrein Unreinem“ behaftet und in jedem Stamm hat man eine besondere Zeremonie, um die Brüste zu reinigen, bevor das Kind sie bekommt, vgl. S. 191.
Wenn dem Herde solche Bedeutung zukommt, wundert es nicht, wenn seine Macht auf mancherlei Weise „gesichert“ ist, weiteres vgl. S. 62f. Kraft, vgl. auch Macht
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Einleitendes
Diese geheimnisvolle Kraft der über- , unsinnliche Welt unsinnlichen Welt wird in verschiedener Weise erlebt, wie auch schon auf S. 49f. gezeigt. Man kann aber in der Hauptsache drei Arten unterscheiden: Einmal kommt diese Macht erst allmählich dem Menschen ins Bewußtsein, weil sie nicht plötzlich erlebt wird, sondern sich in einer Zeitfolge auswirkt; die beiden anderen Arten aber werden plötzlich erlebt, wie das Zucken, Blitzen aus einer verborgenen Welt. Davon ist die eine Erlebnisart, bedimi (Kp.) genannt, ein schlimmes Omen Omen, ein Anzeichen dafür, daß „ Unordnung Unordnung, Unheil“ bereits eingetreten ist; das andere bedidi, ist ein Anzeichen, daß etwas bevorsteht, das, je nachdem [wie] der Mensch darauf reagiert, zu seinem Vorteil oder Schaden ausschlägt. Wir wollen uns diese drei Arten an praktischen Erlebnissen vergegenwärtigen:
Einer Frau gelingt es, Reis immer so zu kochen kochen, daß er gut gar und doch in einzelnen Körnern in die Schüssel kommt. Im Laufe der Zeit stellt es sich heraus, daß sie bewußt oder unbewußt über eine besondere Macht verfügt, die ihr das gute Kochen des Reises ermöglicht, während eine andere Frau diese Macht nicht besitzt. Man spricht dann nicht von besonderer Geschicklichkeit, Vorsicht, Technik, die ihr das Kochen gelingen läßt, sondern sie erlebt eine in ihr wirkende Macht. In vielen anderen Gelegenheiten wird solche Macht festgestellt und benutzt. Da hat eine Töpfer Töpferin gemerkt, daß kein Topf beim Brennen zersprungen ist, als ein gewisses Mädchen das Feuer angezündet hatte, vgl. S. ---, eine Bauersfrau erfuhr, daß der Yams gut anwuchs, als ein gewisses Mädchen den ersten Keimling pflanzte; es ging gut, als ein gewisses Mädchen den Jagdhunden die Rassel Rassel umband – wieviele ähnliche Gelegenheiten gibt es? –, die Erfahrung macht man sich zunutze und immer wieder wird ein solches als machtgeladen (für den besonderen Zweck) geltendes Mädchen zur betreffenden Arbeit gerufen werden. Daher vererbt sich auch in einzelnen Familien das Recht oder die Pflicht Pflicht, das Opfer für die Gruppe darzubringen oder den Sturm zu beschwören u. ä. – Wer zu Vermögen kommt, verdankt das nicht seiner Sparsamkeit, Fleiß, Sorgfalt, Verstand, sondern der geheimen Macht, die er in sich trägt, ganz abgesehen davon, ob er magische Mittel anwendet oder nicht. Es ist klar, daß man solche Menschen zu irgendwelchen Aufgaben gerne heranzieht, denn man hofft, daß sich bei jeder Aufgabe diese Macht offenbart. Dies gilt mutatis mutandis beim Wettringen, Wettrudern, Jagen, Fischen, Krieg Kriegen u. ä. Neuerdings kommen auch die hinzu, welche ein europäisches Examen zu bestehen haben. Denn eine solche Prüfung ist ja auch ein Machterlebnis, dem man nur mittels magischer Mittel begegnen kann, und belgische und amerikanische Firmen, die „in Psychologie und Anthropologie“ machen, schicken mit jeder Post Annoncen ihrer Talismane an Schüler und Lehrer; denn die europäische magic ist natürlich noch stärker als die einfachen bwanga, my- der Kameruner.
Man sagt dann, daß solche Leute bene musima „ Glück, -sgut Glück haben“. Musima 3 „Glück“ ist gedacht wie eine günstige Macht, die man erlebt in dem, was der Europäer „Glück“ nennt. Oder man sagt von einem solchen: Boso bao bo sangi „sein Gesicht Gesicht ist rein“ oder mbomb’ ao e sangi „seine Stirn ist hell“, d. h. Gesicht oder Stirn sind nicht mit etwas Schädigendem behaftet; sie sind mit etwas begabt, daß alles vor ihnen Liegende ihnen günstig gestaltet. Diese Macht setzt man in Beziehung zur Sonne und zum Himmel (vgl. das Wort der Basa auf S. 3), als wären sie die Macht, die in ihnen wirkt, „helle“ macht. Das was er so erlebt und nicht ändern kann, bezeichnet er mit loba lam’ din’ „das ist mein Geschick Geschick“, wörtlich „Himmelsglanz“. Freilich weiß man auch, daß solchem Geschick nicht zu trauen ist; wann könnte auch der Heide vertrauen? Die Bakosi sagen: Etane e de ngane „der Himmel, vgl. auch Loba, Firmament Himmel, die Sonne Sonne (= das Geschick) ist ein Märchen Märchen“ d. h. es ist veränderlich, vgl. S. 126.
Denn wie sich so das Machterlebnis im günstigen Sinn über eine ganze Zeit erstrecken und erst nach und nach bestimmt bewußt werden kann, so auch im ungünstigen Sinn. – Da ist ein junger Bursche im Wachstumsalter, dem schmeckt das Essen nicht mehr recht, er ist müde, magert ab, hat Durchfall, wird blaß. Man macht sich Gedanken, wendet Hausmittel an; es hilft alles nichts, bis ein Gang zum Orakel die Sache klarstellt. Aber nicht erst mit dem Orakelbescheid trat das Machterlebnis ein, die Macht wirkte schon zuvor und man stand unter ihrem Eindruck. – Ein ähnlicher Fall bei einem Bakwiri-Mädchen.
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[handschriftliche Notizen auf Rückseite von S. 56: Erdrutsche so bedim, vgl. S. 93 so auch esukudu am Tage, nachts Hexenvögel seleke Termiten [?] handschriftliche Notiz am Ende von S. 56, nicht zuzuordnen: Im Süden glaubt man, daß eine Termitenart die wegen Altersschwäche aus dem Totenreich Ausgestoßenen auffressen, sie sind als bedim angesehen, wenn man sie antrifft, da sie einem den Weg überqueren.]Durchfall und Abmagerung u. ä. sind vorläufige Anzeichen, daß eine Macht es „ergriffen“ hat, nur ist noch nicht klar, welcher Art die „ Wasserdämonen djengu Wasserdämonen“ sind. Ein nganga wird gerufen und man weiß: Auf wessen Lied das Mädchen reagiert, dessen Dämonenart hat es in ihren Besitz genommen. Das Mädchen und die Eltern und Kind Eltern haben das Machterlebnis, bevor es sich unter des Schamane Schamanen Gesang ganz offenbarte; weiteres vgl. S. 203ff.
Kranke sind unter einer solchen Macht. Damit die guten Kräfte nicht ganz abhanden kommen, darf sich der Kranke nicht waschen, er wird nicht geschoren, er trägt seine alte Kleidung Kleidung. In besonderem Maße stehen die Verrückten, die an ndjou ndjou, vgl. S. 54, leiden, unter der Macht, die in einem solchen Abwehrmittel wirksam ist; sie hat die Betreffenden nach dem Volksglauben erfaßt und läßt sie nicht los. Das Orakel in irgendwelcher Form, vgl. S. 157ff., ist dem Auskunftholenden Machterlebnis.
Natürlich hat nicht nur ein Einzelner solch ein Machterlebnis, sondern auch ganze Gruppe, vgl. auch Familie, Sippe, Stamm Gruppen. Wird z. B. einer beim Baden am Strande von einem Haifisch weggeschnappt, so ist nicht nur der Getötete, auch nicht nur seine Familie getroffen, sondern die ganze Siedlung und sie steht meist hinter den Hinterbliebene Hinterbliebenen, die die Hexe suchen, welche in dem Tier sich deponiert hatte; vgl. S. 82ff. Der Ältester Älteste muß dann für die Gruppe als ihr Mundwalt eintreten, z. B. bei einem Gewitter Gewitter Sturm sturm. Hält sich ein solcher Tornado in mäßigen Grenzen, so denkt man nicht weiter darüber nach und die [doch] nachdenken, halten ihn für ein vom Schöpfer gesetztes Mittel, Regen Regen zu bringen, die Luft zu reinigen, den Himmel zu klären, dem Gewächs Feuchtigkeit zu bringen. Braust der Sturm aber mit Ungestüm durchs Land, so vermutet man hinter der sich physisch auswirkenden Kraft ein ekumti ekumti oder ewendj’ a ndimsi „Streit, Krieg Krieg finsterer, unheimlicher, magischer Gewalten“, gewirkt durch „Gefüllte“ oder andere Mächte. Diese knicken im Sturm Bäume, zerreißen Häuser, schwellen Flüsse, daß Leute ertrinken, und richten bei ihrem wilden Rennen allen möglichen Schaden an, ja werfen oft gar ihren ndjolandi-Stein, vgl. S. 10. Wenn aus Anzeichen geschlossen werden kann auf einen Sturmesausbruch, tritt ein vorsorglicher Hausherr in seinen Hof, spuckt seine zerkauten Kardamomum Kardamomum-Kerne gegen die Sturmwolken und ruft seinen Zauberspruch: Ich will euch nicht hier, geht und tobt euch sonstwo aus, aber lasset mich und das Meinige in Ruhe! Kommt der Sturm aber doch und schwillt an, so werden in den Höfen die Schlitz Trommel, Fell-, Schlitz- trommeln mit aller Macht geschlagen, um die Unholde abzuschrecken. Und hilft auch das nicht, so schießt man, besonders wo es im Gebirge schwere Wetter gibt, mit den Donnerbüchsen durch das Mattendach des Hauses. Die Erreger solchen Sturmes können die wegen Verstoßes wider eine Tabu-Regel oder sonstigen Fehler wildgewordenen „Schatten“ sein; auch ein „ Gefüllter Gefüllter“ kann seine Macht in diesem Sturm zum Schaden anderer loslassen; aber auch das in gegenseitiger Eifersucht uneins gewordene ekong ekong-Heer kann sich in solchem Sturm austoben, vgl. S. 10, 89. Stirbt eine solche Hexe o ekong „im Hexenwesen“, so auch der Mensch im Irdischen. Sturm
Bedim’ (Du.), bedimi (Kp.), bidim (Ya.) ist „Machtoffenbarung, Schreckzeichen, ein schlimmes Machterlebnis“. Das Wort ist wohl gleichen Stammes wie das schon genannte ndimsi (Du.), ndimisi (Kp.) „unsichtbare, über- , unsinnliche Welt übersinnliche Welt“, vgl. S. 2. Auf S. 224 ist motio „das Kriegstanzopfer“ der Bakwiri geschildert. Wenn der zum Abhauen des Kopfes des Opfertieres Bestimmte fehlt, wird offenbar, daß ihm eine unsichtbare Macht wehrt; sie hat seinen Körper in „unguten Zustand versetzt“, vgl. mbeu a nyolo auf S. 97. In dem mißlungenen Hieb hat er an sich und seine Begleiter an ihm die fremde Macht erlebt. Er wirft das Haumesser weg und verläßt den Platz, während die anderen rufen: E se bedim’! „Ist das ein Machterlebnis!“, d. h. das ist ja erschrecklich! Wird diese fremde Macht durchs Orakel erkannt, so kann man versuchen, Abhilfe zu schaffen durch den ngang, Kp. nganga nganga und seine magischen Mittel; bleibt sie unentdeckt, so führt sie des Gezeichneten Untergang herbei. Möglich ist in diesem Falle
entweder: Es steht eine Sache zwischen dem Führer des Haumessers und dem Verstorbenen, der darum das von jenem dargebrachte Opfer ablehnte. In Vereinbarung mit des Verstorbenen Vertreter auf Erden, dem derweiligen mutudu „Vorsteher“ seiner hinterlassenen Sippe, kann unter Mithilfe des nganga die Aussöhnung mit dem Verstorbenen und infolge davon Wiederherstellung des normalen Zustandes des Gezeichneten erfolgen;
oder: Der Opfernde ist an sich schon aus irgendeinem Anlaß mbeu a nyolo „im Gefahrenzustand Gefahrenzustand“ und er kann darum nicht den bedeutungsvollen Hieb ausführen. Hier hat nun das Orakel Orakel festzustellen, was die Ursache des mbeu a nyolo ist; etwa daß gegen die Sitte Sitte verstoßen wurde, oder der Betreffende verunreinigt ist oder ihn ein Machtmittel „besessen“ hat, oder daß er ein Gebot der Ahnen übertreten, gegen sie gefrevelt hat, oder er besitzt ein Machtmittel, dessen Vorsichts[maß]regeln er nicht beachtet [hat], oder seiner Lebensseele ist durch Hexerei oder anderes ein Unheil zugestoßen. Ngambi „Orakel“ und nganga „Wissender“ können ihn, wenn es gut geht, lösen auf dem Weg der Wiederherstellungsrite, vgl. S. 265ff.
Beispiele dafür: Auf der Leopardenjagd wird einer lebensgefährlich verletzt. Nicht seiner Ungeschicklichkeit oder Unzuverlässigkeit seiner Waffe oder anderem Mißgeschick wird der Unfall zugeschrieben, sondern sein Körper war in „ungutem Zustand“; er hatte die Tabu-Regeln nicht beachtet, in der Nacht zuvor mit seiner Frau Verkehr, geschlechtlicher Verkehr gehabt und sich trotzdem von der Jagd, Jäger Jagd, Jäger Jagd nicht abhalten lassen. – Eine Frau hat Schwierigkeiten bei der Geburt, gebären Geburt, nicht hervorgerufen durch zu enges Becken oder durch verkehrte Lage oder ein anderes natürliches Hindernis. Die Schwierigkeiten sind Signale dafür, daß aus zunächst noch unbekanntem Grund ein Gefahrenzustand eingetreten ist; und zwar ist nicht die schwierige Geburt selbst die Gefahr, das Unglück, sondern ist davon die Folge. Darum wird die Kreißende aufgefordert zu bekennen bekennen, notfalls wird auch der Mann dazu gerufen. Und es gibt immer Gründe, die hier zu erwägen sind: Untreue der Frau oder des Mannes, nagualistische oder totemistische Verbindungen der Frau (etwa mit Wildschweinen, vgl. S. 129), Vergehen gegen die Ahnen, Nichtbeachten von Tabu-Regeln während der Schwangerschaft u. v. a. Erst das Beseitigen des Hindernisses, mindestens das Bekennen und Versprechen der Gutmachung der Schuld (und Sühne) Schuld und Hilfe durch den nganga ermöglichen die Geburt, vgl. S. 17.
Es kann einem aber auch ein bedim’ werden, ohne daß er in unmittelbare wirkliche Gefahr kommt; z. B. gilt in manchen Landschaften das Antreffen eines verrotteten Waran oder Leguan Warans oder Stachelschweins oder Buschratte oder Meerkatze als ein arges Unheilszeichen. Dennoch nimmt man von solchem Kadaver an sich, was noch irgendwie zu genießen ist und verzehrt es. Unheil bringt auch das Antreffen einer unbekannten Leiche, vgl. S. 71, das Begegnen mit einem mbaki-Beladenen, vgl. S. 58. Mancherlei weist natürlich auf einen Todesfall hin: Läßt sich eine Spinne, vgl. auch Vogelspinne Spinne direkt vor einem an ihrem Faden herunter, so zeigt dies einem die Leiche Leiche oder den Sarg eines Verwandten oder Bekannten an. Hört man im Boot den mwen-bolo „Kanuseher Theresticus hagedash“ von vorn oder von hinten her schreien, so ist am Bestimmungs- oder Herkunftsort der Tod eingekehrt; wenn noch nicht, so wird dort ein Kranker sterben und wäre er noch so sehr durch Magie ‘festgemacht’. Das anhaltende Miauen einer Katze kündigt die Totenklage Totenklage für einen in der näheren Umgebung oder in der Verwandtschaft an. Zwillingsgeburten in der Familie, Unregelmäßigkeiten bei Gebur-
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[handschriftliche Notizen auf Rückseite von S. 56: Mweu bolo, vgl. S. 27. Zeichen geben auch eyungu der Geierseeadler Hypohierax angolensis edobe die Bachstelze]ten, beim Zahnen gelten als bedim „ Unglück, -szeichen Unglückszeichen“, bei den einen Stämmen mehr, bei anderen weniger, überall aber sind Abwehr- oder Ablenkungsmaßnahmen erforderlich.
Außer dem immer schlimmen bedim gibt es auch eine harmlose Art „Vorzeichen“, genannt bedidi, sing. edidi „das Omen Omen, Warnungszeichen“; beide sind wesenhaft voneinander verschieden. Zeigen die ersten an, daß sich der Betreffende bereits in ‘ungutem Zustand, Gefahrenzustand Gefahrenzustand’ befindet, der nur durch kultisch-magische Mittel zu beheben ist, so wollen die bedidi gleichsam nur ein aufgehobener Finger sein, wollen guten Rat geben, daß und oft auch wie Schlimmes verhütet werden kann. Ereignisse zeigen sich aus der unsichtbaren Welt im Voraus an und je nachdem [wie] man sich zu dieser Voranmeldung stellt, erlebt man etwas Arges oder kann es vermeiden, oder man darf Gutes erwarten, das durch törichte Handlung gestört wird.
Denn wenn dem Kameruner Sinnen- und über- , unsinnliche Welt unsinnliche Welt ein Stück ist, vgl. S. 47, so stehen beide Hälften auch in Kontakt und aus der einen Hälfte kommende Ereignisse werfen in die andere ihren Schatten voraus. Damit hängt zusammen, daß solch angekündigtes Geschehen auch eintreffen muß, falls nicht seine magischen Voraussetzungen geändert werden. So wollen bedim und bedidi wie auch das noch zu besprechende ngambi „Orakel“, vgl. S. 153ff., nicht nur enthüllen, sondern diese Omen sind mit dem wirklichen Geschehen verbunden wie die Blüte mit der Frucht, wie der Schuß mit dem Knall. Die günstigen Vorzeichen haben gleichsam die Kraft, Günstiges eintreten zu lassen und umgekehrt die ungünstigen.
Eines der bekanntesten bedidi ist kobo dibao „ein Hindernis anhaken, stolpern stolpern“; mit dem rechten Fuß ist es ein günstiges, mit dem linke Seite linken ein ungünstiges Zeichen; bei manchen Stämmen ist die Deutung für die Frauen gerade umgekehrt. Denn die ‘Linke’ ist woman hand „ Mann und Frau, männlich und weiblich weibliche“, die ‘Rechte’ man hand „männliche Hand“; vgl. auch das über Glück, Gesicht, Stirn Gesagte auf S. 55; andere Vorzeichen vgl. S. 98ff. und öfters.
Beim tu 5, ma-, Ko.: atug, Bobe Bobe: lituku „ Dampfbad Dampfbad, Inhalation“ setzt man den Kranken über einen Topf mit Wasser Wasser, in dem verschiedene Kräuter Kräuter gekocht werden. Kranker und Topf sind mit Tücher o. ä. verhängt, so daß der Kranke den Dampf Dampf einatmen muß. Kocht nun der Topf über und das überlaufende Wasser löscht das Feuer aus, so ist das ein gutes Omen; die sich im Topf offenbarende Kraft wirkt auch im Kranken.
Die meisten Vorzeichen werden an Tier, Tierwelt Tieren beobachtet; solche Tiere müssen nicht besonders nützlich oder schädlich sein, auch nicht in besonderem Verruf stehen; z. B. läuft bei den Bakwiri ko „die Erd Ratte Ratte ratte“ oder minge 3 „eine kleine Mausart“ über den Weg, dann steht eine schlechte Reise bevor. Trifft man beim Buschroden oder Planieren eines Bauplatzes am ersten Tage eine fe „Puffotter“, so taugt der Platz zum gewählten Zweck nicht; die Otter deutet Schlimmes an. Trifft eine Witwe während der Trauerzeit dieses Tier auf dem Acker, so ist ihr das ein Zeichen ihres verstorbenen Gatten, daß er die Trauer Trauer nicht haben will und sie legt die malebo-Zeichen ab, vgl. S. 219. Dem Wanderer sperrt eine über den Weg liegende Schlange Schlange unbedingt die Weiterreise, ebenso den Weg kreuzende Vögel Vögel wie mundjole 3 „Honigsauger“ oder diwese 5 „der Eisvogel Halcyon senegalensis“ oder manche Käfer Käfer. Schreit bei den Belong auf dem Manenguba modu (Du. ido) „die Zwergtaube“ rechts des Wegs, fliegt lon, der genannte „Honigsauger“ von links über den Weg und schreit sein „wäd wäd wäd“, so führt der Ausgang zu nichts Gutem, während Gelingen durch umgekehrte Zeichen vorgebildet werden, vgl. S. 262 oben, das Begegnen beim Jagdgang.
Freilich achtet man nicht bei jeder Kleinigkeit auf diese Zeichen, sonst wäre das Leben zu sehr gehindert, sondern nur bei wichtigen Sachen: Jagd, Jäger Jagd- und Marktgang, Schulden einziehen, Darlehen aufnehmen, Heiratspalaver, Handelsreise u. ä. Auch gelten diese Zeichen meist nicht der Sache, sondern nur dem Tag zunächst. Es ist auch ein Stück weiße Kunst, weiße und schwarze Kunst, Sprüche und Handlungen zu kennen, um solche Anzeichen zu umgehen, oder man kennt allerlei Trick Tricks, die Omina unwirksam zu machen, z. B. man erhebt ein großes Geschrei oder hält vor Antritt des Unternehmens einen Tanz Tanz, um warnende Vogelstimmen u. ä. nicht zu hören. Oder nach ungünstigem Zeichen geht man wieder nach Hause und legt sich schlafen, als ob es Nacht wäre; später ver-
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[handschriftliche Notiz auf Rückseite von S. 57a: Ko.: Wenn jemand beim Schlachten eines Rindes faustgroße Gebilde findet (Koprolithen), so schließt man daraus, daß er für immer Glück im Viehbesitz haben wird. eingeklebter Zettel mit handschriftlichem Text: zu S. 57b Glaubt ein Bali auf seinem Palmwein etwas Auffallendes entdeckt zu haben, so hält er dies für ein ungutes Vorzeichen und schüttet ihn aus. Beißen im Auge führen die Ko. auf folgendes zurück: Ein Ahnengeist des Betreffenden webt [?] durchs Land. Er macht seine Genossen aufmerksam und sagt: Schau, dort steht einer meiner Nachkommen! Der andere sagt: Welcher von denen, die dort stehen? Da spritzt der erste ein Ingwerkorn seinem Verwandten ins Auge. Und wenn dieser das beißende Auge reibt, so sagt der Ahne: Guck, der sich dort das Auge reibt, der ist einer von den Männern! Darum sagt auch einer, den sein Auge beißt: Eben hat mich einer meiner Ahnen erkannt und mich einem anderen zu erkennen gegeben.]sucht man den gleichen Gang nochmals, als ob unterdessen ein neuer Tag angebrochen wäre; manchmal entfernt man sich dann auch zunächst in verkehrter Richtung aus seinem Haus. Oder man wendet bei ungünstigem Vogelflug sein Boot; so erscheint der Vogel auf der Glücksseite. – So ist es ja auch manchmal beim Befragen des Orakel Orakels, daß man bei ungünstigem Bescheid die Sache nochmals bespricht und dem Gerät aufs Neue vorträgt oder sich besinnt, was etwa vergessen sein könnte, und erst dann das Orakel nochmals befragt, ob es nun vielleicht günstigen Bescheid gebe, vgl. S. 157. Fällt einem beim Gang durch den Bananenhain eines der großen Blätter entgegen, so zeigt dies an, daß ein naher Verwandter sterben muß. Greift man aber beherzt zu und reißt das Blatt rasch ab, so tritt der Todesfall nicht ein. – In um die Ohren summenden Bienen Bienen meldet sich ein Gast an, der unterwegs ist, andere Insekten zeigen die Nähe von unholden Mächten: Moskitos Moskitoschwärme deuten auf die Anwesenheit von mengu- Geister Geistern, vgl. S. 118, Sandfliegen künden dem Jäger auf Anstand, daß sich der Leopard anschleicht, vgl. S. 261.
Diese Beispiele zeigen, daß manche Omen neutraler Natur sind und je nach Lage der Dinge Günstiges oder Schädliches ankünden; andere Zeichen aber sind immer nur gut oder nur übel. Schreit der <kinder schmieden schmiedende> Flughund Flughund in der Nähe eines Gehöfts, vgl. S. 6, so ist das ein gutes Zeichen für kommende Schwangerschaft Schwangerschaft, während sich im Eulenruf eine Hexenversammlung kundgibt, die unbedingt zu stören ist, vgl. S. 95. Das Erscheinen gewisser Sternbilder an Oktober- oder Novemberabenden, vgl. S. 7f., ist günstig für die Feldbestellung; Windlassen beim Gang zu kriegerischer Unternehmung kündet Verhängnis an und führt zum Ausscheiden des Betreffenden. Die genannten Belung achten darauf, ob bei einem wichtigen Gang einem als erste Person eine Frau oder ein männliches Wesen entgegenkommen; im letzteren Fall weiß man, daß der Gang ganz umsonst ist; dagegen kündet die Frau guten Erfolg an, vgl. S. 128, 262.
Manche Vorzeichen sind harmloser Natur und man spricht doch davon, z. B. wenn während des Regens die Sonne scheint, so gebiert draußen im Walde ein Elefant Elefant: Beides [sind] ungewöhnliche Ereignisse (große Geschehnisse werfen ihre Schatten voraus!). Regnet es in einem Jahre erstaunlich viel, so ist ein <Regenbesitzer>, vgl. S. 86ff., gestorben; gibt es in einem Jahre viel Hochwasser, so ist einer gestorben, der Gewalt über den betreffenden Fluß hatte, d. h. einer aus einem Dorf am Oberlauf des Wassers; in einer Feuersbrunst zeigt eine Hexe ihre Gewalt, die sie übers Feuer Feuer hat. Tier, Tierwelt
Eine Menge physiologischer Phänomene betrachtet man als bedidi. Ich gebe einige, die ich bei den Belung über jucken Jucken und Nervenzucken gehört: <Zittert das Blut>, d. h. juckt es [jemandem] im linken Handteller, so fühlt er damit, daß ihm etwas Gutes in die Hand gelegt wurde, vgl. S. 262; er bespuckhaucht die Hand, schließt sie und steckt das <Erhaltene> in die Tasche; aufgrund des Ähnlichkeit Ähnlichkeitszaubers erwartet er, daß ihm in den nächsten zwei, drei Tagen etwas Schätzenswertes gegeben wird. <Er fühlt den Strick, an dem er eine Ziege oder Schaf führt>, wenn es ihm an der rechten Hand zwischen Daumen und Zeigefinger zuckt und am entgegengesetzten Rande des Handtellers, und er erwartet, daß er bald das Angezeigte erlebt. Jucken oder Zucken oberhalb der Handgelenke ist als <Fessel> zu deuten; er wird wohl bald gebunden werden oder [es] stößt ihm sonst ein Unglück zu. Juckt es einem auf dem Rücken, so <fühlt er den Tragekorb, den sein Weib trägt>, und er weiß, daß sie demnächst ihm untreu werden und davongehen wird. Jucken im Augenlid deutet an, daß er <beim Zerlegen eines Tieres beteiligt sein> wird; ist das Jucken rechts, dann handelt es sich um ein männliches, links um ein Mann und Frau, männlich und weiblich weibliches Tier. Jucken an den Hinterbacken bringt <Schmerzen vom Fallen auf den Boden oder langem Sitzen>; demnächst wird in der Verwandtschaft jemand sterben, dabei werfen sich die Frauen nach Landesbrauch auf den Boden oder sitzen als Klageweiber tagelang herum, vgl. S. 218. – Röchelt der Speichel Speichel oder Schleim im Hals oder fährt einem beim Sprechen etwas Wasser aus dem Mund, so <winkt Fleischgenuß in den nächsten Tagen> (das tertium comparationis ist das Schmatzen)., vgl. auch „Um Kupe und Maneng“, S. ---. Omen
Zwischen bedim und bedidi liegen noch eine andere Art von Vorzeichen; sie heißen mbena 9, vom Zeitwort bena „hassen, grollen“ und künden an, daß ein feindlich gesonnener Mensch oder [eine] Schattenseele (edimo) Schattenseele etwas Übles gegen einen unternehmen will; in schädlichen Vorzeichen senden sie ihre Vorboten voraus, und weil ein Zeichen die angekündigte Handlung herbeiführen kann, so macht auch das Hinwegtun des Vorzeichens die üble Handlung unmöglich, ja {57c} man erwartet auf Grund des Seelenglaubens, vgl. S. 85, daß man in dem Abtun des Vorzeichens auch die es herbeiführende Hexe tödlich trifft. Darum tötet man solche Unglücksbringer, z. B. Schlange, vgl. S. 25, Chamäleon, vgl. S. 26 u. a. Zumeist bedienen sich solche Hexe, -rei Hexen eines Tieres (Nagual) als Vorzeichen; bei den Bakwiri und anderen gelten als solche eine kleine Art des Chamäleons, der Unheils Tausendfuß >tausendfuß mweyo mo ngole „Armbandtausendfuß“ und die haarige Raupe ikuku, die vorn und hinten rot, in der Mitte gelblich ist; wer solche unterwegs trifft, weiß, daß ihm ein Hasser demnächst ein Unglück, -szeichen Unglück bereiten wird; daher tötet man die Tierchen; kommt der Tausendfuß ins Haus, so bringt er Unglück über die Familie, darum schlägt man ihn mit einem Knüppel tot wie eine Schlange und verbrennt ihn draußen im Hofe, vgl. Note 1, S. 71. Springt auf der Kanufahrt ein von einem anderen verfolgter Fisch aus dem Wasser ins Boot oder kann man am Strand einen Fisch fangen, so weiß man: Nun naht ein Unglück. Man läßt sich aber trotzdem in beiden Fällen den Fisch schmecken. In argem Verruf stehen die Nachtvögel: Eule Eule und Ziegenmelker gelten immer als ‘Hexentiere’, vgl. S. 95. Ebenso auch sonst von der Norm abweichende Tiere (etwa in der Farbe Farbe oder daß ein Tagtier nachts oder umgekehrt erscheint). Man rührt solche Tiere meist nicht an, aber sucht sie umzubringen. Hexen zeigen ihre Nähe oft dadurch an, daß sie Grillen hinterm Haus lautauf grillen lassen; krächzen Eulen des Nachts, so zeigen sie den Tod eines Nachbarn an. Rufen sie mehrere Nächte hindurch auf dem gleichen Baum, so zeigt das, daß Hexen hier ihre Behausung aufgeschlagen haben; ein Medizinmann muß (so bei den Belung) unter dem Baum ein magisches Mittel vergraben, das die Hexen tötet.
All dieser Aberglaube wird mehr oder weniger ernst geglaubt. Doch geben diese Zeichen nur für die unmittelbar bevorstehende Handlung Bescheid. Will man sein Schicksal Schicksal wissen und Erklärung geheimer Dinge haben oder Rat, wie man sich vor drohendem Unglück schützt, einen Gefahrenzustand meidet, so muß man sein Heil beim Orakel suchen, davon es einfachere Arten gibt, die etwa dem Loswerfen ähneln und kompliziertere Arten, zu ausführlicherer Auskunft, vgl. S. 153 Zeichen (Omen) . Macht, -mittel, -erlebnis
{58} In das Gebiet des Dynamismus Dynamismus gehört auch die merkwürdige Vorstellung des
Wenn ein Mensch oder ein Großwild getötet, ein gefürchteter Baum, vgl. S. 19, beschädigt worden ist, so geht von dem Gemordeten bzw. dem getöteten Tier oder beschädigten Baum etwas auf den Mörder über, das mit mbaki, wörtlich wohl „Anhängsel“, dem Sinne nach eine Art „ Bann Bann, Fluch Fluch, Schuld“, bezeichnet wird, und das den Getöteten gleichsam am Mörder rächen rächen will. Was übergeht, hängen bleibt, ist nicht eine Seele, sondern eine Macht, die zuvor im Menschen, Tier oder Baum, besonders im Blut oder Saft, geschlummert haben muß und nun beim Tod auf den Mörder als rächende Macht, Bann übergeht. Der so Behaftete kommt dadurch in einen für ihn und seine Umgebung gefährlichen Zustand. – Es kann sein, daß auch dieses „Anhängsel“ sich, wie die schon bei
Dynamismus beschriebene Macht, in dem Mörder zunächst ruhig verhält, sich vielleicht bei seinen Lebzeiten nicht meldet, sondern stillschweigend auf seine Nachkommen übergeht und bei ihnen erst onya onya „aufflammt“ und ihr vernichtendes Werk tut. Jedenfalls wird das Aussterben von Sippen zurückgeführt auf das nicht durch Beseitigung des Blutbannes gesühnte Morden, ausgeführt von einem oder mehreren der Vorfahren. Darum ist es ratsam, solche Gefahr möglichst bald zu bannen (beim Baum Baum“frevel“ geschieht das ja schon vor der Tat), will der Mörder nicht in beständiger Gefahr stehen und seine Nachkommen nicht in mißliche Umstände bringen. Ich habe in Nyasoso (Bakosi) eine Reinigungsfeier erlebt, die zwei Söhne ihrem zehn Jahre zuvor verstorbenen Vater für einen schon dreißig Jahre zuvor begangenen Mord hielten, vgl. S. 221.
Wer besitzt nun diese Macht oder besser: Von wem kann sie ausgehen? Einmal von einem Gemordeten oder im Krieg Erschlagenen, sodann von einem Fremde, Fremdlinge Fremden, der im Busch gefunden wurde, also in der Fremde starb und deshalb nicht rituell beerdigt wurde. An Großwild sind es Elefant Elefant, Flußpferd Flußpferd, Wal Wal, Krokodil Krokodil, besonders aber der Leopard Leopard, mancherorts auch der Büffel, von denen mbaki ausgeht. Es sind das Tiere, die vorzüglich als Nagual Es liegt hier wohl genießender Totemismus vor und man muß sich gewissermaßen vor dem erlegten Seelentier bzw. -baum entschuldigen; vgl. S. 19 und Note S. 86.
gelten. Es geht auch aus von einem, gegen den ein Blutbund Blutbund gebrochen wurde. Da die Sache bei Bäumen bereits besprochen worden ist, sei sie diesbezüglich hier übergangen.
Nach dem Töten des Großwilds, vgl